Der "Blogger" hat die aktuelle Betriebszeitung der Meyer Werft Papenburg vorliegen, in der die Belegschaft über die unsichere Zukunft der Werft aufgeklärt wird. Bekanntlich hat die Meyer Werft in Papenburg nur noch Aufträge bis einschließlich 2025 und das auch schon zu einer vergleichsweise geringen Schlagzahl. Normalerweise haben sie die letzten Jahre zwei sehr große Schiffe jährlich gebaut. Zuletzt als es besonders gut lief haben sie dazu noch ein drittes, kleines (Luxus-) Schiff gebaut. Für 2024 und 2025 stehen nur noch je ein kleines und ein großes Schiff an, wobei das große Schiff nicht einmal zu den ganz großen Kalibern gehört. Der Njord Auftrag für 2025, den sie noch während Corona an Land ziehen konnten, scheint auch nicht mehr so sicher zu sein. Das Schiff sollen sie nicht mehr unter den Schiffen im Auftragsbestand listen.
2026 ist schon sehr kurzfristig für den Bau eines neuen Schiffs. Sie müssten allerspätestens in den nächsten Monaten den Auftrag bekommen um dort nicht auf 0 zu fallen. In der kurzen Zeit ist auch eigentlich keine brandneue Schiffsklasse zu entwerfen. Sie bräuchten also einen Kunden, der ein weiteres Exemplar einer bestehenden Schiffsklasse nachbestellt oder eine Option dafür einlöst. Der einzige realistische Kunde wäre dafür eigentlich die Carnival Cruise Line mit einem vierten Exemplar der Mardi Gras/ Excel Klasse. Costa und Aida laufen nicht gut genug um eine dritte Helios zu bekommen. P&O wahrscheinlich ähnlich und ist für deren Markt eigentlich deutlich gesättigt. Gleiches dürfte für Disney gelten, die nach einer längeren Pause jetzt auf den Schlag die Zahl ihrer Schiffe von 4 auf 8 verdoppeln. Drei kommen dabei von der Meyer Werft, dazu kommt dann noch die extrem große ehemalige Global Dream. Disney hat generell aktuell Probleme mit dem Geschäft. Die großen Blockbuster (Marvel, Star Wars, Indianer Jones, Animation, etc) laufen zuletzt extrem schlecht und fahren fast alle Verluste ein. Der eigene Streaming Dienst war noch nie profitabel, sie sind verpflichtet Milliarden für Hulu zu bezahlen und die Parks liefen auch schon einmal besser. Die dürften also eigentlich auch definitiv kein Schiff bestellen. Ansonsten bliebe da noch eine sechste Quantum Klasse für Royal Caribbean. Die haben sich vergleichsweise am besten im Markt erholt. Auf der anderen Seite ist die Quantum Klasse mittlerweile wahrscheinlich auch schon wieder veraltet. Das letzte Schiff der Klasse von 2014 haben sie 2021 ausgeliefert. In 2026 wäre das schon 5 Jahre her. Ähnliches gilt für Norwegian, die aber in Italien noch sehr viele anstehende Neubauten haben.
Mit dem im Hinterkopf ist es wenig verwunderlich, dass sie die pünktliche Auslieferung der Carnival Jubile vor Weihnachten 2023 als die wichtigste Auslieferung der Firmengeschichte bezeichnen. Sie müssen Carnival unbedingt wohlstimmen, dass die doch noch ein Schiff nachbestellen und den Betrieb für 2026 sichern. Der Carnival Konzern hat zuletzt kommuniziert, dass sie 2026 eigentlich kein neues Schiff bestellen wollen und bevorzugt ihre Schulden abbauen wollen. Bei guten Konditionen, die ihnen eine mehr oder weniger verzweifelte Meyer Werft wird anbieten müssen, könnten sie sich das aber überlegen. Außerdem geht Carnivals Geschäftsjahr bis Ende November, weshalb eine Auslieferung im Dezember 2026 schon zum 2027er Geschäftsjahr gehört ab dem sie als Konzern angekündigt haben wieder ein bis zwei Neubauten jährlich abnehmen zu gedenken.
Stand jetzt sieht es für 2026 und auch die Jahre davor (der Rohbau beginnt ja schon grob 2 Jahre vor der Auslieferung) schlecht aus. Sie müssten sehr große Teile der Belegschaft abbauen und/ oder in Kurzarbeit schicken. Dabei würden sie viel erfahrenes Personal auch langfristig verlieren. Und dann ist ja noch nicht einmal geklärt, was ab 2027 passiert, weil sie auch da natürlich noch keine Aufträge haben, die zumindestens einen Hoffnungsschimmer am Horizont sein würden.
Das letzte mal als die Branche Probleme hatte (weniger Bestellungen nach Finanzkrise und Eurokrise) hatte es sie noch milde getroffen. Fincantieri musste hingegen 2013 ein Jahr in einer ihrer beiden großen Werften (Marghera) ohne Auftrag auskommen. STX hatte es mit St Nazaire und Turku am härtesten getroffen. Die mussten 2014 und 2015 in Frankreich ohne Auslieferung auskommen. Turku hatte 2011 und 2012 keine Auslieferung. Auch in dem Zusammenhang ist STX auseinander gefallen/ pleite gegangen. Das sollte die Meyer Werft idealerweise vermeiden...