
Gestern sind wir Themse hochgefahren, vor vier Tagen waren wir als Flusskreuzfahrer auf der Seine unterwegs und heute geht’s die Schelde 88 Kilometer flussaufwärts nach Antwerpen, wo wir auch über Nacht liegen bleiben werden.
Die uns entgegenkommende „Hanseatic“ hat wohl gerade unseren Liegeplatz freigemacht.
Vom Balkon mache ich die ersten Bilder von Antwerpen inkl. des 123 Meter hohen Turms der Liebfrauenkathedrale, dem unübersehbaren Wahrzeichen der Stadt.
Dann geht’s los. Wir wollen belgische Fritten und belgisches Bier probieren. Zu diesem Zwecke hat ein Mitsitzer aus der Ocean Bar das Internet befragt und nun machen wir uns zu sechst vergnügt auf unsere abendliche Exkursion. Die Sonne taucht den „Grote Markt“ und seine prachtvollen Bauten in goldenes Licht, auch wenn die Schatten schon länger werden.
In der Fußgängerzone ist noch was los. Auch hier ist der Turm der Liebfrauenkathedrale dominant. Google Maps führt uns zielsicher zum Frittenladen. Es gibt hausgemachte belgische Pommes. Dazu werden diverse Saucen angeboten. Echt lecker. Programmpunkt eins erledigt und für gut befunden. Kann man wieder hingehen.
Nun zu Programmpunkt zwei: belgisches Bier. Dazu führt uns Google Maps zum Haus der 1000 Bieren. Die Kneipe, die wir in einer Seitenstraße vorfinden, entspricht nun überhaupt nicht unserer Vorstellung. Schon von außen wirkt das Ganze ziemlich spelunkig, aber wir sind ja zu sechst. Was kann uns schon passieren. Also frohen Mutes eintreten. Der äußere Eindruck wird vom finsteren Interior um Längen geschlagen: es gibt zwar einen Tresen, aber der Rest ist eine Rumpelkammer mit Bierfässern, Bierkisten und sonstigem Kram. Unbeschreiblich. Wir finden in einem schmalen Durchgang zum überdachten Hinterhof, von dem das Foto ist, an einem Minitisch Platz.
Von dem Umfang der Bierkarte völlig überfordert, bestellen wir bei der Wirtin ein von ihr empfohlenes Bier. Ist nicht so mein Geschmack. Aber es kommt noch besser: es wird auch saures Bier in mehreren Sorten angeboten. Eine Vorwitznase, ich bin es nicht, möchte mal probieren. Die Wirtin bringt fünf kleine Probiergläser und jeder von uns nippt mal an diesem von jeglicher Kohlensäure befreiten Bier. Es schmeckt wie Laternenpfahl ganz unten und so gehen selbst diese kleinen Gläser halbvoll zurück. Daher kommt sicherlich auch der Spruch: etwas anbieten wie Sauerbier.
Zum Glück gibt es in Antwerpen auch noch andere Gaststätten und so finden wir in der Fußgängerzone ein Straßencafe mit trinkbarem Bier. Nach dem Genuss diverser Kaltschalen geht’s dann zurück zum gewohnten Geschmack an die Ocean Bar.
Auch an Tag 2 ist Petrus uns hold und wir können Antwerpen bei schönstem Sonnenschein erkunden. Wir verlassen das Schiff gegen 11:00 Uhr, bleiben aber am Schelde-Ufer und laufen in Richtung Steenplein. Hier befindet sich das älteste Siedlungsgebiet der Stadt mit der alten Stadtburg „Steen“. Die Figur des Riesen heißt „Lange Wapper“, ein Geist, der alle Säufer auf ihrem Heimweg plagte.
Wir queren noch einmal den „Grote Markt“, bevor wir die Einkaufsstraße „Meir“ mit dem städtischen Festsaal „Stadsfeestzaal“ entlang bummeln.
Automatisch führt uns der Straßenverlauf zur „Centraal Station“, die seit ihrer Renovierung zu den schönsten Hauptbahnhöfen Europas zählt.
Ein sehr interessanter Sparziergang durch das abgeschottete und stark bewachte Diamantenviertel folgt. Da wir nicht das nötige Kleingeld mithaben und auch die entsprechende Kreditkarte nicht in unserem Besitz ist, bleiben die großen Klunker in Antwerpen. Durch den „Stadspark“ und das Modeviertel geht’s zurück zum Schiff.
Als wir gegen 21:00 Uhr Antwerpen auf der Schelde verlassen, ist der Hafen beleuchtet.
Seetag und letzter Reisetag. Zeit für ein Fazit: um es kurz zu machen, es war eine tolle Reise. Die Route, das Schiff, die Mannschaft und die Mithäftlinge in der Ocean Bar, alles top. So haben wir für 2020, dann vom 14. bis 26. September, die gleiche Reise (ohne Cobh/Cork) noch einmal gebucht. Ich glaube, mehr muss ich dazu nicht sagen.
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