
Als wir letztes Jahr im Mai während unserer Reise „GB & IRL“ in Cobh waren, hatten wir recht gutes Wetter. Wer also Fotos mit Sonne sehen möchte, muss sich bitte bis zu diesem Bericht gedulden. Dieses Mal hat der Himmel seine Schleusen noch einmal komplett geöffnet, als wenn er wissen würde, dass das das letzte Mal für lange Zeit gewesen sein sollte. Daher hier nur ein Beweisfoto.
Da wir keine Lust haben, im strömenden Regen rumzulaufen, entscheiden wir uns für eine Bahnfahrt in dem auf gefühlte Minusgrade herunter gekühlten Zug nach Cork, in der Hoffnung auf Wetterbesserung. Doch weit gefehlt. So ein durchgängiges schlechtes Wetter hatten wir auf noch keiner Reise.
Wir machen das Beste aus der Situation. Nach einem kurzen Sparziergang entern wir die Markthalle, wo wir mit etwas Mühe einen Sitzplatz auf der Galerie im ersten Stock in einem Cafe finden. Hier ist es warm und trocken und was zu gucken gibt es auch. Also schauen wir dem regen Treiben bei zwei Heißgetränken eine Weile zu, bevor wir uns auf schnellstens Wege zum Bahnhof begeben, um zum Schiff zurückzukehren.
Zum Abend hin wird’s dann endlich trocken und ein fröhliches Zusammensein draußen an der Ocean Bar wird nicht gefährdet.
Der nächste Tag ist ein Seetag. Früher habe ich diese Tage nicht so sehr gemocht, da wir nicht von Bord kamen. Heute liebe ich sie und es gibt ja auch an Bord viel zu tun: ausgiebig frühstücken, Runden drehen um den Schornstein, den Brunch begutachten, Boxenstopp im „Calypso“, Siesta bevor es zur Massage geht.
Am Tag 7 unserer Reise erreichen wir die Bretagne in Saint-Malo mit seinen rund 50.000 Einwohnern, ohne jedoch anzulegen. Heute liegen wir bei sehr ruhigem Wasser auf Reede und werden an Land getendert.
Da sich unsere Kabine auf Steuerbord befindet, mache ich das erste Foto von dem Saint-Malo gegenüberliegenden Badeort Dinard, wo wir vor 20 Jahren mal ein paar Nächte in einem Hotel wohnten und dann per Fähre nach Saint-Malo übersetzten.
Heute sind unsere Rettungsboote unsere Fähren und nach kurzer Fahrt erreichen wir den Tenderhafen am Fuße der hohen Granitmauer, die ganz Saint-Malo umschließt. Vor der Mauer steht die Statue des am 11. Februar 1699 in Saint-Malo geborenen fränzösischen Admirals Bertrand François Mahé de La Bourdonnais, der sich 1724 als Kapitän bei der Einnahme des indischen Mahé auszeichnete und daher den Namenszusatz erhielt.
Wir erklimmen die 1.754 Meter lange Mauer, von der wir auf unserem Rundgang schöne Ein- und Ausblicke haben, wie auf die „Môle des Noires“. Dass Saint-Malo während des 2. Weltkriegs zu 80% zerstört worden war, merkt man heute nicht mehr, da es originalgetreu nach alten Plänen wieder aufgebaut wurde.
Saint-Malo war einst Hochburg für Piraten, die vom König durch einen Freibrief gebilligt wurden und sich daher Freibeuter nannten. Diese Korsaren trugen durch ihre berüchtigten Aktivitäten viel zum Wohlstand der Stadt bei, so dass Saint-Malo vom 16. bis 19. Jahrhundert eine blühende Seefahrer- und Handelsstadt war.
Auf Felsen im Meer erbaut, diente das „Fort National“ der zusätzlichen Verteidigung der Hafenstadt. Das Fort ist bei Ebbe zu Fuß zu erreichen. Und was haben wir mal wieder: Ebbe.
Die Bucht von Saint-Malo zeichnet sich durch einen der größten Gezeitenunterschiede Europas mit bis zu zwölf Metern Differenz zwischen Ebbe und Flut aus.
Das „Château de la Duchesse Anne“ aus dem 15./16. Jahrhundert wird von vier Wehrtürmen flankiert und beherbergt heutzutage das Rathaus und das Stadtmuseum.
Durch das Stadttor „Porte Saint-Vincent“ betreten wir die Altstadt, die ca 20% des gesamten Stadtgebietes ausmacht. Nett sind hier die Stadtgärten.
In der Kathedrale Saint-Vincent sind die berühmten Seefahrer Jacques Cartier und René Duguay-Trouin beigesetzt.
Gegen 19:30 verlassen wir unseren Reedeplatz und die Boote mit den Festmachern kehren nach Saint-Malo zurück.
Das weltweit erste Gezeitenkraftwerk wurde 1961 in der Mündung der Rance gebaut und war mit einer Kapazität von 240 Megawatt bis 2011 auch das größte der Welt.
Ein einsamer Segler kehrt zurück. Wir jedoch sind an der Ocean Bar nicht einsam.
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