
30. August 2015 - Wetter: noch scheint die Sonne
Wieder sind wir drei unterwegs: Mutti mit ihren beiden Töchtern. Eigentlich wollten wir bereits im Mai eine schöne Ostseereise machen, um mal St. Petersburg und andere Orte kennen zulernen. Na ja, ich habe es sozusagen vermasselt. Auf der Transasientour im April hatte ich Pech – gleich am ersten Tag an Bord in Cochin ist bei mir die Achillessehne gerissen. Nach fast 4 Wochen erfolgte die Operation zu Hause usw., auf jeden Fall war da im Mai nichts zu machen mit der gebuchten AIDAreise. Aber zum Glück, eine Reiserücktrittsversicherung hat schlimmeres verhindert. Geld zurück und eine neue Reise ist gebucht und diesmal war es dann ausdrücklich Mutti's Wunsch, noch einmal Kopenhagen und Oslo zu besuchen. Sie fand es doch immer so schön dort und nach St. Petersburg können wir ja nächstes Jahr reisen. Aber eins betonte sie ausdrücklich, nachdem ich ihr gesagt hatte, wir fahren die bekannte Route“ Kinder wir waren im April und auch mal im Mai dort und immer war das Wetter fürchterlich. Diesmal ist es August, wenn wir dort hinkommen – wehe euch, wenn es wieder regnet!!!!“ Am Telefon habe ich gleich den Kopf eingezogen. Ui, hoffentlich geht alles gut diesmal – sonst habe ich ganz schlechte Karten bei ihr.
Ich unterbreche meinen Urlaub in Frankreich und komme für die AIDAreise angerauscht. Zuhause schnell meinen Kreuzfahrtkoffer gepackt, die Nachbarn waren so nett und luden mich zum Essen ein. In meinem Kühlschrank war sozusagen Ebbe gerade. Überraschung auf dem Umsteigebahnhof zwischen Heimat und Mutti. Meine Freundin Katrin steht auf dem Bahnsteig und beglückt mich mit einem Täschchen voller AIDA... Ich habe mich riesig gefreut.
Angekommen am Ziel, Koffer packen mit Mutti und wir stimmen uns schon mal auf AIDA ein. Kleiner Sekt, war in der AIDAtüte, die mir Katrin (auch als Überraschung von unserem Reisebüro) zum Bahnhof gebracht hatte. Lieben Danke !! Ich mach noch einen kleinen Salat und dann gemütlich die Füße hoch. Die nächsten Tage braucht Mutti nicht kochen, sie freut sich. Und am nächsten Morgen heißt es für uns drei „los geht die Reise“.
Diesmal
haben wir Mädels viel überlegt, wie können wir Mutti besonders erfreuen. Erste
Entscheidung, wir fahren mit der Taxe zum ersten Umsteigebahnhof. Kein Gehetze
und wir fahren 1. Klasse, Platz für das Gepäck und kein Gedränge. "Das ist aber schon besser hier in dem Abteil und für euch Kinder ist sogar eine Steckdose da für das Handy!" Was Mutti aber auch alles entdeckt, wir können uns ein lachen nicht verkneifen.
Das hat schon mal gut geklappt. In Hamburg kein Problem, der Zug kommt und wir brauchen nicht großartig den Bahnsteig wechseln. Mutti meint nur, „Kinder, das klappt alles gut. Die Reiseleiterin hat alles wieder prima organisiert!“ Das ging an meine Adresse. Hamburg - Rostock alles in der Zeit. Dort wartet schon unser Shuttlebus, der uns nach Warnemünde bringt. Schnell ist der Koffer im Bus verstaut und wir können dem Check-In sehr entspannt entgegensehen.
Ein wenig geflunkert habe ich schon, denn Mutti glaubte, wir hätten wieder eine Balkonkabine. „Kinder, eine Balkonkabine ist doch in Ordnung“. Sie sagte das mit einem leicht traurigen Unterton, denn voriges Jahr hatten wir ja eine Suite gehabt vorne im Bug des Schiffes und das hat ihr soooo gut gefallen. Einziger Nachteil der Kabine vorne war die Metallbrüstung und manchmal auch der Wind. Aber sie hat es genossen, freie Sicht in jede Richtung zu haben.
Ich habe auch meiner Schwester nichts verraten, von dem geänderten Plan und als wir endlich auf dem Schiff waren, lief ich voraus und sagte, unsere Kabine ist diesmal ganz hinten, irgendwo in der Ecke. Die zwei stehen hinter mir, ich mach die Tür auf und sage: „Bitteschön, eintreten und fallt nicht in Ohnmacht!“ Schade, dass niemand da war, der uns in dem Moment fotografiert hat. Große erfreute Augen, Mutti umarmt mich und ist sprachlos. Diesmal habe wir eine Suite mit zwei Räumen. "Kinder, ihr seid verrückt - das Ding samt Balkon ist ja fast so groß wie meine Wohnung. Ich habe gar nicht gewusst, dass es sowas gibt auf AIDA. Na gut, beim "Traumschiff" habe ich das schon gesehen - aber das war ja ein Film" flüstert sie uns.
Ein Raum ist für mich und den anderen teilen sich Mutti und meine Schwester. Das ist eine super Lösung. Und, was für uns Frauen wichtig ist, es gibt genügend Stauraum. Von jeden Raum aus kann man auf den wirklich großzügigen Balkon gehen. Es gibt 4 Liegestühle und einen richtig großen Tisch mit bequemen Stühlen. Was Mutti sofort auffällt, es gibt auch 2 Fernseher. So kann sie abends noch ein wenig die Flimmerkiste laufen lassen und wir Kinder schließen die Schiebetür und können uns noch unterhalten. "Oh, an den Champus haben sie auch gedacht, wie bei der letzten Reise" rutscht es Mutti raus. "Mutti, den gibt es aber noch nicht, erst später, wenn wir ablegen" unterbreche ich sie bei ihren Gedankengängen.
Sehr
schade, dass meine Tochter nicht mit konnte, sie hätte auch noch ein Bett
gehabt. Also diese Kabine ist für zwei Paare wirklich geeignet. Jedes Zimmer
hat einen eigenen Zugang zur Toilette und ins Bad, ohne das man den anderen stört.
Erster Blick ins Bad: yes, die Whirpoolwanne ist drin und eine Dusche auch
noch. „Kinder, ich glaube, ich muss mich setzen“ und wir nehmen den
Balkon in Beschlag.
Mutti ist hin und weg. Sogar bei Dauerregen können wir hier trocken sitzen, besser geht es nun wirklich nicht. Sie meint so nebenbei: „Kinder, macht, was ihr wollt! Ich bleibe hier auf dem Balkon und der Kabine, das muss ich doch genießen. Oslo und Kopenhagen kenne ich ja schon. Macht ihr mal die Ausflüge und erzählt, was ihr gesehen habt“. So ist sie, unser 85jährige Mutti.
Ich flitze noch mal los. Unten am Pier7 wartet Ulrich, ein lieber Freund von mir. Ich lerne dort weitere AIDAfahrer kennen und auch Mitreisende. Eine Tasse Kaffee, eine herzlich Umarmung und schon bin ich wieder oben in der Kabine, die Seenotrettungsübung dürfen wir ja nicht verpassen. Um 18 Uhr verlässt die Diva den Hafen von Warnemünde. Am Kai stehen Menschen und winken uns zu. Ausflugsboote begleiten uns ein Stück … eine traumhafte Kulisse. Ulli schickt mir noch ein Erinnerungsfoto auf mein Handy. Mensch, was sieht die Diva doch gut aus. Mit ihr habe ich 2008 meine erste AIDAreise gemacht, fällt mir ein.
Und wir 3 stoßen an auf eine wunderschöne gemeinsame Reise.
Mutti
sitzt dort und dieser Anblick ist für mich ein berührender Moment. Einfach
da zu sitzen, schauen und genießen … für einen betagten Menschen nach Jahren der
Arbeit, des Verzichts, des Verlustes von geliebten Menschen - ist solch ein
Augenblick ein großes Geschenk.
So, meine Damen, jetzt aber zackzack. Fertig machen, wir gehen ins Rossini und Hunger haben wir auch. Und nur keine Hetze, statt dem 3-Gang-Menü stocken wir auf, es gibt 6 Gänge.
Mit im Gepäck ist auch ihr Glitzerpullover, ob sie wohl den Kapitänt treffen wird? Wie
immer, das Essen im Rossini ist eine Gaumenfreude, aber auch ein Blickfang. Die
Speisen sind so schön angerichtet.
Die Bedienung (Mutti sagt immer „die Jungs“)ist liebenswert und so findet sich auch zum Ende hin noch Zeit für ein Gespräch. Natürlich ist es nicht zu übersehen, am Tisch sitzt eine Mutter mit ihren beiden Töchtern. Wir Mädels stehen da aber nicht im Mittelpunkt. Ein junger Kellner fragt meine Mutter nach ihren Namen. Er umarmt sie, als sie geantwortet hat und sagt, er hieße Romeo und sie seien jetzt ein Paar – Romeo und Julia. Er lächelt sie an, seine Julia (obwohl sie eigentlich Julianne heißt) Und weil es ein so schöner Augenglick war, gibt es gleich noch ein Erinnerungsfoto.
Nach dem Essen begleiten wir unsere Mutti auf die Kabine, sie ist müde von der Anreise, schließlich ist sie um halb sieben aufgestanden und weit mit dem Zug gefahren. Wir setzen uns noch Moment auf mein Bett mit ihr und lassen den ersten Tag Revue passieren. "Was für ein Tag heute!! Ich bin fix und foxi, hoffentlich kann ich einschlafen ..." sagt sie lachend. "Klar, der Champus und das Glas Wein werden dir schon die nötige Bettschwere bescheren. Schlaf gut und träume was ordentliches, Mutti" kommt von uns als Antwort.
Oben auf dem Deck haben wir den Willkommenssekt und die Begrüßung durch den Generalmanager Thomas Scharfenberg und Entertainment-Manager Jan-Philipp Schmidt nur noch knapp mitbekommen. Das Showensebleme präsentiert sich mit einer schwungvollen Vorstellung. „Let Me Entertain You“, die Musik gefällt mir. Und wenn man genau hinsieht, es regnet leise vor sich hin. Man gut, dass Mutti das nicht sieht!
Uns ist kalt und so schwirren wir ab in die AIDA-Bar.
Die Band
spielt, wir trinken noch einen Cocktail und dann heißt es auch für uns Kinder
(das bleibt man wohl ein Leben lang), ab ins Bett – beziehungsweise auf unseren
Balkon. Durch das große Überdach können wir geschützt vor Regen noch eine Weile
draußen sitzen. Wir sehen uns nicht oft und so können wir noch ein Weile
draußen leise flüstern.
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