
9. November 2011, leicht bewölkt, 19 Grad Sokhna/Kairo, nächste Etappe 193 Seemeilen nach Sharm El-Sheikh
Und wieder haben wir zwei einen ruhigen Tag. In Kairo waren wir schon mal zu der Zeit, als es dort politisch noch einigermaßen ruhig zuging. Wieder haben wir das Schiff fast für uns alleine. Die Sonne scheint wie die Tage vorher und wir drehen am frühen morgen nach dem Frühstück ein richtig lange Bordrunde. Bewegung ist das A und O im Alter und wir wollen doch noch lange fit bleiben oder? Da wir niemanden trafen, der uns gemeinsam fotografierte, machte ich einfach ein Spiegelbild von uns. Der Blick auf den Hafen wieder etwas langweilig, lauter Container und Kräne – aber es sehr ruhig hier.
Wir nutzten den Balkon, die Hängematte und das war Erholung pur . Sonnen, Zeitung lesen, zwischen drin ein Glas Wasser trinken– das Leben an Bord läßt sich auch ohne Ausflug aushalten. Plötzlich kommt eine Durchsage, man solle das rauchen auf den Außenbereichen einstellen, das Schiff wird betankt und da haben wir zwei sozusagen einen Logenplatz. Unter uns hat langsseits das Tankschiff angelegt und die Pumpe brummt vor sich hin. Mutti beobachtet die Männer bei der Arbeit und winkt ihnen zu.
Irgendwann wird
es uns doch zu heiß auf dem Balkon und wir verziehen uns ins kühle Innenleben
der Blu. Erst gegen späten Nachmittag meinte Mutti: „jetzt könnten wir wieder raus auf
den Balkon, die Sonne geht bald unter und den Moment müssen wir genießen“. Ich
hatte uns einen nichtalkoholischen Cocktail besorgt und so saßen wir zwei dort
draußen und zwischen den Kränen färbte sich der Himmel blutrot. „Ich will gar
nicht denken, wie das Wetter ist, wenn wir nach Hause kommen“ flüsterte Mutti
mir zu. „Ich auch nicht, zum Glück habe ich die Heizung bei dir klein
weiterlaufen lassen!“
Abends im Theatrium lauschten wir Dennis Marquez zu, eine tolle Stimme hatte er und dann ging es ab aufs Pooldeck zur großen Schlagernacht mit den Solisten des ADIAblu Show-Enselmbles - ein Querschnitt durch die Schlagerwelt. Singen bis zum Stimme verlieren und tanzen bis zum umfallen, alles lag drin. Nach dem erholsamen Tag ist sogar Mutti lange geblieben, nur die Polonaise, die wollte sie nicht mitmachen.
Ach ja, wir haben zum ersten Mal Bingo gespielt. Muss ja auch mal sein. Corinna, eine Mitreisende, ist Bingo Expertin hat uns überredet, mal mitzumachen. Gewonnen habe ich nichts, aber es hat Spaß gemacht. Schade, Schade, Schade … dieses Wort blieb mir Erinnerung.
10. November 2011, sonnig, 27 Grad Sharm El-Sheik bis zum 11. November
Der Tag begann mit einem gemütlichen
Frühstück. Ich hatte einen Ausflug gebucht, "Unterwasserwelt, Fahrt mit einer
Semi-Submarine". Ursprünglich wollte Mutti mit, aber sie hat dann doch Bedenken
gehabt, wegen dem steilen Abstieg im Boot und so fuhr ich dann alleine. Aber
vorher, nein, wenn ich daran denke, habe ich wieder gleich wieder Kopfkino. 11
Uhr vormittags, das Brauhaus gefüllt bis zum letzten Platz, angzapft ist,
Brezeln, Weißwurst, Gulaschsuppe und halbe Brathähnchen und mitten drin DJ
Helly mit seiner Alm-Heidi.
Da hat das Schiff gebebt, Frühschoppen!!! Wir tanzten auf den Bänken, schunkelten, sangen und lachten bis die Tränen kamen. Selbst meine Mutti sang mit, „i sing a liad für di …..“ Zwei Stunden mit DJ Helly, der Stimmungsaufheizer sind ein Garant für gute Laune und um 13.30 Uhr war ich dann pünktlich im Theatrium zur Abfahrt meines Ausflugs. Mutti erholte sich vom Frühschoppen auf ihrem Balkon.
Der Ausflugsbus fuhr ein Stück durch die Stadt zu einem Strandabschnitt, wo die Submarine-Boote auf uns warteten. Meine Gedanken waren bei Mutti, hoffentlich hat sie auch eingecremt und ihr Hütchen auf dem Kopf. Nicht, dass sie zum Ende der Reise noch einen Sonnenbrand auf der Nase bekommt oder einen Sonnenstich. Das kann nun kein Mensch gebrauchen. Am Strand gab es noch viele freie Liegen, fast wie auf der Blu, denn die meisten Passagiere waren ja wieder unterwegs.
Entlang der Küste fuhren wir zu den Korallenriffen und dann ging es hinab in den gläsernen Bereich des Schiffes. Durch riesige Fenster waren wir unter Wasser, Korallen soweit der Blick reicht. In allen Farben waren sie zu sehen. Dazwischen eine Vielfalt bunter Fische, einige schwammen ganz ruhig vor der Scheibe hin und her und ließen sich fotografieren.
Dann konnten wir Schnorchler über
uns entdecken, die auf Erkundungstour waren und natürlich sahen wir auch die
Taucher. Große Wasserblasen stiegen auf, wie schwebende Glaskugeln auf dem Weg
nach oben. Mich persönlich hat es schon etwas betrübt, als wir wieder oben auf dem Deck des Bootes waren. So viele kleine Boote unterwegs, so viele Schnorchler und Taucher. Verkraftet das Meer diese Belastung? Die Ruhe der Fische ist gestört. Die Korallen werden durch Flossenberührungen beschädigt. Ich sah lange Abwasserrohre, die auf dem Meeresgrund lagen. Wird sich die Natur dort einmal rächen? So schön es auch sein mag, mit dem Fischen zu schwimmen – aber ich habe für mich entschieden, ich lass der Natur ihre Ruhe und schau das ganze Treiben durch ein Glasbodenboot an.
Später am Strand war mir
aufgefallen, dass es große Bereiche gab,
wo Müll angeschwemmt war, Plastikbecher, Plastikflaschen usw. Machte mich
irgendwie nachdenklich. Überhaupt, Sharm El-Sheik hat mir persönlich nicht
gefallen. Jeder Zentimeter an der Küste ist verbaut, Hotel an Hotel, zum Teil
oben auf den Felsen mit langen Treppen hinunter zu kleinen Stränden.
Urlaub direkt am Strand, gibt es dort sicher nicht an vielen Stellen. Zur Zeit entstehen riesige Hotelkomplexe weiter weg von der Küste, jenseits der Schnellstraße. Urlaub am Pool, wer es mag. Wenn ich ganz ehrlich bin, Aqaba in Jordanien ist für mich die Perle am Roten Meer. Dort würde ich gerne noch mal hinfahren, meine Mutti natürlich auch – aber wir haben andere Ziele geplant. Unser Boot fuhr wieder in Richtung Anleger und wir sahen sogar unsere Blu in der Ferne. Dabei fiel mir wieder auf, dass die Berge auch hier ganz schon hoch sind.
Wieder zurück an Bord traf ich Mutti im Bett an, Siesta nach dem Sonnenbad. Sie fragte sofort wie denn das "U-Boot" gewesen sei. Ausführlich berichtete ich ihr, dass es ein gelbes Boot war mit einem Glasboden unterhalb des Wasserspiegels. "Da bin ich aber froh, dass ich nicht mitgefahren bin. Nie im Leben würde ich mich unter Wasser auf eine Glasplatte stellen ..." platzte sie heraus. "Na Mutti, so schlimm war es jetzt auch. Zum Glück hat die Platte ja keinen Sprung gehabt!" Ich machte ihr noch die Haar hübsch, denn irgendwie sah sie etwas verwuschelt am Kopf aus. Dann richteten wir uns für das letzte Abendessen an Bord. Den letzten Sonnenuntergang vor der Abreise saugten wir förmlich aus... die Antwort ergibt sich von selbst oder? Wann werden wir den nächsten Sonnenuntergang auf AIDA haben - wir werden eine Lösung finden.
Jetzt aber los zum Essen.
Abends dann, gab es wieder die Hummerschwänze mit Mango-Chilli-Soße, die sogar Mutti
inzwischen mag. „und bring mir noch ein Stück von der Torte mit, wenn sie schon
angeschnitten ist. Nicht, dass du sie kaputt machst!“ rief sie mir hinterher.
Sie war, welch ein Wunder noch nicht angeschnitten und so musste Mutti auf das
süße Stückchen noch eine Weile warten.
Das ist weiter nicht schlimm, sie unterhielt sich angeregt mit den Tischnachbarn und ab und zu trat sie mich unter dem Tisch – immer dann, wenn sie die Leute ein wenig auf den Arm nahm. Manchmal ist sie wirklich ein Schelm, unsere Mutti. Sie macht sich auf zur Eistheke, ich glaube, sie wollte den Kapitän noch mal sehen. Aber der war wohl anderweitig unterwegs.
Und plötzlich kommt Bewegung in den Saal,
die Servietten werden zusammen gefaltet, Gläser leer getrunken und alles bewegt
sich Richtung Pooldeck. Der Sekt ist eingeschenkt, die Farewell-Poolparty kann
beginnen. Mutti ist wieder mittendrin in der Runde der neuen Freunde und
amüsiert sich köstlich. Welch eine Freude für mich, dass es ihr so gut geht und
keine traurigen Gedanken das Wohlsein trüben.
Auf der Bühne verabschiedet sich Crew und schließend erhellten die Blitze der Lasershow die dunklen Abendstunden. Nach 22 Uhr gab es noch die Last-Order Party mit dem Show-Ensemble.
Danach war dann echt Feierabend für heute, wir verabschiedeten uns von der netten Runde und verzogen uns auf die Kabine zum Kofferpacken. „Mensch, ich frage mich, wo die Woche geblieben ist? Zuerst dachte ich, eine Woche auf dem Schiff ist lang und jetzt will ich nicht Hause“, kam es von Mutti. „Ach, wenn es dir so gefallen hat, können wir ja mal wieder zusammen eine Reise machen“ tröstete ich sie. Ich stellte die Koffer vor die Tür, einen kleinen Rest der Sachen behielt ich in einer Tasche zurück, denn wir haben ja morgen noch den ganzen Tag zur Verfügung, bevor es zurück geht.
11. November, immer noch warm und sonnig warten auf den Transfer zum Flughafen.
Unser Flieger ging erst abends und
so hatten wir noch den ganzen Tag an Bord. Natürlich nicht mehr unsere
Balkonkabine, aber dafür das riesige Pooldeck. Schnell nochmal die Beine ins
Wasser halten, was essen, lesen und ein letzter Prosecco mit Mutti an der Pier-Bar
auf Deck 3.
Der Bus fährt pünktlich, wir sind etwas schweigsam – im Flieger auch. Insgeheim wären wir gerne noch ein paar Tage geblieben. Der Rückflug ist unspektakulär ruhig und wir landen um 21.20 Uhr in Hamburg. Der Hotel-Shuttlebus holt uns ab und am nächsten Tag geht es mit dem Zug zurück in den Harz.
Meine Schwester erwartet uns in der Wohnung und hat einen Strauß Blumen als Willkommensgruß auf den Tisch gestellt. Wir drei saßen dann noch eine Weile zusammen und es sprudelte nur so aus Mutti heraus, wie toll die Reise gewesen sei und was für nette Menschen sie kennengelernt hat. Auch die Story aus Aqaba kommt auf den Tisch. „Mutti, da haste dich aber wirklich amüsiert und gut erholt siehst du auch aus. Bravoooooo! und was hat dir am besten gefallen auf der Reise??" Die Antwort fiel knapp aus "ALLES"
Ich verbrachte noch zwei Tage bei meiner Mutti, wir ließen die Reise Revue passieren, lachten gemeinsam über unsere kleinen Abenteuer, die wir erlebt hatten und dann fuhr ich wieder nach Süddeutschland. Beim Abschied sagt doch zu mir „AIDAsehen!!!!!!“
Viel Zeit bleibt mir allerdings nicht, gerade konnte ich noch ein Fotobuch für sie zusammenstellen und dann hieß es wieder Kofferpacken – es geht nach Südamerika, einmal das Kap Horn sehen und das mit meinem Mann. Übrigens, Mutti und ich machen im Frühjahr wieder eine Tour zu dritt, meine Schwester kommt auch wieder mit. Wohin? Irgendwohin, wo es warm ist im März oder April – vielleicht Vereinigte Arabische Emirate oder doch wieder die Fjorde schauen?