Mal ein wenig Aufklärung für den Weg zum Kapitän.
Beruflicher Werdegang: So wird man Kapitän
Um Schiffsführer zu werden, muss man von den Reedereien dazu ernannt werden. Dies ist nur möglich, nachdem man die Befähigungszeugnisse zum Ersten Offizier und später zum Kapitän erhalten hat und von einem Arzt der See-Berufsgenossenschaft auf Seediensttauglichkeit geprüft wurde.
Bis dahin ist es, vor allem im Kreuzfahrtgeschäft, ein langer Weg. Die Einstiegsmöglichkeiten sind vielfältig, vom Studium an einer Seefahrtschule oder Fachhochschule, über eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker, bis hin zur Weiterbildung, wobei gerade die Kreuzfahrtgesellschaften ein Studium und Berufserfahrung bei den Bewerbern bevorzugen (und teilweise auch selbst anbieten).
Nautik-Studium und Praxiserfahrung
Es gibt verschiedene seefahrtspezifische Studiengänge, beispielsweise den Bachelor of Science in Ship Management an der Hochschule Bremen. Im Normalfall umfasst die Studienzeit an der Fachhochschule vier Jahre, die Praxiszeit an Bord mit einberechnet. Ein Studium im Bereich Seefahrt umfasst viele verschiedene Teilbereiche - unter anderem Schiffstechnik, Mathematik, Navigation, Meeresumwelt, Frachtabwicklung und Seerecht. Die Fächer werden auf Englisch unterrichtet.
Während des Studiums haben die Studierenden die Möglichkeit, Schwerpunkte im nautischen oder technischen Bereich zu setzen. Die anschließende Praxisausbildung des Seefahrer-Nachwuchses findet auf speziellen Ausbildungsschiffen statt.
Nach erfolgreichem Studienabschluss erhalten die Absolventen das nautische beziehungsweise technische Patent. Dabei handelt es sich um Zeugnisse, die dazu befähigen, als nautischer Wachoffizier zu arbeiten. Je nach Spezialisierung und Praxisvorerfahrung muss man im Anschluss unterschiedlich lange Erfahrungsseefahrtzeiten nachweisen, um zum Ersten Offizier und letztendlich zum Kapitän ernannt werden zu können.
Prof. Kapt. Biere, ehemaliger Dekan des Fachbereichs Nautik an der Hochschule Bremen, hält die Praxissemester an Bord für den wichtigsten Teil der Ausbildung angehender Seefahrer. Ideal sei es, eines der Praxissemester auf einem Frachtschiff und das andere auf einem Passagierschiff zu absolvieren. So könnten die Studierenden die komplette Bandbreite der verschiedenen Seefahrt-Bereiche kennenlernen.
Der Weg zum AIDA Kapitän
AIDA Cruises legt bei der Ausbildung seiner Kapitäne viel Wert auf Erfahrung und Praxisorientierung. Während der Praxiszeit an Bord durchlaufen die Kapitänsanwärter verschiedene Arbeitsbereiche und übernehmen Verantwortung. Laut AIDA Cruises wird man „Erster Offizier“, nachdem man ein Jahr lang in der Position des Wachoffiziers gearbeitet hat. Dann dauert es mindestens ein weiteres Jahr, bis man von der Schifffahrtsgesellschaft zum Kapitän ernannt wird.
Wie man es von Piloten kennt, müssen sich die Kapitäne bei AIDA psychologischen Tests unterziehen, die Aufschluss darüber geben sollen, ob sie in bestimmten Stresssituationen (Gefahrensituationen und Notfälle) zügig eine angemessene Lösung finden können, ohne in Panik zu geraten.
Um für den Ernstfall gerüstet zu sein und Routineabläufe zu perfektionieren, durchspielen die Kapitäne das An- und Ablegen mit dem Kreuzfahrtschiff oder mögliche unerwartete Situationen regelmäßig in einem Simulator. Der Kapitän hat außerdem einen Co-Kapitän, den Staffkapitän, an seiner Seite, der stets über alles Wichtige informiert wird - denn Sicherheit ist die höchste Priorität!