Queen Mary 2 (Southampton - Hamburg)

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  • Ein kurzer Bericht zu einer kurzen Reise mit der Queen Mary 2 (Southampton - Seetag - Hamburg)



    Wir hatten diese Kurzreise komplett mit Anreisepaket gebucht, der Flug erfolgte von Münster nach London Heathrow. Dort wurden wir bereits von Cunard-Mitarbeitern empfangen. Die anschließende Busfahrt dauerte etwa 1,5 Stunden, bis Southampton erreicht wurde. Das recht neue Terminal ist sehr großzügig gestaltet, wenngleich es im Inneren auch nicht viel zu sehen gibt.


    Da Cunard keinen echten Online-Check-In anbietet (man kann lediglich seine Manifestdaten im Internet eingeben), muss im Terminal die Kreditkartenregistrierung bei jedem Gast noch einzeln erfolgen. Wir hatten den Eindruck, dass gerade diese Tatsache den Check-In-Prozess unnötig in die Länge zog. Beim Betreten des Terminals erhielten wir die Einschiffunsgkarte "P", aktuell wurde gerade der Buchstabe B aufgerufen. Brav wurden alle Buchstaben des Alphabets abgegrast – über zwei Stunden später konnten wir dann zum Counter vorrücken. Das war jetzt unsere 17. Kreuzfahrt und so lange haben wir beim Check-In noch nie gebraucht.


    Unsere Kabine war die 4008, eine Außenkabine recht weit vorn. Die Außenkabine war sehr groß, der der Platz der normalerweise für die Balkone eingenommen wurde hier ganz normal für die Kabine genutzt wurde. Zwischen Sofa und Bett hätten wir also bequem mit einigen Mitreisenden tanzen können. Der zusätzliche Platz wurde jedoch nicht durch zusätzliche Möbel (oder ein größeres Sofa) ausgefüllt – so entstand sehr viel Leere in der Mitte der Kabine, was eigentlich etwas seltsam aussah. Die Kabine war ansonsten sehr angenehm gestaltet und verfügte über recht viel Stauraum, insbesondere im Schrank. Das Bad hatte die übliche Größe und war bis zur Decke gefliest, was einen etwas leidenschaftslosen Eindruck machte. Die Dusche war eine komplette Kunststoffkonstruktion mit Vorhang – gerade der klapprige Vorhang passte meiner Meinung nach nicht wirklich zum Anspruch dieses Schiffes. Zudem war es erschreckend, wie wenig Wasser aus dieser Dusche herauszukitzeln war. Hier vermissten wir das Bad unserer letzten NCL-Fahrt sehr!


    Die Queen Mary 2 verfügt im Inneren über eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich bequem zurückzuziehen und die Zeit zu genießen. Die öffentlichen Räume sind sehr klassisch und liebevoll gestaltet. Es herrscht eine gediegene, etwas dunkle und intime Atmosphäre. Trotz vieler Gäste an Bord war es eigentlich sehr ruhig, das Schiff scheint Geräusche gut zu absorbieren. Die Wegführung mit vielen kleinen Treppen und Ecken mag zunächst verwirrend sein, hat aber ihren ganz eigenen Charme. Es fiel auf, dass in einigen Bereichen der Grand Lobby und den höheren Decks der Teppich äußerst dünn war, man hatte fast das Gefühl, direkt auf Stahl zu laufen. Das mutete ehrlich gesagt sehr seltsam an.
    Dem interessierten Gast wird zudem eine Vielzahl interessanter Informationen rund um die Geschichte von Cunard geboten – hier konnte man sich richtig Zeit lassen. Im Vergleich mit einem "normalen" Kreuzfahrtschiff hatten wir schon das Gefühl, dass hier eben doch ein anderes Konzept umgesetzt wird und der Fokus sehr stark auf das Leben IM Schiff gelegt wird – natürlich bedingt durch den Haupteinsatzzweck der QM2. Dieses "Ocean-Liner"-Konzept wurde eigentlich ganz gut umgesetzt!


    Die Reederei und auch die Medien verbreiten ja so eine Art "Queen-Mary-2-Mythos." Insgesamt gesehen finde ich jedoch, dass das "Produkt" diesem Anspruch nicht gerecht wird. Von Seiten der Hardware schon, was die "Software" angeht besteht hier kein großer Unterschied zu dem, was andere Reedereien bieten – zumindest was die normalen Kabinenkategorien angeht. So war zwar die Auswahl an Speisen im Britannia-Restaurant sehr gut, Geschmack und Präsentation waren hingehen nichts besonderes und üblicher Standard. Da haben wir beispielsweise bei Celebrity schon deutlich "leckerer" gegessen. Der Service war sehr distanziert und wenig herzlich – gut, das passt vielleicht eher zum Image der Reederei. Was weniger dazu passt waren jedoch diverse kleine Nachlässigkeiten. Unser Kellner hatte am zweiten Abend an unserem 4er-Tisch so oft die Bestellung nochmals nachfragen müssen(obwohl er sie sich notiert hatte), dass ich nahe dran war, das Essen lieber selbst aus der Küche zu holen. Zudem fand ich es etwas befremdlich, dass die Gänge an unserem Tisch manchmal nicht zeitgleich serviert wurden. Obwohl es sich um dieselbe Suppe handelte, bekam ich meinen Teller einmal erst zehn Minuten später als meine Freundin. Insgesamt kam der Service auch nicht richtig in die Gänge, oder ist es bei Cunard normal, dass man für vier Gänge über drei Stunden braucht? Geschmacklich war das Essen in Ordnung, mehr aber auch nicht. Ich hätte schon damit gerechnet, dass man sich hier zumindest auf Celebrity-Niveau befinden würde, was aber meiner Meinung nach nicht der Fall war. Auch das Buffet-Restaurant konnte nicht überraschen. Die Auswahl am Mittag war okay, Frühstück und Kaffeestunde fielen jedoch im Vergleich zu anderen Reedereien deutlich ab. Ein Lichtblick stellte die Teatime im Queens Room dar, das war wirklich eine nette Sache: Perfekter und aufmerksamer Service, eine angenehme Atmosphäre und viele leckere Kleinigkeiten. Im Nachhinein habe ich mich ein wenig geärgert, dass wir das (zuzahlungspflichtige) Todd-English-Restaurant nicht ausprobiert haben, denn die Speisekarte war doch sehr ansprechend.


    Das Schiff war auf dieser Reise übrigens fest in deutscher Hand. Wenn man so die vielen Gespräche verfolgte machte es den Anschein, dass hier sehr viele Erstfahrer unterwegs waren. Es herrschte leider überwiegend eine Art "Da kann ich meinem Nachbarn was erzählen"-Mentalität vor, fand ich. Wetterbedingt hielt sich die Liegenreservierer-Fraktion überwiegend im Buffet-Restaurant auf, sodass man am Seetag hier kaum einen Platz finden konnte. Das Problem hat aber wohl jedes Buffet-Restaurant. Als äußerst filmreife Veranstaltung – komödiantisch wertvoll – erwies sich die Rettungsübung. So gab es um 15.15 Uhr vorab eine deutsche Übersetzung der Übung für die deutschen Gäste. Um 15.45 Uhr fand dann die "echte" Übung statt. Man hat sich hier seitens Cunard wirklich Mühe gegeben, schon vorab den deutschen Gästen alle wichtigen Infos "einzuprügeln" – so gab es zig Durchsagen und Hinweise, dass man bitte auf die richtige Sammelstation achten sollte und die Rettungsweste bitte NICHT zur Übung anziehen sollte. Pünktlich an unserer Sammelstation "C" angekommen blickten wir in einen vollen Raum lauter Leute mit angelegten Rettungswesten, auf denen vielfach ein A oder B zu sehen war… Selbst der mehrfache deutsche Hinweis während der Übung, man solle die Weste doch bitte ausziehen, wurde von den meisten Gästen ignoriert. Die scheinbare Angst vor einem möglichen Notfall brachte im Übrigen sehr kreative Ergebnisse zutage, wie man denn eine Rettungsweste anlegt :-)


    Die Queen Mary 2 erreichte Hamburg am späten Freitagabend. Da Hafengeburtstag war, waren ohnehin noch viele Leute am Ufer auf den Beinen. Trotz kaltem Wetter wurde uns durch die Hamburger jedoch ein toller Empfang bereitet, an den wir uns wohl noch sehr lange erinnern werden. Der Blick von oben herab auf das Treiben im Hafen war schon sehr beeindruckend, dazu viel Gehupe seitens der QM2 und der vielen Schiffe im Hafen sowie das Gejohle der Menschen am Ufer – das war schon etwas besonderes.


    Schlussendlich war es eine sehr interessante Fahrt und es war erstaunlich zu sehen, dass vieles um den "Mythos" Queen Mary 2 eher in der Abteilung Marketing & Medien einzustufen ist. Sicherlich ein beeindruckendes Schiff, das aber zumindest im Bereich der normalen Kabinenkategorien nicht mehr bietet, als andere Schiffe. Der vielbeschworene "Wow-Effekt" blieb zumindest bei uns aus. Wie gesagt, das waren lediglich unsere Eindrücke von dieser kurzen Fahrt.


    Schönen Gruß,
    Dennis.

    bislang: 53 Kreuzfahrten / 42 verschiedene Schiffe / 15 verschiedene Reedereien / 377 Nächte an Bord