
11. Januar 2020 – Singapur – Wetter: wechselhaft, 30 Grad
Nach einem gemütlichen Frühstück schnappen wir wieder unseren Rucksack beziehungsweise mein Mann seinen, er ist für den Transport des Wassers sowie der Regenschutzkleidung verantwortlich. Man weiß ja nie, ob es nicht irgendwann wieder schüttet. Heute wollen wir das Viertel Little India erkunden, das irgendwie bei unseren Besuchen immer im Schatten von der Marina Bay und Chinatown stand. Im Jahr 2014 waren wir zwar mal dort gewesen, aber so richtig kann ich mich mehr erinnern, was es dort zu sehen gibt. Ein Freund hatte mir erzählt, dass Künstler dort einige Häuser mit tollen Gemälden verziert haben. Also los geht es. Wieder fallen mir auf dem Weg zur MRT-Station die vielen weggeworfenen Kippen und leeren Zigarettenschachteln auf. Pfui Teufel, das muss doch nun wirklich nicht sein. Aber es gibt Menschen, denen ist es egal, dass sie mit einer weggeworfenen Kippe 40 Liter Grundwasser verunreinigen. Ich will mich jetzt nicht aufregen und versuche das einfach auszublenden. Es fällt mir schwer.
Bei der U-Bahn angekommen, steuern wir gleich mal dem Fahrkartenautomaten zu. Nimmt unsere Kreditkarte nicht. Nächster Schritt, das kleine Kabuff aufsuchen, wo eine sehr unfreundliche Damen uns sagt, wir sollten an den Automaten gehen. Und schon dreht sie sich weg und redet nicht mehr mit uns. „Häää?“, was haben ihr denn getan, rutscht mir raus. Zufällig sehen wir einen Mann in Uniform und den fragen wir. Zum Glück, er kann etwas englisch. Wir sollen die Kreditkarte oder Bankkarte, ich weiß es nicht mehr so genau, einfach auf den Scanner am Eingang legen. Und wundersamer Weise öffnet sich die Sperre und mein Mann ist durch. Er reicht mir die Karte über die Sperre. Ich lege sie auf den Scanner, nichts tut sich. Der Uniformierte sieht das und sagt „Nein, zweimal können sie mit der Kreditkarte nicht hier durch!!!“ Oh nee, ich stehe draußen und mein Mann drinnen. Was tun? Wir haben auch keine Singapurdollar mehr, um eine Karte zu kaufen. Der nette Mann winkt mir und öffnet am Ende der Sperren eine kleine Tür und lässt mich. Ich bin voll verwirrt. Ich darf die Bahn benutzen, ohne Karte und als er weg ist, bekomme ich Herzklopfen. Schitt, wenn eine Fahrkartenkontrolle kommt, habe ich keine Karte und keinen Schrieb von dem Mann, dass er mich ohne Karte auf den Bahnsteig gelassen hat. Viel schlimmer erscheint mir dann, dass ich ohne Karte am Ziel den Bahnsteig gar nicht verlassen kann. Na, der Tag fängt ja echt schon etwas aufregend an. Das wird noch was geben. Am Ziel angekommen, stehe ich an der Sperre und halte Ausschau nach einem Mitarbeiter. Wir erklären ihm die Situation, er lächelt verlegen und hat Erbarmen mit mir. Er lässt mich raus. Er ruft noch hinterher, wir sollen in eine Wechselstube gehen und Geld tauschen und drauf achten, dass wir 20 Singapurdollar in kleinen Scheinen bekommen. Damit könnten wir dann am Automaten die Karten für die Rückfahrt kaufen. Hier ist Bargeld angesagt. So, das wäre nun geklärt.
Oben
auf der Straße trifft uns die Wärme mit vollem Schlag, denn in der
Bahn war es doch recht kühl. Daher ist es immer gut, wenn man noch
ein Jäckchen dabei hat. Nun aber zu Little India, dem historischen
Viertel Singapurs, in dem die indische Volksgruppe eine Bleibe
gefunden hat. Die Geschichte zeigt uns auf, dass ganz früher die
Engländer sich hier etabliert hatten und es sogar eine
Pferderennbahn gegeben hat. Der Viehhandel blühte auf und die
Engländer suchten billige Arbeitskräfte. Sie holten indische
Wanderarbeiter nach Singapur. Es wurden Tempel gebaut, auch Moscheen
und alles in Eintracht mit den christlichen Kirchen. Dieser Mix hat
sich bis zum heutigen Zeitpunkt erhalten. Die Engländer gingen, die
Inder blieben und so bekam das Viertel immer mehr das Feeling
Indiens.
Restaurants mit den typischen Speisen, Geschäfte mit Saris, Blumengirlanden und Gewürzen findet man alle paar Meter.
Was mir nicht so in Erinnerung war, dass die Häuser teilweise sehr bunt sind und heute zieren zudem Malereien die Häuser – sehr schön anzusehen.
Szenen des täglichen Lebens, aber auch etwas schrill und
bunt in Popart.
„Du, es hat sich gelohnt, dass wir Little India
aufgesucht haben“, flüstert mein Mann mir zu. „Ja, es ist
wirklich schön hier und wie das duftet. Ganz wie in Indien, nach
leckeren Currys!“ antworte ich ihm und schon sind wir beim
Stichwort. Also wenn wir schon mal hier sind, möchten wir wenigstens
eine Kleinigkeit essen. Tische und Stühle stehen auf den Gehwegen
und die Türen der Garküchen sind geöffnet. Ein Blick auf die
Warmhalteschalen. Ja, das könnte uns schmecken. Also einmal das
Möhrengemüse und einmal den Spinat, alles ohne Reis bitte. Diese
Spinatmischung kennen wir aus Indien. Haben wir schon mal gegessen
als Roti (ist so was wie ein Pfannkuchen mit Füllung). Reis als
Beilage wäre jetzt doch etwas viel. Auf die Frage, ob es spicy ist,
folgt ein Kopfnicken. Wir nehmen draußen Platz und wollen noch ein
Bier dazu. Oh, das bekommen wir nicht. Das gibt es in der Bierbar
nebenan, im ersten Stock. Kein Problem, das Essen wird nach oben
gebracht und wir landen in einer Bar mit einem schönen Ambiente. Die
Läden sind geschlossen, es ist etwas schummerig. Auf der
Dachterrasse stehen kleine Palmen in Blumenkübeln, aber wir sollen
doch bitte drin bleiben, denn die Tische sind noch nicht geputzt.
Kein Problem, das Bier kommt und der erste Bissen verlangt sofort nach Löschung. Zisch macht es. Ui, die Möhren sich echt scharf, aber sehr lecker. Kleines Gespräch noch mit dem Mann hinter dem Tresen und dann sind wir wieder unten auf der Straße.
Kreuz und quer durchlaufen wir die Straßen und landen in einem Markt mit engen Gassen. Es riecht nach Gewürzen, bunte Gewänder hängen auf Kleiderbügeln und ich treffe eine junge Frau mit einem frischen Henna-Tatoo. Whow, das sieht echt schön aus, sage ich zu ihr. Ihre Mutti lächelt mich an und ich darf das Kunstwerk fotografieren.
Voriges Jahr in Goa habe ich mir auch eins aufmalen lassen und hätte jetzt wieder Lust auf eine Körperverzierung. Leider reicht die Zeit nicht, denn wir wollen ja noch etwas herumlaufen. Die aufgetragene Paste fällt nach ein paar Tagen ab und dann kommt die ganze Schönheit der Bemalung zur Wirkung.
Auf einem Hof entdecke ich zwei alte Ölfässer, die zu Grills umfunktioniert wurden. Zweckmäßig und nicht teuer! Ah, da ist eine Wechselstube und wir tauschen ein paar Euro um in Singapurdollar, schließlich wollen wir ja wieder mit der MRT zurückfahren und einmal schwarzfahren reicht mir. Das würde ich noch nicht mal bei uns zu Hause machen!!!
In den Geschäften der Goldschmiede glitzert der Schmuck, Paare stehen vor den Schaufenstern und beratschlagen, was sie kaufen wollen. Mir war schon gestern aufgefallen, dass zum Neujahrsfest die Menschen oft Goldschmuck kaufen – fast so, wie bei uns an Weihnachten. Da haben Juweliere Hochbetrieb.
Die Straßen sind mit großen bunten Transparenten überspannt. Es steht Pongal-Festival drauf. Was ist das eigentlich? Zum Glück habe ich ja mein Handy dabei und schau schnell nach. Es ist das tamilische Erntedankfest, was übersetzt „überkochen“ bedeutet und wird jedes Jahr zu Beginn des tamilischen Monats Tai (vom 14. bis 17. Januar) gefeiert. Und weil Traditionen gewahrt werden, feiert man hier in Little India auch bald Pongal. Zu Beginn der Feiertage werden am ersten Tag alte Kleider oder auch andere alte Sachen verbrannt oder einfach weggeworfen. Am Tag 2 wird am frühen Morgen ein Reisgericht gekocht und wichtig ist es, der Topf muss neu und unbenutzt sein und auf einer frischen Feuerstelle im Hof gekocht werden. Mhhh, ob diese Ölfässergrills dann angeheizt werden?? Ganz wichtig, das Gericht muss überkochen und wer schon mal Reis hat überkochen lassen, weiß wie das raucht und stinkt. Deshalb wird das Gericht bestimmt draußen gekocht. Jetzt kommt es: Überkochen steht für Überfluss, Wohlstand und Glück. Ob ich das zu Hause in meiner Küche mache, möchte ich mal dahin stellen. Dann geht bestimmt der Feuermelder los!
Tag 3 – rituelles Danken den Kühen und Büffeln. Tag 4 war früher dem Anschauen gewidmet. Man hielt Ausschau nach einem Partner. Treffen war am Fluss und man begab sich auf die Suche nach dem ewigen Glück. Heute findet dieses Ritual nicht mehr statt – dafür machen die Leute an diesem Tag einen Ausflug. Ist doch auch ganz schön. Soviel zum Pongal-Fest. Aus dem indischen Kulturzentrum dringt Musik zu uns rüber. An langen Tischen sitzen Kinder mit ihren Eltern und malen, es finden Workshops statt, in denen es um die Bedeutung dieses Festes geht.
Wir treffen auf eine Gruppe junger Inderinnen, die mit ihren farbenfrohen Gewändern gerade essen und weil es mich interessiert, was sie da essen, frage ich einfach. Ich bekomme es genau erklärt und die Frauen sind doch etwas überrascht, dass eine Touristen sie das fragt. Ich erzähle ihnen, dass ich schon ein paar mal in Indien war und mich so was eben interessiert. Zum Schluss des Gesprächs darf ich noch ein Gruppenfoto machen und wir verabschieden uns mit einem freundlichen Lächeln und Kopfnicken.
Nun wird es aber Zeit für den Rückweg. Als wir an einer Ampel stehen und auf Grün warten, bekommen wir einen Lachanfall. Gibt es doch tatsächlich eine Handy Road hier.
Auf dem Weg zur MRT entfernen wir uns immer mehr von den hübschen kleinen bunten Häusern und das moderne Singapur rückt immer näher, die Hochhäuser in ihrer Vielfalt.
Die roten Kästen sind keine Balkone, wie wir beim näheren
hinschauen feststellen. Dahinter verbirgt sich Wäsche, die zum
trocknen aufgehängt wurde.
Es ist schön, nach rechts und links zu schauen. Es gibt so unendlich viel tolle Sachen, die ich unbedingt fotografieren muss. Dieser Treppenaufgang ist doch einen Blick wert oder?
Oder der Eingang der Art-Akademie ..
Auf
Sonne und Regen ist man in Singapur auf jeden Fall gut gerüstet.
Erinnert ihr euch an die 2 Damen in den rosafarbenen Kleidern im Finanzdistrikt? Ja, man nimmt hier einen Schirm nicht nur für den Regen, sondern auch gegen die Sonnenstrahlen. Wer will hier schon braun werden – hellhäutig ist ein Privileg. Wer nicht sonnen gebräunt ist, hat sicher einen tollen Job in einem Büro und muss nicht draußen im Freien arbeiten. Kennen wir ja auch aus Japan und Vietnam …es entspricht der noblen Blässe der reichen Kolonialherrschaft in früherer Zeit. Wer sonnengebräunt war gehörte zu den Arbeitern.
Mit dem frisch getauschten Bargeld konnten wir ganz souverän am Automaten unsere Tickets kaufen! Tja, das ist doch gut durchdacht mit dem Ein- und Aussteigen in die U-Bahn.
Zurück an Bord finden wir uns achtern zum Sail away an der Ocean Bar ein. Langsam verlassen wir unseren Liegeplatz an der Marina Bay und an der Harbour Front legt die Vita an.
Zum Abendessen geht es heute mal ins Markt-Restaurant, denn dort heißt das Motto „Singapore Night“ und erscheint mir vielversprechend. Hunger haben wir auf jeden Fall vom Spaziergang mitgebracht, denn der Imbiss in Little India war ja eine kleine Portion.
Rückblickend sind wir uns einig: Singapur ist immer wieder eine Stadt, die voller Überraschungen ist und so bunt wie ein Frühlingsstrauß – einfach vielseitig. Wir werden bestimmt irgendwann mal wieder kommen und dann möchten wir Sentosa Island entdecken und eine Nacht-Safari haben wir auch noch nicht gemacht!!!
Unser Abendprogramm? Davon erzähle ich im nächsten Teil und auch vom anschließenden Seetag. Nach dem Seetag warten an vier aufeinanderfolgenden Tagen wieder Landgänge auf uns.