
10. Januar 2020 – Singapur – Wetter: wechselhaft, 31 Grad
Nach fast 1 Jahr kommen wir wieder hierher. Es ist immer eine spannende Sache, denn man weiß vorher nicht, wo das Schiff anlegen wird. Die beiden vorhandenen Kreuzfahrthäfen haben ihren Reiz. Harbour Front bei Sentosa Island ist verkehrsmäßig super angebunden. Direkt im Terminal gibt es die Station der MRT-Bahn – sprich U-Bahn. Aber wer zum ersten Mal auf dem Bahnsteig steht, dem wird sofort auffallen – hier ist alles etwas anders. Sehr sauber, sehr hell, es riecht angenehm und der Bahnsteig ist zur Schiene hin mit einer Glasfront verschlossen, die sich exakt an den Türen öffnet, wenn die Bahn steht. Farbige Linien markieren, wo man anstehen darf beim einsteigen. Es gibt kein Gedränge. Die Abteile sind „gut“ gekühlt, die Wände und Sitze sauber, die Anzeigen der Haltestellen funktionieren und die Durchsagen versteht man.
An der Marina Bay, wo wir diesmal anlegen, gibt es auch einen U-Bahnhof. Aber nicht direkt im Terminal, man muss ein Stück laufen. Aber nicht wirklich weit. Vom Liegeplatz hat man einen wunderbaren Blick auf die gesamt Bay mit den bekannten Sehenswürdigkeiten und da wir über Nacht hier festliegen, ist natürlich der Blick auf die hell erleuchtete Stadt einzigartig.
Für
den Abend haben wir einen privaten Ausflug gebucht und überlegen,
was wir in der Zwischenzeit machen. Es gibt mehrere Optionen: faul
auf dem Pooldeck liegen, im Schatten sitzen und lesen oder doch noch
etwas Singapur schauen. Okay, Bewegung tut gut, der Rucksack ist
schnell gepackt. Auf jeden Fall nehmen wir einen Schirm und eine
Regenjacke mit. Singapur ist immer gut für eine feuchte
Überraschung. Auf dem Weg zur MRT beschließen wir, es wird
gelaufen. Die Bahn können wir ja für den Rückweg nehmen. Oh ja,
sage ich spontan und dann laufen wir los.
Wunderbar, der Park in der Nähe des Hafens spendet etwas Schatten und wir haben einen schönen Blick auf die Umgebung der Bay. Upps, die Strecke bis zum Bankenviertel zieht sich ganz schön – aber wir halten durch.
Da es gerade Mittagszeit ist, suchen wir den „Foodtempel“ Lau pa Sat auf. Der darf auf keinen Fall fehlen. Im ersten Moment würde man gar nicht drauf kommen, dass unter dem Dach mit den kleinen Glockenturm gespeist wird. Die Einheimischen kennen den Markt unter dem Namen Telok Ayer Market, der im 19. Jahrhundert gebaut wurde. Im Jahr 1973 wurde es zum nationalen Denkmal ernannt. Der achteckige Bau mit den reichlich verzierten viktorianischen Säulen ist mitten drin in der Hochburg des Geldes, dem Finanzviertel. Die tragende Kunstruktion wurde übrigens in Glaskow gegossen und dann nach Singapur transportiert und montiert.
Es verwundert den ein oder anderen Besucher Singapurs, dass es keine Garküchen in den Straßen zu finden sind, wie zum Beispiel in Bangkok. Irgendwann hat man beschlossen, das soll es so nicht mehr geben und hat den Besitzern der fahrbaren Küchen zur Auflage gemacht, sie müssen ihre Stände in kleinen Hallen aufbauen. Das ist besser zu kontrollieren … aus gesundheitlicher und hygienischer Sicht. Und so gibt es an verschiedenen Stellen Foodmarkets, mit Ständen an denen man Gerichte aus vieler Herren Länder bestellen kann und auch vor Ort verspeist oder mit nach Hause nimmt. Die Vielfalt der Gerichte macht es einem echt schwer, sich zu entscheiden... wir bestellen uns eine Portion Pad Thai bei „Mama Thai“, wie beim letzten mal und sind gestärkt für die nächsten Stunden.
In den Straßen zwischen den gigantischen Hochhäusern des Bankenviertels laufen wir in Richtung Marina Bay. Es gibt Dinge, die erkenne ich sofort wieder – aber dieses Denkmal habe ich noch nie gesehen.
Entworfen von dem Künstler Etienne, der 1952 in Frankreich geboren wurde. Der ursprüngliche Titel hieß auf französisch „La Recontre“. Die drei Figuren stehen im regen Austausch miteinander. Verbunden sind sie durch einen einzigartigen gemeinsamen Körper, unvollständig – aber immerhin, ich erkenne 3 Häupter, 6 Füße, 3 Arme und die Vögel mit breit schwingenden Flügeln. Es ist ein sehr einprägsames Kunstwerk, das meiner Phantasie freien Lauf lässt. Beim betrachten des Fotos fällt mir auf, mein Kleid passt perfekt zu diesem Kunstwerk.
Etwas
weiter treffe ich die zwei hübschen Damen mit den Schirmen wieder.
Sie sehen immer so schön aus, dass ich mich gleich zu ihnen gesellt habe.
Die 10 lebensgroßen Figuren, in direkter Nähe, des
taiwanischen Künstler Ju Ming (1938) lassen auch viel Interpretation
zu. Die 2 Hübschen auf dem Weg zu einem Rendezvous oder sind sie auf
einem Einkaufsbummel? Die Gruppe der Männer können viel verkörpern.
Sind es Handwerker, Sportler, Büromenschen oder Bänker? Und
der einzelne Herr mit seinem schwarzen Mantel und der großen
Reisetasche könnte gut jemand sein, der aus einem fernen Land zu
einem Meeting kommt.
In
diesem Viertel gibt es fast an jeder Ecke ein Kunstwerk zu bewundern
und lenkt den Blick von den hohen Häusern hinunter, in die
Straßenfluchten.
Es wird trotz der Enge der Stadt immer noch gebaut oder umgebaut. Kräne in schwindelnder Höhe hieven Material von einer Etage in die nächste. Wir sind am Clifford Hotel angekommen. Ich mag es, denn es hat einen ganz besonderen Charme und - unter uns Frauen, es gibt eine tolle Toilette links vom Eingang; für die Männer natürlich auch.
Und
draußen kann ich dann mein Foto von der gegenüber liegenden Seite
machen - alles drauf: Hotel, Riesenrad...
Ein paar Schritte weiter,
großer Menschenandrang. Jeder möchte ein Foto mit nach Hause
nehmen, mit dem Merlion drauf. So machen sie komische Verrenkungen,
spitzen die Lippen, heben die Arme hoch oder formen mit den Händen
ein Herz – um sich mit ihm zu verbinden. Mir ist es zu voll und so
entdecke ich per Zufall, dass auf der Rückseite dieser Attraktion ja
noch ein weiterer Merlion steht. Kleiner, aber nicht weniger
schöner.
Das Fabelwesen, auch das Wahrzeichen der Stadt, ist eine Verquickung von einem Löwen und einem Fisch. Der Name allerdings setzt sich wie folgt zusammen: aus dem englischen Wort MERmaid (Meerjungfrau) und LION (Löwe). Der Löwenkopf symbolisiert die Stärke und der Fischkörper die Verbundenheit mit dem Meer.
Wie immer, wenn wir in Singapur sind, führt uns der Weg auch in das ehemalige Postamt der Stadt, das heute das Fullerton Hotel ist. Heute steht die Dekoration im Zeichen des nahenden chinesischen Neujahrfestes, dem nahenden Jahr der Ratte. Im Eingangsbereich ist ein Torbogen aufgestellt, den natürlich jeder nutzt, um sich fotografieren zu lassen. Ein freundliches Paar aus China hat mein Handy geschnappt und schon waren wir abgelichtet. Der Pförner lässt die Besucher gewähren, freut sich, dass Besuchen in die Lobby kommen und einfach staunen.
Am River entlang landen wir am Clark Quay.
Vor der Kulisse der riesigen
Hochhäuser stehen am Wasser kleine Häuser, die noch an die Zeit des
alten Singapurs erinnern.
Schmale Fronten, mit bunten Fensterläden
und im Erdgeschoss ist meist ein Restaurant untergebracht –
Sitzplätze gibt es aber auch direkt am Wasser. Am Abend ist es hier
gerammelt voll und alles bunt beleuchtet. Jetzt um diese Zeit sind
ein paar Touristen und Leute aus den naheliegenden Büros hier um zu
essen. Wir haben schon wieder Lust auf eine Kleinigkeit. Unsere
Standartbestellung: Frühlingsrollen und ein kleines Bier dazu.
Der Blick genial, vom Tisch aus.
Nun
noch rüber auf die andere Seite des Flusses.
Vorbei am Parlamentsgebäude,
ein Blick auf St.Patrick Church und wir sind an
der National Gallery angekommen.
Diesmal reicht die Zeit nicht, um
oben im Restaurant einen Espresso zu trinken. Auf der Strecke liegt
noch das Art House und die Victoria Concert Hall.
Dieses Gebäude,
sowie die National Gallery werden gerne von Brautpaaren als Kulisse
für Hochzeitsfotos ausgewählt. Heute habe ich wieder Glück.
Während mein Mann sich das Angebot der Konzerte anschaut, treffe ich
auf ein junges Paar samt Fotografen auf dem Vorplatz. Ich frage, ob
ich ein Foto für meinen Reisebericht von ihnen machen darf. „No
Problem, Mam!“ Sie erzählen mir, sie hätten schon vor ein paar
Tagen geheiratet und heute werden die Fotos gemacht.
Die junge Frau ist perfekt gestylt und das Kleid ein Traum. Der Ehemann ist ein schmucker Kerl, denke ich so. Ich gratuliere ihnen noch zur Hochzeit und wünsche ihnen alles Glück der Welt. Sie freuen sich und verabschieden sich mit einer leichten Verbeugung von mir. „Ah, hier bist du also. Whowww, was für ein fotogenes Paar“, sagt mein Mann zu mir, mit dem Blick auf das Brautpaar gerichtet. Die beiden lächeln zu uns rüber und winken zum Abschied, als wir losgehen.
Tja, was dieser Mann hier wohl denkt. Es muss eine gewichtige Angelegenheit sein, so wie er seinen Kopf aufstützt. Auf dem Rückweg, wir laufen natürlich wieder und nehmen keine Bahn, fängt es an zu regnen. Lieber Himmel, warmer Regen fällt auf den warmen Gehsteig – Fußbadtemperatur. Ich habe meine Schuhe ausgezogen, denn sonst würde das Wasser durch die Riemchen hindurch laufen und ich könnte die Schuhe die nächsten Stunden nicht mehr tragen. Zum Glück, im Rucksack hatten wir ja eine Regenjacke und einen Schirm. Nettes Kompliment von meinem Mann „...siehst aus wie eine Vogelscheuche!“ Ich bin ihm nicht öse, denn ein wenig sehe ich schon so aus.
Zurück an Bord hänge ich mein nasses Kleid, die Jacke und die Schuhe ins Bad. Die Hose meines Mannes hat auch eine Dusche abgekommen. Viel Zeit bleibt uns nicht, umziehen und dann startet unser Abendprogramm, von dem ich im nächsten Teil berichten werden.
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