
4. April, Heraklion/Kreta, sonnig 18 Grad
In den Straßen ist es nicht zu übersehen: das orthodoxe Osterfest steht vor der Tür. Schokoladenhasen in den Läden, die Straßenlaternen und Absperrungen sind mit Hasen verziert – sind das Relikte vom 1. April, dem römisch-christlichen Osterfest auf Kreta? Ich habe es nicht erfahren – aber letztendlich ist es auch egal. Die grünen Hasen haben uns gefallen. Wir trödeln durch ein paar weitere Gassen, bleiben stehen und schauen. Es ist nicht das große touristische Gewühle gerade. Einheimische sind mit Einkaufstaschen unterwegs. In den kleinen Läden sind Dinge des täglichen Gebrauchs bis unter die Decke gestapelt. Aber nicht nur das, sondern auch köstliche Packungen mit Oliven locken die Kunden.
Ich werde schwach und schwupps, ist eine Tüte schon im Rucksack. Mein Mann lacht leise vor sich hin. Tja, er kennt meine Vorliegen für diese Dinge. Ich war ja eigentlich auf der Suche nach Gewürzen der heimischen Küche, nun sind es Oliven geworden. „Schau mal, da gibt es Mythos Bier, trinken wir nachher eins?“ fragt mein Mann. „Klar, das machen wir!“ Der Fischladen hat sein Angebot auf Crasheis ausgebreitet und die Verkäuferin winkt mich heran, als sie meine Kamera sieht. Ich dürfe ruhig näher kommen für ein Foto.
Am ende der Gasse öffnet sich ein Platz und auch da kann ich nicht wiederstehen. Ich muss mich in die freie Nische stellen und wirke keineswegs antik.
Ganz ehrlich, hier kann man keine 3 Meter laufen und wieder gibt es etwas zu fotografieren, wie diese kleine Kapelle, die in einem Hinterhof steht.
Wir sind wieder am Löwenbrunnen angekommen und suchen ein kleines Bistro, um ein kühles Glas Mythos zu trinken. Es bleibt nicht aus, eine kleine Platte mit Mezes – sprich Vorspeisen wird gleich mit bestellt. Gambas gegrillt, Taramosalata (Kabeljauroggen), ein paar Tomaten- und Gurkenstücke und dazu duftendes frisches Brot. Perfekt für den kleinen Hunger.
Am Nachbartisch sitzt eine Familie und wir kommen ins Gespräch. Das gefällt mir, einfach irgendwo zu sitzen und mit Menschen ins Gespräch zu kommen. So erfährt man oft, was für Gerichte auf dem Teller sind und was man sich unbedingt noch anschauen sollte in der Stadt. Wenn wir mehr Zeit hätten, würden wir sicher in der Basilica of St. Mark die städtische Galerie besuchen – aber so ist es, man kann nicht alles in ein paar Stunden machen.
Die Fassade, die 2014 eingerüstet war, ist inzwischen restauriert worden.
Die Venezier haben im 16. Jahrhundert diese Burg errichtet und nannten sie „Rocca a Mare“ oder „Castello a Mare“ - Burg am Meer. Koules, wie die Festung heute heißt, ist ein Überbleibsel aus der Zeit, als die Türken die Herren über die Insel waren.
An der Wand ist der venezianische Markuslöwe gut zu erkennen, heute noch das Wahrzeichen Venedigs. Ein Löwe mit Flügeln, der eine Tatze auf ein aufgeschlagenes Buch legt. Die Inschrift PAX TIBI MARCE EVANGELISTA MEUS (übersetzt „Friede sei mit dir Markus, mein Evangelist“) ist etwas verwittert … aber wir haben es auch gut erhalten in Venedig gesehen.
Die Wellen schlagen leise an die Hafenbefestigung, in der Ferne sehen wir die Berge, die Sonne scheint – Frühling auf Kreta. Oha schon 15.30 Uhr, jetzt aber zurück in Richtung Hafen.
Irgendwie habe ich das Rädchen an meiner Kamera verstellt und heraus kommt ein schwarz/weiß Foto der St. George Church. Erinnert an die Anfänge meiner Fotografie, da habe ich nur s/w-Fotos gemacht und fast vergessen, wie schön die Kontraste sind.
Vor der Bella ist ein kleiner Tisch aufgebaut, wir können eine Raki-Verkostung machen und der Schnaps war lecker. Ein gelungener Abschluss unseres heutigen Tages, einfach mal ohne Programm bummeln und sich treiben lassen. Hat auch was für sich oder?
Dezente Musik im Hintergrund, Pianistin Agnes Halkovics lächelt zu mir rüber. Vor ein paar Tagen traf ich sie und sie hat sich total gefreut, dass ich ein paar Brocken ungarisch mit ihr gesprochen habe. Die Freude lag auch auf meiner Seite, dass doch einige Worte aus meiner Kindheit hängen geblieben sind. Die Stehtische sind weiß eingedeckt, drinnen stehen Tische mit kleinen Häppchen bereit, der Champagner ist im Glas – der Auftakt für „Rossini einmal anders“. Die Leinen werden gelöst, Sail away Heraklion, du wunderschöne Insel. Das Glas ist leer, die Häppchen gegessen, Musik verstummt – wir gehen ins Rossini für den zweiten Teil des Events.
Das Rossini-Team hat ein tolles 6-Gang-Menü vorbereitet und gut gesättigt drehen wir noch ein Bordrunde. Das Theatrium ist bis auf den letzten Platz besetzt. Die Hits der Rolling Stones sind zu hören. Draußen ist es noch angenehm … wir sitzen an der Poolbar und auf dem Weg zurück auf unsere Kabine sehe ich Anatolii und Iryna bei den Proben zu. Elegante Haltung und schwungvoll sind sie oben in der Kuppel. Einfach Klasse.
Mein Mann und ich sind die einzigen Zuschauer zu dieser späten Stunde und klatschen Beifall für die zwei. Nach der Probe zeige ich ihnen die Fotos und natürlich darf ich sie für meinen Reisebericht verwenden. Da sage ich doch gerne Dankeschön! Ich verspreche ihnen, wenn ich den Reisebericht geschrieben habe, ihnen den Link zu senden.
In der Kabine packen wir schon mal den Rucksack für morgen. Dann sind wir in Piräus unterwegs.
Hier wieder mein Film zu Heraklion: