
17.10.2019 Aqaba/Jordanien 1. Tag
Heute ist es endlich so weit. Wir werden tatsächlich eines der sieben neuen Weltwunder mit eigenen Augen zu sehen bekommen. Die Felsenstadt Petra. Davon habe ich geträumt seitdem ich als kleines Mädchen Bilder vom Schatzhaus in Petra in einem Buch gesehen habe. Und heute ist es soweit.
Wir haben den Aida Ausflug „Magisches Petra bei Kerzenschein und bei Tag“ gebucht. Mit 530€ für uns zwei zusammen nicht billig, aber wenn schon, denn schon. Wir wissen ja nicht, ob wir jemals wieder die Gelegenheit haben werden. In diesem Ausflug sind zwei Besuche von Petra und eine Hotelübernachtung enthalten. Wir packen also eine Reisetasche und lassen den Tag in Ruhe beginnen. Schließlich legen wir auch erst um 14.00 Uhr in Aqaba an.
Unser Frühstück bestand heute nur aus Kaffee und Orangensaft, denn heute sind alle Weltenbummler zu einem Weltenbummler Lunch im Selection Restaurant eingeladen. Wieder so eine tolle Geste von Aida. Für uns Langzeitreisende gibt es immer wieder mal etwas Besonderes. Und es freuen sich auch alle sehr darüber. Es gibt also ein sehr leckeres Dreigang Menü in orientalischer Geschmacksrichtung. Serviert wird von den Offizieren. Sogar der Kapitän schaut kurz vorbei, kann aber nicht bleiben, da wir bald einlaufen. Die Aida Stars singen für uns und wir haben eine schöne Zeit.
Jetzt müssen wir aber los. Das Schiff legt an und unser Abenteuer Petra beginnt. Als wir 20 Minuten vor Ausflugsbeginn zu den Ausflugsbussen kommen, sind wir überrascht. Ganze drei Busse mit Gästen, die den gleichen Ausflug wie wir gebucht haben. Und alle schon fast voll. Wir finden mit Mühe noch zwei Plätze nebeneinander. Und zwar ganz hinten in der vorletzten Reihe. Aber das macht uns nichts, wir müssen nicht immer im vorderen Bereich sitzen. Die Ausführungen des Reiseleiters hört man hier so gut wie vorne.
Weit gefehlt. Fast nichts hört man. Die Leute hinten rufen und winken und signalisieren dem jordanischen Reiseleiter, dass wir nichts mitbekommen. Er drückt ein paar Knöpfe und fragt, ob es jetzt besser sei. Nein ist die Antwort. Leider hat sich nichts geändert. Na, dann könne er auch nichts machen. Und redet munter für die vorderen Reihen weiter. Die anderen Leute hinten und wir bemühen uns noch eine Weile, etwas mitzubekommen und geben dann auf. Schade, wir sind das erste Mal in Jordanien und hätten gerne etwas über Land und Leute erfahren.
Aber wir machen das beste daraus und schauen uns die interessante Landschaft und die Ortschaften aus dem Bus heraus an. Hin und wieder kommt der eine oder andere Wortfetzen bei uns an und so bekommen wir mit, dass wohl der Ablauf des Ausflugs besprochen wird. Na, er weiß ja, dass wir nichts hören und wird wohl nach hinten kommen und uns das auch erzählen. Das sind schließlich wichtige Informationen. Natürlich passiert nichts dergleichen.
Wir halten irgendwann an, um Fotos von einem Aussichtspunkt über ein Tal und das dahinter liegende Gebirge zu machen. Ein atemberaubender Ausblick übrigens. Als ich dann den Guide bei dieser Gelegenheit im freundlichen Ton nach dem geplanten Ablauf des Ausfluges frage, wird er sogar aggressiv. Schließlich hätte er das alles bereits erklärt. Als ihn eine Dame darauf hinweist, dass man doch hinten nichts mitbekäme, meint er, dass könne ja gar nicht sein. Nun ja, mehrere Leute erinnern ihn jetzt daran, dass er ja sogar auf unsere Hinweise diesbezüglich reagiert hatte. Erst jetzt erzählt er widerwillig nochmals, wie es auf diesem Ausflug weitergeht. Es gibt ja schließlich Details, die wir wissen müssen. Einchecken ins Hotel, Abendessen, Zeit- und Treffpunkt für den abendlichen Gang hinunter nach Petra. Wäre alles halb so schlimm, wäre dieser Mensch nicht so unfreundlich und unhöflich.
Angekommen im Mövenpick Hotel Petra eine positive Überraschung. Das Hotel liegt genau gegenüber des Eingangs zur Felsenstadt. Wir betreten das Hotel durch den Hintereingang komplett mit Metalldetektorschleuse und Gepäckdurchleuchtung. Die Einfahrt ist auch mit großen Durchfahrsperren ausgestattet. Sicher ist sicher.
Drinnen sollen eigentlich zuerst die Zimmerschlüssel ausgeteilt werden, aber der Guide schickt uns dann doch zuerst zum Abendessen .Das ist angesichts der vielen an der Rezeption wartenden Menschen auch effektiver. Das Hotel und auch das Restaurant sind im orientalischen Stil sehr schön gestaltet. Das Abendessen wird als sehr reichhaltiges Buffet gereicht. Es gibt eine tolle Auswahl orientalischer Speisen. Alles sehr schmackhaft.
Den Zimmerschlüssel erhalten wir während des Essens. Sehr praktisch. So müssen wir uns nicht anstellen. Mittlerweile ist es 19.40 Uhr und um 20.00 Uhr treffen wir uns bereits, um gemeinsam nach Petra hinunter zu gehen. Also schnell die Sachen ins Zimmer gebracht. Dieses ist geräumig und ist gut ausgestattet. Die Minibar ist sogar mit kostenfreien Softdrinks bestückt.
Jetzt aber schnell hinunter. Der genaue Treffpunkt ist zumindest vielen nicht so klar, das wurde wohl nicht kommuniziert. Wir gehen dann von der Lobby hinaus in die Auffahrt und setzen uns auf eine Mauer. Schließlich werden Ab- und Aufstieg nach und von Petra noch anstrengend genug. Nach einiger Zeit geht es dann endlich los. Wir bekommen Eintrittskarten und gehen durch die Sicherheitsschleuse und den Eingang hinein. Dahinter sammelt sich die Gruppe wieder und wartet auf den Guide. Und wartet. Und wartet. Mein Mann geht nochmals hinauf zum Eingang, aber dort ist der Reiseleiter auch nicht. Inzwischen ist es 20.30 Uhr und wir zwei beschließen, ohne den Guide alleine loszuziehen. Wir befürchten, unten sonst alles zu verpassen. Wir geben anderen aus der weiter wartenden Gruppe Bescheid, damit dann später nicht unnötig auf uns gewartet wird. Da wir schon zu spät dran sind, müssen wir uns jetzt beeilen und stolpern mehr als dass wir gehen in schnellem Tempo den dunklen und unebenen Weg hinunter. Der Weg hinunter nach Petra ist ziemlich weit und an einigen Stellen auch recht steil. Leider ist jetzt keine Zeit, die tollen Aussichten die Canyonwände hinauf zum Sternenhimmel zu genießen. Aber auf dem Rückweg werden wir das bestimmt tun.
Nach geschätzt ungefähr 45 Minuten bietet sich uns ein atemberaubender Anblick. Zwischen den Canyonwänden wird direkt vor uns das Schatzhaus sichtbar. Wow. Dieser Anblick ist schon beeindruckend. In der Realität wirkt es auch noch größer als in Dokumentationen. Davor sind in Reihen hunderte Kerzen in Papiertüten aufgereiht. Solche standen bereits am Rand des Weges hinab. Dazwischen sind am Boden Matten ausgelegt, auf die sich die Zuschauer setzen konnten. Jedenfalls die pünktlich eingetroffenen Zuschauer. Denn die Veranstaltung hat bereits begonnen und alle Matten sind besetzt als wir ankommen. Ein einheimischer Mann winkt uns durch und ruft uns zu, wir sollten uns schnell an die Mauer stellen. Also das wollen wir eigentlich nicht, denn dann haben wir das Schatzhaus im Rücken und sehen nur das Publikum. Sicher alles hübsche Menschen, aber dafür sind wir ja nicht hierher gekommen.
Also gehen wir an den langen Reihen sitzender Menschen vorbei. Dahinter und vor den Souvenirshops stehen etwas oberhalb Sitzbänke und Tische. Diese sind alle bereits von arabischen Leuten besetzt. Aber diese Menschen sind reizend und rutschen zusammen, damit wir beide noch Plätze finden und auch dort sitzen können. Wir freuen uns. So sehen wir wenigstens noch die zweite Hälfte der Veranstaltung mit orientalischem Gesang, Flötenspiel und einer traditionellen Musikgruppe. Die Felsenstadt Petra steht ja unter der Obhut eines Beduinenstammes und von einem Mitglied dieses Stammes wird uns jetzt noch etwas erzählt. Dann ist die Veranstaltung vorbei.
Wir machen noch einige Fotos vom Schatzhaus und entdecken dann unsere Fitnesstrainerin und eine Fotografin vom Schiff. Es freut uns sehr, dass sie auch die Gelegenheit bekommen haben, sich das anzusehen. Wir warten noch eine Weile, bis die meisten Zuschauer bereits losgegangen sind. Den Weg hinauf wollen wir genießen. Wie of im Leben geht man schon durch einen kerzenbeschienen Canyon? Leute, die meinen sich in dieser Umgebung über ihre Arbeit unterhalten oder die Szenerie mit ihren Handys beleuchten zu müssen, lassen wir vorbei. Der Weg hinauf ist anstrengend aber zauberhaft. Vor einigen Nächten war Vollmond und so ist der Mond noch hell genug, alles ausreichend zu bescheinen. Trotzdem sieht man oben an der Öffnung des Canyons ein paar Sterne. Eine sehr schöne mystische Stimmung.
Wir würden gerne langsamer gehen und an der einen oder anderen Stelle verweilen, aber wir wollen auch nicht eingeschlossen werden. Das war mir mal im Hyde Park in London passiert. Das brauche ich nicht wieder.
Als wir schließlich oben ankommen, sind wir fix und fertig. Und sehr durstig. So ein Hotel hat doch immer eine Bar. Die suchen wir jetzt. Ach, gleich neben dem Restaurant. Und schön eingerichtet ist sie auch. Das ist übrigens eine besonders schöne orientalische Decke hier. Mein Mann bestellt ein frisch gezapftes Bier für umgerechnet 15€ und ich ein ein jordanisches „nicht alkoholisches erfrischendes malzhaltiges Getränk“. für 4€. In anderen Worten - ein alkoholfreies Bier.
Lange können wir nicht sitzen bleiben. Morgen heißt es bereit um 5.30 Uhr aufstehen. Ehrlich gesagt sind wir so erschöpft, dass wir uns nicht vorstellen können, morgen den anstrengenden Weg nochmals zu gehen. Trotzdem wird jetzt erstmal geschlafen. Gute Nacht!
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