
Lissabon
Als wir kurz vor 10.00 Uhr in Lissabon am Rocha Passenger Terminal anlegen, sind die Artania von Phoenix und die Brittania von P&O Cruises bereits da und haben den schöneren Liegeplatz unterhalb der Alfama für sich beansprucht. Das führt natürlich zu Unmut bei einigen Passagieren der Vita, aber schließlich werden auch morgen zwei weitere große Kreuzfahrtschiffe in Lissabon erwartet und wir legen bereits um 14.00 Uhr wieder ab. Da ist die Entscheidung des Hafenmeisters, uns den weiter von der Innenstadt entfernten Liegeplatz zuzuteilen, schon verständlich.
So weit weg vom anderen Liegeplatz sind wir eigentlich nicht. Die anderen Schiffe können wir gut sehen. Nur ist die Verkehrsführung hier ziemlich umständlich und so müssen Fahrzeuge große Umwege fahren, um in die nahe Innenstadt zu gelangen.
Vor dem Hafenterminal warten bereits etliche Tuk Tuk Fahrer und bieten ihre Touren an. Eigentlich wollten wir ja nur so durch die Stadt bummeln, denn wir waren bereits in Lissabon und haben die Hauptsehenswürdigkeiten schon gesehen. Aber da ist nun mal der recht umständliche Weg in die Innenstadt... Kurz gesagt, ein sehr sympathisch wirkender junger Tuk Tuk Fahrer überzeugt uns und gibt uns vom ursprünglichen Preis von 70€ sogar noch 10€ Nachlass und so entscheiden wir uns für eine Rundfahrt mit ihm. Sein TukTuk steht auf der anderen Seite eines Kanals und genau als wir drüber gehen wollen, gehen natürlich die Schranken runter und wir stehen erstmal da. Das sich nähernde Ausflugsschiff hat Vorfahrt und wir können beobachten, wie die
Drehbrücke auf die eine Seite manövriert wird.
Und nicht nur eines sondern gleich zwei Ausflugsboote fahren vorbei. Unser Tuk Tuk Guide wundert sich, wieso Leute Wochen auf eiem Kreuzfahrtschiff verbringen, um dann endlich an Land sofort auf ein Ausflugsboot umzusteigen. Da hat er aber nicht die Richtigen gefragt, denn uns ist diese Frage ja völlig unverständlich. Genau so machen wir es schließlich auch immer...
Wir entdecken inzwischen zwei unserer netten Mitreisenden aus der Weltenbummlergruppe auf der anderen Seite des Kanals. Unser Guide meint, sie könnten doch mit uns mitfahren, dann hätten es es alle günstiger. Gute Idee. Also wird heftig gewunken, angerufen, eine Nachricht auf WhatsApp geschrieben - doch alles nützt nichts. Die zwei haben offensichtlich kein Handy dabei und ziehen schon mal los. Schade, diese Tour hätte den beiden sicher auch Spaß gemacht. Keine Sorge meint unser Tuk Tuk Fahrer. Die holen wir schon wieder ein. Und so steigen wir in sein himbeerfarbenes Gefährt und und fahren fröhlich hupend und rufend hinter den beiden her. Natürlich reagiert ein Reisender von Welt auf solch plumpe Anmachversuche mit stoischer Ignoranz und so müssen wir die beiden erst überholen, um auf uns aufmerksam machen zu können. Dann aber steigen sie gerne bei uns ein und wir machen uns auf in die Innenstadt.
Unser Tuk Tuk ist übrigens wesentlich bequemer als die meisten anderen. Da haben wir Glück gehabt. Denn die meisten haben zwei gegenüberliegende Sitzbänke, die zudem auch relativ niedrig über dem Boden sind. Unser Tuk Tuk hat stattdessen die beiden Sitzbänke hintereinander und in normaler Höhe vom Boden. Sicherheitsgurte sind auch vorhanden.
Während der Fahrt bekommen wir interessante Infos über das Leben in Lissabon. Zum Beispiel wussten wir vorher nicht, dass man an den Straßenlampen erkennen kann, wie teuer die Gegend ist, in der sie sich befinden. Und zwar sieht man das an der Anzahl der Glasscheiben in den Laternen. 6 Scheiben (also eine sechseckige Straßenlaterne) bedeuten eine teure Gegend, 4 Mittelklasse und das geht runter bis zu einer ganz einfachen Gegend mit nur einer Scheibe.
Wir sind übrigens begeistert von der Fahrt. Führt sie doch durch tolle kleine Gassen und sehr steile Straßen. Da würde man alleine nie hinkommen. Und in einem Bus schon gar nicht.
Wir sehen zwei Kirchen (auch von innen), zwei Aussichtspunkte über die Stadt, die Alfama und das arabische Viertel. Wunschgemäß werden wir im Zentrum abgesetzt und unsere Mitreisenden zurück zum Schiff gebracht. Und das alles für 60€ für alle zusammen. Da ist dann auch noch ein nettes Trinkgeld für unseren sehr sympathischen Fahrer übrig.
Wir laufen die Fußgängerzone Rua Augusta hoch zum Platz Praça Dom Pedro IV. Unterwegs kommen wir auch an dem berühmten Aufzug vorbei, vor dem sich eine lange Schlange Wartender befindet.
Oben am Platz angekommen halten wir Ausschau nach einem netten Restaurant. In einer der Seitengassen hatten wir mal vor einigen Jahren sehr lecker landestypischen Bacalhau gegessen. Das Restaurant gibt es zwar noch, aber der Außenbereich ist gerade von einem Gerüst überbaut. Das lassen wir dann lieber, denn bei dem schönen Wetter wollen wir dann doch draußen sitzen. Da entdeckt mein Mann am Rande des Platzes ein Restaurant, das einen ansprechenden Eindruck macht. Der Blick in die Speisekarte überzeugt auch und so nehmen wir Platz. Ein Glücksgriff, wie sich schnell herausstellt. Denn im Restaurant Nicola werden wir von einem ganz tollen Kellner betreut. Ein älterer Herr, der sich rührend und sehr charmant um uns kümmert. Große Klasse. Wir entscheiden uns für einen portugiesischen Reistopf mit Meeresfrüchten für zwei Personen und die uns dazu empfohlene Flasche Wein. Die Köstlichkeit mit Muscheln, großen Gambas und ausgelöstem Hummer wird in einem großen Topf serviert, aus dem uns der nette Kellner immer wieder auftut. Hierbei achtet er genau darauf, dass der leckere Inhalt auch gerecht verteilt wird. Das heißt, mein Mann bekommt immer etwas mehr vom leckeren Hummer und den Gambas. Es sei ihm gegönnt.
Zurück zum Schiff rufen wir uns ein Taxi. Praktischerweise geht das mit der Taxi App von zuhause. Die nette Taxifahrerin muss zwar erst etwas suchen, findet dann aber doch den richtigen Weg zum Schiff.
Heute Abend sind wir eingeladen zur Sternstunde in der Anytime Bar. Begrüßt werden wir mit einem leckeren Deluxe Cocktail. Diesmal ist es ein Mystic + Spice. Sehr lecker. Als Überraschung leisten uns diesmal der Kapitän und der Staff Offizier zusammen Gesellschaft. Das geht natürlich nur, weil gerade zwei Staff Offiziere an Bord sind. Nach netten Gesprächen mit den Offizieren und dem Kapitän geht es runter zu den Bussen. Der Kapitän kommt auch hier mit uns mit. Sehr schön, das ist ja auch nicht immer so. Heute Abend geht es in ein Fado Lokal. Dort sitzen wir bei Wein und Essen zusammen und bekommen verschiedene folkloristische Darbietungen gezeigt. Wir haben eine schöne Zeit. Herzlichen Dank an den Hoteldirektor und alle Beteiligten. Zum Abschluss gibt es noch eine Lichterfahrt durch das nächtliche Lissabon. Ein gelungener Abend.
Wir gehen noch auf einem Absacker in die Aida Bar und lassen den Abend in netter Gesellschaft ausklingen.
Über Nacht bleiben wir ja in Lissabon und fahren erst morgen am frühen Nachmittag weiter.