
15. November, Marseille – bewölkt 19 Grad
Sport am morgen macht fit – mein Mann hat mich schlafen lassen, als er ging. Voller Energie kommt er auf die Kabine und meint nur „Allez hop, petit déjeuner“ - heißt „los aufstehen, kleines Frühstück wartet!“ Ich beeile mich, damit wir noch was bekommen im Buffalo. Dann sehe ich, es hat geregnet heute Nacht oder gegen Morgen.
Ein Glück, die Regenwolken haben sich verzogen, die Sonne scheint und unser geplanter Ausflug „Panoramafahrt durch Marseille & Shopping“ wird somit keine Wassertour.
Im Bus nehmen wir Plätze zur Stadtseite hin ein und bei der Rücktour kann ich dann die Wasserseite in Augenschein nehmen. Erst hatten wir noch überlegt, ob wir auf eigene Faust los wollen, zum Alten Hafen und zur Kirche auf den Berg. Aber nachdem ein guter Freund vor einiger Zeit mit AIDA hier war und zu Fuß den Berg gelaufen ist, haben wir das Vorhaben gestrichen und lassen uns fahren. Er hatte nur gemeint „oh, es war steil dort hoch, sehr steil und jede Menge Treppen!“ Na, wenn das jemand sagt, der jünger ist als wir, dann müssen wir uns nicht quälen und sparen die Kräfte für den Bummel anschließend auf.
Die Reiseleiterin im Bus erzählt viel über die Entwicklung Marseilles, die Geschichte und die Bauwerke. Ich schreibe heute mal nicht viel auf, nur markante Punkte, so habe ich mehr Zeit für meine Fotos. In dem einzig sichtbaren modernen 110 m hohen Gebäude hat eine der größten Reedereien der Welt ihren Firmensitz.
Das kleine Stück Schnellstraße haben wir passiert und schon fahren wir an prachtvollen Bauten vorbei.
Breit und mächtig präsentiert sich die Kathedrale La Major, mit einer Länge von 141 m und die höchste Kuppel ragt 70 m hoch. Sie ist der Erzbischofssitz und gilt als eine der größten Kathedralen, die nach dem Mittelalter erbaut wurde. Interessant ist Zusammensetzung der Steine - konstrastreich.
1852 wurde der Grundstein gelegt und im Jahr 1896 war das Bauwerk vollendet. Und wieder kommen mir die vielen Bauarbeiter in den Sinn. Was haben die dort Steine geschleppt. Gegenüber des Forts St. Jean steht die St. Laurent Kirche, die einen Turm hat, der mich an einen Leuchtturm erinnert.
Der Bus fährt etwas langsamer am „Hotel de ville“ vorbei.
Nein, nein, es ist kein Hotel und heißt nur so. Es ist das alte Rathaus von Marseille. In kleinen Ortschaften trägt das Rathaus den Namen „Mairie“. Am Anfang habe ich mich immer gewundert, dass es in vielen Orten ein Hotel gibt, das den gleichen Namen trägt. Naja, im Schwarzwald gibt es auch viele Hotels in verschiedenen Ortschaften, die den gleichen Namen tragen wie „Hotel zum Bären“ - „Hotel zum Ochsen“ - „Hotel zur Post“ , grins – dort residiert aber kein Bürgermeister.
Eine imposante Häuserfront reiht sich an die andere,
im letzten Moment sehe ich, es gibt auch hier eine Filiale des berühmten Luxuskaufhauses Lafayette. Vielleicht schauen wir nachher mal dort ein. Strahlend weiss steht die Èglise Saint-Ferréol les Augustins zwischen den Gebäuden.
Oh, das freut mich, jetzt kommen wir auf etwas zu sprechen, das einfach zu Frankreich gehört.
Man trinkt einen Anisschnaps mit Wasser verdünnt und Eiswürfel drin. Durch das Mischen vom klaren Schnaps und dem Wasser wird die Flüssigkeit trüb (kennt man vom Uzo) Auf keinen Fall darf man den Fehler machen und sich einen Pernod oder Pastis als Verdauungsschnaps bestellen. Entrüstet hat ein Ober mich mal belehrt, dass man ihn vor dem Essen sozusagen als Aperitif trinkt und hat mir keinen nach dem Essen serviert!! Und die Marke Pernod 51 trinkt man hauptsächlich hier unten im Süden. Ich habe eine Flasche von dem roséfarbenen 51er im Sommer mitgebracht und habe mir beim Schreiben des Reiseberichts einen eingeschenkt, er schmeckt nach Anis und roten Beeren. Das Gebäck zu meinem Gläschen ist auch eine Spezialität, die nach Anis schmeckt.
Am Ufer des Vieux Port findet man das Nationaltheater, das „Theatre La Criée“. Es sieht nicht so pompös aus, war es doch ursprünglich die Fischmarkthalle des Alten Hafens. Trotz der Neugestaltung der Fassade Anfang des 20. Jh. hat es doch den Charakter der Fischhalle behalten.
Vorbei am Fort St. Nicolas biegen wir ein in die Corniche J.F. Kennedy, die Küstenstraße mit tollen Aussichtspunkten. Der Bus hält und wir haben einen Fotostop. Das Monument Aux Morts des Orients auf dem großen freien Platz über dem Meer berührt mich sehr.
Die großen Statuen rechts und links des Torbogens und mitten drin eine Freiheitsstatue, deren Hände sich gen Himmel strecken, haben eine starke Anziehungskraft. Rechts neben dem Monument ist eine Badeanstalt zu sehen - niemand badet hier im November. und links fällt mein Blick auf den kleinen Fischereihafen Vallon des Auffes. Die Häuser dahinter stehen inmitten einer Felsenlandschaft.
Sogar die Sol kann ich in der Ferne erspähen. Auch die vorgelagerte Insel mit dem Fort ist gut zu erkennen.
Das Chateau d'If ist nicht zu übersehen. Es liegt auf einer vorgelagerten Insel und ist eine Touristenattraktion erfahre ich. Mit einem Boot sei man ratzfatz drüben und kann die Burganlage besichtigen. Mitte des 16. Jahrhundert war sie ein Gefängnis, gut gelegen, konnte ja niemand ausbrechen und flüchten. Jetzt, wo ich mit Reiseleiterin über die Insel rede, fällt es mir wieder ein. Berühmt wurde das Chateau durch den Roman "Der Graf von Monte Christo" von Alexandre Dumas. Den Film habe ich doch gesehen, mit Jean Maris in der Hauptrolle - ist schon viele Jahre her. Wir fahren weiter, es geht bergauf, vorbei an noblen Villen und durch enge Straßen. Oben auf dem Berg angekommen, reiht sich unser Bus in die Schlange der dort parkenden Busse ein. Wir haben genügend Freizeit, um uns dort umzuschauen und die Église Notre-Dame de la Garde zu besuchen. Aber bis wir wirklich am Portal ankommen, heißt es … Treppen steigen. Nicht so viele zum Glück.
Die Aussicht ist super und
Die neubyzantinische Kirche, erbaut Mitte des 19. Jh. ist auch das Wahrzeichen der Stadt und wohl die Hauptattraktion für viele Touristen. Gleichzeitig ist die Kirche auch das Ziel vieler Pilger, die sich im August zu einer Wallfahrt treffen. Prunkvoll ist die Innenausstattung der Basilika und von der Decke hängen an langen Seilen verschiedene Schiffsmodelle.
So, jetzt wollen wir einmal außen herumlaufen. An der Mauer der unteren Kapelle sind noch Spuren des zweiten Weltkriegs sichtbar. Ach, wir besuchen noch die kleine Kapelle unterhalb der Basilika, wer weiss wann wir mal wieder hier hoch kommen. Echt, es hat gelohnt, dass wir hier oben waren: tolle Aussicht, interessantes Bauwerk.
„Schau mal da, die Fahrräder! Die AIDAausflügler sind tatsächlich hier hoch geradelt. Respekt!“ flüstert mir mein Mann zu. Ein Blick auf die Uhr, wir müssen zurück zum Bus. Nun geht es bergab zurück ins Zentrum. An einer Stelle muss der Busfahrer mit viel Fingerspitzengefühl den Bus rangieren, damit er durch dieses Nadelöhr kommt.