
https://youtu.be/0GXhKaHFWUE13. November, Livorno/Italien – leicht bewölkt 19 Grad
Nach dem genussvollem Vormittag fällt das Mittagessen aus und wir entschließen uns, Livorna anzuschauen. Schließlich haben wir ja noch genug Zeit und Bewegung bei dem reichhaltigen Essen während unserer Reise, tut immer gut. Der Gürtel muss ja nicht spannen nach der Reise oder? Also nichts wie rein in den kostenfreien Shuttle, einfach loslaufen und dann sehen wir weiter. Livorno hat eine Menge zu bieten, wie ich es der Hafeninfo entnehme. Plätze, Kanäle wie in Venedig, eine große Kathedrale, eine Markthalle und noch so einiges. Die Engländer nennen Livorno übrigens Lenghorn, denn die wären ja, wie man in der Geschichte der Stadt nachlesen kann, hier recht aktiv. Käpften sie bei einer Seeschlacht im Jahr 1653 gegen die Niederländer. Im Bus sind nicht viele Passagiere der Sol unterwegs, denn die meisten sind ja mit einem Ausflug unterwegs.
Etwas abseits des Weges liegt die Kirche San Ferdinando. Wir biegen ab in Richtung Zentrum.
An diesem Denkmal auf der Piazza Giuseppe Micheli verweilen wir eine Weile.
Es zeigt Ferdinand I von Toskana, umringt von 4 Sklaven an Ketten und ihn als Sieger über die Barbaren symbolisiert. Die geschichtliche Entwicklung von Livorno reicht weit zurück. Wurde die Stadt erstmals 1017 erwähnt, damals war sie ein winziges Fischerdorf, aber ein strategisch wichtiger Hafen als Vorposten des Hafens von Pisa. Nachdem der Hafen von Pisa nicht mehr zu nutzen war, begannen die Florentiner der Hafen von Livorno auszubauen und so gibt es seit 1534 diesen ausgebauten Hafen. Es wurde ein Forte errichtet, von dem es heute nur einige Reststücke zu sehen gibt. Die Fortezza Nuova (neue Festung) umgeben von einem Kanal ist bei dem Stadtrundgang gut zu sehen.
Zurück zur Geschichte, hat auch etwas mit verschiedenen Gebäuden zu tun, die wir sehen werden. Es wurde zwischen 1590 und 1603 die „Leggi Livorno“ erlassen. Diese Gesetze garantierten Immunität, bestimmte Privilegien und die Freiheiten für Händler jeglicher Herkunft. Auch die Glaubensfreiheit wurde damit garantiert und so siedelten sich in Livorno viele Bevölkerungsgruppen an und heute würden wir es in neudeutsch ausdrücken „Livorno war multikulti“. Man findet in Livorno auch viele religiöse Stätten, die den verschiedenen Bevölkerungsgruppen zuzuordnen sind. Friedlich miteinander und nebeneinander konnten die Menschen hier leben.
Am nördlichen Ende der Piazza Civico befindet sich das Gebäude Palazzo de Comercio (1648) – die Handelskammer.
Das sie so früh gegründet wurde, verwundert nicht. Denn es kamen ja Händler mit Wahren aus vieler Herrenländer hierher. Nicht weit entfernt, stehen wir vor dem Rathaus.
An jeder Ecke steht irgend ein Gebäude, das unbedingt fotografiert werden möchte – so auch das Goldene Buch, das präsentativ als Denkmal vor uns aufgeschlagen liegt.
Auf engstem Raum stehen hier drei Kirchen, sie sind ein Symbol für das friedliche Zusammenleben der Menschen verschiedener Glaubensrichtungen.
Die erste, an der wir vorbeikommen, ist die armenische Kirche des Heiligen Gregor, von der nur noch die Fassade hier steht. Die Armenier kamen Ende des 15. Jahrhundert nach Livorno und sie haben im Jahr 1643 die erste Druckerei der Stadt errichtet. Erst im 17. Jahrhundert wurde es ihnen erlaubt, eine eigene Kirche zu bauen. Aber auch die griechischen Seefahrer hatten hier eine Kirche ...
Wir lassen uns treiben, kommen an der ehemaligen kleinen Cisterne vorbei, das Gebäude wird heute für kulturelle Angebote genutzt.
Und eh wir uns versehen, sind an einer Stelle angekommen, von der aus wir einen guten Blick auf die Mauern der großen Festung haben.
Gegenüber der neuen Festung auf dem großen Platz stehen diese beiden Statuen, ringsherum fahren Autos an uns vorüber – die Tauben lassen sich allerdings davon nicht verscheuchen. Wer sie sind, keine Ahnung... aber schön anzuschauen, wie die Männer in ihrem Stolz dort oben auf den Sockeln stehen. Mit Ruhm bekleckert?? Ich würde sagen mit der Hinterlassenschaft der Tauben!
Welch eine Idylle, ich denke an unseren Venedigbesuch zurück. Beschauliche, die schmalen Häuser und die Boote auf dem Wasser - wunderschön.
Schade, für den laufen Marktbetrieb im Mercato sind wir zu spät dran. Aber für einen Blick hinein reicht es noch.
Das Gebäude wurde im klassizistischen Stil errichtet (1894) und beherbergt fast 200 kleine Stände, an denen man nicht nur einkaufen kann – man kann dort auch ein wenig „herum knuspern“ - wie ich es immer ausdrücke. Sprich Kleinigkeiten essen – lecker. Auch die Marktstände draußen haben schon ihre Rolläden runter gelassen.
Eingerahmt von Häusern, steht der Tempel der Holländisch-Deutschen Kongregation (im neugotischen Stil erbaut und 1864 eröffnet) – wird auch die Holländische Kirche genannt. Ich kann mich nicht satt sehen, an den prachtvollen Bauten und bin echt froh, dass wir uns für diesen Spaziergang aufgerafft haben. Was mir aufgefallen ist: Es gibt an manchen Straßenzügen Eckgebäude auf jeder Straßenseite, die identisch sind … so auch hier.
Hier an dieser Stelle wird deutlich, dass Livorno eine Stadt für alle Menschen war, die in ihr gelebt haben – jede Religion hat einen festen Platz im Stadtbild gefunden. Kirchen und Kultstätten waren etabliert und die jüdische Bevölkerung musste nicht in einem Getto leben. Die ursprüngliche Synagoge war 1603 errichtet worden und war weithin außerhalb Italiens für ihre Schönheit bekannt und wurde auch von Mitgliedern vereinzelter Königshäuser und politischen Vertretern besucht. Im Zweiten Weltkrieg fiel dieses bekannte Bauwerk den Bombenangriffen zum Opfern und 1962 wurde an der Stelle der alten Synagoge ein neues Gebäude in modernem Stil errichtet. Eine äußerst interessante Architektur mit diesen sechseckigen Fenstern.
Manchmal sind es nur kleine fast unscheinbare Dinge, die meinen Blick auf sich ziehen. Eine Verzierung, ein schöner Marmorboden, ein stiller Winkel oder einfach nur das Spiel von Licht und Schatten. ... Wir machen uns auf den Rückweg und bleiben noch kurz vor dem Dom stehen.
So, ich mag nicht mehr laufen … noch ein wenig ausruhen oder einfach nur achtern vor der Ocean-Bar sitzen und den Sonnenuntergang betrachten. Am Shuttle ist keine lange Schlange und wir schnell zurück an Bord. Im Hafen liegen noch ein paar Fähren, auf dem Pooldeck ist Shaken angesagt - 2 Drinks für den Preis von einem. Okay, wir nehmen das Angebot dankend an.
Sobald die Sonne versinkt, wird es doch etwas kühl und wir verziehen uns auf unsere Kabine. Etwas aufräumen und richten für den Abend.
Themenabend im Bella Donna-Restaurant ist heute das „Piemont“. Klar gehen wir dort essen, sind wir ja in Italien. Kleine leckere Vorspeisen und ein Pastagericht, so können wir gestärkt in den Abend starten – zumal wir ja noch eine Verabredung haben.
Ich mit meinem jugendlichen Leichtsinn hatte auf dem Weingut gesagt, wir könnten ja heute mit den Schürzen Spalier stehen, wenn Laura ihren gesanglichen Auftritt im Rahmen des Schlager-Events „Ich finde Schlager toll“ hat. Und so sind wir um 21.15 Uhr mit einigen Leutchen des Vormittags verabredet und als Laura die Treppe auf dem Pooldeck singend herunter kommt, stehen wir „Schwarzschürzen“ Spalier und bejubeln sie. Ich glaube, sie hat sich sehr gefreut und die Zuschauer, die haben erst etwas komisch auf unsere Ansammlung geschaut und dann auch mit geklatscht. Ich möchte nicht wissen, was in deren Köpfen vorging. Gedanken könnten die Runde machen … das scheint so „eine abgefahrene Gruppe von Hobbyköchen on Tour mit AIDAsol“ zu sein. Und das angekündigte Abschlusstreffen mit GM Thomas fand auch noch statt. Er hat gut lachen, Kräuterlikör kann ja nie schaden! Ich sag nur: „Ein Schlückchen zur rechten Zeit, bringt viel Frohsinn und auch Heiterkeit“ und so fand die Sternstunde zur vorgerückten Stunde einen schönen Abschluss. Danke AIDA !!!
Uns ist noch ein wenig nach Musik, aber nicht mehr nach Schlager und vielleicht auch etwas wärmer. In der Anytime-Bar spielt unsere Band „The BandMates“ bei entspannter Atmosphäre und es ist so richtig kuschelig.
Fazit: tolle Sternstunde und ein wunderschöner Bummel durch Livorno, das Venedig der Toscana. Morgen am späten Nachmittag, wird im Hafen französisch gesprochen, wir erreichen Marseille. Bonne nuit.
Und zum Schluss gibt es noch meinen Film mit noch mehr Bildern ...