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Neu 4. Das kann man besser machen!

  • joachimmeertal
  • 20. September 2026 um 13:55
  • 63 Mal gelesen
  • 1 Kommentar

31. Juli 2026 Leknes/Lofoten

Ein Blick nach draußen – ruhige See, trübes Wetter. Sollte uns einer der Höhepunkte dieser Kreuzfahrt mit schlechtem Wetter empfangen? Abwarten und Kaffee trinken …

… und danach einen der Höhepunkte des Tages erleben. In der Nacht wurden wir geweckt, als das Schiff ungewohnt langsam wurde. Wir sprangen auf den Balkon – traten die Nachwehen der eigentlich erledigten technischen Probleme auf? Nein! Vor uns öffneten sich auf Back- und Steuerbordseite auf dem Wasser liegende Sperren! Ach ja, wie konnten wir das vergessen?! Das Eisbärengitter wurde vom Eisbärengitterwart geöffnet, die Vasco da Gama fuhr durch die Lücke und hinter dem Schiff schlossen sich wieder die Schotten. Wir hatten den nördlichen Polarkreis überquert und das musste auf dem Lido Deck gefeiert und auch begossen werden. Neptun war mit seinem Gefolge schon anwesend. Grauselig anzusehen. Aber gut – da mussten wir durch. Denn in diesen nördlichen Gefilden war er der große Herrscher. Alle Passagiere mussten von Neptun begutachtet werden. Und Prüfungen bestehen, damit sie die Reise fortsetzen konnten. Prüfung Nr. 1: Jedem Zögling wurden Meeresrogen auf die Wange geschmiert; dabei durfte er die Miene nicht verziehen. Prüfung Nr. 2: Jeder Kandidat musste ein großes frisches Meeresungeheuer küssen. Prüfung Nr. 3: Das Innere der Prüflinge musste desinfiziert werden. Und zwar mit hochprozentigem Alkohol. Per Riesenspritze, verabreicht von einer attraktiven, heilkundigen Krankenschwester. Ganz schön harte Examen, die wir an diesem Tag absolviert hatten. Aber alle kamen durch …

und erhielten einen Prüfstempel auf den Unterarm. So etwas wie eine TÜV-Plakette …

Inzwischen wurde es high noon und es zog uns nach draußen. Die ersten Lofoten-Ausläufer tauchten im Dunst auf. Noch weit entfernt. Der Røstøyan-Archipel mit der Hauptinsel Røstlandet. Viel war nicht zu sehen. Riesige und auch kleine aus dem Nordmeer steigende Felsblöcke, der Spitzen von Wolken umhüllt waren. Nach diesen Inseln gab´s länger als eine Stunde nur noch Wasser. Und für uns gefüllte Teller, die merkwürdigerweise schnell leer wurden. Denn es zog uns wieder auf das Oberdeck. Auf der Backbordseite baute sich die Lofotenwand auf. Leider nicht unter knallblauem Himmel. Aber auch so beeindruckte sie.

Wir näherten uns unserem Hafen Leknes und sahen das, was Norwegen und speziell die Lofoten ausmacht. Rot-weiße Rorbuer am Fuße eines mächtigen Berges. Noch weit entfernt und wie Spielzeughäuser anmutend.

Alte und in der Mehrzahl neuere ehemalige Fischerhütten, teilweise auf Stelzen, um so den Booten Schutz zu bieten. Heute werden die wenigsten Rorbuer von Fischern genutzt; sie sind begehrte Ferienhäuser und mitunter luxuriös ausgestattet.

Bis zur engen Zufahrt zum Hafen war es nicht mehr weit. Das Lotsenboot näherte sich und die Vasco da Gama wurde immer langsamer.

Dann war es so weit. Die „Meerenge“ wurde bezwungen und wir sahen eine alte Bekannte wieder, die wir dieses Mal endlich aufsuchen wollten.

Die Buksnes-Kirche in Gravdal, die vor 121 Jahren geweiht wurde. Gebaut im damals im skandinavischen Raum beliebten Drachenstil bot sie einen herrlichen Farbkontrast zur sie umgebenden Landschaft.

Dann die andere Seite –

im Hintergrund Leknes, das Verwaltungszentrum der Insel. Direkt am Wasser gelegen das Lofoten Bio Centre, ein Kompetenzzentrum für Aufgaben rund um die Aquakultur.

Ein Blick zurück – auf das Nordmeer.

Ja, Kapitän und Lotse mussten sehr vorsichtig den Weg zum Kai suchen. Es war tatsächlich verdammt eng und beide konnten es sich nicht erlauben, die grandiose Bergwelt rund um den „Hafen“ zu genießen.

Wir schauten voraus. Auf die „Hafengebäude“, die wir in wenigen Minuten stürmen wollten.

Wie später auch den Hügel, von dem aus man eine herrliche Aussicht auf Land und Meer hat.

Aber zunächst hinein in den Andenkenladen, an dessen Außenseite verkündet wurde, dass von hier aus Shuttle Busse nach Leknes (oder war es Gravdal?) fahren bzw. eine 1 ½ stündige Busrundfahrt für € 50,-- angeboten würde/n. Im Laden gab es lange Gesichter. Nicht beim Betreiber sondern bei vielen Mitpassagieren. Wir erfuhren, dass nicko cruises erst an diesem Morgen die Agenturen informiert hatte, dass wir Leknes aufsuchen würden. Also erst vor ungefähr 8 Stunden. Örtliche Anbieter hatten in der Kürze der Zeit keine Möglichkeit, sich auf den Gästeansturm vorzubereiten. Und Taxen? Wir sahen ein einziges Taxi, das blitzschnell belegt war. Und nun? Ein Spaziergang der Straße entlang nach Leknes oder Gravdal? Jeweils drei bis vier Kilometer. Was gab es dort zu sehen außer der Buksnes-Kirche? Nichts Interessantes in beiden Orten, wie uns Besucher im Nachhinein informierten.

Jetzt könnte man meinen, dass nicko cruises Alternativausflüge angeboten hätte. Pustekuchen – vier von Svolvær ausgehende Ausflüge wurden gestrichen; die anderen beibehalten. Zu den gekänzelten Ausflügen: Einer war die Fahrt in den Trollfjord. Preis ca. € 350,--; Dauer 4 bis 4 ½ Stunden. Vor zehn Jahren unternahmen wir eine über AIDA gebuchte Bootsfahrt in den Trollfjord. Dauer acht Stunden ab Leknes; allerdings Teilrückfahrt ab Henningsvær mit dem Bus; Preis knapp die Hälfte (Ja, ich weiß, dass auch in Norwegen alles teurer geworden war. Aber nicht in dem Umfang!). Normalpreise über örtliche Anbieter ab Svolvær ca. € 200,-- preiswerter; ein Anbieter bot ihn last minute zu € 106,-- an … Über diese Preisgestaltung kann ich nur den Kopf schütteln …

Die übrig gebliebenen Ausflüge sagten uns nicht zu; fünf identische mit Schwerpunkt arktische Kunst (nicht unsere Sache) und drei weitere, davon zwei identisch. Svolvær als größte Stadt der Lofoten hätte mehr zu bieten gehabt als Leknes und Gravdal. Allein rund um den Hafen hätte man sich länger aufhalten können.

nicko cruises – Ihr habt Euch in diesem Fall nicht mit Ruhm bekleckert!

Nun genug mit Kritik – wir mussten das Beste aus der Situation machen. Also vorsichtig rauf auf den Hügel und die im Lofoten-Informationsschreiben von nicko cruises „beeindruckende Natur mit ihren markanten Berggipfeln, malerischen Fischerdörfern und eine der schönsten Küstenlandschaften Norwegens“ genießen. Ach ja, Berggipfel sahen wir in der Ferne, den Rest mangels Ausflugsmöglichkeiten nicht. Im Vordergrund das Lofoten Bio Centre.

Von oben aus hatten wir den Eindruck, dass der Weg dorthin und ein Aufenthalt am Strand ganz nett sein könnte. Also auf …

Und zwar nicht entlang der Straße sondern auf ausgefahrenen Sandwegen. Nach dem Verlassen der Hafengegend wurden wir von Natur pur umringt. Blühende Lofoten – einfach nur schön …

Worauf sind wir gestoßen? Auf dieTrabrennbahn Lofoten Travpark … dass es so etwas auf diesen Inseln gibt! Ein Oval von knapp 870 m um den See Svanvatnet. Trabrennen abseits der Hektik in der Natur – kann es für Fans schöner sein? Aber in den letzten Jahren ließ hier oben das Interesse an diesem Sport merklich nach, was der Zustand der Bahn und des Zielrichterturm zeigte.

Wir bewegten uns langsam weiter durch diese weitgehend unverfälschte Landschaft. Ein Vogelschutzgebiet und wichtiges Feuchtgebiet

mit einer Farbenpracht, wie wir sie im hohen Norden nicht erwartet hatten. Es dürfte jedoch nicht lange dauern bis die bunt blühenden Pflanzen in den nächsten Naturrhythmus übergehen müssen … leider … Ach ja, wenn man sich auf diesem Foto den Himmel betrachtet, kann man feststellen: Wir hatten ein unheimliches Glück mit dem Wetter. Wenigstens etwas! Und weil es so schön ist, ein weiteres Panorama:

Die Einfahrt nach Leknes, im Hintergrund die Berge, im Vordergrund wetteifern verschiedene Pflanzen, welche am schönste blüht. Wie sang vor vielen, vielen Jahren Satchmo: „What a wonderful world!“

Da das Lofoten Bio Centre quasi um die Ecke lag, führte kein Weg daran vorbei. Wir schauten es uns näher von außen an – weil wir erst am späten Nachmittag dort auftauchten, war es geschlossen. Aber der Blick vom kleinen, sich daneben ausbreitenden Strand auf unser Schiff und Gravdal war nicht ohne. Und nebenbei sammelten wir Lofoten-Muscheln für unser Enkelkind.

Auf dem Rückweg schockte uns die Vasco da Gama.

Hatte sie sich losgerissen und sich auf den Hügel geschoben? Keine Angst – es gab noch genug Wasser zwischen Bug und Land, wie wir feststellten als wir am Pier standen.

Was nun? Sollten wir einen der beiden Orte besuchen? Berichte der Rückkehrer hielten uns zurück. Wie bereits oben vermerkt – es lohnte sich nicht. Außerdem hatten einige Probleme, Taxen für die Rückfahrt zu ergattern; damit war auch der Besuch der Buknes-Kirche ad acta gelegt. Also legten wir einen weiteren ruhigen Restnachmittag ein und bewunderten die Gegend rund um das Schiff. U.a. bei einigen Rundgängen auf Deck 5.

Es war nichts los – entweder waren alle beim Futtern oder noch auf einer der wenigen Ausflugsfahrten. Wir hatten die Verwöhnzeit im Waterfront bereits hinter uns und verbrachten die Zeit bis zum Auslaufen in einer der vielen plüschigen Bars.

Wir ließen uns Garibaldi und Mai Thai schmecken bis ein Blick durch die Fenster zeigte, dass die Sonne an diesem Abend beeindruckend Abschied nahm. Und auch die Vasco da Gama sagte Leknes „Adjø“ und suchte den Weg ins Nordmeer.

Die Außendecks füllten sich. Kein Wunder bei dem Sonnenuntergang. Und es wurde richtig spektakulär.

Weit hinten am Horizont hob sich ein Regenbogen aus dem Nordmeer; kurze Zeit später war ansatzweise ein zweiter zu sehen. Alle bewunderten gebannt das Naturschauspiel, das man nicht sehr oft erleben darf. Zum Abschied präsentierte sich die Lofotenwand für viele unvergesslich unter einer traumhaften orange-roten Sonnenfärbung.

Auch in diesen Momenten stimmten wir Satchmo zu: „What a wonderful world ….“


Der 1. August 2026 – Seetag 2

wurde ein Seetag, wie wir uns ihn wünschten. Tagsüber Sonne, Wolken, etwas Wind, insgesamt frisch. Aber im Windschatten konnten wir es in T-Shirts und kurzen Hosen gut aushalten. Besonders am Nachmittag waren die Liegen rund um den Außenpool sehr gut belegt.

Wir ließen es an diesem Tag langsam angehen. Zunächst ein ausgiebiges Frühstück, anschließend ließen wir uns vom Lektor über „Nordnorwegen – vom Ende der Welt bis zum Neuanfang“ informieren. Und dann kam das, was den Seetag bei gutem Wetter ausmacht. Viel frische Luft, Sonnenbaden, zum Ausgleich Bewegung auf Deck 5.

Der Abend begann für uns mit der Show „The Winner takes it all“. ABBA durfte selbstverständlich auch auf der Vasco da Gama nicht fehlen. Die Interpreten waren ganz gut; ABBA-Shows auf anderen Schiffen hatten uns allerdings besser gefallen.

Aus dem geplanten früh zu Bett – Gehen wurde nichts. Wir befanden uns schließlich in den Gefilden der Mitternachtssonne. Gegen 22.30 Uhr gab sie ihr Bestes; es überzeugte uns, bis zum Ende auszuharren. Aber aus dem Ende wurde leider nichts – ungefähr 23.15 Uhr verbarg sie sich hinter einem auf dem Meer liegenden Wolkenband

und sie verschwand. Wir auch – einige Schritte weiter in der Koje.

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Kommentare 1

Meersucht
20. September 2026 um 14:22

Was für wunderschöne Fotos wieder von den Lofoten und dem Sonnenuntergang. Da habt ihr angesichts der fehlenden Ausflugsmöglichkeiten ja doch alles "richtig" gemacht. :thumbsup:

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