
29. Juli 2026 – Nordfjordeid
Unser erster an diesem Tag besuchte Fjord ist 116 km lang. Die Vasco da Gama befuhr ihn vom Beginn fast bis zum Ende – den Nordfjord bis Nordfjordeid. So brachte uns unser Schiff bis ins Herz des norwegischen Fjordlandes. Wir erlebten den Fjord am Morgen nicht in voller Länge – zu früh drehte unser Kapitän das Schiff vom Nordmeer in den Nordfjordeid ab. Irgendwo ab letzten Drittel erfreuten wir uns an der an uns langsam vorbeiziehenden Landschaft. In Ufernähe keine hohen Berge, vergleichbar mit der uns bekannten deutschen Mittelgebirgslandschaft. Viel Wald, zwischendurch Wiesen. Ab und zu kleine Ortschaften oder Häuseransammlungen.
Das Wetter? Nach dem Regen klarte es sich auf. Dicke Wolken, unterbrochen von großen blauen Flecken. Das ließ hoffen … Ab und zu schob sich die Sonne durch Wolkenlücken und ließ die wunderschöne Gegend sehr sympathisch erscheinen.
Eine wichtige Durchsage störte die Stille auf dem Deck. Wir wurden informiert, dass aufgrund der Wetterbedingungen ein Herausfahren des Seawalks nicht möglich war. Als Ersatz wurde uns das Tendern als Non-plus-ultra verkauft. Warum auch nicht … Tendern macht auch uns Spaß und bis zum Ausflugsbeginn hatten wir Zeit satt.
Kurz nach 8 Uhr näherten wir uns dem Ziel Nordfjordeid. Der Anker wurde geworfen und die Vasco da Gama lag auf Reede.
So richtig toll sah der Himmel über Norwegen nicht aus. Vor allen Dingen nicht in der Richtung, in der wir später unterwegs sein wollten. Doch zunächst egal – wir frühstückten und besorgten uns Tendertickets mit passendem Zeitfenster. Dann war es so weit – mit Tenderbooten wurden wir an Land gebracht. Ein wenig zu früh. Aber so konnten wir uns ein wenig die Gegend anschauen und uns mit den wartenden Mitausflüglern unterhalten. Der Ausflugsbus kam. Ein großer Bus für uns 20 Reisende – gut so! 6 ½ Stunden sollten wir beim nicht über nicko cruises gebuchten Ausflug „Nordfjordeid - die ultimative Panoramaaussicht vom Berg Stranda“ unterwegs sein. Zunächst kurz durch Nordfjordeid, dann durch ein von Vieh- und Möbelwirtschaft geprägtes Tal. Eine hügelige Gegend, die während unserer Durchfahrt (noch) nicht vom Regen heimgesucht wurde. Auch bei unserem ersten Fotostopp am westlichen Ausläufer des Hornindalvatnet hielt sich Petrus die Nässe vom Himmel zurück.
Einfach nur schön –der mit 514 m tiefste Binnensee Europas, umgeben von nicht allzu hohen Bergen. Er zeichnete sich durch weitgehend glasklares Wasser aus, da kein Gletscherfluss in diesen See mündet.
Unser Reiseleiter hatte für den kurzen Aufenthalt das ideale Zeitfenster ausgesucht – nahezu glatte Seeoberfläche mit herrlichen Spiegelungen, kein Regen. Das sollte sich aber schnell ändern. Kaum begann unsere ca. 30 km lange Fahrt entlang des Sees, öffneten sich die Schleusen. So waren die Ausblicke nicht ganz so beeindruckend wie bei optimalem Wetter. Der Regen begleitete uns weiterhin, als wir durch ein weiteres fruchtbares Tal fuhren und schließlich Hellesylt und damit unseren zweiten Fjord an diesem Tag erreichten – den an diesem Ort endenden Sunnylvsfjord. Dieser Fjord ist ein 26 km langer „Ableger“ des Storfjords und beginnt in etwa bei Stranda. Unser Bus fuhr an Hellesylt vorbei und nahm Kurs auf unser Hauptziel Stranda. Doch eine Fahrt oberhalb des Sunnylvsfjords ohne Fotostopp lohnte sich nicht. Direkt hinter einem mittellangen Tunnel hielt unser Bus am Ljøen Aussichtspunkt, 270 m oberhalb des Fjords.
Hinter uns der Tunnelausgang, unter uns Gehöfte und der Sunnylvsfjord. Alles im Regen … Ein wenig weiter westlich wurde es spektakulär:
Unser dritter Fjord erwartete uns: einer der schönsten Fjorde Norwegens – der Geirangerfjord als „Wurmfortsatz“ des Sunnylvsfjords. Im dunstigen Regen erschien er mystisch. Nun gut, wir hätten ihn lieber bei Sonnenschein und unter blauem Himmel bewundert. Wie mit Sicherheit auch die zahlreichen Passagiere, die auf der AIDAprima voller Erwartung Richtung Geiranger unterwegs waren.
Der nicht nachlassende Regen machte es uns leichter, schnell wieder in den Bus zu steigen. Wir verabschiedeten uns vom Fjord und tauchten in den 3,6 km langen Ljøtunnelen, der uns ins regenfreie Strandatal entließ. Alles grün – Wälder und Weiden, nur wenige Ortschaften. Bis wir unseren vierten Fjord, den Storfjord, erreichten mit dem Hauptort der gleichnamigen Kommune Stranda, den wir schnell durchfuhren. Langsam, aber sicher ging es bergauf bis wir das in dieser Gegend bevorzugte Skigebiet Strandafjellet erreichten. Es ist nicht nur im Winter sehr beliebt; auch in den übrigen Jahreszeiten hat es seine Wanderfans. Wie wir feststellten, wurde in den vergangenen Jahren die Infrastruktur weiter ausgebaut. Hotelanlagen und auch die für die Norweger beliebten stilvollen Hütten bieten Unterbringungsmöglichkeiten. Wir wollten nicht Ski fahren, wir wollten nicht wandern, wir wollten nur hoch hinaus. Von ca. 400 m an der Tal- auf ungefähr 1.050 m an der Bergstation des Strandafjellet.
Zügig war´s hoch oben. Und zunächst diesig. Aber von oben trocken – das war die Hauptsache. Der Ausblick rundherum ließ uns die karge Umgebung vergessen.
Ein Panorama, wie wir es selten gesehen haben. Zwei Fjorde – der Storfjord und unser fünfter Fjord des Tages, der Nordalsfjord, als Nebenarm des Storfjordes. Tiefblaues Wasser, umrahmt von mehr oder weniger steilen, aus dem Wasser ragenden Bergen. Im Hintergrund die bis zu 1.700 m hohen, teilweise schneebedeckten Sunnmørsalpen. Wir konnten uns vom atemberaubenden Ausblick schwer trennen: Berg – Fjord – Berg – Fjord – Berg … einfach nur schön! Doch einige steile Meter mussten wir gehen. Um uns aufzuwärmen und zu stärken. Im „Fjord Panorama Restaurant“ standen heißer Kaffee (oder auch Tee) und frisch gebackene Waffeln bereit. Kaffeestunde bei unvergesslichem Rundumblick … Anschließend einige steile Meter wieder nach oben zur Bergstation. Mit letzten Abschiedsblicken auf die traumhafte Umgebung
und dann wieder in der Kabinenbahn nach unten. Wir saßen rechtzeitig im Bus bevor sich das Wetter wieder verschlechterte. Gut – für den Trip auf den Stranda Berg hatten wir das optimale Zeitfenster; zum zweiten Mal an diesem Tag. Die Rückfahrt begann. Auf derselben Strecke wie während der Hintour. In Hellesylt legten wir einen Fotostopp ein. In einem kleinen, stillen Ort mit ungefähr 680 Einwohnern, nicht weit vom Touristenmagnet Geirangerfjord entfernt. Lauter wird es im Sommer, wenn morgens Kreuzfahrtschiffe anlegen und meistens eine nicht geringe Anzahl von Passagieren ausspucken, die eine interessante und erlebnisreiche Überlandfahrt nach Geiranger antreten. Anschließend legt das Schiff ab mit dem Ziel Geiranger, wo die Passagiere am späten Nachmittag wieder aufgenommen werden. Wir hielten uns nur kurz in Hellesylt auf
und bewunderten den Hellesyltfossen, einen für norwegische Verhältnisse nicht zu spektakulären Wasserfall. Er teilt Hellesylt, was dem Ort einen gewissen Charme verleiht.
Viel zu schnell begann die Rückfahrt durch das liebliche Hornindal, in dem wir uns die etwas mehr als 200 Jahre alte, in Trockenbauweise errichtete Honndøla Bru
mit dem Jungfrauenstein anschauten.
Jungfrauenstein? Ja, eine Art Schwangerschaftstest … Dazu gibt es zwei Erklärungen: Vor der Hochzeit musste früher die Braut vor den Augen sämtlicher Dorfbewohner durch diese einigermaßen runde Öffnung kriechen. Schaffte sie es nicht und blieb stecken, fiel die Hochzeit ins Wasser. Warum wohl??? Oder: In den guten alten norwegischen Zeiten wurden die Jungmänner zum Hüten der Schafe und Ziegen in die Berge geschickt. Unterstützung für Hausfrauentätigkeiten erhielten sie von den später nachkommenden jungen Frauen oder auch älteren Mädels. Nach der Rückkehr im Herbst mussten die vielleicht nicht mehr so jungen Frauen durch das Steinloch krabbeln. Und …
Nun aber schnell weiter, da keine einzige weibliche Mitreisende sich oder auch den Stein testete …
Wieder entlang am Hornindalvatnet bis zu unserem Anleger in Nordfjordeid.
Nach einem intensiven Blick nach oben fuhren wir mit dem nächsten Tenderboot auf die Vasco da Gama. Wir trauten Petrus nicht – zu recht … und verzogen uns ins Innere unseres Schiffes. Ausruhen und Vorbereitung auf das Abendessen standen auf unserem Plan. Im Waterfront
ließen wir uns u.a. Thunfisch-Carpaccio, gegrillten Mahi-Mahi, marinierten Hirschrücken und die unvermeidliche Käseplatte schmecken.
Während des Abendessens wurden wir informiert, dass wir Svolvær nicht anlaufen würden. Aufgrund der Wettervorhersagen war das geplante Tendern zum „Herz der Lofoten“ leider nicht möglich. Uns war das zunächst egal – wir hatten keinen Ausflug gebucht und wollten uns die Stadt auf eigene Faust anschauen oder kurzfristig einen am Hafen angebotenen Ausflüge wahrnehmen. Als Svolvær-Ersatz wurde Leknes vorgesehen – mal sehen, welche Ausflugsangebote nicko cruises aus dem Hut zaubern würde bzw. was wir an Land noch buchen konnten.
Nach dem Essen drehten wir einige Runden auf Deck 6 und ließen uns anschließend zunächst auf unserer Lieblingsbank am Heck von Deck 9 nieder. Schön dick eingemummelt, denn es war sehr, sehr frisch, auch wenn wir im Windschatten saßen. Wir genossen lange die Ausfahrt auf dem Nordfjord. Nach der Vorbeifahrt von Måløy
bereiteten wir uns auf die Einfahrt ins Nordmeer vor. Weit entfernt konnte es nicht mehr sein
und nach dem Passieren der letzten, mit einem Leuchtfeuer besetzten Schären hatten wir es erreicht.
Noch einige Worte zum über „Meine Landausflüge“ gebuchten, sehr gut organisierten Ausflug: Wir erlebten das, was wir erwartet hatten: norwegische Natur und Landschaft in reinster Form. Eine Busfahrt durch eine wunderschöne Gegend mit attraktiven Zwischenzielen. Der Reiseleiter sprach ein einwandfreies Deutsch und ließ uns bei angenehmen Pausen immer wieder Zeit zum Verarbeiten der Informationen. Für norwegische Verhältnisse war der Preis angemessen.