Und schon wieder die Beatles – bei der Einfahrt in den Firth of Clyde Richtung Greenock wurden wir an den von Beatle Paul McCartney und seiner Band Wings veröffentlichten Song „Mull of Kintyre“ erinnert; in dem Paul das Heimatgefühl beim Anblick der Insel wiedergibt:
“Oh, mist rolling in from the sea
My desire is always to be here
Oh, Mull of Kintyre …”
17. Juni 2012 - Greenock/Schottland
Es war wieder früh, als wir an Deck die Einfahrt in den Firth of Clyde erlebten. Dieser an seinem äußersten Ende 42 km breite Fjord ist ein Meeresarm an der Westküste Schottlands, der nur durch die Halbinsel Kintyre vom Atlantik getrennt ist. Er beginnt in etwa bei Greenock und damit bei der Mündung des Flusses Clyde in den Firth of Clyde, der dort immerhin noch 3 km breit ist.
Doch zurück zu der Firth-Einfahrt. Ja, es war wieder früh, aber es hatte sich gelohnt. Jede Menge Wolken am Himmel, aber kein Regen! Das war doch etwas! Links und rechts von der AIDAcara zog die schottische Landschaft an uns vorbei. Steile, terrassenförmige, mit Gras und Büschen bewachsene Hänge, auf denen Häuser, eine Kirche und ganz oben ein Wachtturm stehen.
Weiter weite, von Hecken und Natursteinmauern eingefasste Weiden mit Bauerhöfen. Viel Grün. Kein Wunder, denn es soll in Schottland viel regnen (aber nicht an diesem Tag!!!).
Dann kamen kleinere Wälder, aus denen ab und zu kleinere Herrenhäuser herausschauten.
Und langsam näherten wir uns größeren Ortschaften, die sich an den Hängen des schottischen Hochlandes schmiegen. Auch hier wiederum viel Grün.
Der Firth of Clyde scheint ein beliebtes Urlaubsgebiet zu sein; man erkennt es an den zahlreichen Mobilheimen an – wo wohl? – den grünen, ansteigenden Hängen.
Greenock kam in Sicht – eine Stadt mit ca. 45.000 Einwohnern, die wirtschaftlich bessere Zeiten erlebt hat. Früher war die Stadt eines der britischen Zentren der Werftindustrie, bis die südostasiatischen Konkurrenten für ein Aus sorgten. Heute gibt es nur noch kleinere, spezialisierte Schiffszulieferer, aber einen Hafen, der die Stelle des versandeten, 40 km entfernten Hafens von Glasgow übernommen hat.
Ja, was macht man in Greenock? Möglich sind Tagesfahrten nach Glasgow oder Edinburgh oder auch eine Fahrt in die Natur. Wir entschieden uns für Letzteres, denn an den Vortagen sind wir bereits durch einige Großstädte gelaufen.
Gegen 10.30 Uhr begann unsere „Panoramafahrt entlang des Loch Lomond“. Wir verließen per Bus Greenock. Unser „Gespann“ waren der Busfahrer Allister und die Reiseleiterin Constanze. Sie informierte uns umfassend über Greenock und später über die schottische Landschaft incl. Fauna und Flora. Kurz hinter der Stadtgrenze von Greenock fuhren wir auf der 1971 eröffneten Erskine-Brücke über den Clyde. Dann begann die Landschaftsfahrt. Wiesen, Weiden, Wälder, unterbrochen von Bauernhöfen und mehr oder weniger großen Herrenhäusern bis wir den Loch Lomond erreichten.
Er gilt mit 71 qkm als größter und schönster See dieses Landesteils und ist Teil des Nationalparks Loch Lomond and the Trossachs. Der See bietet einige Kontraste: Im Norden ist er eng und bis zu 190 m tief, im Süden breiter und flacher und mit – je nach Wasserstand – zwischen 30 und 60 Inseln versehen. Am steilen Ufer bewacht der 917 m hohe Ben Lomond den See.
So richtig genießen konnten wir ihn aber nurrecht kurz, und zwar vom Dorf Luss aus, ein Zwischenziel unseres Ausflugs, das eine Anlegestelle für die Ausflugsschifffahrt hat. Dieses Dorf könnte ohne weiteres bei unseren Wettbewerben „Unser Dorf soll schöner werden“ mithalten. Klein, übersichtlich, pittoresk, sauber, farbig durch unzählige Blumen und blühende Sträucher. Eben ein Musterdorf, in dem sich in der Hauptsaison bei gutem Wetter die Touristen tummeln. Von Industrie bzw. Handwerk war so gut wie nichts zu sehen; lediglich ein Kilt- und ein Dudelsackmacher üben ihr Handwerk aus. Das passt zu diesem Dörfchen, ebenso, dass vor einigen Jahren hier die schottische Serie „Take the High Road“ gedreht wurde. Aber davon war nichts mehr zu sehen – unsere Augen wurden verwöhnt von den idyllischen kleinen Häusern, dem schönen See und der herrlichen Umgebung; nicht zu vergessen von der Blumenpracht.
Erwähnenswert ist auch die Luss Parish Church. Sie ist Saint Kessog gewidmet, der im Jahre 510 das Christentum nach Luss brachte. Erbaut wurde die Kirche ab 1875. Bekannt ist sie für online-Gottesdienste und als Stätte für über 100 Trauungen im Jahr – so glitten 2009 in diesem Gotteshaus 153 Paare in ihr gemeinsames Leben. Auf dem Friedhof (passt nicht so ganz zum vorhergehenden Satz …) findet man 15 uralte Grabsteine.
Die für die Besichtigung dieses Dörfchens angesetzte Zeit von 45 Minuten war natürlich zu kurz – wie üblich … aber die Vorgaben … also rein in den Bus und weiter! Weiter am Loch Lomond entlang, durch die schottische Landschaft und durch Dörfer. Dann wurde es steiler, der Bus mühte sich die Straße hinauf bis zum Aussichtspunkt „Rest and Be Thankful“.
„Ruhe Dich aus und sei dankbar“ – diese Worte gravierten englische Soldaten auf einen Gedenkstein, als sie in den 40er Jahren des 18. Jahrhunderts hier den höchsten Punkt des von ihnen erbauten Straßennetzes erreichten. Und sich (hoffentlich) richtig ausruhen durften. Der Ausblick war überwältigend: raue Berge und ruhige Seen. Und ein Grün … Kein Wunder, dass sich auch heutzutage an diesem Fleck viele müde Wanderer ausruhen!
So, genug gesehen und ausgeruht – die Landschaftsfahrt wurde für ungefähr 1 Stunde fortgesetzt bis Hunter´s Quay, wo wir auf die Fähre fuhren, die uns über den Clyde bzw. Firth of Clyde brachte. 30 Minuten dauerte die Überfahrt – herrliche Ausblicke auf den Fjord und die beiden Ufer.
Und das Wetter besserte sich weiter: Ab und zu erschienen blaue Flecken zwischen den Wolken und die Sonne zeigte sich, wenn auch nur kurz!
Die Fähre legte in Gourock an; Allister und Constanze brachten uns nach Greenock zum Schiff zurück. Zeitig genug, denn es gab noch Kaffee und Kuchen und auch noch genügend Zeit, sich Teile von Greenock anzuschauen. Natürlich per pedes!
Vom Schiff war es nicht weit bis zur Stadtmitte. Wir standen zunächst vor dem Rathaus.
Direkt daneben ist an der Ecke eines repräsentativen Hauses ein Denkmal für den größten Sohn Greenocks, James Watt, zu bewundern. Er lebte von 1736 bis 1819 und war bekanntlich als Erfinder der Dampfmaschine für die industrielle Revolution mitverantwortlich. An vielen Stellen des Ortes wird man an James Watt erinnert, so bei The Watt Library, einer Bücherei, die 1816 als James´s Schenkung mit naturwissenschaftlichen Büchern ins Leben gerufen wurde, dem McLean Museum, The Watt Hall und dem James Watt College.
Aber was traf man an vielen Ecken an? Kirchen – und davon jede Menge. So zählten wir fünf Gotteshäuser in unmittelbarer Umgebung, ganz zu Schweigen von den anderen, ein wenig weiter entfernten. So z.B. The Old West Church, deren Anfänge bis zum Jahre 1591 zurückzuverfolgen sind.
Wir schauten uns das 1818 erbaute Custom House an, das bis 2010 als Zollhaus genutzt wurde. Der davor liegende Kai war Abschiedsort unzähliger Schotten, die im 19. Jahrhundert vor allen Dingen aus wirtschaftlichen Gründen ihre Heimat verließen.
Es war ein kurzer Spaziergang – so viel hatte Greenock nicht zu bieten. Also zurück auf die AIDA und schnell kam das sail-away um 19.00 Uhr. Und was noch? Ein Abschied vom ersten schottischen Hafen, wie wir ihn bisher noch nicht erlebt hatten. Vor dem Terminalgebäude verabschiedete uns eine Dudelsackband und ein riesiger Schotte. Ein echter? Nein, vom Äußeren nicht – aber sicher in dieser Puppe, die auf dem Kai winkend hin und her ging und uns zum Schluss knieend ein Lebewohl zuwinkte. Doch davon nicht genug – lange winkten uns die Tourismusmitarbeiter/-innen mit schottischen Flaggen und deutscher Fahne unter lauter und schöner Dudelsackmusik hinterher – ein Abschied, der ein wenig unter die Haut ging …
Dann begann wieder der Stress. Sollten wir „Asien“ im Markt-Restaurant oder „Westindische Inseln“ im Calypso wählen? „Asien“ gewann – es war wie immer eine gute Wahl. Falsch machen konnte man sowieso nichts!
Anschließend kam der nächste Stress. Was machen wir? Das EM-Spiel Deutschland – Dänemark im Theater gucken oder doch lieber Deckzeit? Deckzeit gewann und es lohnte sich!
Über dem Festland tummelten sich noch aufgelockerte Wolken. Aber seewärts … blauer Himmel und Sonnenschein! Das machte die Ausfahrt aus dem Firth of Clyde noch attraktiver!
Und zur Belohnung für den 2:1 – Sieg unserer Mannschaft ein herrlicher Sonnenuntergang.
Greenock lag hinter uns – als nächstes Ziel erwartete uns Oban, unser Höhepunkt dieser Kreuzfahrt …