
Nach unserem Spaziergang durch das „Royal Albert Dock“ machen wir uns jetzt auf in Richtung Innenstadt. Es ist immer noch Sonntag und außer ein paar Reiselustigen mit ihren Rollkoffern und den entsprechenden Geräuschen begegnen uns kaum Einheimische. Noch einmal kommen wir an den drei Grazien vorbei, jetzt aber aus dem Blickwinkel der zweiten Reihe.
Dann biegen wir rechts ab in die James Street, um dann links durch die Castle Street zu gehen. Am Ende der Straße steht in der High Street die „Town Hall“. Das elegante Liverpooler Rathaus wurde im Jahr 1754 eröffnet und aufgrund seiner korinthischen Säulen, die ein dreieckiges Dach tragen, und seiner Skulpturen als eines der schönsten englischen Gebäude des 18. Jh. angesehen. Das Rathaus wird von einem schönen Turm gekrönt, auf dessen Spitze eine Statue der Göttin Minerva steht. Auch die Inneneinrichtung mit dem hölzernen Kamin in der Eingangshalle, dem schönen Treppenhaus und den Mahagonipanelen im Sitzungszimmer soll sehenswert sein, aber es ist Sonntag und alles ist zu. Heutzutage wird das Gebäude nur noch für repräsentative Zwecke der Stadt genutzt.
So wenden wir uns dem Cavern Quarter zu. Hier sind auch wieder ein paar mehr Menschen auf der Straße, neben alten Kreuzfahrern, so wie wir, viele junge Einheimische.
Die Schlagader des Viertels ist die Mathew Street, in der sich auch der berühmte „Cavern Club“ befindet, der 1957 in einem dunklen Keller eröffnet wurde und in dem die Beatles ihre Karriere begannen. Da dem kleinen Klub nie große finanzielle Erfolge beschieden waren, musste er 1973 dem Bau der neuen Metro weichen. 1984 aber meldete sich der „Cavern Club“ wieder zurück und wurde nur ein paar Schritte neben dem ehemaligen Klub unter Verwendung vieler Originalsteine neu aufgebaut. Auch die Neuauflage des legendären Beat-Klubs aus den 60er-Jahren ist immer noch eine der bekanntesten Liverpooler Musikstätten mit Auftritten von Beatles-Coverbands aus den unterschiedlichsten Ländern unserer Welt.
Die Hausfassaden werden durch Pop Art verschönert.
Da es seinerzeit im „Cavern Club“ keinen Alkoholausschank gab, sind die „Fab Four“ und andere Gruppen zum Durst löschen hin und wieder in die umliegenden Pubs gegangen. Einer dieser Pubs liegt um die Ecke am Rainford Square und ist der „White Star Pub“, benannt nach der Liverpooler Reederei der „Titanic“.
Aber nun sind auch wir dran, unseren Durst zu löschen. Schon auf dem Weg hin ins Cavern Quarter haben wir in der Dale Street den Hofeingang mit dem Schild „Lady of Mann“ gesehen. Nun müssen wir erkunden, was sich dahinter verbirgt.
Es ist ein schöner alter Innenhof mit angrenzendem Pub. Herz, was willst du mehr? Also lassen wir es uns hier gutgehen. Oder wie ein Freund immer sagte: es könnte uns auch schlechter gehen. So bestellen wir vier Pint of Lager. Auch wenn es leider kein „13 Hop House“ gibt, ist die Alternative so wohlschmeckend, dass auch noch eine zweite Runde gibt. Das bewirkt einen Gang zur Toilette, bei dem ich auch am Tresen mit zwei jungen Bartendern vorbei muss. Auf dem Rückweg komme ich mit den beiden Jungs ins Gespräch. Sehr nett, aber auch sehr anstrengend, denn mit Englisch hat der Liverpooler Slang kaum etwas gemein. Neben der offiziellen Bezeichnung der Einwohner Liverpools als „Liverpudlians“ werden sie auch „Scousers“ genannt, nach dem hier gesprochenen Dialekt „Scouse“, dessen Name sich wiederum von der lokalen Eintopfspezialität „Scouse“ ableitet. Nun ist mir alles klar, aber ich schlage mich in dem zehnminütigen Gespräch wacker und nicht nur die Jungs haben ihren Spaß.
Nach unserer Bierpause trennen sich unsere Wege. Unsere ostfriesischen Freunde streben direkt zum Schiff, wir drehen noch eine kleine Runde durch die Stadt. Dabei sehen wir noch einmal die „Town Hall“ und kommen am „Liverpool Museum“ und am Shop des FC Liverpool vorbei. Da wir aber auch keine rechte Lust mehr haben, durch die Gegend zu laufen, zieht es auch uns in Richtung Schiff.
Als wir im schönen Abendlicht ablegen, haben wir bereits unseren Platz an der „Ocean Bar“ gefunden und sagen Tschüss zum „Pier Head“ mit den drei Grazien.
Zwanzig Minuten später erreichen wir schon fast wieder das offene Wasser, wo wir eine Zeit lang an einem ausgedehnten Windpark vorbei schippern. Danach nimmt der Abend seinen gewohnten Lauf. Es ist immer wieder schön, etwas Verlässliches zu haben.