
15. Januar 2020 – Penang – Wetter: sonnig, 31 Grad
Auf dieses Ziel freuen wir uns, denn auf den vergangenen Südostasienreisen, war es nur einmal dabei und zwar im Jahr 2014. „Oh meine Güte, wo ist die Zeit geblieben“ sage ich zu meinem Mann. Echt, wie schnell doch die Zeit dahin rauscht. Was haben wir damals auf der Insel Penang – die Malayen sagen Pinang – gemacht? Mit einer kleinen Gruppe sind wir mit einem Reiseleiter unterwegs gewesen, der sehr gut deutsch konnte. Auf dem Plan stand eine Fahrt auf den Penang Hill, Besuch des botanischen Gartens, Besichtigung des Keh Lok Si Tempels und The Clan Jetti. So ungefähr wird unser privat gebuchter Ausflug heute auch sein.
Pünktlich stehen die Busse am Hafenterminal bereit und es gibt ein Wiedersehen mit den Reiseleitern aus Langkawi. Die Busse sind angenehm temperiert und es kann losgehen. Penang hat viel zu bieten, das haben wir damals schon festgestellt und so bin ich froh, noch mal hierher gekommen zu sein. Nun aber erst mal was über die Insel, damit man sich ein Bild machen kann. Sie liegt an der Straße von Malakka. Die offizielle Bezeichnung der Hauptstadt dieses Bundesstaates ist Georgtown – die Einheimischen nennen sie Penang City. Und wie wir es schon von anderen Ländern her kennen, unterlag die Insel Penang verschiedener kultureller Einflüsse. Neben den Indern, den Chinesen, den Arabern und Portugiesen, waren auch die Niederländer hier. Die Briten kamen erst später. Der Sultan von Kedah überließ Capitän Francis Light Penang als britischen Außenhandelsposten. Er taufte die Insel kurzerhand um auf den Namen „Prince of Wales Island“, da er sie just am Geburtstag des Prinzen übernommen hatte. So einfach geht es manchmal zu in der Geschichte. Ein Teil des gegenüber liegenden Festlands kam noch dazu, den er dann nach einem indischen Gouverneur, „Province Wellesley“ benannte.
Sehr bald wurde die Hauptstadt Georgetown gegründet. Clever war er auch. Da die Insel nicht so dicht besiedelt war, bot er Siedlern an, sich so viel Land zu nehmen, wie sie bewirtschaften können. Das sprach sich schnell herum und die Einwohnerzahl der fast unbewohnten Insel stieg rasant an. Ende der Jahrhundertwende lebten 10.000 Menschen dort. Im Jahr 1816 wurde hier die erste englische Schule in Südostasien errichtet. 1826 bildete Penang gemeinsam mit Melaka und Singapur die „Straits Settlements“, übersetzt in etwa „Niederlassungen an der Meeresstraße“. Reichtum brachte der Handel mit Gewürzen, Tee und auch mit Stoffen. Die Insel wurde 1957 als unabhängig erklärt und wurde 1963 Teil der Föderation Malaysia. Soviel zur Geschichte.
Nicht wegzudenken vom Stadtbild ist der berühmte Jubilee Clocktower. An den kann ich mich noch sehr gut erinnern. Der im maurischen Stil erbaute Jubiläumsturm wurde zum Gedenken an das Diamantenjubiläum von Königin Victoria im Jahr 1897 erreichtet. Der Turm ist genau 60 Fuß hoch, also ein Fuß für jedes Jahr, das die Königin regiert hat. Der Turm ist umgerechnet genau 1.828,8 Zentimeter hoch. Ein Fuß sind 30,48 Zentimeter. Na ja, das hat mir mein Mann geflüstert. Er hat halt in der Schule aufgepasst.
Nicht weit entfernt fahren wir an dem von den Briten erbauten Rathaus vorbei. Übrigens gehört George Town zum Weltkulturerbe, eben wegen seiner einmaligen Bauten.
Auch hier liegt die Vergangenheit dicht bei der Gegenwart. Im Schatten einiger Hochhäuser stehen Häuser mit wunderschönen Fassaden. Auf unserem Weg liegt auch die „Church of Immaculate Conseption“ - was übersetzt „Kirche der Unbefleckten Empfängnis“ bedeutet.
Wir erfahren, dass im November 2017 die Insel und die Hauptstadt von heftigen Regenfällen überflutet wurden. Rund 2000 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden und es gab auch Tote. Die angerichteten Schäden sind bis heute nicht alle repariert und es wird wohl noch eine Weile dauern, bis alles gerichtet ist.
So im letzten Moment sehe ich noch einen Tempel mit bunten Figuren und dann erreichen wir die Talstation der Bahn, die uns hoch zum Penang Hill bringen wird. Unser Reiseleiter beim ersten Besuch hatte gesagt, „wer nicht auf dem Penang Hill war, war nicht auf Penang“ - und ganz ehrlich, man muss einmal dort oben gewesen sein. Die Schmalspurbahn ist eine Standseilbahn, sie wurde 1923 eröffnet. Die britischen Kolonialherren wollten bequem hoch auf den Berg, um an kühler frischer Luft zu sein. Der Versuch, mit einer Dampflok hoch zu fahren, wurde ein Misserfolg und so entschied man sich später für den Bau einer Standseilbahn. Aber auch die kam in die Jahre und technische Probleme waren der Anlass, dass 2010 neue Schienen gelegt wurden, um die Fahrt hoch auf den Berg schneller zu machen. Die modernen klimatisierten Züge können heute ohne Zwischenhalt in einem Rutsch hochfahren und pro Stunde rund 1000 Gäste befördern. Fahrzeit von der Talstation bis oben … so 5 Minuten … früher dauerte es mit Umstieg 30 Minuten. Alles ist perfekt organisiert. Der Zug kommt, auf der gegenüberliegenden Seite steigen die Fahrgäste aus und wir steigen auf unserer Seite ein. Ist schon ungewohnt, der Bahnsteig an der Schräge, mit Treppen und kleinen Plattformen. Wenn man Glück hat, erwischt man einen Platz im vordersten Teil und kann nach oben schauen – logischerweise kann man im hinteren Teil gut nach unten schauen. Alles hat seinen Reiz.
Oben
angekommen, aussteigen und man hat eine tolle Sicht auf die Stadt,
die in einem leichten Dunst unter uns liegt. Es gibt viel zu sehen
von hier oben. Während mein Mann bei der Gruppe bleibt und einen
Rundgang macht, begebe ich mich auf die Suche nach dem Tempel. Uffz,
da kann einem schon die Luft ausgehen, denn es geht noch ein Stück
in die Höhe. Kurz am Spielplatz vorbei und ich erblicke den bunten
Hindu Tempel „Sri Aruloli Thirumurugan“. Eine Reisegruppe steht
ebenso wie ich davor und bestaunt die vielen Figuren auf dem Dach und
vor dem Tempel.
Ich
muss mich sputen, sehe noch das Gebäude der Polizeistation und die
vielen Vogelhäuschen am Hang.
Natürlich fragt mein Mann, ob ich den Tempel gefunden habe. Ich nicke freudig. Dann ist es wieder Zeit, es geht zur Bahn und wir fahren runter zur Talstation.
Der Bus ist da und es geht weiter zum nächsten Ziel, das nicht weit entfernt vom Penang Hill liegt. Es ist der buddhistische Tempel Keh Lok Si, eine riesige chinesisch-buddhistische Kultstätte in George Towns Vorort Air Itam. Da wir schon mal dort waren, ist bei mir hängen geblieben, er ist einer der größten Tempel seiner Art in ganz Südostasien und gleichzeitig auch der größte buddhistische Tempel in Malaysia. Übersetzt bedeutet Keh Lok Si -“Tempel des Höchsten Glücks“.
Unterwegs sehe ich in dem kleinen Ort, den wir durchfahren, die kleinen rollenden Garküchen stehen. Es ist alles gerichtet, für die Zubereitung Gerichte und eh man sich versieht, taucht in der Ferne schon die hohe Pagode der zehntausend Buddhas auf. Zu übersehen ist sie mit einer Höhe von 30 Metern auf jeden Fall nicht. Interessant fand ich damals auch die Bauweise - sieben Stockwerke hoch und der Baustil vereinigt verschiedene buddhistische Länder miteinander. Also der Grundstock der Pagode ist chinesisch, der mittlere Teil thailändisch und die Spitze entspricht burmesischer Architektur. Soweit ich mich erinnern kann, ist es möglich dort hochzusteigen und man soll eine tolle Aussicht von oben haben.
Wir kommen mit dem Bus unten an und ich wollte schon loslaufen. „Halt, bleib hier!! Du musst nicht laufen. Es gibt eine Bahn jetzt, die dich bequem befördert“, ruft der Reiseleiter mir zu. Die kleine Kabine ist schnell gefüllt und schon geht es nach oben. Und dann sehen wir sie, die vielen roten Lampions, die sich leicht im Wind bewegen.
Beim ersten Besuch waren wir um die Zeit des chinesischen Neujahrsfestes hier, wie jetzt auch und an den Lampions hängen in den Gebetshallen schmale beschriftete Papierstreifen mit Wünschen für das Neue Jahr.
Ich könnte jetzt Seiten füllen, wenn ich alles beschreiben würde,
was ich sehe. Die Vielfalt der Figuren, die Gemälde an den Wänden,
die Motive der Bodenfliesen, Blumengirlanden, Opfergaben, brennende
Kerzen, Weihrauchduft, die Souvenirstände …. es ist so viel, dass
es die Sinne verwirren kann. Man bräuchte 2 Tage um sich in Ruhe
alles anzusehen – aber so viel Zeit haben wir leider nicht und so
setzen wir Prioritäten. Immer wieder schaue ich meinen Mann an und
frage „... kannst du dich daran erinnern?“ Oft schüttelt er der
Kopf – wir schauen, staunen, bewundern und lassen alles auf uns
wirken.
Die
Sicht vom Tempel aus auf die Stadt ist ebenso faszinierend, wie vom
Penang Hill aus.
In den Parkanlagen blühen die Blumen und
Schildkröten bewegen sich träge vorwärts. Die Schildkröten
symbolisieren für die Chinesen ein langes Leben und Weisheit. Man
darf sie auch füttern. Ins Innere der Pagode mit den -zig tausenden
von Buddhas haben wir nicht reingeschaut, dafür haben wir viele
andere Ecken erkundet.
Als es Zeit für den Aufbruch ist, bin ich so
ziemlich erschlagen vom Gesehenen. Wunderschön und einzigartig ist
diese Kultstätte. Mit der Bahn sind wir wieder schnell unten und
sitzen dann im Bus, bereit für die Weiterfahrt. Insgeheim hoffe ich, dass wir noch ein drittes mal in unserem Leben hierher zurückkehren können.
Ich mach hier eine Unterbrechung, denn das nächste Ziel kennen wir noch nicht – und darüber werde ich im nächsten Teil berichten. Ja, und dann gehen wir natürlich essen, besuchen später noch einen sehr alten Stadtteil und bummeln ein wenig durch die Stadt.
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