
23. November 2019 – Palma de Mallorca – Wetter okay
Tja, was veranlasst uns, die gleiche Reise zu machen, die wir vor gut einem Jahr schon mal gemacht haben? Es gibt verschiedene Gründe,aber nicht geplant hatten wir das nicht. Ganz ehrlich, ein Blick auf die Anbieterseite von AIDA und die Just - Angebote sind so verführerisch, dass wir einfach nicht widerstehen konnten. Mittelmeer oder Kanaren standen zur Auswahl – beides war uns recht, denn beide Touren kennen wir. Okay, nach der Mittelmeer-Tour vor 12 Monaten hätten wir ganz gerne die Kanaren-Tour gehabt. Aber … wenn man sich auf dieses Angebotsspiel einlässt, muss man nehmen, was kommt und so freuten wir uns nun doch auf das Mittelmeer. Das Wetter sicher besser, wie bei uns zu Hause gerade und eine Woche „abtauchen“ ist ja auch ganz nett. Die Roulettekugel spielte uns eine ganz passable Kabine aus – obwohl im Internet manche Leute sagten, sie sei na ja. Deck 9 – ziemlich weit vorne! Aber ich gebe nicht so viel auf irgendwelche Aussagen, denn jeder empfindet es anders und so waren wir gespannt.
Der Flug ging erst spät am Nachmittag nach Palma de Mallorca und so war uns klar, es reicht für keinen Stadtbummel und das Abendessen sowie die Seenotrettungsübung warten gleich nach der Ankunft auf uns.
Oh je, ich war wohl doch etwas durcheinander vor dem Abflug. Warum? Ich stehe am Check-In und suche meinen Personalausweis. Der Puls schnellt auf 180 hoch, kurz und gut, das Teil ich nicht am gewohnten Ort. Die nette Dame der Bundespolizei ist hilfsbereit und schon nach kurzer Zeit ist ein Ersatzdokument erstellt – welches ich aber dann letztendlich doch nicht brauche. Dreimal hoch peinlich sage ich nur. Der Perso war nicht in der Brieftasche an der gewohnten Stelle, sondern in einem Fach meiner Handtasche gelandet und da hatte ich nicht nachgesehen, weil ich eigentlich sehr pingelig bin, was die Reiseunterlagen angeht. Ich entschuldigte mich mit hochrotem Kopf bei der Frau und zog kleinlaut ab. Ein Glück, die Zeit reichte noch für den Check-In. Die Koffer hatten ein annehmbares Gewicht, der Reise stand nun nichts mehr im Wege.
Ein wenig bummeln wir noch im Terminal herum und schon saßen wir im Flieger. Ein Glück, nach Palma de Mallorca ist die Flugzeit ja überschaubar, kein umsteigen ect. Einsteigen, setzen, anschnallen und take off. Herrlich, dem Sonnenentenuntergang entgegen.
Aber,
jetzt kommt es; der Flugkapitän meldet sich, wir sollen uns bitte
alle setzen und anschnallen. Plötzlich ruckelt es ordentlich und
ganz ehrlich, nach meinen vielen Flügen hatte ich doch etwas feuchte
Hände und mein Mann schaute mich fragend an. „Nein, wir sind nicht
auf der Buckelpiste unterwegs!“, flüsterte er mir zu. Er kennt
meine Flugangst und beruhigte mich, so gut es ging. Ich konnte noch
nicht mal mit einem alkoholischen Getränk in Form einer Dose Bier
meine Nerven beruhigen. Trinken? Na ja, bei dem Gehoppse der Maschine
war es schon eine Kunst, etwas in einen Becher einzuschenken und die
Dose wollte ich nicht an den Mund führen. Wer weiß, ob der
Schneidezahn heile bleibt. Die Aufschrift des Pappbechers ist vielsagend ...
Egal, Luft holen, langsam ausatmen und irgendwann hat sich die Lage stabilisiert und dann hieß es schon, bereit machen zu Landung. Also das Gepäck kam echt schnell angerauscht und eh wir uns versahen, saßen wir im Bus in Richtung Porto Pi, wo unsere Sol auf uns wartete. Es ist mal was besonders, abends anzukommen. Der Blick auf die Kathedrale war schon beeindruckend.
Nicht
nur sie, auch das Abendessen. Als Frau etwas ungewohnt, der Koffer
kommt sicher erst später. Schnell runter in die Kabine, Blick in den
Spiegel, Haare in Form gebracht, ein wenig Lippenstift und hoch ins
Bella Donna zum Abendessen. Klasse, wir kennen uns aus. Platz
gesucht, Vorspeise, Hauptgericht und kleiner Schnickschnack zum
Abschluss und schon finden wir uns wieder in der Kabine ein. Die
Koffer stehen vor der Tür. Kurz vor 21 Uhr, die freundliche Stimme
unseres Kapitäns Lars Krüger erinnert uns dran... es sei bald
soweit. Ich öffne den einen Koffer, nutze noch ein paar Minuten um
auszupacken und dann kommt unüberhörbar „Crew alert..“ Weste
an, wir wissen ja wie es geht und zack, ab zur Musterstation.
Halleluja, alle aus unserem Abschnitt sind da. Die Durchsagen
erfolgen in mehreren Sprachen und potzblitz, der Kapitän spricht ein
sauberes italienisch und auch noch spanisch... „Capitano
fantastico“ heißt er jetzt für mich. Nach einiger Zeit ist die
Übung vorbei, Weste runter in die Kabine und hoch aufs Pooldeck zur
Begrüßung durch Hotel Direktor Sven Fritsche und Entertainment
Manager Dominik Meisterfeld.
Die AIDAstars beglücken uns mit
ihren Songs und dann zucken die Blitze der Lasershow über das Deck –
wir haben genug von kalt.
Die Jacke kommt auf die Kabine und wir verziehen uns in die warme AIDA Bar. Die Live-Band „Sleek Tones“ kennen wir noch nicht und ja, sie machen gute Musik. Wir bleiben eine weile Sitzen, trinken später einen Absacker und ab geht in die Kabine. Ein wenig Bedenken habe ich schon, wir wohnen auf Deck 9 ziemlich weit vorne. Hoffentlich gibt es keine höheren Wellen, der Wind heute Abend und der Flug waren schon mal kleine Vorboten auf einen nahendes Sturmtief auf dem Weg nach Italien.
Jetzt packen wir doch noch die Koffer aus, sonst kann man sich ja nicht bewegen und dann Licht aus und eh ich mich versehe, schlafe ich ein – traumlos liege ich da, bis zum frühen morgen.
24. November 2019 – auf dem Weg nach Civitavecchi
Der Wecker surrt leise, aufstehen und fertig machen für das Frühstück. Aber so ganz flott geht das heute morgen nicht. So lange ich im Bett lag, war ja noch alles im sogenannten „Grünen Bereich“. Nun verstehe ich, warum mein lieber Mann in der Dusche laut vor sich hin geredet hat. Schon der Weg zum Bad zeigte, wie das Schiff an Bewegung gewonnen hatte. Eben mal kurz mit dem Ellenbogen gegen die Kabinenwand gestoßen und zack, dann rechts mit den Bein gegen das Bett. Olala, das ist ja nicht so ganz ungefährlich. In der Dusche ist es nicht einfach, ohne anzulehnen sich zu duschen.
Na gut, jetzt hat mein Mann endlich eine Fahrt, von der er bei der Kap Hoooorn-Tour geträumt hat. Wellen und Schwankungen ohne Ende. Grrrr, ich bin kein Freund von so was. Wir hatten damals einige Diskussionen, wegen dem Ententeich an der südlichsten Spitze von Südamerika. Er, der wahrscheinlich viele sagenumwobene Geschichten von den Umrundungen gelesen hatte, wollte doch allen ernstes eine stürmische See erleben. Da habe ich damals beziehungsweise alle Passagiere samt Kapitän Glück gehabt, dass wir sturmfrei dort herum gefahren sind.
Irgendwie habe ich geschafft zu duschen, die Haare zu föhnen und meine Sachen aus dem Schrank zu fischen, ohne das die wedelnde Schranktür mich gehauen hat. Ich habe um 11 Uhr eine Verabredung in der Anytime, Fantreffen der Wasserurlauber. Um 10 Uhr ertönt die fröhliche und ausgeruhte Stimme unseres Kapitän und was er uns zu berichten hat, ist nicht wirklich beruhigend. Ja, das Schiff schaukelt schon eine Weile ordentlich vor sich hin. Der Wind hat an Kraft gewonnen und pfeifft mit 110 km/h, ganz ordentlich. Die Außenbereiche sind gesperrt, auf Deck 5 ist nichts mit gemütlich sitzen und wenn es jemanden schlecht gehen sollte, die Rezeption oder das Hospital helfen gerne weiter. Toll!!! Gegen Abend soll die Lage sich jedoch weitgehend normalisieren, tröstet er uns.. Das hoffe ich auch.
Aber ich habe eins gelernt auf den Reisen, nicht dran denken, wenn möglich auf den Horizont schauen und essen, essen, essen. Nicht an die Kalorien denken, der Magen braucht Arbeit und so brauchen wir zwei keine blaue Tüte, von denen überall reichlich welche herumhängen. Im Buffalo ist es auffallend leer beim Frühstück. Der Weg dorthin war nicht ganz einfach. Fahrstuhl? Nein, den benutze ich nicht, denn von Deck 9 vorne bis zum Buffalo ist es ja nicht so weit – aber heute nicht so ganz ohne. Den Gang entlanglaufen gestaltet sich etwas lustig anzuschauen. Breitbeinig laufen wir ihn entlang, schwanken von links nach rechts und ist gestehe, ich habe mich am Handlauf festgehalten. Lieber Himmel, liegend im Bett war es weitaus gemütlicher.
Zur
Stärkung bestelle ich mir was ordentliches zum Frühstück, kleines
Steak mit Pilzen und Zwiebeln, dazu ein ganzes Brötchen und für den
Kreislauf einen Americano, bitter und starker Kaffee. So, jetzt ist
alles gut.
Beim
Fantreff sind von den 80 angemeldeten Personen gerade mal vier Hände
voll da – der Rest Seekrank. Das erfahre ich, als ich in unsere
Facebook-Gruppe schaue.... Meldungen wie „wir können nicht kommen,
liegen flach“ trudeln ein. Schade, finde ich. Aber so ist es nun
mal, man kann noch so viel planen – das Wetter macht, was es will
und leider nicht immer alles so, wie es die Passagiere gerne hätten.
Trotz des kleinen Kreises war eine nette Begegnung und wir hatten ausreichend Zeit für Gespräche. Zum Wohle dann. Natürlich ist auch das Ende der Reise ein Gesprächsthema. Denn am 30. November, wenn wir in Palma ankommen werden, liegt die MIRA dort im Hafen - bereit zur Taufe. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sie aussehen wird. Zum Glück müssen wir ja erst um 15 Uhr von Bord und so habe ich Zeit, einen Blick drauf zu werfen. Es gibt sogar Passagiere, die dann dort vor Ort einfach umsteigen, um die Jungfernfahrt mit dem neuen Mitglied der Flotte zu machen. Ja, das könnte mir auch gefallen.
Mein lieber Mann war in der Zwischenzeit zum Vortrag der Lektorin Britta Kuth im Theatrium. Thema war heute „Ewige Stadt“ - damit ist Rom gemeint. Wir werden nicht dort hin fahren, denn wir waren schon mal ausgiebig dort – der Vortrag war auf jeden interessant, erzählt mir mein Mann als wir uns später in der AIDA Bar und schauen kurz in die Lounge. Tja, da sieht man klar, woher der Wind kommt. Gischt spritzt hoch und der Bug ist heftig dabei, sich zu heben und kraftvoll zu senken. Jemand hat es nicht geschafft, rechtzeitig seine Tüte zu treffen – die Crew ist heute mit Putzarbeiten hoch beschäftigt. Die tun mir echt leid – ebenso alle an Bord, die es „erwischt“ hat.
Es wird Zeit, dass der Magen wieder Nachschub bekommt, kleines Mittagessen ist fällig. Ganz ehrlich, eine kleine Leckerei findet sich immer, wenn man am Büffet entlang läuft.
Das Besteck an den Ständern auf dem Tisch wackelt unaufhörlich und ein Blick durch das große Fenster nach achtern zeigt uns eine Heckwelle, die ziemlich unruhig aussieht. „Und? Bist du nun zufrieden?“, frage ich meinen Mann?“ Er grinst nur und nickt freudig. Das ist doch echt gemein von ihm oder? Ich bin jedenfalls froh, wenn Spuk vorbei ist. „Endlich spüre ich mal, dass ich auf dem Wasser unterwegs bin!“, rutscht ihn raus. Das Glas und den Teller muss man heute schon im Auge behalten, die Teile nehmen sich die Freiheit - einfach mal ein Stück auf der glatten Tischplatte zu rutschen. Glück gehabt, noch mal gut gegangen. Hose ist sauber geblieben.
Ein
wenig sitzen wir im Theatrium mit Blick auf das Meer, die Reihen
füllen sich langsam, denn es lockt der Super Jackpot Bingo.
Einmal habe ich das Spiel probiert. Ich sollte dringend mal ein paar Nachhilfestunden bei meiner Mutti nehmen. Sie spielt immer im Seniorenkreis Bingo und hat so manches mal schon einen Gewinn mit nah Hause nehmen können. Im Mai 2020 werde ich die Chance habe, das mit ihr zu erleben.
Da das Wetter nicht so prickelnd ist mit seinen 15 Grad, ziehen wir es vor, ein Mittagsschläfchen zu machen, denn um 17 Uhr müssen wir geschniegelt und gestriegelt im Brauhaus sein. Ein Glück, der Wind hat etwas nachgelassen und so werden die Getränke wahrscheinlich nicht über den Glasrand hinweg schwappen. Clubtreffen – und das ist immer ganz nett.
Die Tische sind eingedeckt für einen kleinen Imbiss. Am Eingang werden wir mit Sekt oder Bierchen empfangen und natürlich darf das obligatorische Foto nicht fehlen. Ich mag diese Treffen, denn erstens lernt man andere Mitfahrer kennen und wir treffen oft Crewmitglieder, mit denen wir schon mal unterwegs waren. In diesem Fall ist es der Restaurantleiter des Brauhauses, den wir schon längere Zeit kennen und dann ist der liebenswerte F&B Manager dabei. Ein Hallo und freudige Umarmung, ja, wir waren vor zusammen unter anderem an Bord in Indien unterwegs gewesen. Das nenne ich doch einen Zufall.
Die zünftige Brotzeit ist sehr lecker und musikalisch werden wir unterhalten von Kristian Horvath, hat er super gemacht.
Nach
der Veranstaltung habe ich gar keinen Hunger mehr, aber ein wenig
geht doch im Bella Donna.
Auch jetzt sind viele Stühle leer, die
Seekranken befinden sich zum größten Teil in der Kabine.
Hoffentlich kommen sie wieder rechtzeitig auf die Füße, wenn wir in
Civitavecchia anlegen. Wir finden noch freie Plätze im Theatrium und
da das Meer sich beruhigt hat, kann die Show wie gewohnt laufen.
Die
Sängerinnen haben Schuhe mit Absätzen an und das Gerüst für die
Luftakrobatik bewegt sich ganz dezent über uns. Es läuft die Show
„AIDAstars“ - immer wieder schön, die einzelnen Stars mit einem
Soloauftritt zu erleben – aber auch die Artisten und Tänzer
gesellen sich dazu und zeigen, was sie können.
Super gemacht und
belohnt werden sie mit viel Applaus.
Und
weil uns noch nach Frischluft ist, folgt ein Spaziergang über das
Pooldeck.
Okay, die Frisur sieht nach 5 Minuten etwas ramponiert aus – egal, wir gehen schlafen oder doch noch nicht? Nein, ein kleiner Abstecher noch in die AIDA Bar zur Live Musik.
Im Sinne von Loriot „ich will einfach nur hier sitzen“ - und keinen Disko-Fox tanzen – lassen wir den Abend ausklingen.
In der Kabine packen wir noch das Zeug für morgen zusammen, ich habe mir fest vorgenommen, den Sonnenaufgang zu fotografieren. Schauen wir mal … und zum nächsten Hafen kann ich nur sagen, wir waren vor einem Jahr dort – haben aber längst nicht alles gesehen und so werden wir die Stadt wieder zu Fuß erkunden. Gute Nacht.
Weiter geht es im nächsten Teil ...
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