
17. Oktober 2019
Wir lösten unsere Blicke von dem, was unten zu sehen war und konzentrierten uns auf einen weiteren Kultbau auf der Akropolis.
Auf das Erechtheion. Irgendwann soll an seiner Stelle der Palast des attischen Königs Erichthonios gestanden haben. Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. baute man an seiner Stelle eine Zusammenballung von verschiedenartigen Bauten, in denen insgesamt 13 Gottheiten und Heroen wie Poseidon oder Hephaistos geehrt wurden. Besonders ins Auge fiel ein Anbau, und zwar die Korenhalle. Ihr Dach wird von sechs anmutigen, mit wallenden Gewändern bekleideten Mädchenstatuen (= Koren) gestützt. Alles Plagiate – fünf Originale können im Akropolis-Museum bestaunt werden, eins im Britischen Museum. Der britische Kunsträuber Lord Elgin hatte auch hier zugeschlagen …
Auch dieser Bau wurde in verschiedener Hinsicht verwendet. In späteren christlichen Zeiten als byzantinisch-christliche Kirche und im osmanischen Zeitalter als Harem eines Offiziers. Ob er diese klassische Umgebung brauchte?
Die Baumeister hatten – nicht nur beim Erechtheion – ganze Arbeit geleistet. Man legte nicht nur Wert auf klare Linien und Passgenauigkeit. Der Untergrund musste für die schweren Bauteile fest genug sein. Wie man vor mehr als 2.000 Jahren vorging, zeigt dieses Foto:
Von nun an ging´s bergab … Richtung Ausgang. Am Rande der Hochfläche schauten wir auf den Areopag mit den Gotteshäusern „Kirche der heiligen Apostel“ und „Agia Marina“ – und schon kam der Entschluss: Dort mussten wir auch drauf. Doch zunächst wurden wir abgelenkt. Vom Gepfeife … ein Besucher bewegte sich dort, wo er nichts zu suchen hatte. Und war auch nicht willens, sich auf den offiziellen Weg zu begeben. Vom Äußeren und von der Sprache her erkannten wir die Nationalität. Aber nein – wir hatten und haben keine Vorurteile …
Das nur nebenbei, wir bewegten uns nach unten. Der Ausgang war das Beulé Tor, das nach seinem französischen Archäologen Charles Beulé benannt wurde. Errichtet wurde es ungefähr 700 Jahre nach den sonstigen Bauten der Akropolis. Durch dieses Tor hatten wir einen sehr guten Blick auf die Propyläen.
Wir waren froh, dass wir uns recht frühzeitig auf den Weg zur Akropolis gemacht hatten. Das Menschengedränge nahm immer größere Ausmaße an. Also nix wie weg vom absoluten Athener Highlight – von der Akropolis. Nach einem Blick zurück – wieder auf die Propyläen und den Nike-Tempel.
Und nach vorne … auf den „Gesetzesfelsen“, den Areopag.
Auf ihm tagte in klassischen Zeiten der oberste Athener Gerichtshof. Heute eher die Touristen, die ungeheuer aufpassen müssen, wenn sie über die abgelatschten, glatten Felsen nach oben streben. Aber es lohnte sich, denn vom Areopag waren verschiedene Gebäude der Akropolis sehr gut zu sehen.
Besonders von diesem Fleck aus fiel auf, dass rund um die Akropolis die Natur noch erhalten war. Je weiter man sich von ihr entfernte, desto mehr verschwand das Grün mit Ausnahmen bei weiteren Erhebungen bzw. archäologischen Denkmälern. Nicht nur die Akropolis konnten wir vom Felsen bewundern, auch den Tempel des Hephaistos
und die Stoa des Attalos.
Der Tempel des Hephaistos gilt als besterhaltener Tempel Griechenlands. Wie kommt´s? Im 5. Jahrhundert v. Chr. erbaut, diente er in christlicher und auch osmanischer Zeit als dem heiligen Georg gewidmete Kirche. Sämtliche Säulen stehen im Originalzustand, das Dach hielt allerdings nicht der Witterung in den vergangenen 2.500 Jahren stand. Auch im Zusammenhang mit der Umwidmung in eine christliche Kirche wurden Friese und Bilder entfernt oder zerstört; auch Kunsträuber profitierten von ihnen.
Nicht weit von diesem Tempel entfernt befinden sich in Richtung der Stoa des Attalos Reste des Kultplatzes für den römischen Kriegsgott Mars und vom Odeon tis Agrippa, eine um die Zeitenwende erbaute, nach dem römischen Feldherr und Politiker Marcus Vipsanius Agrippa benannte Konzerthalle. Die Stoa des Attalos ist eine 116 m lange zweigeschossige rekonstruierte Wandelhalle, in dem das Agorá-Museum beheimatet ist; in alten römisch-griechischen Zeiten waren wahrscheinlich in dem Riesengebäude Läden untergebracht.
Wir hatten fast genug von griechischen und römischen „Ruinen“, wollten aber unbedingt noch den Tempel des Olympischen Zeus aus der Nähe sehen. Er „lag“ schließlich auf dem Weg zur Metro-Station. Vorbei am Eingangsbereich des Odeon des Herodes Atticus
am Fuße der Akropolis
und durch die unvermeidlichen Touristenverlockungen standen wir vor den hinter Gittern liegenden Tempelresten.
Einst ein Bauwerk der Superlative – 700 Jahre schuftete man daran, bis er 130 n. Chr. fertig wurde. In römischen Zeiten. Eine Grundfläche von 108 m x 41 m sowie 104 bis zu 17 m hohe Säulen gewährleisteten, dass dieser Tempel der größte Griechenlands war. Aber auch das, was groß war, war vergänglich. Erdbeben sorgen im Laufe der letzten beiden Jahrtausende dafür, dass lediglich noch 15 Säulen stehen und eine weitere liegende vorhanden ist. Der Rest wurde anders verwendet …
Unmittelbar beim Tempel standen wir noch kurz vor dem Hadriansbogen,
der nicht als Stadttor diente sondern zu Ehren des römischen Kaisers errichtet wurde, der sich für die Erweiterung der Infrastruktur Athens stark gemacht hatte.
Das war´s dann aber. Zurück zur Metro. Während der Fahrt hatten wir ein tolles Erlebnis. Wir stiegen in die recht volle Metro; meine Frau nahm auf einem freien Sitz Platz. Eine neben ihr sitzende jüngere Dame bot mir ihren Platz an. Ich lehnte ab – ich hab´s noch nicht nötig. Im Gespräch zwischen ihr und meiner besseren Hälfte stellte sich heraus, dass es in Griechenland üblich ist, den eigenen Platz neben einem freien anzubieten, sofern ein Teil eines Paars den anderen freien Platz besetzt. Wir waren beeindruckt …
Von der Metro-Endstation in Piräus gingen wir wieder zu Fuß zur AIDAcara. Dabei passierten wir die Kirche vom Heiligen Nikolaus;
da an diesem Tag genügend Kultur genossen hatten, verzichteten wir auf eine Innenbesichtigung. Auf unserem Schiff angekommen, stärkten wir uns mit Pizzaecken, Kaffee und Kuchen. Hierbei fiel uns auf, dass bereits ca. 15.40 Uhr beim Obst nicht nachgelegt wurde; außerdem wurden die Angebote früh vor Ende der Kaffeestunde abgeräumt.
Wir verließen noch einmal das Schiff und schauten uns Mein Schiff Herz von außen an.
Danach war es Zeit, dass wir unseren Waden Erholung gönnten. Ganz oben auf dem Schiff, wo es noch genügend Platz gab.
Die beste Vorbereitung auf das Abendessen. Wir wählten Asien im Marktrestaurant. Von der Auswahl, Qualität und vom Geschmack gehörten die asiatischen Angebote zum Besten, das wir während dieser Kreuzfahrt genossen hatten.
Pünktlich um 19.30 Uhr entfernte sich die AIDAcara vom Kai
und machte sich auf den Weg in die Ägäis. Nach einem Spaziergang auf den Oberbereichen der AIDAcara
beobachteten wir lange bei einem Cocktail (´mal wieder ohne Garnitur …), wie uns die Lichter der attischen Küste begleiteten.
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