
12. November, Civitavecchia/Italien – leicht bewölkt 19 Grad
Heute haben wir nicht verschlafen und können das Frühstück im Buffalo gemütlich genießen, bevor wir zu Fuß Civitavecchia erkunden werden. Wie wird der Name der Stadt eigentlich ausgesprochen? Ich habe mir im Internet das mal angehört. Es klingt ungefähr so: Zschiwitawäkkia ... Okay, man will ja nicht auffallen mit einer falschen Aussprache.
Wir haben keine Eile, das Schiff legt erst um 20 Uhr wieder ab und so lassen wir alle von Bord gehen, die von hier aus nach Rom fahren werden. Entweder mit einem Ausflugsbus oder ab dem Bahnhof in Civitavecchia mit dem Zug. Nein, wir wollen ja nicht nach Rom – dort waren wir vor Jahren mal im Rahmen einer Busrundreise. Wenn ich die Busreise mit der Kreuzfahrt vergleiche, ist mir die Kreuzfahrt sympathischer. Ich brauche nicht jeden Tag den Koffer auf und zu machen; mich mit dem Frühstück beeilen, weil der Bus meist früh los fährt und jeden Abend mich in ein anderes Bett legen. Nein, das ist mal gut zu probieren – aber als Dauerzustand einer Urlaubsreise ist das nichts für mich. Da liebe ich es doch, dass „mein Bett“ mit mir von Hafen zu Hafen fährt und ich essen kann, wann es mir beliebt und muss nicht mit einer großen Gruppe los. Upps, ich bin vom Thema abgekommen.
Die zwei großen Figuren auf dem Pooldeck halten Ausschau, Wetter gut und es gibt noch soooo viele freie Liegen. In den großen Strandkörben sitzt eine Dame und mein Mann versucht sie in ein Gespräch verwickeln. Leider ohne Erfolg, sie zeigt ihm die kühle Schulter und schaut weiterhin geradeaus. Ich glaube, sie ist gerade von einem Tauchgang zurückgekommen und hat dem Koch des Rossini einen Fisch mitgebracht.
In dem Hafen liegen einige bunt angemalte Fähren, die zu den Inseln Sizilien, Korsika und Sardinien fahren. Auch Kreuzfahrtschiffe steuern wegen der Nähe Roms diesen Ort an.
Die Stadt steht ganz im Schatten der italienischen Hauptstadt, die knapp 70 Kilometer weit entfernt liegt. Unten in der Kabine packe ich meine Tasche fertig. Viel wird nicht mitgenommen; man liest ja so einiges über Taschendiebstähle und Kleinkriminalität. Direkt vom Schiff aus geht es mit dem kostenlosen Shuttle bis „Porta Di Citta“ und dort startet auch unsere Erkundungstour. Irgendjemand hat mal geschrieben, die Stadt sei uninteressant und ein Dre...loch. Ach, auf so was gebe ich nicht viel. Selber schauen und urteilen, ist meine Devise.
Der Bus hält, viele Passagiere waren nicht drin und schon tauchen wir ein in Bella Italia. Entlang der Stadtmauer geht es in Richtung Zentrum. Diese Verbindungsbauten zwischen den Häusern erinnern mich irgendwie an Venedig.
Die barocke Kirche ist die älteste Kirche der Stadt, stammt aus dem Jahr 1685 und wird Kirche des Gebets und Todes genannt. Welch farbenfrohe Fresken an der Decke, zum Teil sind nur noch einzelne Fragmente vorhanden – aber sehenswert.
Wein und Prosecco gehören zu Italien, wie Schnürsenkel zum Schuh. Aber um ein Gläschen zu trinken, ist es noch zu früh – zumal ich einen kleinen Schluck schon zum Frühstück hatte.
Im historischen Zentrum der Stadt stehen wir auf der „Piazza Leandro“. Die großen Tore verbinden zwei Plätze miteinander. Die Gedenktafel am Tor kann ich leider nicht entziffern … aber da steht irgendwas von einer neuen Stadt und Civitavecchia...
Ringsherum sehen wir kleine „Ristorante“ wie es schön italienisch heißt und kleine verträumte Winkel. Auch typisch für südliche Länder, man trocknet seine Wäsche an der Hausfront. Ein Brunnen auf einem Platz darf auch nicht fehlen.
An vielen Häusern entdecke ich, dass Restaurierungsarbeiten fällig wären. Die finanzielle Krise Italiens lässt so einiges an Bausubtanz vor sich hin verfallen, schade. Eigentlich in allen Städten, die sich nah am Meer befinden, sorgt die feuchte Seeluft für ein rasches Voranschreiten des „Fassadenverfalls“. Aber trotz alledem hat die Stadt einen gewissen Charme.
Wir erreichen den Platz vor der Kathedrale. Das Portal riesig und ich muss den Kopf schon weit zurück lehnen, damit ich bis ganz oben schauen kann.
Die Kathedrale wurde dem Heiligen von Franz von Assisi gewidmet. Erbaut wurde die Kirche auf der restlichen Substanz einer kleinen Franziskanerkirche. Die Bauarbeiten endeten im Jahr 1782 und wurde 23 Jahre später (1805) eine Kathedrale. Bei Bombenangriffen der Alliierten im zweiten Weltkrieg wurde auch dieses Bauwerk beschädigt und in den 50er Jahren restauriert. Die Türen der Pforte sind ebenso sehenswert wie der Altarraum. Das Fresko zeigt Franz von Assisi und die großen weißen Figuren symbolisieren Glaube und Gerechtigkeit.
Auch dieses Gebäude, das Teatro Traivano war zum Teil zerstört und wurde wieder etwas hergerichtet. War dann lange Zeit ein Kino und danach zwei Jahrzehnte geschlossen. Die aufwendigen Restaurierungsarbeiten waren im Jahr 1999 beendet und seit der Zeit wird es wieder als Theater genutzt. Der breite Platz davor lädt uns ein, Platz zu nehmen. Ein kleiner Espresso und wir beobachten die frechen Tauben, die sich über die Reste auf dem Nachbartisch hermachen. Als die Bedienung kommt und sie fort scheucht, suchen sich schnell einen neuen Futterplatz. Verfressenes Volks sind die Tauben schon oder? Die Straßen sind nicht übervölkert, Nachsaison und viele AIDAfahrer sind ja nach Rom gefahren. Es gibt für mich jede Menge zu schauen und zu fotografieren.
Nun wollen wir noch ein Stück die Uferpromenade entlang schlendern und verlassen allmählich die historische Altstadt.
Die Spuren des Herbstes schenken dem Betrachter ein Stück Tristesse, der Sommer ist wirklich vorbei.
Hoch auf einem Sockel steht Giuseppe Garibaldi, Rebell und Freiheitskämpfer, ein Volksheld, der in der Geschichte Italiens fest verankert ist.
Am Bahnhof legen wir einen Stopp ein und überlegen, ob wir nicht doch noch mit dem Zug nach Rom fahren wollen und gleich wieder zurück, nur um ein wenig Hinterland und die Küste zu sehen. Der Blick auf die Uhr sagt uns, es könnte knapp werden und so laufen wir weiter. Jetzt noch gemütlich irgendwo an der Promenade sitzen wäre ein schöner Abschluss der Stadterkundung. Also machen wir uns dann mal auf die Suche!
Vom Rest des Stadtrundganges und unserem Abendprogramm erzähle ich im nächsten Teil ...