-> Reisebericht mit Fotos und Fotoalbum: http://www.generalalarm.de
*** Ankunft in Griechenland ***
Eigentlich fing alles ja schon gestern an. Oder im Juli - da habe ich diese Fahrt nämlich gebucht. Aber keinen Platz mehr im Flieger ab Frankfurt gefunden, so dass ich ab Stuttgart fliegen musste. Und das auch noch morgens um 7.10 Uhr. Eine Internetrecherche hat dann ergeben, dass es in Stuttgart ein „Sleep & Fly"-Angebot des Mercure-Hotels gibt, so dass ich bereits gestern Nachmittag nach Stuttgart gefahren bin und den Abend im Pool und in der Sauna des Mercure Sindelfingen verbracht habe. Im Übernachtungspreis von 114 € sind übrigens sowohl die Parkgebühr am Hotel für die Woche sowie die Taxikosten für den Transfer zum und vom Flughafen enthalten - das ist deutlich weniger als ich durch den Abflug von Stuttgart anstelle von Frankfurt gespart habe (in Hessen sind nämlich schon Ferien und in Baden-Württemberg noch nicht). Von daher eigentlich alles gar nicht so schlimm, sondern ein halber Urlaubstag mehr …
Einen Pferdefuß hatte das Ganze aber doch … da der Flieger ja schon um 7.10 Uhr ging, war um 4.45 Uhr Wecken angesagt. Und da der Weckcomputer des Hotels ein bisschen Vorlauf hatte, war es 4.40 Uhr, als der heutige Tag begann. Schon ziemlich früh - da war es draußen ja noch dunkel …
Aber es hilft ja nix - das Taxi steht um 5.15 Uhr vor der Tür … also einen Abstecher ins Bad gemacht, den Koffer im Kofferraum gegen die Tasche getauscht und ab zum Flughafen von Stuttgart. Der hat übrigens vier Terminals - hört sich groß an, ist aber eher überschaubar (OK, vielleicht bin ich da von Frankfurt etwas andere Maßstabe gewöhnt - und da gibt es nur zwei Terminals). Dafür geht's schnell mit Einchecken und Sicherheitskontrolle, so dass wir pünktlich in Richtung Heraklion auf Kreta abheben. Aufgrund der rechtzeitigen Sitzplatzreservierung (vielen Dank an dieser Stelle an mein Stammreisebüro und Frau Paß) habe ich einen Gangplatz am Notausgang - das hat schon was, wenn der Abstand zum Vordersitz größer ist als die Beine lang sind
Da vergehen sogar drei Stunden Flug wie im Flug … ![]()
Die Ankunft in Heraklion ist unspektakulär, der Flughafen noch mal etwas kleiner als der in Stuttgart. Immerhin fährt ein Bus zwischen Flugzeug und Ankunftsgebäude und - entgegen aller Befürchtungen - finde ich auch meinen Koffer irgendwann auf dem Gepäckband; viel kann jetzt eigentlich nicht mehr schiefgehen.
Wer meine bisherigen Reiseberichte kennt, weiß was in Heraklion passiert … die „AIDA-Maschinerie" läuft an - und sie läuft wie immer am Schnürchen. Direkt am Ausgang steht jemand mit einem AIDA-Schild, das zum Eincheck-Schalter für den Bustransfer führt. Wenige Minuten später sitze ich in meinem Bus zum Hafen, mein Gepäck im Kofferraum finde ich am späten Nachmittag auf meiner Kabine.
Und nun beginnt der Urlaub … am Hafen findet die obligatorische Sicherheitskontrolle des Handgepäcks statt, der „H1N1-Fragebogen" wird ausgefüllt („Haben Sie in der letzten Woche gehustet?"), das Sicherheits- und Erinnerungsfoto wird geschossen und nach der Handdesinfektion geht es an Bord. Übrigens schon erstaunlich, dass in der letzten Woche offensichtlich doch der eine oder andere gehustet hat - regelmäßig wird der Schiffsarzt zum Check-In gerufen… Jetzt ist es kurz nach zwölf … und die Kabine ist erst ab etwa 16.00 Uhr bezugsfertig. Es gilt also einerseits die Zeit zu überbrücken und andererseits irgendwie den Rucksack loszuwerden - allerdings idealerweise so, dass er heute Nachmittag noch da ist.
Das Überbrücken der Zeit ist - erwartungsgemäß - problemlos. Zunächst gibt es einige Häppchen im Bella Vista und dann einen ersten Saunagang und ein erstes Sonnenbad bei über 25°C auf Deck 14 … Wirft man dabei einen Blick auf das Pooldeck, kann man übrigens schön beobachten, wer zu den Wiederholern gehört und wer „AIDA-Anfänger" ist. Die Wiederholer haben Badekleidung an, die „AIDA-Anfänger" hochgekrempelte Jeans
Tipp daher: Badekleidung gehört ins Handgepäck …
Die vorübergehende Beseitigung des Rucksacks ist übrigens ebenfalls kein Problem - allerdings fällt das in die Rubrik „Geheimtipp" ![]()
Zwischen die Durchsagen für die abreisenden Passagiere („Der Shuttlebus zum Flug AB … steht vor dem Schiff bereit.") mischt sich dann gegen halb drei auch die erste uns betreffende Durchsage - die Kabinen sind bezugsfertig. Diese „Shuttlebus-Durchsagen" sind am Anreisetag allerdings viel schöner als am Abreisetag … ![]()
Dieses Mal habe ich Kabine 8239 - erstmals eine Kabine auf Backbord. Folglich steht das Bett dieses Mal auf der anderen Seite - aber gut, daran wird man sich gewöhnen. Im Gegensatz zu manch anderen habe ich jedoch Glück - die Kabine liegt auf Deck 8 mittschiffs und hat eine Glaswand vor dem Balkon (anstelle einer Stahlwand wie dies bei manchen Kabinen im vorderen Bereich der Fall ist), so dass man vom Bett aus einen freien Blick genießen kann. Alles in allem hat sich der Variotarif also wieder mal gelohnt …
Vor der Kabine steht bereits der Koffer - also ist auch diese Hürde genommen und es gibt zum Abendessen ein frisches T-Shirt
Der Rest ist schnell im Schrank und in der Nasszelle verstaut, lediglich der Safe lässt sich nicht nutzen (nach Eingabe des Codes zeigt das Display „BATT"). Ein kurzes Telefonat mit der Rezeption (die Vermutung, dass die Batterie gewechselt werden muss, bestätigt sich) und acht Minuten später klopft der Bordelektriker an die Kabinentür. Perfekt.
Jetzt noch kurz ein Nickerchen, um die abgebrochene Nacht zumindest teilweise nachzuholen und dann geht es um 17.30 Uhr zur Ausflugspräsentation über Ägypten. Die bereits zu Hause aufgrund der Empfehlung eines Kollegen (hat die Fahrt vor zwei Monaten gemacht) und einer Kollegin (Ägypten ist ihre zweite Heimat) getroffene Entscheidung für PSD04 („Pyramiden und Nil") scheint richtig zu sein … auch wenn ein knapp 12-stündiger Ausflug sicherlich sehr anstrengend ist, will ich unbedingt Pyramiden gucken gehen ![]()
Hier treffe ich dann auch auf bekannte Gesichter … Bernd, Manuela und Jannik sind auch an Bord (wir kennen uns seit der Nordamerika-Fahrt vor etwa einem Jahr und haben zwischendurch auch eine gemeinsame Testfahrt auf der „Mein Schiff" gemacht) - die Überraschung ist gelungen!
Das Abendessen gibt es heute im Freien … im Weite-Welt-Restaurant finden sich noch einige Plätze draußen - das Wetter sollte man ausnutzen (wie ist es eigentlich aktuell zu Hause? Man hört von Regen und herbstlichen Temperaturen…). Das tolle Wetter ausnutzend gibt es im Anschluss noch einen Mexican Bull an der Pool-Bar, bevor die Wartezeit bis zum „Welcome-Sekt" in der AIDA-Bar überbrückt wird.
Und nun ist es soweit - meine achte AIDA-Reise beginnt. Pünktlich (die Flieger scheinen also alle angekommen zu sein) um 22.00 Uhr verlassen wir Heraklion; wie immer in Begleitung von Enya's „Orinoco Flow". Und wie immer gibt's auch dieses Mal eine Gänsehaut dazu …
*** Auf dem Weg zu den Pyramiden ***
Über den heutigen Tag ist eigentlich schnell und unspektakulär berichtet - es ist ein Bilderbuchtag wie er im Buch ... äh, AIDA-Katalog steht. Die Fahrt von Heraklion in Richtung Port Said in Ägypten verläuft absolut ruhig und windstill, mit rund 15 Knoten zieht die AIDAdiva ihre Bahn durchs blauschimmernde Mittelmeer. Auch das Wetter meint es gut mit uns - Temperaturen um die 25°C locken alle 2.540 Passagiere auf das Pool- und die Sonnendecks. Besser kann man sich den Umschwung auf das herbstliche Wetter zu Hause nicht wünschen ![]()
AIDA-Kenner wissen es: um 10.20 Uhr fängt der Seetag meistens mit dem Generalalarm an - sieben kurze und ein langer Ton laden zur SNRÜ (Seenotrettungsübung) ein. 2.540 Passagiere reihen sich mit ihrer Rettungsweste auf Deck 5 auf und hoffen auf einen Platz im Rettungsboot - das sieht immer wieder sehr nett aus ![]()
Aber der Tag hat noch weitere Highlights zu bieten:
Zum einen wird das um 17.00 Uhr übertragene WM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und Russland mit 1:0 gewonnen, so dass zumindest die Teilnahme an der WM 2010 gesichert ist - auf ein neues Sommermärchen.
Weiterhin werden die Reisepässe für den Aufenthalt in Ägypten ausgeteilt. Ein Highlight im eigentlichen Sinne ist das zwar nicht, aber eine logistische Leistung bei über 2.500 Pässen. Dass das trotzdem nicht ganz problemlos funktioniert, liegt wohl an Murphy - die Schlange für Deck 8/9 ist ewa 20x so lang wie die für die anderen Decks …vermutlich hat also Murphy die Hand im Spiel und die Länge der Schlange hängt mit der von mir gebuchten Kabine zusammen. Erstaunlicherweise ist der Stempel mit der Aufschrift „Egypt“ bereits im Pass …
Auch in der Sauna passiert Erfreuliches. Ganz untypisch für AIDA ist, dass der Aufguss um 5 nach 5 vergessen wurde (den kurzerhand von den Gästen durchgeführte „Notfallaufguss“ mit dem Wasser auf dem Obsttablett wollen wir einmal außer Acht lassen). Stattdessen haben wir nun einen „5 nach halb 6“ Aufguss mit Tobi, dem Entertainment-Chef … und - ganz entgegen der Erwartung, wenn der Chef selbst erscheint - kann er das sogar richtig gut. Wir erleben eine vierteilige Zeremonie bestehend aus einer scharfen Mischung, einer süßen Mischung, einem Eis-Aufguss und zum Abschluss dem „Hubschrauber“ … das war wirklich ein Erlebnis!
Vor dem Abendessen findet nun noch der „Vielfahrer-Treff“ statt. In der AIDA-Lounge treffen sich gut 20 Passagiere mit einem Teil der Direktoren und Manager an Bord zu einem Glas Sekt, Häppchen und Erfahrungsaustausch. Gegenseitig tauscht man Wissen und Erfahrungen aus und diskutiert über die kommenden Reisen (meine Planung für 2010 steht inzwischen auch mehr oder weniger fest - es wird wohl Dubai im Frühjahr, dann die Transasien-Reise im Herbst und zum Abschluss noch Weihnachten und Silvester in der Karibik werden).
Ansonsten finde ich heute recht früh den Weg ins Bett - schließlich muss ich zu meinem morgigen Ägyptenausflug bereits um 5.30 Uhr aufstehen…
*** Ägypten's Pyramiden ***
Und kaum hab ich's geschrieben, schon klingelt der Wecker. 5.30 Uhr ist in der Tat eher früh (Ihr erinnert Euch an das Aufstehen, wenn's draußen noch dunkel ist?). Aber es hilft ja nix - wenn ich nachher die Pyramiden sehen will, muss ich aus den Federn. Also das übliche Morgenprogramm in der Nasszelle absolvieren, ein auskömmliches Frühstück genießen (das nächste Essen ist erst das Mittagessen gegen 12.30 Uhr; ein Lunchpaket mitnehmen kann man nicht, da die Ägypter die Einfuhr unverpackter Lebensmittel verbieten (und selbst eine Banane gilt nicht als „eingepackt“), Rucksack mit Fotoausrüstung und notwendigem Material für einen Tag in Ägypten packen und ab ins Theatrium zum Treffen für PSD04 („Kairo, Nil und Pyramiden“).
Ein Blick vom Balkon verrät Großes: vor dem Schiff sind 37 Reisebusse in Position gefahren, etwa 10 Militärjeeps, viele uniformierte Polizisten und einige Herren in dunklen Anzügen. Das haben wir sonst nicht so - es scheint also doch irgendwie anders zu sein (von Jannik erfahre ich, dass es der Fahrradgruppe ähnlich ging - auch diese Gruppe wurde von Polizisten und Jeeps eskortiert).
Und anders ist es … ganz anders. Das fängt damit an, dass ich in einem etwa halb besetzten Bus einen netten Fensterplatz vor der Toilette finde (was den riesigen Vorteil hat, dass hinter mir niemand mehr sitzt und ich daher meine Rückenlehne in die „Schlafposition“ verstellen kann - und das hat bei mehr als sechs Stunden Busfahrt schon was). Zum Abschluss sind noch zwei freie Plätze im Bus vorhanden - der neben mir und ein weiterer ziemlich weit hinten. Rein rechnerisch also noch genügend Platz für zwei weitere Personen. Dumm nur, wenn diese unbedingt nebeneinander sitzen wollen (aber natürlich auch irgendwie verständlich). Noch dümmer ist es allerdings, wenn der Ehemann neben meiner Sitzreihe steht und dem Reiseleiter folgenden Satz entgegen schleudert: „Wir wollen nebeneinander sitzen - dann muss sich „der da“ halt nach hinten setzen.“ Ihr ahnt, dass mit „der da“ ich gemeint war - und Ihr ahnt auch, dass sich „der da“ nicht nach hinten setzt. Auch wenn meine Planung anders ausgesehen hat - bei einer höflichen Frage, ob es mir etwas ausmachen würde, nach hinten zu gehen (oder ggf. den „Sitzbesetzer“ hinten zu fragen, ob er nach vorne kommen will), hätte sich das sicherlich regeln lassen - so ging da natürlich gar nichts. Das Ehepaar steigt daher nun wieder aus - ob es in einem anderen Bus besser klappt oder ob sich das individuelle Ausflugsziel von Kairo dann doch auf das Hafengelände von Port Said ändert - man weiß es nicht. Manche Leute haben schon komische Vorstellungen vom Umgang mit einander …
Inzwischen haben aber wohl alle (naja, vielleicht auch nur fast alle) einen Platz im Bus gefunden (der Platz neben mir ist übrigens immer noch leer - das macht die Fahrt natürlich noch einmal etwas bequemer), so dass es nun losgeht. Habt Ihr eigentlich schon einmal in einem ägyptischen Reisebus gesessen? Nein? Ich auch nicht.
Die Reisebusse waren alles neuwertige Busse von Mercedes - das gibt schon mal ein gutes Gefühl (allein deshalb weil ich unterwegs noch viele ägyptische Reisebusse sehen werde und dort vermutlich nicht eingestiegen wäre).
Unser Konvoi nach Kairo wird übrigens von Polizei und/oder Armee (man kann das nicht so richtig unterscheiden) begleitet. Weiterhin haben wir (mindestens) einen leeren Reisebus als Ausweichfahrzeug im Falle einer Panne, die der uns ebenfalls begleitende Automechaniker nicht kurzfristig vor Ort beheben kann), dabei. Und: einen mit Maschinenpistole (ich bin da jetzt nicht vom Fach - vielleicht heißt das Teil auch anders) bewaffneten Sicherheitsbeamten - in jedem Bus! Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich Angst hatte (das wäre in der Tat übertrieben), aber es ist halt nun mal doch eine vom Üblichen abweichende Erfahrung, die zumindest den einen oder anderen Gedanken erzeugt, ob das, was man da im Begriff ist, gerade zu tun, eine gute Entscheidung ist. Ich nehme es vorweg - allein die Tatsache, dass Ihr diesen Bericht lesen könnt, beweist, dass alles gut gehen wird ![]()
Ach ja, Mohamed ist auch dabei. Mohamed ist unser Reiseleiter, der uns den heutigen Tag begleiten wird und uns sehr ausführlich mit der Geschichte Ägyptens, den Pyramiden, der Sphinx sowie allerlei Wissenswertem aus dem heutigen Leben in Ägypten vertraut machen wird - und das in praktisch akzentfreiem Deutsch. Hauptgewinn!
Unser Weg führt uns nun durch Port Said (das soll die sauberste Stadt Ägyptens sein … auch wenn das jetzt noch keiner glauben kann - nach den Eindrücken aus Kairo könnte es stimmen) rund 220 km nach Kairo. Die Strecke besteht zunächst aus Ortsdurchfahrten und Landstraßen, dann aus einer Art Autobahn und zum Abschluss dem Stadtverkehr in Kairo.
Das erste Teilstück ist wenig spektakulär. OK, fast 40 Busse, eskortiert von Polizei/Militär, ist sicher auch hier nicht die Regel - es wird aber sicher gestellt, dass wir ohne Stopp zur Autobahn kommen. An jeder (!) Querstraße steht bereits ein Verkehrspolizist und hält den Querverkehr an - wir haben also vollkommen freie Fahrt bis zur Autobahn, rote Ampeln haben heute keine Bedeutung. Dort das gleiche Spiel - alle Auffahrten sind während unserer Passage gesperrt; wir können ohne Stopp bis in die Nähe von Kairo fahren.
Und dort erlebe ich etwas, was ich nicht nur noch nie gesehen habe, ich hätte es mir auch nie vorstellen können. Obwohl Mohamed versichert, dass alle, die da unterwegs sind, einen gültigen Führerschein haben und es auch ganz sicher Verkehrsregeln gibt - man merkt weder das eine noch das andere. Wer den Straßenverkehr in Teilen Italiens oder in Paris als chaotisch bezeichnet, hat keine Vorstellung davon, was dieser so leicht daher gesagte Begriff tatsächlich bedeutet. Einfach nur Wahnsinn.
Ein Auto muss hier zwei Ausstattungsgegenstände habe - eine (möglichst laute) Hupe und ein Fenster in der Fahrertür. Alles andere ist zwar nett, wird zum Fahren aber nicht wirklich gebraucht (ich denke da an solche Sachen wie Blinker oder Licht). Zunächst einmal - jeder fährt hier, wo Platz ist; Fahrspuren gibt es zwar, diese haben aber keine erkennbare Funktion. Von daher gäbe es auch nichts zu blinken - man wechselt sowieso schon beim Geradeausfahren ständig von einer Spur zur anderen. Jeder Fahrer ist in Kairo für den Bereich vor ihm sowie für das, was schräg rechts oder links vorn passiert, verantwortlich. Um den Rest muss sich der Hintermann kümmern. Fertig - so einfach ist das.
Warum aber nun die Hupe? Nun, damit kündigt der Fahrer an, was er als nächstes tun wird bzw. teilt mit, was ihm gerade durch den Kopf geht. Für jemand, der nicht aus Kairo stammt ist es allerdings unmöglich, die Signale auseinander zu halten (für die Kairoer vermutlich aber auch). So kann ein Hupsignal z.B. bedeuten „Ich will Dich überholen!“; es kann aber genauso gut heißen „Ich überhole Dich jetzt.“ oder „Ich habe Dich überholt.“ Manchmal ist es auch nur die Antwort auf eine dieser Aussagen und bedeutet „Ja“, „Nein“, „Ich überhole auch“ oder „Mach doch was Du willst - mache ich ja auch.“ Natürlich sind auch die uns gängigen Bedeutungen vertreten: „Mach Platz!“, „Idiot“ oder „A…“. Also - alles Interpretationssache. Und - im Prinzip ist es auch egal. Da sowieso jeder fährt wo und wie er will, macht es wahrscheinlich keinen Unterschied sich vorher bzw. dabei an zu hupen.
Ach ja, das Fenster in der Fahrertür - das braucht man, um den linken Arm herauszustrecken (deshalb ist das linke Fenster auch immer geöffnet). Damit will man - ergänzend zur Hupe - anzeigen, dass man jetzt auch irgendwie zu fahren gedenkt oder man deutet an, dass man eine geplante (und durch Hupen angekündigte Aktion) nicht gut findet. Stört aber auch keinen ![]()
Es gibt in Ägypten zwar die meisten Verkehrstoten (und ich weiß jetzt auch genau warum), aber so gut wie keine (gemeldete) Unfälle. Das hängt damit zusammen, dass der Begriff „Unfall“ hier wesentlich weiter ausgelegt wird als bei uns und immer noch deutlich weiter als in Paris oder Rom. Solange das Auto noch fahrtüchtig ist, wird man Rempler mit einem Hupen quittieren (das sind dann die oben letztgenannten Bedeutungen) - ansonsten wird aber einfach weitergefahren. Klar, Anhalten ginge ja eh nicht (und wäre wohl auch lebensgefährlich).
Fußgänger spielen im Straßenverkehr keine Rolle. Man nimmt auf sie ebenso wenig Rücksicht wie auf Eselskarren oder Kamelreiter. Steht einer im Weg (und das kann durchaus auch auf dem Gehweg sein, der gern einmal als zusätzliche Fahrspur oder als Parkstreifen genutzt wird), hat er ein Problem. Und zwar ein echtes.
Aber wir haben ja Mohamed (dieses Mal nicht unser Reiseleiter, sondern der Busfahrer), der das Chaos beherrscht. Und er hat auch einen nicht unerheblichen Vorteil - eine sehr laute Hupe und mehr als 12 Tonnen Gesamtmasse. Das hilft Von daher schaffen wir die 220 km inkl. dem Verkehr in Kairo auch in nur knapp drei Stunden und erreichen nun die Zitadelle. Hierbei handelt es sich um eine Burg über der Stadt, die gegen 1200 als Bollwerk gegen die Kreuzfahrer (nicht gegen die von der AIDA) errichtet wurde und bis ins 20. Jh. militärischen Zwecken diente. Dort befindet sich auch die „Mohammed-Ali-Moschee“ (auch „Alabaster-Moschee“ genannt), mit glänzenden Silberkuppeln und mehreren Bleistiftminaretten. Da diese auch von Touristen betreten werden darf (wenn auch nur ohne Schuhe, mit bedeckten Knien und Schultern), können wir uns nun einen hervorragenden Eindruck von den Glasarbeiten im Innern machen.
Weiter geht es nun an den Nil - eine „Nil-Kreuzfahrt“ steht an. Die „Nile Chrystal“ steht bereit und wartet auf die Passagiere aus drei Bussen, um uns in etwa 90 Minuten einen Eindruck von Kairo vom Nil aus zu geben. Außerdem ist dort noch das Mittagbuffet aufgebaut (gerüchteweise vom lokalen Hilton-Hotel geliefert), das in der Tat sehr lecker ist. Neben einer Salatauswahl gibt es noch verschiedene Sorten Fleisch und Fisch, Gemüse, Nudeln und Kartoffeln als Beilage sowie verschiedene Kuchen als Nachtisch. Sehr lecker das Ganze - wobei ich dennoch nach der Regel „cook it, peal it or forget it“ vorgehe und somit den Salat und die Nachspeisen ignoriere - vermutlich aber zu Unrecht.
Kostenlos gereicht wird Wasser, Tee und Kaffee, Wein und Softdrinks können käuflich erworben werden. Und dabei ergeben sich doch in der Tat schöne Erlebnisse. So bei einem etwa zehnjährigen Jungen, der eine Dose Cola erwirbt (mit einem Verschluss wie er vor rund 20 Jahren auch bei uns benutzt wurde) und diese nun öffnen will. Da er seine Jugend im 21. Jahrhundert verbringt und das 20. Jahrhundert nur knapp erlebt hat, misslingt dies. Dass man den runden Ring anheben muss, war soweit ja noch klar (ist ja auch heute noch so) - aber dann geht's irgendwie nicht weiter. Auf die Idee, dass man den kompletten Verschluss abreißen muss (und dieser somit von der Dose abgetrennt wird), muss ihn dann erst sein Vater bringen (es hat also auch Vorteile im letzten Jahrhundert schon gelebt zu haben) …
Doch weiter im Programm: während wir essen legt die Nils Chrystal ab und beginnt mit ihrer „Kreuzfahrt“ (etwa 20 Minuten auf dem Nil nach rechts, dann 40 Minuten nach links und dann noch einmal 20 Minuten wieder zurück) - das Leben links und rechts des Nils könnte unterschiedlicher nicht sein - hier stärkste Armut, dort „Wohnbunker“, hier ein totes Tier, da schwimmende Kinder. So richtig attraktiv erscheint das alles nicht.
Von daher ist es an der Zeit, unseren Weg in Richtung der Pyramiden fortzusetzen - das ist ja der Hauptgrund für uns alle, warum wir uns diesen mit gut 13 Stunden doch recht anspruchsvollen Ausflug antun. Und - knappe zwanzig Minuten später sehen wir sie am Horizont auftauchen: die Pyramiden von Gizeh! Sie sind das letzte der Weltwunder der Antike - und zwar zu Recht. Auf Fotos und in Filmen hat ja jeder die drei Pyramiden schon einmal gesehen - wie gewaltig sie aber tatsächlich sind, kann man kaum glauben. Die größte der drei Pyramiden, die Cheops-Pyramide, steht auf einer Grundfläche von 230 x 230 m und hat eine aktuelle Höhe von 137 m. Sie besteht im Kern aus rund 2,5 Mio. Steinblöcken, die zwischen zwei und sieben Tonnen wiegen und über Rampen und Rollen nach oben gezogen wurden. Die Bauzeit der Pyramide soll bei etwa 20 Jahren liegen, insgesamt waren wohl rund 100.000 Menschen am Bau beteiligt. Trotz ihres Alters von über 4.600 Jahren beträgt der Höhenunterschied zwischen der nordwestlichen und der südöstlichen Ecke gerade mal einen Zentimeter!
Nach einem Fotostopp für eine Übersichtsaufnahme von allen drei Pyramiden sind wir nun mitten im Geschehen: wir stehen direkt an den Pyramiden, können sie berühren und bestaunen - und versuchen, uns die Händler und Kameltreiber vom Hals zu halten. Die Sales-Orientierung dieser Leute ist unbeschreiblich - der Wille zum Geschäftsabschluss (sei es etwas Bakschisch (Trinkgeld) für ein Foto mit einem Kamel vor der Pyramide zu erhalten oder der Verkauf von Postkarten („20 Postcards nur one Euro“) oder anderem Nippes) ist unglaublich. Selbst diejenigen, die im Bus noch gewarnt haben und ausführlich erläutert haben, wie sie sich die Händler vom Hals halten, haben vor Ort gnadenlos versagt: kaum jemand, der ohne einen nicht gewollten Einkauf wieder im Bus ankam.
Zu einer Pyramide gehören immer auch ein Totentempel für Opfer und Gebete, ein Taltempel zur Vorbereitung und Einbalsamierung und ein Prozessionsweg zwischen den Tempeln. Neben einem dieser Tempel wacht der Sphinx, ein aus einem einzigen Felsblock geformter Löwenkörper mit dem Kopf des Pharao Chephrens. Der Sphinx (manche sagen auch „die Sphinx“ - was richtig ist, weiß man nicht so genau) ist nun auch die letzte Station auf unserer Reise zu den Pyramiden vor dem abschließenden Besuch eines Papyrus-Instituts, in dem wir mit der historischen Herstellung von Papier aus der Papyrus-Pflanze vertraut gemacht werden. Der eine oder andere nutzt hier auch gleich die Gelegenheit für den Einkauf eines echten ägyptischen Souvenirs - interessant ist allerdings, dass an der Kasse die Busnummer genannt werden muss … ob es da wohl etwas Bakschisch für den Reiseleiter gibt? ![]()
Inzwischen ist es kurz vor halb sechs; es beginnt dunkel zu werden und wird damit Zeit für die Rückfahrt zur AIDA. Aufregendes gibt es hier nicht zu berichten - die Zeit wird sowieso von fast jedem für ein Nickerchen genutzt. Und spätestens jetzt wird auch jedem der Hinweis „Jacke mitnehmen“ auf dem Ausflugsticket klar - bei bis zu 35°C ergibt sich das ja nicht zwingend von selbst. Das Problem sind die Klimaanlagen (und konkret die im Bus) - hier wird nämlich auf 16°C heruntergekühlt - und das überlebst Du nur mit Pullover oder Jacke.
Unsere Eskorte und unser Busbegleiter müssen im übrigen nicht eingreifen; wir kommen nach gut 13 Stunden kaputt und müde an unserem Schiff an - trotzdem sind wir uns alle einig, dass sich jede Minuten dieses Ausflugs gelohnt hat.
Ach ja, eine Sache muss ich noch erwähnen- die Freundlichkeit, mit der wir in Ägypten willkommen geheißen wurden (und damit meine ich nicht nur diejenigen, die von Touristen leben). Insbesondere auch diejenigen, die uns, am Straßenrand stehend, beim Vorbeifahren oder im Stau stehend gesehen haben, haben uns immer zu gewunken und das schönste Lächeln aufgesetzt - da war echte Herzlichkeit zu spüren. Ich habe mir dabei immer mal eine ähnliche Situation in Deutschland vorgestellt: wegen einem Reisebus voller Ägypter wird eine Straße gesperrt und wir müssen ein paar Minuten warten, bis wir weiter fahren können - da möchte ich den sehen, der freundlich lachend winkt!
Wir haben jetzt auch die Zollkontrolle überstanden und sind zurück auf dem Schiff. Ich verhalte mich mal antizyklisch, lasse erst die anderen 2.000 Passagiere ans Buffet und nutze erst einmal die Dusche in meiner Nasszelle, um anschließend gut hungrig (das Mittagessen ist inzwischen ja auch schon wieder acht Stunden vorbei) die AIDA-Leckereien zu mir zu nehmen.
Der Abend ist dann vollkommen unspektakulär … wir tauschen nach ein paar Erlebnisse des Tages aus, ich trinke zwei „Mexican Bull“ und dann geht es jetzt ab in die Koje.
*** Ein Tag auf Zypern ***
In weiser Voraussicht habe ich für den Tag in Zypern keinen Ausflug gebucht - und das ist auch gut so. Der gestrige Tag war ja nun doch recht lang und anstrengend, so dass zum einen Ausschlafen angesagt ist und es zum anderen das tolle Wetter (es sind immer noch rund 30°C) auf Deck 14 auszunutzen gilt. Von daher gibt es über den heutigen Tag nicht wirklich aufregendes zu berichten - ein bisschen Lesen, Sonnenbaden, zwischendurch den einen oder anderen Cocktail, ein Snack zum Mittagessen - so vergeht der Tag wie im Fluge.
Inzwischen haben wir auch in Limassol (Zypern) angelegt, so dass sich das Schiff nach und nach leert. Die Ausflügler, die Biker und die Individualisten verlassen das Schiff und wir halten die Stellung in der Sonne. Abends gibt's dann noch zwei Aufgüsse in der Sauna (ein bisschen Vorbereitung auf das Erkältungswetter zu Hause kann ja nicht schaden), bevor die Sushi-Bar ruft. Wie immer auf den AIDA-Schiffen bin ich begeistert von Frische, Qualität und Zubereitung des Sushi. Heute gibt es ein „Sushi Spezial“ in der „Überraschung-Ausführung“, d.h. ich lasse mich überraschen, welche Fische den Weg in den Harald finden
Dazu ein warmer Sake - das ist für mich der Gipfel der Genüsse an Bord.
Und dann geschehen doch noch Zeichen und Wunder - es gibt „Aktiv-Bingo“. Und zwar richtiges „Aktiv-Bingo“ … genau wie früher (nur ohne Bum-Klack-Klack … aber das lässt sich verkraften). Wir holen also gleich unsere Scheine und los geht's. Es läuft ganz gut, wir schaffen es auch bis zu nur noch zwei fehlenden Zahlen als der „Bingo“-Ruf ertönt … von daher müssen wir mit ein paar Gläsern Sekt für Schätzfragen und Ratespiele auskommen. Naja, wir versuchen es am Mittwoch noch einmal.
Der Rest des Abends findet dann in der Pool-Bar (wo sonst) statt …
*** Marmaris - Das Nizza der Türkei ***
Ein halber Seetag ist auch was Feines … man hat morgens keine (Ausflugs)-Hektik, kann in Ruhe frühstücken und ein bisschen in der Sonne bruzzeln, bevor es dann gegen Mittag zum Landgang geht. Gegen 12.30 Uhr passieren wir die Engstelle vor dem Hafen von Marmaris in der Türkei bevor wir dann um 14.00 Uhr bereit zum Landgang in Marmaris festgemacht haben.
Einen Ausflug habe ich auch heute nicht gebucht sondern will die Zeit für einen kurzen Spaziergang in das Städtchen nutzen. Marmaris wird auch das „Nizza der Türkei“ genannt - und wenn man das Schiff verlässt, sieht man auch sofort warum. Yacht neben Yacht liegt hier im Hafen - und würden die nicht alle die türkische Flagge tragen, könne man sich durchaus in Nizza wähnen. Leider fängt das Wetter an zu schwächeln. Es bewölkt zusehends und die Temperatur geht auch nach unten - 25°C zeigt das Thermometer noch (ja, ich weiß … das ist Jammern auf hohem Niveau). Von daher nutze ich die Zeit in der Tat nur für einen kurzen Spaziergang am Hafen entlang (und der ist eher touristisch geprägt), bevor ich den Weg zurück zum Schiff einschlage.
Glücklicherweise sind die Wolken zwar da, behalten ihren Inhalt aber für sich, so dass der Tag zwar nicht mehr so schön wie die vorherigen aber dennoch recht gut zu Ende geht. Da wir heute bis 22.00 Uhr im Hafen liegen, fällt der Bingo-Abend aus (der Veranstalter ist das Casino und das darf nur auf See öffnen), so dass ich die Gelegenheit nutze, eine Websession von Vodafone zu buchen und ein bisschen produktiv am Netbook zu sein bevor es an Deck zur Orientalischen Nacht und anschließender Poolparty geht.
*** Rhodos - ohne Koloss ***
Die Fahrt von Marmaris nach Rhodos ist eigentlich nur ein Katzensprung … nur wenige Seemeilen sind zu überwinden, so dass wir bereits frühmorgens den Hafen erreichen. Und hier würde man ihn erwarten - den Koloss von Rhodos. Doch: nichts ist zu sehen. Der Sage nach hat er hier früher gestanden - als eines der sieben antiken Weltwunder (die Pyramiden, das einzige noch existierende Weltwunder der Antike, haben wir ja bereits sehen dürfen). „AIDA heute" schreibt dazu: „Dem Mythos zufolge hat über der Einfahrt zum Mandraki-Hafen einmal der „Koloss von Rhodos" gestanden. Ein fast 40 m hoher Bronze-Riese, solide, wie man das von einem der sieben Weltwunder auch erwarten darf. Bis ein Erdbeben ihn zerstörte." Und weiter: „Ein syrischer Händler bot im 7. Jh. Bares für Bruchstücke, transportierte das kolossale Puzzle ab und ließ die Bronze einschmelzen… soweit die Sage."
Von daher müssen wir uns in Rhodos etwas anderes anschauen. Ich habe mich hier für das Städtchen Lindos und die dortige Akropolis entschieden, so dass ich nach dem Frühstück zusammen mit vielen anderen Mitreisenden im Theatrium auf den Startschuss zu „RHO01: Lindos & Altstadt von Rhodos" warte. Ich bin mal gespannt, was uns da erwartet - das Ausflugsticket enthält den Hinweis: „viele Stufen, Wasser mitnehmen, gutes Schuhwerk". Und wenn ich mich jetzt hier so umsehe, dann steht das entweder nicht auf allen Tickets oder der Begriff „gutes Schuhwerk" wird von einigen anders interpretiert als ich das tue. Ich habe mal ein paar feste Schuhe mit griffiger Sohle angezogen (und stelle später fest, dass das dem angedachten Ergebnis ziemlich nahe kommt); andere (insbesondere Mitreisende des anderen Geschlechts) interpretieren „gut" aber wohl eher mit „gehoben, anspruchsvoll" - allerdings qualifiziert sich ein Schuh mit mehreren Zentimeter hohem Absatz dadurch noch lange nicht als Wanderschuh. Ach ja, auch Flip-Flops gehören inzwischen zum „guten Schuhwerk" - aber was soll's … ich muss damit ja nicht auf die Akropolis klettern.
Nach dem üblichen Procedere („Keiner überholt den Scout", „Wir gehen langsam das Treppenhaus hinunter", „Es kommt jeder mit.") geht's dann auch schon los. Wir fahren zunächst mit dem Bus etwa 50 Kilometer nach Lindos („Das weiße Juwel am Fuße der Akropolis"), einem Ort mit weiß getünchten Häusern vor blauem Himmel, über dem die Akropolis (akro = hoch, polis = Stadt) auf einem 116 m hohen Hügel thront.
Und diesen besteigen wir jetzt. 279 Stufen sind es genau bis nach oben, wobei wir hier nicht von normalen Treppenstufen sprechen sondern eher von einer Art Naturstufen, die mit unterschiedlicher Länge und Höhe den Weg nach oben darstellen. Geeignetes Schuhwerk vorausgesetzt, kommt man recht problemlos nach oben; alternativ dazu kann man das Gehen aber auch einem Esel überlassen und sich für 5 EUR nach oben tragen lassen. Da ich das weder dem Esel noch mir zumuten will, entscheide ich mich für die Stufen … und bin oben ziemlich froh über diese Entscheidung. Hier kann man nämlich riechen, wer zu Fuß und wer mit dem Esel kam … ![]()
Viel ist von der ehemaligen Akropolis übrigens nicht zu sehen … am auffälligsten sind hier sicher noch die drei Säulen. Die zu fotografieren ist aber fast ein Ding der Unmöglichkeit, da ständig irgendjemand davor steht, um sich gemeinsam mit den Säulen fotografieren zu lassen - als ob sie dadurch schöner würden …
Dafür hätte man meiner Meinung nach nicht unbedingt hierher laufen müssen - der Ausblick auf Lindos, das Meer und die Küste von hier oben ist die Mühe aber allemal wert. Der ist nämlich genial …
Später geht es dann wieder nach unten … je nach Schuhtyp ist die Herausforderung auf den glatten Stufen jetzt sogar noch höher als der Weg nach oben. Aber es hilft alles nichts; der Bus wartet für den Weg zurück nach Rhodos und einen geführten Spaziergang durch die Altstadt. Ich trenne mich dann jedoch relativ rasch ab und mache meine eigene Führung durch Rhodos - meine Interessen liegen da doch eher bei Neuzeitlichem als bei den ausführlichen Erläuterungen über die mittelalterliche Lebensweise. Das ist aber sicher Geschmackssache …
Glücklicherweise liegt das Schiff sehr stadtnah, so dass der Fußweg von der Stadtmauer bis zum Schiff keine zehn Minuten beträgt - das erlaubt später noch einmal den Weg zurück in die Stadt, um ein paar nette Fotos von der AIDAdiva zu machen.
Der restliche Nachmittag verläuft dann dem Wetter angepasst mit einem Cocktail auf Deck 14.
Zum Abendessen lockt dann erneut die Sushi-Bar - das Sushi hier ist aber auch einfach fantastisch. Ich treffe mich mit Jannik zu einem „Sushi Spezial" (4 Sashimi, 4 Nigiri und eine Maki-Rolle) und einer zusätzlichen California-Rolle, bevor wir gerade noch rechtzeitig die AIDA-Bar zum Aktiv-Bingo erreichen. Wie immer fehlen ein, zwei Zahlen und wie immer geht irgendein anderer mit dem Gewinn nach Hause … aber morgen ist ja auch noch ein Tag. Inzwischen leuchtet die AIDA-Bar in weiß-blau, der Nagelklotz und Weißbier stehen bereit - AIDA-Fans wissen, was das bedeutet: es ist „Alpenglühn" angesagt - der bayerische Abend an Bord beginnt… und er endet auch nicht, als alles schon wieder abgebaut ist - gegen halb drei nach einem Absacker in der Anytime-Bar lande ich jetzt in der Kabine … aber was soll's - der Ausflug in Santorini beginnt ja glücklicherweise erst um 10.45 Uhr.
*** Santorini - Der schönste Tag der Reise ***
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Mit der AIDAdiva durch das östliche Mittelmeer
- Reisebericht vom 9. - 16. Oktober 2009 -
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15. Oktober 2009: Santorini - Der schönste Hafen der Reise
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Jeder kennt die Bilder, die wir mit Griechenland assoziieren: weiße Häuser mit blauen Türen vor leuchtend blauem Himmel und Meer - fast alle davon werden auf Santorini gemacht. Und genau auf solche Fotomotive hoffe ich beim Ausflug STR02 („Oia & Thira"). Aber beginnen wir von vorn. Viel zu früh ist die Nacht vorbei (was aber ggf. daran liegt, dass sie auch erst spät angefangen hat) und trotzdem gehen die Augen irgendwie auf und richten sich - wie automatisch gesteuert - auf den Balkon aus. Glücklicherweise hat mein Balkon eine Glaswand, so dass ich vom Bett aus einen hervorragenden Blick auf die schneebedeckten Berge habe. Moment mal, schneebedeckte Berge? War da gestern vielleicht doch eines der Hefeweizen schlecht? Ich mache die Augen noch einmal zu und fange noch mal von vorn an - es ändert sich aber nichts: auf den Bergen liegt Schnee.
Ich springe aus dem Bett, nehme die Kamera mit Teleobjektiv und stürze auf den Balkon - und der Blick durch den Sucher offenbart es: das Weißbier ist unschuldig, der „Schnee" sind Häuser, die am oberen Rand der Steilküsten gebaut wurden und aus der Ferne in der Tat wie schneebedeckte Berggipfel aussehen (und ich weiß, dass das auch anderen Mitreisenden so ging; ich mir also nicht wirklich Gedanken um meinen Gesundheits- und Geisteszustand machen muss!).
Das weckt Interesse für den Ausflug, also Morgenprogramm (Nasszelle, Frühstück, Treffen für den Ausflug) abspulen und runter vom Schiff. Heute geht es dabei aber nur auf ein anderes Boot, da Kreuzfahrtschiffe aufgrund der geringen Wassertiefe nicht im Hafen anlegen können; wir liegen also auf Reede und tendern an Land. Unser Weg führt uns dabei nicht direkt nach Thira sondern an einen etwa 15 Minuten entfernt liegenden Hafen, an dem die Ausflugsbusse auf uns warten. Wenigstens hier hat man mal gemerkt, dass wir auf dem Wasser unterwegs sind - die Fahrt auf der AIDA ist bislang absolut ruhig abgelaufen … ein Unterschied zwischen den Fahrzeiten und den Liegezeiten im Hafen ist - aufgrund der spiegelglatten See - nicht feststellbar gewesen.
Von daher ist ein bisschen Schaukeln mal eine nette Abwechslung - die wird aber noch getoppt durch die anschließende Busfahrt nach Oia. Hier führt eine schmale Straße in Serpentinen vom Hafen die Steilküste hinauf - und so wie sich das anhört, fährt sich das auch ![]()
Unsere Reiseführerin (eine Deutsche, die vor Jahren nach Santorini ausgewandert ist) hat aber auch gleich eine Gegenmaßnahme bereit: „Machen Sie einfach die Augen zu, wenn's eng wird - unser Busfahrer macht das auch." Na, dann … Und sie hat auch noch einen ergänzenden lokalen Witz dazu: „Ein Pfarrer und ein Busfahrer aus Santorini stehen nach ihrem Ableben vor der Himmelspforte und begehren Einlass. Petrus hat jedoch nur noch einen Platz im Paradies frei, so dass der andere in die Hölle muss. Der Pfarrer ist sich sicher, dass er wohl für den Himmel vorgesehen sei, da er ja sein Leben nur Gutes getan habe. Dem hat auch der Busfahrer nicht viel entgegen zu setzen, so dass er sich mit Platz in der Hölle abgibt. Petrus jedoch schickt den Pfarrer in die Hölle und den Busfahrer in den Himmel. Der Pfarrer ist empört und fragt Petrus, wieso er in die Hölle müsse und der Busfahrer in den Himmel käme. ‚Nun', spricht Petrus, ‚wenn Du sonntags in der Kirche predigst, schlafen alle ein - wenn aber der Busfahrer die Serpentinen hochfährt, beten alle'."
Ganz so schlimm wird's aber nicht … wenige Minuten später sind wir schon oben angekommen und fahren rund 40 Minuten bis nach Oia. Hier haben wir rund 1,5 Stunden Zeit, das malerische Örtchen zu erkunden - und ich finde ein Fotomotiv nach dem anderen … das lohnt sich wirklich. Hinter jeder Ecke finden sich neue Eindrücke und Impressionen. Ein Ort wie gemalt.
Genau wie Thira - 30 Minuten dauert die Fahrt von Oia und auch hier erleben wir einen Bilderbuchort mit einem atemberaubenden Ausblick. Auf Satorini könnte ich mir durchaus auch mal eine Woche Urlaub vorstellen. Verwinkelte Gassen, viele Cafés und Restaurants, weiß getünchte Häuser, blaue Türen und Fenster und rund herum leuchtend blaues Meer - da verstehe ich, wieso man hierher auswandert …
Der anschließende Weg nach unten zum Schiff kann nun in drei verschiedenen Variationen bewältigt werden. Entweder zu Fuß (dieses Mal sind es rund 500 Stufen), mit dem Esel oder mit der Seilbahn.
Da sich Fußgänger und Esel den Weg teilen, ist dieser sehr glatt (die Esel nutzen den Weg ja nicht nur zum Gehen); außerdem nehmen die Esel keine Rücksicht auf Fußgänger - da wird also schon mal ein Fußgänger zwischen einer Mauer und einem Esel zusammengedrückt. Von daher ist die Nutzung des Fußweges ohne Esel eigentlich keine Alternative.
Reitet man den Weg auf einem Esel hinab, hat man in jedem Fall eine gute Aussicht - allerdings auch nach unten, wenn der Esel mal ein bisschen dicht am Abgrund läuft (was durchaus vorkommt). Wenn man dann auch noch einen Esel ohne Sattel, an dem man sich festhalten könnte, erwischt hat, kommt wieder die Stelle mit dem Beten zum Tragen …
Ich habe mich daher für die Seilbahnfahrt entschieden, die zwar in keinster Weise spektakulär war, mich dafür aber in wenigen Minuten an den Hafen gebracht hat. Dort besteige ich jetzt das nächste Tenderboot und dann geht's zurück auf die AIDAdiva.
Auf dem Weg zum Schiff darf (muss) ich gerade wieder mal ein Gespräch meiner Sitznachbarn mithören - Thema dieses Mal: „Ägypten". „Wie kann man uns nur in eine so dreckige Stadt fahren lassen? Und von Ordnung haben die hier auch noch nichts gehört. Und dann diese aufdringlichen Händler und bettelnden Kinder. Da fühlt man sich ja gar nicht wohl". Und wieder einmal frage ich mich, warum solche Leute viel Geld bezahlen, um in ferne Länder zu kommen und sie dann am liebsten gar nicht sehen wollen - und wenn doch, dann soll doch vorher mal einer durchfegen. Meine Empfehlung: zu Hause bleiben … da hat alles seine Ordnung, da wird der Müll in vier verschieden farbige Tonnen sortiert, da gibt's die Kehrwoche und alles wird gut.
Zurück an Bord reicht die Zeit noch für zwei Stündchen auf dem Sonnendeck bevor es dann zum Abendessen geht. Ich entscheide mich heute für das Buffalo Steakrestaurant und ergänze die - heute kostenfreie - Vorspeise (1/2 Hummerschwanz mit Dip) um ein 240-g-Bisonfilet mit Ofenkartoffel und Salat. Seeehr lecker!
Aber wir sind ja nicht zum Spaß hier - ich muss jetzt in die AIDA-Bar, meine Urlaubskasse aufbessern. Wie immer treffen wir uns zum Aktiv-Bingo, wie immer sind wir ganz nah dran und wie immer nicht nah genug… vertagen wir uns also auf die Südostasienreise mit der AIDAcara im Dezember und gewinnen da den Jackpot.
Auf dem Pooldeck läuft zwischenzeitlich die Farewell-Party; wir treffen uns noch zu einem letzten Bier bzw. Mexican Bull in der Beachbar und dann geht's auch schon ans Kofferpacken. Bis spätestens 2.00 Uhr muss der Koffer vor der Tür stehen, wenn er morgens vor dem Schiff stehen soll - ansonsten heißt es selber tragen … und das muss ja nicht sein.
Und wieder ist eine Woche vorbei, das Geräusch plätschernder Wellen dringt durch die geöffnete Balkontür in die Kabine und wiegt mich in den Schlaf.
*** Heimfahrt mit Hindernissen ***
Um 8.30 Uhr klingelt das Telefon - der Weckruf. Morgentoilette, Rucksack packen und ab zum Frühstück. Die Kabine ist ab 9.00 Uhr zur Reinigung für die neu anreisenden Gäste gesperrt, mein Shuttlebus zum Flughafen geht um 9.45 Uhr. Bleibt also noch genügend Zeit für das Standardprogramm im Weite-Welt-Restaurant (Spiegeleier, Speck, Brötchen mit Lachs, Schinken und Käse, Joghurt und frisches Obst sowie genügend Kaffee zum Wachwerden).
Beim Gang zum Shuttlebus dann ein letzter Blick zurück - das war's dann erst mal wieder. Dachte ich zumindest …
Gut zehn Minuten später sind wird am Flughafen und sehen die Schlangen vor den Eingangstüren. Warum auch immer die Leute nicht reingehen …
Wenige Minuten später wissen wir es - die Schlangen enden innen an den Schaltern zum Check-In; die Abflughalle ist zu kurz. Also stelle auch ich mich vor die Tür in die Schlange bis ich nach etwa 30 Minuten mein Ziel, den Check-In-Schalter für Condor erreicht habe. Ich zeige meinen Personalausweis um im Gegenzug meine Bordkarte zu erhalten. Doch stattdessen erfahre ich, dass ich auf diesem Flug nicht gebucht sei. Das verwundert mich jetzt doch etwas, da der Hinflug mit Condor ja ganz normal geklappt hat, das der einzige Rückflug mit Condor ist und ich ja schließlich auch in meinen Reiseunterlagen den Condor-Flug vorfinde. Das verwundert zwar auch die Dame am Check-In, hilft aber nicht weiter. Ich bin nicht gebucht und kann somit nicht fliegen. Punkt.
Freundlicherweise holt sie aber nochmal eine Kollegin, die auch noch nach mir (im Computer) sucht - leider auch erfolglos. Daher darf ich zunächst mal in Warteposition gehen, während man einen Vertreter von AIDA holt. Einige Telefonate mit der Flugabteilung von AIDA später ist das Problem gelöst: man hatte mich kurzfristig auf einen Flug mit TUIfly am Abend umgebucht, hat aber vergessen, mir das im Vorfeld mitzuteilen.
Na super - noch rund zehn Stunden Zeit bis zum Abflug; im Hotel bei meinem Auto bin ich dann gegen 23.00 Uhr. Das war so nicht gedacht.
Auf der anderen Seite - die zehn Stunden muss ich ja nicht am Flughafen verbringen. Ich lasse meinen Koffer also am AIDA-Stand und fahre mit dem Taxi zurück zum Schiff, um den Tag noch in der Sonne zu verbringen. Kurz vor 12.00 Uhr sitze ich dann auch schon in der Beachbar, nachdem ich mit Unterstützung der Reisemanagerin noch mein Shuttletaxi in Stuttgart umbuchen kann und für die Nacht zum Samstag noch eine Übernachtung in Stuttgart reserviere (mit ist nicht wirklich so danach, nach einem langen Tag auch noch mitten in der Nacht stundenlang auf der Autobahn unterwegs zu sein).
Die nächste freudige Überraschung: der Hotelmanager hat zwischenzeitlich die Bars informiert; ich bezahle heute mit „meinem guten Namen" … will heißen: ich genieße die Getränke auf Einladung von AIDA. Und auch die Taxikosten sind bereits beglichen. Super!
Mein Handgepäck beseitige ich wie bei der Ankunft, so dass ich den Tag zwanglos auf Deck 14, an der Pool- bzw. Diva-Bar und in der Sauna verbringe. Trotz allem Ärger und Aufwand hat das ganze also auch noch eine gute Seite.
Jetzt gibt es noch ein kleines Abendessen, bevor unser Shuttlebus zum Flughafen geht. Die Reisemanagerin steht bereits am Bus, um meinen Transfer auch ohne Gutschein (den hatte ich ja morgens schon gebraucht) sicherzustellen und auch am Flughafen steht der Groundservice von AIDA bereit, um beim Einchecken zu unterstützen (das sieht dann in der Praxis so aus, dass ich an der Schlange vorbei zum Einchecken komme und auch noch einen Notausgangs-Sitzplatz erhalte). Warum der Koffer beim Einchecken in Heraklion allerdings nur gewogen und mit dem Gepäckanhänger versehen wird, dieser danach allerdings vom Reisenden selbst zu einem Röntgengerät getragen und dort aufs Gepäckband gestellt werden muss, versteht vermutlich keiner so richtig. Ärgerlich ist dabei vor allem das doppelte Anstellen - wer die 30 Minuten beim Check-In hinter sich hat, hat die nächsten 30 Minuten dann noch am Gepäckband vor sich …
Nachdem auch das erledigt ist, werde ich noch bis zur Passkontrolle begleitet - ich kann hier den Service und die Unterstützung von AIDA vor Ort nur auf das höchste loben. Es ist unstrittig, dass AIDA hier einen Fehler gemacht hat - genauso unstrittig ist aber auch, dass sich ALLE Vertreter von AIDA (AIDA-Groundservice am Flughafen, AIDA-Flugabteilung in Rostock, Reisemanagerin der AIDAdiva) des Problems angenommen, eine rasche Lösung gesucht und mich entsprechend unterstützt haben. Zwar könnte man jetzt sagen, dass das ja wohl selbstverständlich und das Mindeste sei, was man erwarten könne - das sehe ich zwar auch so, weiß aber auch, dass die Praxis und die Theorie hier oft abweichen. Von daher ist meine Zufriedenheit mit AIDA durch diesen Vorfall eher größer als kleiner geworden - besser hätte man das nicht handhaben können.
Doch zurück zum Flug - der hat etwa 45 Minuten Verspätung und einige Turbulenzen zu bieten (das ist dann der Ausgleich für den fehlenden Seegang), so dass wir erst gegen 23.10 Uhr in Stuttgart landen. Sogar das Gepäck ist da - so sicher war ich mir nach dem organisatorischen Chaos in Heraklion da ehrlich gesagt nicht. Vor der Tür steht bereits das Taxi zum Hotel bereit - das kommt auch eher selten vor, dass da jemand vor dem Ausgang mit einem Schild steht und auf mich wartet ![]()
Da Bernd, Manuela und Jannik auch noch bis morgen im Mercure übernachten, nutzen wir die Gelegenheit, bei einem letzten gemeinsamen Bierchen über die nächste anstehende Fahrt zu sprechen - in bereits zwei Monaten geht's mit der AIDAcara nach Südostasien!