
Visby
Der Kapitän ist offenbar ein sehr weiser Mann. Mit seiner Entscheidung, 2 Stunden später einzulaufen, soll er wohl Recht behalten.
Ein morgendlicher Blick auf den Routenverlauf verrät, wir halten zumindest noch Kurs auf Visby.
Das war wohl zuvor nicht immer so und wird auch in Zukunft nicht immer so sein. Heute aber wohl doch.
Die Wetterapp zeigt bei der Anfahrt auf den Hafen ausgerechnet über ganz Gotland noch ein übles Regengebiet an
und windig begrüßt uns hier der Morgen...
Trotzdem nehmen schon bald nach dem Anlegen die ersten regenschutzbekleideten Radfahrer den Kampf mit der noch widrigen Witterung auf, -sicherlich mehr als erfrischend…
Die Teddys sind aber ohnehin nicht so die Bikertypen, sondern eher Freunde des Rucksacks. Und so kommt es uns sehr gelegen, dass wir erst am Nachmittag auf Tour gehen. Denn bald schon hellt es sich hier genauso auf, wie unsere Ausflugsstimmung.
„Westliches Gotland“ heißt unsere heutige Nachmittags-Tour und bis dahin kann ohnehin noch viel passieren. So oder So…
Erstmal passiert es aber, dass unsere 2021er-Buttons geliefert werden. Im Mai gab es die ja noch nicht. Ab jetzt aber prangen sie an einem der letzten freien Plätze an unseren Fanklamotten. Wir sind eben einfach zu klein.
Man kann unsere ganze Button-Sammelei ja schon für übertrieben halten, aber ob man andererseits den Fankult so dermaßen ausleben muss wie von unseren Leuten im Steakhaus beobachtet, dass man mit den weißen Aida-Frotteeschlappen (einem ehemaligen Clubgeschenk) dort frühstücken geht…
Ohne Frotteelatschen jedenfalls geht es mit den frisch verliehenen Buttons an der Brust am Nachmittag los. Das westliche Gotland wollen wir mal einer Prüfung unterziehen.
Als erstes die Kirche (in) „Tofta“.
Praktisch im Vorbeifahren lernen die Teddys auf dem Weg dorthin weiter „Schwedisch“. So weist ein Straßenschild „Tofta Strand“ auf einen offenbar tollen Strand hin.
Leider aber können wir unsere logische Übersetzung nicht weiter überprüfen, denn wir halten an der „Tofta Kirche“. Und ob die nun „tofte“ ist weiß ich nicht, denn der Rucksack mit uns bleibt im Bus. Wir werden zu Atheisten erklärt.
Unsere Leute meinen aber später, dass wir mit dieser Aktion nicht unbedingt Wissenslücken davongetragen haben. War aber wohl zum Auftakt ganz nett.
Und war eben vor der Kirche noch ein Friedhof mit Grabsteinen, halten wir nun auch an einer Vielzahl dicker alter Steine, die aber von oben gesehen, die Form eines Schiffes haben.
Es ist dieses in der Ausflugsbeschreibung genannte „Steinschiff“, welches aber wohl ebenfalls ein Friedhof ist. Ein Friedhof aus einer Zeit, weit vor Teddygedenken.
Nach der Erklärung des Guides sehen wir eines von vielen ähnlichen Gräbern hier in Gotland. Passt aber ja auch für Fischer und Seefahrer, symbolisch inmitten ihres Arbeitsgerätes/dem Arbeitsplatz begraben zu werden und damit in das Reich der Toten einzufahren.
Der Träger meint aber, dass er nur ungern mal mit seinem Computer im Büro begraben werden möchte… Mit meiner Bordkarte könnte ich persönlich mir das schon eher vorstellen.
So ändern sich die Zeiten und das letzte „Alle Mann an Bord!“ ist hier schon lange vorbei…
Wir hoffen mal, dass wir hier keinem Schwindel aufgesessen sind, denn unterwegs kommen wir am Straßenrand auch mal an einer Fälschung vorbei. Doch noch bevor die ersten Kameras klicken, warnt uns der Reiseleiter, dass hier wohl Jugendliche einen Nachbau in die Erde gesetzt haben, um Touristen zu verar…..
So führt uns der Weg nun weiter zu einer Ansammlung von hölzernen Fischerhütten.
Die sollen jetzt aber wohl echt sein, obwohl keine Fischer zu sehen sind. Wahrscheinlich hat man sie vor den Busladungen gewarnt.
Auf der Wiese stehen lauter Stangen, woran sonst Netze zum Trocknen und Reparieren aufgehangen werden.
Heute hängt da aber nichts, -weder Netze noch Fische.
Wäre es hier noch ganz nett anzusehen gewesen, werden wir beim nächsten Ziel, dem Galgenberg, diesen "Umstand der Leere" mehr als begrüßen.
So drehen wir einstweilen ab, zurück in Richtung Visby, vorbei an Schafherden, die hier mit einer besonders alten Rasse vertreten sind und sich auch auf der Flagge wiederfinden.
Kurz vor Visby weist ein Schild darauf hin.
Hier steht die Villa Kunterbunt, oder wie der Schwede sagt, -die (Villa) „Villekulla“, das Haus von Pippi Langstrumpf.
Früher stand es dort noch nicht und ist auf einem großen Schlitten 2 km weit hierhin umgezogen. Und warum? Weil es so jetzt mitten im Vergnügungspark „Kneippbyn“ steht-
Diesmal komme ich mit meiner Übersetzung nicht weiter. So einfach ist Schwedisch dann wohl doch nicht. „Kneippbyn“ ist keine Ansammlung von Kneipen/Gasthäusern die hier den Besuchern Vergnügen bereitet, sondern es sind Karussels und Co.
Wir können jetzt aber weder Karussels noch Pippis Villa Kunterbunt sehen, da wir hier nur vorbeifahren, es von der Straße aus nicht sehen und Aida hat wohl auch keinen Eintritt für uns bezahlt.
Dafür geht es jetzt am Rande der Stadtmauer entlang
durch Visby und erstmal hoch zum „Galgenberg“.
Die schöne Aussicht von hier oben dürfte damals kaum die Tatsache aufgewogen haben, dass es leider das letzte war, was die armen Teufel damals gesehen haben.
Bei der Auswahl des Platzes dürfte dies aber ohnehin eher unwesentlich gewesen sein.
Und so wird dieses Willkommensschild damals wohl noch nicht da gestanden haben. Das wäre wohl eher „unpassend“ gewesen…
Heute stehen von der „Bühne“ hier nur noch die Steine. Die hölzernen Galgen aus dieser Zeit fehlen.
Wir Touri-Teddys können uns nicht nur wegen der fehlenden Galgen, sondern auch wegen unseres ohnehin verhältnismäßig tadellosem Vorverhalten nun tatsächlich beruhigt an der Aussicht auf Visby, und des Meeres mit der Aida Sol erfreuen.
Und vor allem ist es für uns nicht das Letzte was wir sehen…
Denn nun gehen wir durch ein uraltes Tor der Stadtmauer in die Altstadt von Visby.
Obwohl hier auffällig viele Reste eingestürzter Kirchen stehen,
soll es dennoch der besterhaltene mittelalterliche Stadtkern von ganz Schweden sein.
So streifen wir durch ein paar nette Gassen auch an vielen alten, manchmal auch nur schönen Häusern, Gebäuden und Plätzen vorbei.
Bei diesem alten "Värdshus" braucht es sicher nicht erst meine Übersetzung, um den ursprünglichen Verwendungszweck zu erkennen.
Soll allerdings heute ein Nobelrestaurant sein...
Und während ich mich hier so umschaue, bestätigt mir ein Blick zu meinem "Nachbärn", dass auch er die Altstadt von Visby als den besten Teil der Tour empfindet.
Unten wartet nun der Bus und wenig später ist das Thema Gotland erledigt.
Ausfahrt und wir stellen fest, dass wir irgendwie Glück hatten, den Hafen trotz der wenig prickelnden Wetteraussichten überhaupt angelaufen zu haben.
Aber genau mit dem Wetter hatten wir, allen Unkenrufen zum Trotz, dann solch ein Glück. Nicht einen Tropfen Regen haben wir abbekommen, nicht einmal hat die Regenplane über dem Rucksack den Blick der Teddys verklären müssen und dann hat im Gegenteil sogar doch noch die Sonne geschienen.
Tatsächlich genau das richtige Zeitfenster erwischt.
Und da schließt sich der Kreis. Der Kapitän ist also offenbar tatsächlich ein sehr weiser Mann.
Oder wie Teddy Kaufhof in Selbstverständlichkeit bemerkt: „…halt ein alter erfahrener Seebär.“ (Obwohl der eigentlich noch recht jung aussieht…)
Doch die Weisheit hilft nicht immer gegen die Unbilden des Wetters. Manchmal ist man auch machtlos dagegen, da helfen keine Tricks.
So hört man von der Aida Prima, die jetzt Stockholm besuchen möchte, das uns 2 Tage mit tollem Wetter verwöhnt hat, dass die schon nach nur einem Tag, um 05:30 Uhr am nächsten Morgen, von dort flüchten müssen. Es wird später wohl einfach zu windig für eine gefahrlose Rückfahrt durch die engen Schären. Die Hafenbehörden haben dem geplanten Ausflugstreiben ein Ende gesetzt.
Und wie immer wird die Richtigkeit auch diese Entscheidung wieder in den einschlägigen Foren vom heimischen Sofa aus angezweifelt und mehr als hinterfragt: „Wieso denn das? Man hätte aber doch. Marinetraffic zeigt doch…. Aber die anderen fahren doch.... Immer wieder ist das nur bei Aida so…“
Und täglich grüßt das Murmeltier…
Während nach der Ausfahrt noch tolle Landschaften langsam an uns vorbeiziehen, lösen die gerade den Gutschein im Steakhaus ein. Na hoffentlich haben die da einen Fensterplatz…
Einen Platz an der Sonne haben die dann aber wohl beim Einlösen eines weiteren Clubgutscheins, den Casino-Gutscheinen.
Nur der Träger ärgert sich anschließend wegen der „24“.
Die ganze Zeit gespielt, fällt die natürlich just in dem Augenblick, als er gerade die Karte aus dem Automaten gezogen hat…
Aber da soll er mal nicht unverschämt sein.
Doch wann ist der richtige Moment aufzuhören?
Da ist die Entscheidung beim Thema Kreuzfahrten einfacher. Im Ergebnis: Noch lange nicht…!
-- Fortsetzung folgt --
Im nächsten und damit vorletzten Teil treffen wir auf dem Weg nach Göteborg -wohl nicht ganz zufällig- die AIDA Mar.
Großes Hallo und der kleine Tiger wundert sich über das stundenlange Spiegelbild an Backbord neben uns.
Dicht geht es dann am "Wintersportort" Kopenhagen vorbei. So dicht, dass ich die Erklärung dafür fast mit bloßem Auge erkennen kann.
Und selbst für Teddy Kaufhof beginnt dann der Tag in Göteborg mit einem Lachen, als er an dem Ausflugsbus ein Schild mit ganz besonderer Bedeutung entdeckt...
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