
Kurz vor Stockholm...
Erste große Neubauten lösen nun die vereinzelt auch zahlreichen, manchmal versteckten, schnuckeligen, farbigen Holzhäuser ab, die bisher die bewachsene flache Felslandschaft dominiert haben und kündigen die Großstadt an. Stockholm, die Hauptstadt von Schweden.
„Stock“ für Baum und „Holm“ für kleine Insel lassen von der Übersetzung her erstmal an Venedig denken.
Ja, die Stadt hat 50 Verbindungsbrücken für die 14 Inseln auf denen sie gebaut ist. Und sicher wird dabei auch der eine oder andere Baumstamm oder Pfahl zur Stütze Verwendung gefunden haben. Aber eher stammt der Name wohl von einer frühen hölzernen Verteidigungsbarriere im Wasser.
An unserem Liegeplatz in „Södermalm“, also der Südinsel, machen wir nicht mehr an Holzpfählen, sondern mit dicken Stahltrossen an massiven Pollern fest.
Und das Festmachen lohnt sich gleich doppelt, -wir bleiben über Nacht.
Was nebenbei bemerkt, diesmal also auch eine ruhige Nacht zu versprechen scheint. Denn etwas ist diesmal an Backbord hinten anders als sonst.
Von unten kommen doch einigermaßen seltsame Geräusche und der Balkonboden vibriert. Ob es ein Lagerschaden an einer Welle ist, oder sonst etwas?
Nun, wir werden es nicht klären. Eines aber können wir klären. Nämlich, dass weder Mensch noch Teddys sich das etwa nur einbilden, sondern es decksübergreifend bemerkt wird. Selbst die Suite nebenan ist darüber weniger als suboptimal begeistert. Offenbar nur wenn die betreffende Maschine aus dem Betrieb genommen oder mal gedrosselt wird, schaltet sich diese kostenlose „Powerplate“ ab.
Der unverschämte Teddy Kaufhof meint dann auch, dass ich mich jetzt häufiger auf dem Balkon aufhalten soll. Das wäre die Lösung für die mir angedichteten Figurprobleme.
Geräuschmäßig ist es eine Art Trommeln, sodass ich zunächst im Glauben war, dass da irgendwo ne Fete mit ordentlich aufgedrehten Bässen läuft.
Und da war die Teddygesellschaft schon fast neidisch, nicht eingeladen zu sein...
Jetzt aber fällt mir ein, woran es mich erinnert. Und da ist man eher nicht so gerne eingeladen, -beim motivierenden Trommeln auf den alten hölzernen Schiffen mit den unfreiwilligen Ruderern, wie man es aus diesen alten Filmen kennt.
Bin mir aber andererseits sicher, dass wir trotz aller Öko-Bestrebungen mit Motorkraft fahren.
Da haben wir aber insgesamt doch Glück, dass wir da nicht so empfindlich sind und trotzdem stets einen Bärenschlaf haben.
Jedenfalls aber hatten wir auf der Blu schon mal die gleiche Kabine, 22 Tage lang und durften damals ohne Trommeln und Vibrationsplatte auskommen.
Jetzt wird aber erstmal geschaut, wo wir denn hier eigentlich gerade frisch angelandet sind. Und das sieht ja von oben betrachtet schon mal recht vielversprechend aus.
Unser Erstanlauf von Stockholm also und heute stehen gleich 2 Ausflüge auf dem Programm.
Zunächst zieht es uns zum „Freilichtmuseum Skansen“ auf der dem Liegeplatz gegenüberliegenden Insel Djurgarden.
Bewusst haben wir uns auf dieser Tour für Ausflüge ins Umland entschieden. Denn wenn irgendwann doch mal wieder individueller Landgang möglich ist und wir dann hier oder dort anlanden, können wir die Städte und nähere Umgebung immer noch in Ruhe und vor allem nach unserem Geschmack erkunden.
Und warum sollen wir hier nicht noch mal hinkommen? Also zeitlich könnte ich es durchaus einrichten…
Und dann werden wir uns sicher auch die U-Bahnstationen anschauen, die hier schon fast kleine Kunstgalerien sein sollen.
Von der Altstadt und dem Hafenbereich mit den wesentlichen Gebäuden bekommen wir ohnehin auch jetzt schon einiges zu sehen und vom Reiseleiter zu hören.
Und das nicht nur, weil der Bus auf dem Weg nach Skansen zwangsläufig den Bogen durch dieses Gebiet fahren muss. Einen kürzeren Weg zur Insel Djurgarden gibt es nicht.
Zusätzlich gibt es jetzt erstmal einen Spaziergang quer durch die Altstadt „Gamla Stan“, bis wir am anderen Ende beim Königspalast wieder auf den Bus treffen werden. Ist sozusagen eine kompakte Stadtführung light.
Und an dem Platz wo früher zeitweise mehr Köpfe über das gleichnamige Steinpflaster als Marktkarren gerollt sind, halten wir nun kurz inne und schauen auf das Treiben in den Cafes vor den historischen Fassaden und in die Gassen, die hier aus allen Richtungen auf diesen Rathausplatz zulaufen.
Und während man im Vorfeld viel über mangelnde Toilettenpausen diskutiert hat, hier wäre sie möglich gewesen, -aber keiner traut sich…
Manchmal kommt es mir so vor, als ob ich schon ein wenig Schwedisch verstehe. Die Altstadt hier heißt "Gamla", obwohl die gar nicht vergammelt ist.
Aber das heißt dann wohl auch eher "alt". So aber kann man sich überraschend vieles zusammenreimen, was dann auch halbwegs stimmt.
Ob es der deutsche Einfluss ist? Nur an der Rechtschreibung, da müssen die hier wohl noch arbeiten… Außer hier, an der deutschen Kirche.
Ein paar Gassen gehen wir nun quer durch die Altstadt. Manche davon heißen wie die Berufe
(hier also "Schuhmacher") mit denen sich die Leute hier früher das Geld verdient haben.
Bei unserer Straße daheim ist das zum Glück nicht so, raunt mir mein Nachbär grinsend zu. Sonst würde sie wegen der Teddys wohl „Tun gar nichts –Str.“ heißen.
Andererseits heißt der Königspalast ja auch trotzdem noch so, obwohl hier schon lange kein König mehr wohnt. Zu klein kann es ihm eigentlich nicht sein, dieses Haus.
Hat es doch angeblich sogar 1 Zimmer mehr als der Buckingham-Palast. Und auf diese Feststellung legt man hier großen Wert.
Wie gesagt, zurücklatschen brauchen wir nun übrigens nicht. Nicht nur, weil wir gemäß „Tun gar nichts“ im Rucksack hocken, sondern auch unseren Trägern bleibt es erspart, weil genau hier der Bus auf uns wartet.
Voller Erwartung geht es nun weiter zum größten Freilichtmuseum der Welt, nach Skansen, wo auch jemand auf uns wartet, die nordischen Tiere, -hoffentlich…
Endziel erreicht, das alte Gelände von 1891 und die Leute sind froh. Froh darüber, dass es jetzt eine Toilettenpause gibt, für all diejenigen, die die Gelegenheit vor dem Rathausplatz ja nicht genutzt haben. Und das waren alle. In das Jugendstilhäuschen von eben wollte komischerweise niemand.
Und später bleibt auch die hier überraschenderweise wieder ungenutzt…
Zusätzlich sind unsere Leute vor allem auch darüber froh, dass es eine „Rulltrappa“ (für die nicht Schwedisch verstehenden = Rolltreppe) ist, die das Hochschleppen der Teddys angenehm gestaltet. Die ganze Sache ist nämlich auf einem Hügel angelegt und unser Guide beginnt gleich mal oben.
So erreichen wir rollend die ersten alten Häuser. Und davon gibt es hier viele.
Ehemalige Wohnhäuser sind es und vor allem auch Gebäude mit Werkstätten alter Berufe,
Bauernhöfe
bis hin zu Schrebergartenhäuschen.
Alles Originale aus den verschiedensten Regionen Schwedens die, hoffentlich nicht ohne vorher gefragt zu haben,
irgendwo abgebaut und hier wieder zusammengesetzt worden sind.
Und nun stehen sie da und in manche kann man auch reingehen. Wir aber eher nicht, denn wir haben ja keine Zeit.
So bleibt es weitestgehend bei einem Spaziergang durch den hoffentlich wesentlichen Teil der Anlage. Das kann ich aber erstmal nicht genau sagen, denn den Überblick habe ich schnell verloren.
Also die Sache in Arhus, als wir damals individuell in „De Gamle By“ unterwegs waren und in verschiedene Häuser und Wohnungen gegangen sind, das war zwar von der Fläche her kleiner, aber irgendwie eindrucksvoller. Von alt bis in die 70er-Jahre, praktisch eine spannende chronologische Zeitreise.
Fortsetzung folgt...
Im nächsten Teil kommen wir nach den ganzen alten "gamla" Häusern endlich in den Bereich von Skansen,
wo unsere "Nordsafari" zur Suche von Verwandtschaft beginnt.
Aber ist die wirklich so gastfreundlich, sich zur Begrüßung auch mal blicken zu lassen?
Das Ziel unseres zweiten Ausflugs hat sich jedenfalls lange genug auf dem Grund des Hafenbeckens versteckt. Jetzt kann es nicht mehr vor uns weg, das alte Schlachtschiff "WASA", gefangen im Museum...