
21. Januar 2020 – Bangkok – Wetter: sonnig, warm
Wunderbar,
heute konnten wir ausschlafen, es gibt keine Termine und wir lassen
es ruhig angehen. Im Restaurant sind die Tische für das Frühstück
eingedeckt und wie ich so gemütlich am Tisch sitze und schaue, habe
ich das Gefühl, in einer anderen Zeit zu sein.
Das zeichnet das Ambiente des Hotels aus. Abtauchen – weg von der Moderne in eine andere Zeit. In Thailand haben wir uns angewöhnt anders zu frühstücken, wie zu Hause. Brot – muss nicht sein. Kaffee ja und es gibt eine tolle Auswahl an warmen Gerichten. Eine warme Suppe am morgen mit Reis, ist schon mal eine gute Grundlage für unseren Spaziergang nachher. Heute gibt es auch den schmackhaften Wasserspinat, etwas kross gebratenen Reis und Fleischstücke. Nun ja, der Kaffee schmeckt nicht so gut dazu, den trinke ich zum Schluss – zum essen wähle ich Wasser. Wir überlegen, was wir machen wollen und entscheiden uns, wir wollen irgendwie runter zum Fluss laufen. Dummerweise haben wir keinen Stadtplan dabei, so hilft das Handy eventuell weiter.
Der Rucksack ist gepackt, Wasserflasche kommt mit und los geht es. Aus der Kühle des Hotels trifft uns vor der Tür schon die Hitze. Man gut, das Kleid ist bequem und luftig, mein Mann hat eine Hose an, die die Knie bedeckt. So können wir auf jeden Fall in die Tempel reinschauen, ohne dass wir zurückgewiesen werden. Man weiß ja nie. Der Verkehr rauscht an uns vorüber und wir kramen unsere Masken aus der Tasche und präparieren uns. Ist besser so und nein, wir fallen mit den Dingern nicht auf. Andere Menschen tragen sie auch. Die Geschäfte sind zum Teil geöffnet, an den Garküchen wird schon fleißig gekocht und fliegende Händler verkaufen bunte Drachen.
Männer schieben Sackkarren mit hohen Stapeln von Kartons durch die
schmalen Straßen.
Und ist es noch so eng, es wird nicht gerempelt,
rücksichtsvoll gefahren und es gibt noch oft ein Lächeln Mopeds
rattern durch die Gegend, es ist nie ruhig. Kreuz und quer
durchstreifen wir die Straßen und plötzlich entdecken wir die
bunten Wandmalereien – toller Hintergrund für ein Erinnerungsfoto
und ein paar Schritte weiter stehen wir vor einer bunten Tür. Mein
Mann schaut in den Hof und winkt mir, ich solle doch kommen.
Dahinter
stehen die weißen Gebäude eines Tempels. Keine Ahnung, wie er
heißt, ich kann kein Thai lesen. Keine Menschenseele begegnet uns.
Die Buddhas hinter der Glaswand schauen uns entspannt entgegen –
ganz im Gegensatz zu den Figuren auf dem Hof, die schauen irgendwie
streng.
Wieder
draußen auf der Straße sehen wir die Bäume, an denen bunte Bänder
und Blumengirlanden hängen und ein leichter Duft von Räucherstäbchen
zieht vorbei.
In den umliegenden Geschäften werden alle möglichen
Teile für den Maschinenbau verkauft. So gibt es hier in Chinatown
Straßenzüge, da findet man nur Schuhe, Koffer, Küchenutensilien,
Lederwaren und Taschen oder nur Autozubehör usw. „Schau mal, der
Bus hier“, sage ich zu meinem Mann.
„Aha, die Bella fährt ja
erst heute Abend ab und so sind noch Passagiere auf Tour in Bangkok“
antworte ich ihm und halte Ausschau nach der Gruppe. Sie steht nicht
weit entfernt, vor einem sehr bekannten Ziel, dem Wat Traimit
Wittayaram.
Voriges Jahr haben wir uns den Tempel nur von außen angesehen doch heute kaufen wir uns für 40 Baht eine Eintrittskarte und wollen uns den goldenen Buddha anschauen. 2014 waren wir mit der Aura in Laem Chabang gewesen und haben einen Ausflug nach Bangkok gemacht. Bei der Gelegenheit haben wir den goldenen Buddha zum ersten mal gesehen. Das ist ja schon Jahre her und eine kleine visuelle Auffrischung kann nicht schaden.
Der Buddha ist ein echtes Schwergewicht, er wiegt 5,5 Tonnen und besteht aus purem Gold. Rechnet man das Gewicht mit dem Goldpreis um, würde er sicher über 200 Millionen Euro kosten. Lange war der Wert dieses Buddhas unentdeckt geblieben, denn über dem Gold befand sich eine Schicht aus Gips und bunten Mosaiksteinen. Perfekt getarnt als Sicherheit gegen Diebe! Bei Renovierungsarbeiten ist man zufällig drauf gestoßen, dass sich unter dem Gips eine Kostbarkeit befindet. Sie wechselte oft den Standplatz und seit dem Jahr 1935 ist sie hier an diesem Ort zu finden. Und wenn man genau hinschaut, kann man erkennen, dass diese Figur aus mehreren Teilen besteht, die ineinandergefügt wurden. Andächtig stehen die Besucher davor und lassen sich von dem Blick des Buddhas in den Bann ziehen. Welch eine Ruhe und Gelassenheit er ausstrahlt – einfach wohltuend.
Da hier stets großer Besucherandrang herrscht, ist es wichtig, zu wissen, wo man seine Schuhe abgestellt hat. Denn der Ausgang ist nicht dort, wo man reingekommen ist. Wir umrunden das obere Stockwerk, haben einen schönen Blick auf die Stadt und dann finden wir unsere Schuhe wieder. Auf der breiten Treppe stehen Touristen und lassen sich vor dem Abbild des Königs fotografieren, wenn man schon mal hier ist.
Wir haben genug gesehen und sind auf dem Weg zur Houan
Lamphong Railwas Station – sprich zum Bahnhof.
Der liegt nicht weit
entfernt und man muss den Khlong Padung Krung Kasem (was für lange
Namen) – Kanal überqueren und plötzlich sehe ich einen Bus
vorbeifahren.
Eine Frau lächelt uns zu. Es ist ein Bus, mit dem man
an Tischen sitzend und speisend, die Stadt durchfährt. Ist auch eine
Möglichkeit und hat einen Vorteil, man sitzt hoch und hat einen
guten Überblick. Da fällt uns ein, eine Kleinigkeit könnten wir
doch ruhig essen - an dem Platz vor dem Bahnhof.
Gesagt, getan und
ich bestelle mir einen Papayasalat, spicy natürlich und eine Portion
gebratenen Reis , dazu einem Mangosaft und ein Chang zur Erfrischung. Ich hätte noch einen Krug Wasser trinken können. Der Salat war wirklich spicy- boah.
Am Nachbartisch hinter uns sitzen ein paar Engländer und direkt
neben uns ein Rucksacktourist aus Australien…. Er sei schon eine
Weile unterwegs und möchte sich noch Bangkok anschauen, bevor er
wieder nach Hause fliegt. Es ist schon verrückt, man lernt
unheimlich viele Menschen auf Reisen kennen, erfährt etwas aus ihrem
Leben, man isst und trinkt gemeinsam, lacht und freut sich, dass wir
die Möglichkeit haben zu reisen, wohin wir wollen. Da können wir
doch einfach nur dankbar sein oder??? Ein alter Mann mit Schürze
sitzt auf einem Plastikstuhl vor dem Lokal. Zu dem geht die Bedienung
und gibt ihm das eingenommene Geld – er ist sozusagen die Kasse und
sicher auch das Oberhaupt der Familie. Dem
Australier wünschen wir noch eine schönes Ende seines Urlaubs und
wir schauen uns um im Bahnhofgebäude.
Es ist kein Kopfbahnhof, das heißt, die Züge fahren durch den Bahnhof durch und von hier aus geht eine Linie in Richtung Bang Sue Junction bis, „was weiß ich wohin“. Alle Fernverbindungen beginnen und enden hier an dieser Stelle. Mir fällt ein, wir werden schon noch mit dem Zug fahren, aber nicht direkt ab Bangkok nach … ich habe keine Ahnung, wie die Endstation heißen wird. Es ist ein geplanter Ausflug mit unserer Freundin. Der Bahnhof Hua Lamphong ist der der zentrale Knotenpunkt im Verkehrsnetz der thailändischen staatlichen Eisenbahn. Und schon bei der Ansicht des Gebäudes ist eins klar: der Bahnhof hat eine Geschichte. Direkt vor dem Gebäude steht ein Denkmal, das an den ersten Bahnhof und an die Einführung des Schienenverkehrs in diesem Land erinnert. Man schrieb das Jahr 1897 und der heutige Bahnhof wurde nach einer Bauzeit von 6 Jahren am 16. August 1916 eröffnet, also schon vor über 100 Jahren. Die Dachkonstruktion des Empfangsgebäudes entspricht dem Sil der italienischen Neorenaissance und es gibt dort auch wunderschöne Buntglasfenster.
Die Steinplatten glänzen wie abgeleckt, kein Fitzel Papier, kein Zigarettenstummel und Kaugummi liegen herum. Die Menschen warten auf den Bänken oder sitzend auf dem Boden auf die Abfahrt ihres Zuges. Es ist ein kommen und gehen und die Züge stehen picobello geputzt an den Bahnsteigen. Die Schaffner in ihren Uniformen warten auf die Fahrgäste. Ich bin mal wieder schwer beeindruckt, wie es hier zugeht. Vor ein paar Tagen hatte ich gehört, es wird ein neuer Bahnhof mit 26 Gleisen in Bang Sue gebaut und der schöne alte ehrwürdige wird durch ihn ersetzt. Der alte Bahnhof wird nicht platt gemacht, sondern wird zu einem Museum und sicher viele Touristen anlocken. Ich würde sagen, wir haben viel Glück gehabt, diesen Bahnhof noch im normalen Betrieb zu besichtigen. Im Januar 2021 ist er Geschichte., dann rollen die Züge ab dem neuen Bahnhof.
Inzwischen
ist es später Nachmittag und wir machen uns auf den Rückweg, denn
der zieht sich schon hin und wer weiß, wo wir noch überall stehen
bleiben. Auf keinen Fall an einem Schuhladen, denn die liegen ja in
einer anderen Ecke …
Manchmal hält eine Taxe neben uns und fragt,
ob wir fahren wollen. Da genügt ein Kopfschütteln und weiterlaufen.
Nach 6 Stunden Fußmarsch erreichen wir das Tor von Chinatown und im Hotel heißt es dann erst mal duschen, Füße hochlegen. Später dann geht es wieder los … wir wollen zu den Birmesen und hoffen, sie sind heute Abend da. Thema Streetfood und was es da zu sehen und zu riechen gibt, erzähle ich nächsten Teil.
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