
27. November 2019 – Marseille, sonnig 17 Grad
Na, heute können wir ausschlafen, denn Marseille an der französischen Mittelmeerküste erreichen wir erst gegen 18 Uhr. Somit ist es fast ein Seetag. Das Wetter ist okay, aber für ein Sonnenbad reicht es am frühen Vormittag noch nicht. Meist nutze ich die Seetage für die Teilnahme an einer Kochschule und so finde ich mich um 11 Uhr im Buffalo Steak House zur Fleischkochschule ein. Chef de Cuisine Rossini, Reinhard Krause steht schon bereit und ebenso die Zutaten. Es kann losgehen. Ein Überblick über die verschiedenen Fleisch- und Zubereitungsarten und dann duftet es schon verführerisch. Auch das Tatar, natürlich von Hand geschnitten, ist ein Genuss.
Am Ende der Kochschule bin ich doch leicht gesättigt von den kleinen Leckerbissen der verschiedenen Fleischsorten. Ich muss mich jetzt etwas ausruhen und gehe auf die Suche nach meiner besseren Hälfte. Klar, er macht Sport und lacht, als er mich sieht. „Und? Musst du jetzt auch Kalorien abarbeiten?“ fragt er mich. Ich schüttle zaghaft den Kopf und antworte kurz „nö“.
Am
Nachmittag sitzen wir im Theatrium und hören uns an, was die
Lektorin Britta Kuth uns neues über Marseille berichtet. Wirklich
neu ist uns nicht viel, waren wir ja erst hier gewesen. Mon dieu, wir
werden heute nicht an Land gehen, wenn die Sol im Hafen festmacht,
sondern den Abend einfach genießen. Am späten Nachmittag, der
Himmel ist blau und unser Blick fällt auf den Küstenstreifen mit
den Hügeln und wir nähern uns dem Golfe du Lion (Bucht des Löwen).
Entlang der Küste gibt es eine Eisenbahnlinie und der Zug passiert jede Menge Viadukte und Tunnel. Auch die Straße entlang der Küste ist kurvenreich. Wir waren dort vor langer Zeit mit unserem alten Wohnmobil unterwegs gewesen. Tolle Städte liegen nicht fern, Aix en Provence, Cassis, St.Tropez und Cannes etwas weiter weg. Heute haben wir Glück, der Mistral verschont uns mit seinen kalten Windströmen und so können wir ziemlich entspannt die Einfahrt in den Hafen verfolgen. Die Sonne verabschiedet sich, es wird Zeit zum Umziehen für das Abendessen.
Im Marktrestaurant gibt es passend zum Land den Themenabend „Frankreich“ und da ist der kleine Hunger wieder präsent. Kurz schauen wir noch im Theatrium vorbei, die AIDAstars und die Artisten präsentieren „Muscial Dreams“ und zum Schluss bleiben wir in der Anytime Bar bei der „Lautlos-Party“ hängen, sprich Silent-Party.
Aber so silent es nun doch nicht, es wird wild durcheinander gesungen und getanzt. Ohne Begleitmusik hört man auch schnell mal einen schrägen Ton aus einer Kehle. Egal, es soll ja Spaß machen. Kleiner Absacker noch in der AIDAbar, ein wenig tanzen zur Musik der Live-Band „Sleek Tones“ und dann geht es ab in die Kabine. Morgen ist laufen angesagt. Bonne nuit!
28. November 2019 – Marseille, teils sonnig 16 Grad
Wir nutzen den Shuttle-Bus und steigen nach einem guten Frühstück kurz vor dem Vieux Port aus. Unterwegs kommen wir an der Cathédrale de la Major vorbei. Bemerkenswert ist die Zusammensetzung der Steine, die der Kirche, die im neobyzantinischen Still in der Zeit von 1852 bis 1893 errrichtet wurde. Sie ist die größte franzöissiche Kirche des 19. Jahrhunderts.
Heute beschränken wir uns auf eine Tour rund um den alten Hafen mit den schmalen Straßen. In der Ferne sehen wir die berühmte Kirche „Église Notre Dame de la Garde“ auf dem Berg oben. Sie wurde in gleichen Stil errichtet wie die Cathédrale und die Bauarbeiten begannen im Jahr 1853, im Gegensatz war die Èglise schon nach 21 Jahren fertiggestellt. Sie ist übrigens das Wahrzeichen der Stadt. Vor einem Jahr waren wir dort und es hat sich gelohnt, die Kirche anzuschauen – aber auch der Blick auf die Stadt und die Bucht ist super. Allerdings haben wir es damals vorgezogen mit dem Bus dort hoch zu fahren und uns den steilen Aufstieg erspart. Schließlich hatten wir an dem Tag noch viel vor und wollte Kräfte sparen.
Unterwegs
kommen wir an diesem Gebäude vorbei.
Es stammt aus dem 18. Jahrhundert und war der Umkleideraum der Gesundheitsbehörde von Marseille. Sie war verantwortlich, die Stadt mit ihren Bewohnern vor Epidemien zu schützen und Boote unter Quarantäne zu stellen.
In dem
kleinen Hafen liegen die Segelboote dicht an dicht... die Straßen
sind nicht übervölkert wie in den Sommermonaten. Es ist Ruhe
eingekehrt, wie auch in den beiden Städten Italiens, die wir vorher
besucht haben. Die knorrigen Äste der Platanen sind blattlos und
gehen in den Winterschlaf.
Stühle und Tische vor einem Bistro stehen
verschnürt in einer Ecke und wir sind unterwegs zum Diamantenhaus.
Nein, es ist kein Schmuckgeschäft! Das von reichen Italienern und
Spaniern 1570 in Auftrag gegebene Bauwerk hat eine faszinierende
Fassade.
Die Steine sind so bearbeitet worden, dass sie aussehen wie
Diamanten, große Diamanten. Am Anfang soll eine wohlhabende Familie
in dem Haus gelebt haben. In dem ältesten Gebäude Marseilles ist
jetzt ein Museum untergebracht. Ich liebe es, einfach so bummeln und Zeit zu haben, mal nach links oder rechts zu schauen. Auch mal in eine Seitengasse zu gehen und Dinge zu entdecken.
Seien es einfach ein paar Malereien an Wänden oder schöne Steinmetzarbeiten an Fassaden und Giebeln. Ich muss auch nicht viel nachdenken oder aufschreiben. Manchmal sagt ein Foto mehr wie tausend Erklärungen. Doch bei der Dame denke ich unwillkürlich an das vorstehende Bild. Sie hat bestimmt etwas von dem Mistral, den scharfen Wind mitbekommen, so wie ihre Haare waagerecht fliegen.
Wir lassen uns treiben und ich bin ganz angetan vom Schattenspiel des Sonnenlichts. Vorbei an großen herrschaftlichen Gebäuden kommen wir zum Rathaus der Stadt, dem Hotel de Ville. Vorhin sind wir an der Verbindungsbrücke zwischen den beiden Ratshausgebäuden vorbeigekommen. Die reichverzierte Front liegt in Richtung Hafen. Hier sieht man deutlich, dass keine Saison ist. Normalerweise stehen viele Menschen vor dem Gebäude, um es zu fotografieren. Heute muss mein Mann sich den Platz mit niemanden teilen.
Die Adventszeit steht vor der Tür und so ist auch der Weihnachtsmarkt schon etabliert. Viele kleine Verkaufsstände sind aufgestellt locken Besucher an. Das große weiße Riesenrad ist immer ein Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen.
Ein kleine Pause wäre jetzt recht, entscheiden wir und suchen uns ein Plätzchen in der Sonne im einem Bistro. Ein paar Oliven, ein Bier und eine fluffige Pizza sorgen für ein Wohlgefühl. Aber die Pizza lauter französischem Käse belegt und über ihm liegt euch Hauch von Thymian. Am Nachbartisch essen Gäste die berühmte Fischsuppe, die Bouillabaisse. Wer hierher kommt, sollte sie unbedingt mal probieren.
Herrlich, hier zu sitzen – um uns wird französisch gesprochen. Es hat für uns einen Hauch vom Ankommen im Land unseres Sommers. Denn wir verbringen in den Sommermonaten einige Zeit auf einem Campingplatz an der Atlantikküste unter lauter Franzosen. Was auf keinen Fall bei der Rast fehlt: ist der kleine Pernod. Der französische Anislikör, der mit kalten Wasser verdünnt wird und dann milchig aussieht. Eigentlich trinkt man ihn ja vor dem Essen oder am späten Nachmittag – ihn nach dem Essen zu trinken, ist eigentlich eine Unsitte. Nun gut, wir haben uns ja erst spät entschieden, ihn doch noch zu trinken und so drückt die Kellnerin ein Auge zu. Es ist uns auch schon mal passiert, dass uns ein Ober ihn nach dem Essen nicht servieren wollte, wir sollten uns lieber einen Schnaps bestellen. So kann es gehen, andere Länder – andere Sitten.
Schnell noch der Blick in die kleine Kirche Saint Ferrol und weiter geht es.
La
Canebiére, wie die historische Hauptstraße in der Altstadt heißt,
kommt aus dem lateinischen und heißt Cannabis. Um den alten Hafen
herum lagen früher Hanffelder, die der Stadt durch den Handel mit
Hanf großen Reichtum einbrachten. Er wurde zur Herstellung von
Körben und Seilen benötigt, die von hier aus bis in die 1930er
verkauft und verschifft wurden. Auch an diesem Gebäude sind wir voriges Jahr vorbei gelaufen...
Nicht
weit entfernt liegt die Prefecture, der Verwaltungssitz des Bezirks.
Fast könnte man meinen, es wäre ein Schloss mit dieser gewaltigen
Fassade.
Ein
wenig weiter, hier waren wir noch nicht, stoßen wir auf den
Justizpalast. Was für ein tolles Gebäude und auch der Park davor
lädt zum Verweilen ein.
Wir schauen auf die Uhr und machen uns auf den Rückweg durch die verwinkelten Straßen, bleiben an dem schönen Brunnen stehen. Marseille hat wirklich viele schöne architektonische Sehenswürdigkeiten, aber auch die vielen Brunnen geben dieser Stadt ein besonderes Flair.
Vorbei am Riesenrad streben wir der Abfahrtsstelle des Shuttle-Buses entgegen. In der Tasche habe ich noch ein paar typische Kekse der Region und wie wir in dem Laden an der Kasse stehen, sind hinter uns zwei junge Deutsche und wir kommen ins Gespräch. „Ja, das mögen wir an Frankreich, keine Eile. An der Kasse geht es anders zu, wie Zuhause. Man wartet geduldig, bis die ältere Dame ihren Einkauf in der Tasche verstaut hat und sie in aller Ruhe ihren Scheck ausstellt, ein Schwätzchen mit der Kassiererin hält und dann au revoir sagt“, flüstere ich ihnen zu. „Ja, das ist uns gerade auch aufgefallen – nicht übel, so ohne Stress“ kommt als Antwort.
So, nun aber nicht weiter trödeln, der letzte Shuttle ist sonst weg. Alle Mann an Bord ist um 16.30 Uhr! Als wir den Hafen von Marseille verlassen, verabschiedet sich auch die Sonne in schönsten Farben am Horizont. Es ist etwas frisch und so haben wir uns entsprechend angezogen - leichte Steppjacke und gut ist es.
Kurz
noch die Füße ein Stündchen hochlegen, ab zum Essen und dann
suchen wir uns zeitig einen Platz im Theater, denn es wird voll
werden. '“Gimme, Gimme, Gimme -Abba reloaded“ steht auf dem
Programm. Die Musik kann man immer wieder hören und die Show,
darüber kann man geteilter Meinung sein. Sie ist modernisiert, wobei
mir die alte Show besser gefallen hat – aber die Songs sind ja
gleich geblieben.
Uns ist noch eingefallen, wir haben noch Gutscheine für das Casino und die Spielautomaten. Versuchen wir doch mal unser Glück. Jipiieeeeeeeeee, ich habe aber viel Glück gehabt und dem Automaten satte 40 Euro abgeluchst. Die kommen in die Urlaubskasse für die nächste Reise im Januar 2020, denn nach AIDA ist ja immer schon vor AIDA oder??
Der Tag war ausgefüllt mit vielen schönen Eindrücken und wir packen schon mal die Sachen für morgen früh. Da sind wir in Barcelona. Ich werde mit dem Rossini-Koch in die Markthalle gehen und mein Mann wird eine Panoramafahrt machen und den Park Güll besuchen. Bonne nuit.