
AIDA hat etwas Neues: Selection Reisen. Und wir sind genau die Zielgruppe. Auch wenn wir zwischenzeitlich immer mal wieder über den AIDAtellerrand geschaut haben, sind wir doch aufgrund der besonderen Routen und Häfen AIDA immer treu geblieben, auch wenn wir über so manche Unzulänglichkeit hinwegsehen müssen.
Nach vierzehn Reisen auf allen Melitta Dampfern von der AIDAdiva bis zur AIDAmar haben wir jetzt zum ersten Mal eine Selection Tour auf einem „kleinen“ Schiff gebucht: 14 Tage auf der AIDAvita nach England und Irland.
Und was uns bei dieser Reise noch entgegen kommt: sie beginnt und endet in Hamburg. Also erst morgens gepackt und dann mit dem Taxi zum Schiff. Schon beim Check-in merken wir den Unterschied, den die Größe des Schiffes macht. Wir können die AIDAvita völlig entspannt entern.
Da unsere Balkonkabine noch nicht freigegeben worden ist, erkunden wir zunächst das „Calypso“ zwecks eines kleinen Mittagssnacks. Danach geht’s nach draußen an die „Anytime Bar“, die hier nicht wie auf der Sphinx-Klasse „Ocean Bar“ heißt. Die „Ocean Bar“ befindet sich abgeschieden von dem ganzen Rummel am Heck von Deck 7. Einer der Gründe, wenn nicht sogar der Hauptgrund, warum die AIDAvita sich zu unserem Lieblingsschiff entwickeln wird.
Nun sind wir erst einmal an der „Anytime Bar“ auf ein erstes Bier. Und mal wieder bewahrheitet sich der Spruch „man sieht sich immer zweimal (mindestens) im Leben“. A&O aus Ostfriesland, woher historisch gesehen die wahren „Ossis“ herkommen, sind auch mit uns an Bord. Die Beiden haben wir auf einer unserer Abofahrten zu den Fjorden Norwegens auf der AIDAsol kennengelernt. Und so wie es aussieht, ist die Freude nicht nur auf unserer Seite und so erwartet uns eine schöne gemeinsame Zeit.
Nachdem wir unsere obligatorische Seenotrettungsübung absolviert haben, treffen wir uns zum Ablegen wieder ganz achtern. Es ist Freitagabend und es ist Hafengeburtstag. So werden wir von den vielen Besuchern der Hafenmeile bei ziemlichem Schietwetter verabschiedet. Und ganz gegen unsere sonstige Gewohnheit sitzen wir schon vor Blankenese zum Abendessen an einem schönen Vierertisch im „Calypso“, aber wir haben schon so viele andere und schönere Revierfahrten auf der Elbe erlebt.
Leider wird das Wetter nicht besser und die auf dem Pooldeck geplanten Veranstaltungen werden ins Theater verlegt. Wir verzichten auf unseren Willkommenssekt und trinken dafür das eine oder andere Bier an der „Anytime Bar“, erst draußen, dann drinnen, da unsere Ostfriesen etwas frösteln. Und dann ist dieser erste Abend auch schon vorbei und es geht ins Bett.
Nach einem erholsamen Schlaf beginnt der Seetag in aller Ruhe mit einem ausgiebigen Frühstück im „Calypso“. Nach einer kurzen Schiffserkundung unter Deck geht’s nach draußen, um den Schornstein mehrfach zu umrunden. Um 11:30 Uhr wird auf dem Pooldeck das Brunchbuffet eröffnet. Nachdem wir den ersten Ansturm abgewartet haben, gehen wir auch mal gucken. Da wir vom Frühstück noch pappstatt sind, gibt es nur „kleinste“ Probierhäppchen. Ist aber lecker und das Bier schmeckt auch schon wieder.
Das Wetter zeigt sich heute von seiner deutlich besseren Seite, wie der Blick von unserem Balkon beweist.
Und noch eine Runde auf Deck 11.
Zu viel frische Seeluft. Das macht müde. Also erst Siesta und dann zur Massage. Nach Bewältigung dieses anstrengenden Nachmittagsprogramms gönnen wir uns eine Auszeit an der „Anytime Bar“, wo wir von Nadiia, auf dieser Reise noch als Junior-Barkeeperin, bedient werden. Nadiia werden wir auf späteren Reisen immer wieder treffen.
Um 18:00 Uhr wartet schon der nächste Termin auf uns: Clubtreffen im Theater mit dem Hoteldirektor und dem Entertainmentmanager (oder wie meine Frau sagt: dem Ententrainer). EM ist auf dieser Reise Lord Patrick, der schon bei diesem Treffen sein musikalisches Können unter Beweis stellt. Dazu gibt es eine Tüte mit Fish & Chips und wer will, bekommt Guiness.
Nach einer halben Stunde ruft die nächste Verabredung: 6-Gänge-Menü im Selection. Sehr lecker. Auch der Cloudy Bay Sauvignon Blanc aus Neuseeland schmeckt hervorragend und ist ab sofort zu unserem AIDA Wein geworden.
Aber irgendwann sind auch sechs Gänge aufgegessen und so geht es für den restlichen Abend in die „Anytime Bar“, wo wir den zwar warmen, aber auch sehr lauten Abend mit A&O verbringen.
Heute Nacht schenkt uns die Uhr eine Stunde, da unser nächstes Ziel Dover ist. Hier sind wir nach 2013 und 2015 nun zum dritten Mal und es wird nicht unser letztes Mal sein. Ich muss sagen: leider, denn Dover ist nun wirklich kein Selection würdiger Hafen. AIDA fährt wohl gern nach Dover, um die teuren Ausflüge nach London zu verkaufen. Der gleiche Blödsinn wie der Ausflug von Le Havre nach Paris. Wenn der Ausflügler Pech hat, verbleibt ihm aufgrund des Verkehrs bei neun Stunden Busfahrt nur ein kurzer Aufenthalt in der jeweiligen Hauptstadt.
Nachdem wir beim ersten Besuch von Dover den Ort nur kurz anguckten, sind wir mit dem Bus zum Castle hochgefahren und haben den Berg bis zum Kassenhäuschen erklommen, um dann festzustellen, dass English Heritage ca. 50 £ Eintritt aufruft. Da haben wir gescheut.
Doch heute haben uns vorgenommen, uns nicht von den Raubrittern abschrecken zu lassen. Als wir am Anleger von Dover festgemacht haben, können wir von unserem Balkon bei schönstem Wetter unser Tagesziel sehen.
Dover Castle ist schon ein imposanter Anblick. Während der Eisenzeit ist eine erste Befestigung aus Erdwällen entstanden. Vermutlich im 2. Jh. errichteten die Römer zwei Leuchttürme zur Bewachung des römischen Flottenstützpunktes, einen auf der anderen Seite des Tals und den zweiten hier auf dem späteren Gelände der Burganlage. Neben ihm steht eine Kirche aus angelsächsischer Zeit.
Sofort nach der siegreichen „Schlacht von Hastings“ im Jahre 1066 verstärkte der normannische Eroberer „William the Conqueror“ die Befestigungen. Nach 1180 veranlasste Heinrich II. den Bau des mächtige Bergfrieds mit seinem strategischen Verteidigungsvorbau, der als Königspalast und zur Bewirtung bedeutender Gäste dienen sollte. Nach 1740 entstanden die „modernen“ Kasernen.
Nach dem Frühstück verlassen wir gegen 10:00 Uhr das Schiff und besteigen den englischen Shuttle, der uns zunächst zu den Kreidefelsen bringt. Da wir heute aber ein anderes Ziel haben, machen wir nur einen kurzen Fotostopp.
Mit dem Bus fahren wir anschließend zum Castle. Den Weg zum Kassenhäuschen und den Eintrittspreis kennen wir bereits. Ich zahle den Eintrittspreis mit der Karte. Das tut nicht ganz so weh. Außerdem erstehe ich für weitere 5 £ das offizielle Guidebook.
Dann betreten wir durch das „Torhaus des Burgvogts“ das weitläufige Areal. Entlang der Burgmauer geht’s durch das „Peverell-Torhaus“ in Richtung Küste.
Hier passieren wir das Regimentsinstitut von 1868 und den Eingang in den unterirdischen Befehlsstand aus dem 2. Weltkrieg. Da die Unterwelt nicht so ganz das Unsere ist, verzichten wir auf die Besichtigung des weitläufigen Tunnelsystems, mit dessen Bau schon 1798 begonnen wurde und das mit Beginn des 2. Weltkrieges großräumig erweitert und bombensicher gemacht wurde. Es diente als Hauptquartier für die Verteidigung der Küste. Von hier aus leitete Vizeadmiral Bertram Ramsay 1940 die Evakuierung aus Dünkirchen.
Nachdem wir uns die neue Offizierskaserne mit dem davorliegenden Marine-Beobachtungsstand angeschaut haben, erklimmen wir vorbei an dem offiziellen Shop den Hügel in Richtung der zentralen Anlage, wo dicke Mauern und zwei gewaltige Torhäuser, das des Königs und das Palasttorhaus, den inneren Burghof umgeben. Auch schmiegen sich hier einige Gebäude, wie die Arthur-Halle, von innen an die Mauer. Im Zentrum steht der mächtige Bergfried.
Aber bevor wir unseren Burgrundgang beginnen, orientieren wir uns nach rechts, wo auf dem höchsten Punkt der Anlage die beiden frühesten Bauwerke stehen: eine römische Leuchtturmruine und eine angelsächsische Kirche.
Der Bau der Kirche wird auf das Jahr 1000 geschätzt, also noch vor der normannischen Eroberung. Danach diente sie als Burgkirche, als Heinrich II. die Burg neu ausbauen ließ. Nachdem sie im 17. Jh. baufällig geworden war, verkam sie als Spielfeld für ein Ballspiel und später als Kohlebunker für die Garnison. 1862 wurde sie mit bunten Wänden, Fliesen und einem Mosaik-Altarblatt restauriert.
Nachdem wir eine Runde im inneren Burghof gedreht haben, betreten wir den „Great Tower“ durch den Vorbaueingang. Im Sockelgeschoss gibt es neben der Küche und einem Brotbackofen hauptsächlich Lagerräume. Also die steile und enge Treppe hoch ins erste Geschoss. Die beiden zentralen Räume sind hier die „Great Chamber“ und die „Guest Chamber“, die als Speisesaal und als Appartements für königliche oder fürstliche Gäste gedacht waren. Weiter geht’s über die Wendeltreppe eine Ebene höher, wo sich die „King’s Hall“ und die „King’s Chamber“ befinden. 2009 wurde der Bergfried mit Hilfe verschiedener Experten im farbenfrohen Stil des Mittelalters restauriert und die Einrichtung, die Gebrauchsgegenstände, Wandbehänge und die Beschläge von Türen wurden so rekonstruiert, wie sie 1184 beim Besuch des Königs ausgesehen haben könnten.
Nach dieser Überdosis an Geschichte und alten Mauern, verlassen wir jetzt fluchtartig das Gelände und entern den nächsten Bus zum Schiff. Home sweet home.
Da wir erst nach 15:00 Uhr zurückgekommen sind, reicht es gerade mal für ein Stück Pizza auf die Hand und eine kurze Siesta, da ab 17:00 Uhr die „Ocean Bar“ auf uns wartet, wo wir von Dean ein schönes kaltes Bier bekommen.
Noch ein Blick auf die vielen Steine und unser Resümee lautet: einmal muss man es vielleicht gemacht haben, aber sicher kein zweites Mal.
Falls wir noch einmal nach Dover kommen und das steht zu befürchten, werden wir eine schöne Klippenwanderung bei den „White Cliffs“ unternehmen, denn wie wir zwischenzeitlich gelernt haben, ist auch Canterbury kein so lohnendes Ziel.
Aber morgen sind wir in Weymouth. Da waren wir vor ziemlich genau vier Jahr im Rahmen unserer Nordspanientour mit AIDAstella schon mal und es hatte uns dort sehr gut gefallen. Also viel Vorfreude und wir sollen nicht enttäuscht werden.