
Bald geht´s weiter ... und bald ist jetzt:
Die Beine wurden in den letzten Stunden zur Genüge beschäftigt. Die Mägen nicht. Sie rebellierten – Hunger!!! Also ran. Nein, besser rein in eine typisch irische Bäckerei am Rande des Viertels Temple Bar. Es war viel los – auf der Straße und auch in der Bäckerei. Irische Mittagszeit, in der man sich gut mit den warmen, frisch gebackenen Leckereien beschäftigen konnte. Wir entschieden uns wieder für Pasteten. Vegetarisch – aber nicht für mich. Mit Rindfleisch gefüllt – für mich.
Wir verputzen sie an der frischen Luft. Auf einer auf der Grattan Bridge befindlichen Bank sitzend und das Gewusel um uns herum beobachtend. Unser Ziel war:
sooooooo stark … aber ohne das dickflüssige braune Wasser … So ganz neben der einfachen Schlemmerei nahmen wir zur Kenntnis, dass der Ausblick von unserem Standort über den River Liffey nicht schlecht war. Zwei der zahlreichen Dubliner Brücken, die Millenium Bridge und die berühmte Ha´penny Bridge und im Hintergrund The Customs House bauten sich vor uns auf.
Nach einem Kurzbesuch eines riesigen Supermarktes und Kauf von Mitbringseln für die Daheimgebliebene spazierten wir – vorbei am Leprechaun Museum (Leprechaun – was ist denn das???)
über die Millenium Brücke in den bekanntesten Stadtteil Dublins – Temple Bar.
Dass Temple Bar das ist, was wir gesehen und genossen hatten, ist den Dubliner Stadtvätern zu verdanken. Mit aller Macht wurden Ende des letzten Jahrtausends Renovierungskolonnen in das heruntergekommene Viertel geschafft, die ein wunderbares Kulturquartier schafften. Pubs, Galerien, Bistros, Ateliers, Studios, Musikzentrum, Multimediazentrum, Stätte des irischen Films und der Fotografie … Benannt wurde dieses Gebiet nach Sir William Temple, Präsident des Trinity College, dessen Familie im 17. Jahrhundert in diesem Viertel wohnte.
Ob wir die Hauptstadt der Pubs gefunden hatten? Es schien so – eine farbenfrohe Kneipe neben der nächsten.
Iren scheinen Geschöpfe mit unheimlichen Durstpotential zu sein. Oder waren die vielen Passanten wie wir nur Touristen? Immerhin trieben sich in den Gassen mehr Schaulustige herum als dass sie in den Pubs vor kühlen Blonden oder auch Dunklen saßen.
Aber das waren um die Mittagszeit auch nicht wenige … Wir genossen das Treiben in diesem trendigen Viertel und ließen uns treiben.
So lange bis der Kaffeedurst kam und wir uns vor einem unscheinbaren Coffeeshop (in Dublin, nicht in Amsterdam!) wiederfanden. Wir wollten etwas dunkles, warmes Aufputschendes mit Schaum. Und fanden es im Cocobrew. Kein Kaffee aus der Maschine. Wie formuliert man es? Hand made? Das kam der Angelegenheit sehr nahe. Und zwar Tasse für Tasse. Und lecker. Und wirklich aufputschend. Für die, die in Dublin eine gemütliche Kaffeepause machen möchten, hier die Adresse: 5 Bedford Row, Temple Bar, Dublin. An der Wand des Coffeeshops fällt die Abbildung eines VW Bully auf.
Vor der Übernahme des Geschäftslokals verkaufte der Inhaber seinen Kaffee aus dem VW-Bus heraus. Wie wir es sahen – eine Erfolgsgeschichte. Irisch …
Es wurde Zeit, weitere Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Zunächst mussten wir den Liffey über die Ha´penny Bridge, eine Fußgängerbrücke,
für deren Nutzung man in früheren Zeiten einen halben Penny als Maut zahlen musste, bewältigen und dann standen wir nach kurzer Zeit am Anfang der O´Connell Street vor dem
Denkmal für Daniel O´Connell (1775 – 1847), der den Beinamen „The Liberator“ (der Befreier) trug. Er war einer der ersten katholischen Anwälte Irlands und Politiker und setzte sich für die Gleichstellung der Katholiken und die Aufhebung der Union zwischen England und Irland ein. Eine vollständige Gleichberechtigung erreichte er nicht; aber auch durch seinen Einsatz wurde 1829 von England die Catholic Emancipation Bill ratifiziert, die deutliche Verbesserungen der Rechte der katholischen Bevölkerung brachte. Die Aufhebung der Union konnte er nicht ansatzweise durchsetzen.
Nicht weit dahinter stach eine Nadel in den Himmel – The Spire (= die Spitze), auch Millennium Denkmal genannt.
An der Stelle der 1966 von einigen IRA-Mitgliedern gesprengten Nelson-Säule wurde sie 2003 fertiggestellt, drei Jahre später als geplant. 121 m hoch, am Fuß beginnend mit dem Durchmesser von 3 m stellt sie besonders nachts bei Beleuchtung ein beeindruckendes Monument dar. Ein moderner Leuchtturm?
Eine noch längere Besichtigungstour durch Dublin lehnten wir einstimmig ab. Der Liffey befand sich in unmittelbarer Nähe und wir spazierten ganz, ganz langsam an seiner Seite auf dem Custom House Quay. Wenn sich dort ein so benannter Quay befand, konnte das Zollhaus nicht weit sein.
Und schon standen wir vor dem imposanten Bauwerk. Es wurde 1781 - 1791 im neoklassizistischen Stil erbaut. Allein die Größe dieses öffentlichen Gebäudes verschaffte den Eindruck, wie hoch die in der Besatzungszeit kassierten Zölle gewesen sein mussten … Aktuell sind im Custom House das Umweltministerium und die Kommunalverwaltung untergebracht.
Auf dem Weg zur AIDAaura machten wir kurz halt bei dem Denkmal für die aufgrund der Hungersnot in die USA Geflüchteten
und dem in unmittelbarer Nähe in den Bürgersteig eingefasste Markierung The World Poverty Stone. Hier, in Dublin, erinnert dieses Original, von dem inzwischen 30 Repliken weltweit existieren, an die erforderliche Ausrottung der Armut. Jährlich am 17. November treffen sich an diesen Gedenkplatten Anhänger des Kampfes gegen Bedürftigkeit. Irland hat seine Vergangenheit nicht vergessen …
Bereits von weitem erkannten wir ein attraktives Fotomotiv. Die AIDAcara hinter Gittern.
So werteten wir diesen Anblick durch die „Harfensaiten“ der Samuel Beckett Bridge.
Nur noch wenige Meter trennten uns von unserem Schiff. Wir bewältigten sie … insgesamt waren wir knapp 13 km per pedes unterwegs. Dublin zeigte sich von der schönsten Seite; wir hatten einiges gesehen. Aber nicht sehr viel – ob ein weiterer Besuch vermehrte Einblicke geben wird? Mal sehen – auch ob sich unsere Planung verwirklichen lässt, im kommenden Jahr mit dem eigenen Wagen quer durch Belgien und Frankreich, dann mit der Fähre nach Irland zu fahren? Es wäre dann der vierte Besuch der Insel auf eigene Faust außerhalb unserer Kreuzfahrtanläufe. Daraus kann man nur schließen: Irland ist einfach toll!
Aber das nur nebenbei. Nach unserer Rückkehr an Bord gönnten wir unseren Füßen Ruhe. Bis zum Essen … „Irland“ wurde im Calypso gereicht, „Spanien“ im Markt Restaurant. Keine Frage, was wir wählten … Anschließend machten wir uns auf dem Pooldeck breit. Da dieser Tag als „Tag des Bieres“ bezeichnet wurde, mussten wir dem zwangsläufig folgen. Wir gönnten uns Guinness.
In Weißbiergläsern – aus der Dose wollten wir nicht schlürfen.
Das Auslaufen um 21 Uhr verlief nach gezwungenem Rückwärtssetzen in das Parallelbecken unspektakulär. Zum Drehen auf dem Handtuch war der Liffey nicht breit genug. Zwischen Werften und Industrieanlagen schob sich die AIDAaura – begleitet vom Lotsenboot –
in die Irische See. Und wir uns übermüdet ins Bett …
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