
... Auf unserem Schiff stärkten wir uns kurz und machten uns dann auf, Baris Altstadt aufzusuchen. Direkt nach dem Verlassen des Schiffs strahlte uns eine Blüte an.
Nun ja, es waren mehrere Blüten – die abgebildete fiel besonders auf. Ein – wie wir ihn nennen – Öhrchenkaktus begrüßte die Passagiere. Von der Anlegestelle aus visierten wir dann die Altstadt an.
Ein wenig erhöht gelegen mit dem alles überragenden Turm der Basilika San Nicola. Er musste noch auf uns warten – wir spazierten zunächst durch die in den Außenbereichen der Altstadt noch nicht bevölkerten engen Gassen.
Es konnte selbstverständlich nicht lange dauern bis wir vor einer – wie so oft – geschlossenen Kirche standen. Italien selbst ist ein Land mit einer großen Anzahl von Kirchen; ungefähr 65.000 katholische Kirchen soll das Land besitzen. Bei unserem Rundgang durch die noch nicht einmal 1 m² großen Altstadt Baris hatten wir den Eindruck, dass gefühlt in fast jeder Gasse eine zumindest kleine Kirche steht; 24 sollen es sein. Wundert Euch also nicht, wenn Ihr in diesem Reisebericht mehrere Fotos von Gotteshäusern seht. Zunächst das von der Chiesa di San Giovanni Crisostomo,
die als älteste Kirche der Stadt angesehen wird; geweiht wurde sie 1.032. In ihr werden katholische Messen mit byzantinischem Ritus gefeiert.
In unmittelbarer Nachbarschaft ragte ein Turm über die angrenzenden Gebäude – ein Merkmal der Chiesa di Santa Chiara.
Sie stammt aus der Zeit der Kreuzzüge, die u.a. von Süditalien aus ins Heilige Land zogen. Dabei waren Angehörige des Deutschen Ordens, die in dieser Kirche ihren Sitz in Bari gegründet hatten.
Weit hatten wir es nicht bis zum nächsten Gotteshaus, der Chiesa di San Gregorio,
eins der ältesten Gotteshäuser Baris mit romanischen und barocken Elementen. Lange Zeit galt sie als wichtigste Kirche der Stadt und wäre sie vielleicht auch noch heute, wenn nicht Kaufleute, Adel und Klerus Baris als Langfinger aufgetreten wären. Klammheimlich schifften sie sich nach Myra ein. Myra in der heutigen Türkei. Dort wirkte und starb der damals noch nicht Heilige St. Nikolaus als Bischof und wurde dort begraben. Reliquien eines Heiligen bedeuteten in der Hochzeit des Mittelalters Macht und damit auch Geld. Beides hatte Bari nötig und so kam der Raubzug zustande. Sie klauten die Gebeine des im vierten Jahrhundert am Nikolaustag verstorbenen St. Nikolaus und kamen mit dem Wertvollsten, das die Stadt jemals hatte, 1087 in Bari an. Hohe, nicht versiegende Einnahmen waren fortan aufgrund der nach Bari strömenden Pilger sicher. Dazu benötigte man zweifelsohne den nötigen Rahmen. Den schaffte man für heutige Verhältnisse rasend schnell: Auf den Ruinen der ehemaligen Residenz des byzantinischen Stadthalters bekamen die Gebeine des Heiligen in der in zehn Jahren erbauten Basilika San Nicola seine neue Heimat.
Die mittelalterlichen Gläubigen wandten sich von der Chiesa di San Gregorio ab und der Basilika San Nicola zu. Und auch das Moos floss verstärkt in die Basilika – wir überzeugten uns davon:
Riesig und mit Kostbarkeiten bespickt. Und trotzdem nicht so überladen wie manche andere Basilikas oder Kathedralen. Nur so nebenbei: Der Heilige Nikolaus sorgt weiterhin für nicht niedrige Einnahmen. Weniger für den Klerus – eher für die in den nahen Gassen beheimateten Händler (Ein Grund, dass vor 939 Jahren auch die Kaufleute als Diebe auftraten?). Was sie nicht so alles an Frau und Mann bringen … Nikolaus-Tassen, Nikolaus-Plätzchen, Nikolaus-Pasta … das sind nur einige Beispiele. Wir belasteten uns nicht damit und wir glauben, dass uns der Heilige Nikolaus als Schutzpatron u.a. der Seeleute und Reisenden es nicht übel nahm.
Nun aber weiter durch die verzweigten Gassen.
Gemütlich sah es aus. Gepflegt (Man muss ja nicht auf die frei liegenden Kabel achten!), sauber. Davon können sich viele deutsche Städte nicht nur eine Scheibe abschneiden!
Nun aber weiter mit unserem Kirchen Hopping. An der Reihe waren die Basilika Cattedrale di San Sabino und die Chiesa di San Giacomo, per Luftlinie nur ca. 200 m vom Heiligen Nikolaus entfernt.
Zunächst das im Hintergrund zu erkennende Gotteshaus, das nicht nur als Basilika sondern auch als Kathedrale und Dom gilt. Eine schlichte romanische Fassade macht die Kirche als römisch katholischen Bischofssitz anziehend.
Keinen Steinwurf entfernt zeigt sich auch im nüchternen romanischen Stil die Chiesa die San Giacomo. Ein Kirchlein, das im Gesamtensemble der Altstadt weniger auffällt und an dem man gut vorbeigehen kann. Wir machten es und standen am Rande der Altstadt vor einem mächtigen profanen Bauwerk.
Starke Mauern hinter einem Graben betonen das Castello Svevo di Bari. Bereits in der Antike schützte an diesem Flecken eine Festung die Stadt; die jetzige Ausdehnung sollte sich ab Beginn des 12. Jahrhundert entwickelt haben. Sie wurde in den Folgejahrhunderten zerstört, dann wieder aufgebaut, dann wieder … und in den letzten Jahrzehnten zu einem Museum mit diversen Veranstaltungsräumen entwickelt.
Gerne hätten wir die gesamte Anlage besichtigt (´mal etwas anderes als Kirchen …), aber die Zeit war zu knapp. So steuerten wir langsam durch die Gassen schlendernd
die Wasserlinie an. Es ließ sich jedoch nicht vermeiden, dass wir uns an bestimmten Punkten aufhielten. So schauten wir durch ein mit einem kunstvollen Gitter versperrten Tor in den Innenhof der Basilika San Nicola,
die uns allerdings weiterhin nicht los ließ.
Dieses Foto wurde von der venezianischen Stadtmauer „geschossen“. Von ihr aus hat man tolle Ausblicke auf Teile der Altstadt und auf das Meer. Auf der Stadtbefestigung kann man länger spazieren gehen, ohne dass es langweilig wird. Direkt hinter der Mauer beginnen die Häuserzeilen.
Wohl dem, der von dort oben eine unverbaute Aussicht auf das Meer hat.
Aber auch „unten“ am Meer kann man sich mit immer wieder wechselnden Ausblicken die Zeit gut vertreiben.
Bari verfügt über eine der längsten Promenaden Italiens. Sie erstreckt sich über 15 km und verbindet die Altstadt mit den Außenbezirken.
So, nun waren aber noch die wenigen Meter bis zu unserem Schiff zu bewältigen. Dort angekommen besetzten wir einen Strandkorb und ließen die Eindrücke des Tages an uns vorüberziehen. Der Besuch der Altstadt war mit knapp zwei Stunden relativ kurz. Aber wir kehrten mit genügend Eindrücken zurück und dem Wunsch, Bari nochmals aufzusuchen und mit mehr Zeit noch mehr durch die Gassen zu streifen.
Während des Auslaufens waren wir wieder an Deck.
Langsam entfernten wir uns von der italienischen Küste und nahmen Kurs auf das gegenüber liegende Kroatien. Zeit für das Abendessen, bei dem eine Kapitänsdurchsage die bereits am Vortag in Triest empfundene Vorahnung bestätigte. Die Bora sollte uns überfallen. Ein in der Adria „beheimateter“ Fallwind, der zu Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 km/h wenn nicht bis zu 200 km/h führen kann. Die Folge für uns: Ein Umroutung ließ sich nicht vermeiden. Kotor sollte ausfallen, ebenfalls Split. Als Ersatz waren Zadar und Koper vorgesehen. Gut, Kotor hatten wir schon vor einigen Tagen aufgesucht; schade allerdings, da unsere Bootsfahrt im Fjord ausfallen musste. Split kannten wir noch nicht – ebenfalls schade. Aber der für Split gebuchte Ausflug sollte auch von Zadar durchgeführt werden. Na ja, es hätte schlimmer kommen können.
Mit diesen Gedanken suchten wir das Pooldeck auf.
Die White Waves Poolparty zog sehr viele Passagiere an und „The Foreigners“ heizten uns alle tüchtig ein.