
In Apulien soll an mehr als 300 Tagen im Jahr die Sonne scheinen. Auch am
30. September 2025 in Bari?
Ja, auch an diesem Tag. Von morgens bis abends. Es fing schon sehr gut an,
als Mein Schiff 6 sich der apulischen Küste näherte. Ein wunderschöner Sonnenaufgang! Auf der anderen Seite erstreckte sich Bari. Mit ca. 320.000 Einwohnern eine typische italienische Großstadt mit hohen Bauten direkt am Meer.
Ein Lichtblick waren die Bauten des langgestreckten Messegeländes Fiera del Levante. Seit fast 100 Jahren werden dort Jahr für Jahr verschiedene Veranstaltungen durchgeführt. Auch der Faro di Punta San Cataldo di Bari
trug zum positiveren Eindruck bei.
Mein Schiff 6 fand seinen Platz am Kai. Und wir erkannten, dass die Altstadt von Bari fußläufig erreichbar war. Aber sie musste noch auf uns warten – um 8.30 Uhr begann unser Ausflug „Schönheiten Apuliens“. Zunächst verließen wir Bari; wir erreichten eine der Hauptstraßen und fuhren an mehreren monumentalen Gebäuden wie das pompöse Teatro Petruzzelli vorbei. Selbstverständlich sehr langsam, denn die italienische arbeitende Bevölkerung wurde allmählich mobil und erfreute sich wie wir an den morgendlichen Staus. Nach Verlassen der Stadt kamen wir in die Versorgungszone – das Gartenland erstreckte sich vor uns. Olivenhaine, Weinreben mit dicken Trauben, Aprikosen- und Kirschbäume; Apulien gilt als Kirschregion Italiens.
Nach einiger Zeit sahen wir vereinzelt links und rechts der Straße die Häuschen, auf die alle Mitreisenden besonders scharf waren – die Trullis. „Unser“ erster Trullo sah nicht besonders vertrauenserweckend aus …
Kein Wunder, dass der Eigentümer ihn los werden will … Wer Freude an dieser Bauruine und Interesse hat – die Telefonnummer des Maklers ist entzifferbar …
Nun allgemein zu den Trullis, aus dem Griechischen übersetzt Kuppeln: Bei Ausgrabungen wurde festgestellt, dass Menschen bereits in der Bronzezeit diese Bauart kannten. Die früheren Häuser der Armen wurden vermehrt ab dem 13./14. Jahrhundert hochgezogen. Sie entstanden quasi als Steuersparmodell. Einem gewissen Graf von Conversano wurde aufgrund seiner Verdienste ein Landstrich zugewiesen. Ein richtiger Schlickefänger, das Königreich Neapel als Landspender – denn für die auf Grund und Boden fest stehenden Häuser mussten ihm Steuern entrichtet werden. Aber kein Problem – der Graf schlug den Spender mit eigenen Waffen. Er wies seine Untergebenen an, nur noch Häuser in Trockenbauweise zu bauen. Wenn ein Steuereintreiber gesichtet wurde, konnten die Trullis blitzschnell dem Erdboden gleichgemacht werden und – kaum war er weg – wieder in den vorherigen Zustand versetzt werden. Die Trulli hatten weitere Vorteile: Die Häuser waren stabil, die Mauern waren dick und boten im Sommer Schutz vor der südländischen Hitze und sie hielten im Winter die Wärme des offenen Kamins.
Normalerweise steht der Trullo nicht allein. Mehrere Räume für unterschiedliche Zwecke stehen direkt nebeneinander; jeder mit dem Kegeldach. Besonders bekannt sind die vielen Kegelhäuser im Ort Alberobello – ein Trullo neben dem anderen. Ein schneeweißes Ortsbild in einem Teil des Städtchens, in dem sich in der Hochsaison Scharen von Besuchern gegenseitig auf die Füße treten. Alle wollen das herrliche UNESCO-Weltkulturerbe besichtigen. Wir eigentlich aus – aber bei unseren Ausflugsbuchungen gab es keine freien Plätze mehr.
So näherten wir uns einem der angeblich schönsten Orte Italiens – Locorotondo. Wir verließen am Ortsrand den Bus und wurden an den Beginn der erhöht liegenden Altstadt geführt. Nun ja, die Häuserzeilen sahen nicht schlecht aus.
Wir wurden daran vorbei gelotst bis wir an einem Platz mit einem Denkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege kamen.
Nicht das Denkmal war unser Ziel – es befand sich mehr oder weniger zufälligerweise am Rande eines Aussichtspunktes. Der Ausblick war herrlich …
Foto 9Das Itriatal; inmitten einer – ja, man kann es so bezeichnen – Parklandschaft mit Oliven-, Mandelbäumen und Weinstöcken die wunderschönen Trulli. „Arme-Leute-Bauten“, die von nicht mehr so armen Leuten bewohnt werden. Wohnhäuser, die entweder für die Zwecke der Eigentümer aufgemotzt wurden oder nach umfassender Renovierung als Ferienhäuser vermietet werden. In dieser Gegend kann man es bestimmt aushalten. Wie mag es im Frühling aussehen, wenn die Mandelbäume und unzählige Blumenarten blühen …
Unsere Reiseleiterin informierte uns umfassend über Städtchen und Gegend. So umfassend, dass uns für das Streifen durch die Altstadt nur noch 10 Minuten blieben. Also so gut wie nichts … Die verwinkelten Gassen mit weiß getünchten Häusern blieben uns verschlossen – schade! Da in unmittelbarer Nähe des Aussichtspunktes eine Kirche befand, schauten wir uns die Chiesa di Maria Santissima Addolorata kurz an.
Sie wurde Mitte des vorletzten Jahrhunderts erbaut. Im Gegensatz zu unseren Erfahrungen der letzten Tage war die Kirche geöffnet. Also hinein und schnell ein Foto gemacht.
Sie war für eine italienisches Gotteshaus recht schlicht gehalten. Es lag wahrscheinlich daran, dass es nicht zu den bevorzugten Kirchen des Ortes gehörte.
Bevor wir uns zur Sammelstelle aufmachten, erschien ein für uns und auch inzwischen für Italien nicht alltägliches Gefährt.
Ein Piaggio Ape – dem Fahrer gefiel offensichtlich, dass er in seinem fahrbaren Untersatz fotografiert wurde.
Vorbei an einladenden, aufgrund der Uhrzeit noch mäßig besuchten Außenrestaurants
und dem Aufgang in die Altstadt
mit dem Turm der Hauptkirche von Locorotondo, der Chiesa Madre di San Giorgio Martire, kamen wir zu unserem Bus und erreichten nach ungefähr 20 Minuten unser nächstes Ziel, die Masseria Papaperta.
Auch vom Namen her handelte es sich um einen ehemaligen Bauernhof aus dem 18. Jahrhundert. Mitten im Grünen präsentierte sich uns ein unglaublich schönes Juwel. Selbstverständlich mit einigen Trulli. Bereits der Weg zum Verkostungsraum ließ uns ins Schwärmen kommen.
Dort angekommen, hatten wir herrliche Ausblicke auf die Umgebung sowie auf unseren Teller mit apulischen Köstlichkeiten.
Ja, es schmeckte nach mehr. Auch der Wein … Auf diesem weitreichenden Gelände gab es zum Glück genug Zeit, alles anzuschauen. Wie die original restaurierten Trulli,
in deren Räume Gebrauchsgegenstände aus den vergangenen Jahrzehnten
liebevoll und für den Betrachter beeindruckend drapiert waren. Alles nach dem Motto: Weniger ist mehr. Auch die Außenarkaden
waren effektvoll und einladend in den Restaurationsbetrieb eingebunden. Wir wunderten uns nicht, dass in dieser Masseria Veranstaltungen verschiedenster Art stattfinden. Das Ambiente und die reizvolle Umgebung bieten sich an. Besonders stark beworben wird die Masseria für Hochzeiten. Das Ja-Wort in diesem Rahmen zu geben bleibt mit Sicherheit unvergesslich (Bestimmt auch der Preis … ich meine in Euros …). Bei gutem Wetter lässt man sich vor einer majestätischen Eiche trauen; bei schlechterem in einem ehemaligen Stall.
Auch nicht schlecht …
Wir wären gerne noch länger in dieser zauberhaften Umgebung herumgestreift – aber unsere Reiseleiterin und Busfahrer hatten kein Erbarmen. Also zurück zum Schiff – vorbei an unzähligen Trulli.
Unsere subjektive Wertung dieses Ausflugs: Der erste Teil – Besuch von Locorotondo – war enttäuschend. Wir sahen so gut wie nichts von dem bestimmt sehenswerten Städtchen. Bei uns lag der Schwerpunkt der zugegebenermaßen reizvolle Blick auf das Itriatal – ein längerer Bummel durch die Gassen wäre angebracht gewesen. Mit dem zweiten Teil – Aufenthalt auf der Masseria – waren wir sehr zufrieden.
Auf unserem Schiff stärkten wir uns kurz und machten uns dann auf, Baris Altstadt aufzusuchen.
Fortsetzung folgt …