
... Wir befanden uns im Banken- und Geschäftsviertel, dem natürliche zahlreiche Cafés und Restaurants angeschlossen waren.
Weiter auf dieser lebhaften Straße. Vorbei an monumentalen Geschäfts- und Wohnhäusern sahen wir unser nächstes Ziel – die schiefen Türme Garisenda und Asinelli.
Sie gehören zu den ehemals ca. 180 Geschlechtertürme der Stadt (aktuell etwas mehr als 20), die von reichen Familien erbaut wurden, um von oben Stadt um Umgebung ausspähen zu können. Die beiden Türme haben um die 900 Jahre auf dem Buckel und wurden von einer Geldwechslerfamilie bzw. von der Adelssippe Asinelli erbaut. Schade, wir konnten nicht einen von beiden Türmen besteigen – gesperrt.
Der untere Umbau des Torre della Garisenda sah nicht sehr vertrauenserweckend aus – vielleicht in einigen Jahren, wenn die Renovierung beider Türme abgeschlossen sein wird. Derzeit sieht die Stadtverwaltung den Zustand als sehr kritisch an. Ein Grund, sich davon zu machen und andere Flecken zu besichtigen. Wie zunächst die Piazza della Mercanzia.
Im Hintergrund der Torre degli Asinelli, am Platz direkt eine Arkaden umsäumte Ladenzeile, die auch schon bessere Zeiten gesehen hatte. Aber passend zu Bologna. Und passend zur Piazza della Mercanzia gab es den Palazzo della Mercanzia mit einer beeindruckenden Eingangsfront.
Auch schon ein wenig älter – Ende des 14. Jahrhunderts nahm in dem Gebäude das Handelsgericht seine Tätigkeit auf; Ende des 18. Jahrhunderts nach der Übernahme der Stadt durch die Franzosen wurde im Palazzo die Handelskammer eingerichtet, die mit zusätzlichen Aufgaben noch immer in dem Gebäude tätig ist.
So, Szenenwechsel. Zurück in Richtung Neptunbrunnen und dann ab in die Via Indipendenza, die Haupteinkaufsstraße Bolognas. Tolle Bauten, wunderschöne Arkaden, vorwiegend Klamottenläden. Alles hätte sehr schön ausgesehen, wenn sich nicht die Straße selbst als Großbaustelle präsentiert hätte. Die bis vor 62 Jahren hier fahrende Straßenbahn soll aus der Versenkung geholt werden. Dazu fiel uns eine Bemerkung ein, auf die wir bei unserer Reisevorbereitung stießen: „Italien wird ein fantastisches Land sein, sobald sie die Straßenbauarbeiten fertiggestellt haben.“ Nun gut, fast alles, das wir bisher in Bologna besucht hatten, war schon fantastisch …
Wir drängten uns mit weiteren Menschenmassen in den recht engen Arkaden vorwärts bis wir von dem Getümmel die Nase voll hatten. Und zwar vor einem Denkmal von einem der berühmtesten Italiener, Giuseppe Garibaldi.
Böse Zungen behaupten, dass GG der Erfinder des Schnellkochtopfes war. Fake, wie ein bestimmter Präsident oder seine Adlati kommentieren würde. Damit hätten sie ausnahmsweise recht – Giuseppe Garibaldi konnte sich auf die Fahne schreiben, nicht nur Anregungen zur Einigung Italiens gegeben zu haben. In jeder Stadt steht mindestens ein Denkmal von ihm – vorzugsweise wie in Bologna hoch zu Ross sitzend.
G.G. schaut seit Jahren hinüber – auf ein weiteres historisches, aber nicht so altes Gebäude wie die an der Piazza Maggiore. Er wacht darüber, ob in der Arena del Sole alles mit rechten Dingen zugeht.
Vor etwas mehr als 200 Jahren wurde auf dem Areal eines sehr alten Klosters ein Freilufttheater erbaut, in dem Theaterstücke, Karnevalsbälle und Zirkusaufführungen die Einwohner Bolognas unterhielten. Später wurde auf demselben Gelände ein Theatergebäude errichtet und mit einer prunkvollen neoklassizistischen Fassade versehen. Heute gilt das ursprüngliche Theater mit nunmehr drei Tagungsräumen als eines der schönsten Theater Italiens; neben Theater- und ähnlichen Aufführungen wird es für Tagungen und Kongresse genutzt.
Da wir keine Lust hatten, uns zurück durch das Menschengewühl entlang der Via Indipendenza zu drängeln, wählten wir nahezu leere Seitengassen aus. Sie gab es tatsächlich – Platz satt für Fußgänger und Autofahrer.
Selbst die mit zahlreichen Palästen und Kirchen versehene Strada Maggiore war noch nicht übervölkert
und so erreichten wir problemlos und ohne uns zu verlaufen die Piazza Santo Stefano mit einem besonderen Schmuckstück, der Basilika gleichen Namens.
Für uns war der Gesamtkomplex so ziemlich das Interessanteste und Schönste, das wir in Bologna gesehen hatten. Viele Touristen, aber der Platz war nicht überlaufen. Wir hatten das Gefühl, dass sich dort in erster Linie Kunstinteressierte aufhielten. Kein Wunder, denn die Basilika besteht aus sieben Kirchen, was allerdings von der Anzahl her umstritten ist. Die erste Kirche wurde Ende des 4. Jahrhunderts über den Resten eines heidnischen Tempels errichtet; in den Folgejahrhunderten wurden sukzessive weitere Kirchen angebaut. Seit dem 12. Jahrhunderts besteht der insgesamt romanische Komplex i.W. in der jetzigen Form.
Der Platz wird darüber hinaus durch weitere Palazzi verschönert – wie durch den knapp 600 Jahre alten Palazzo Isolani mit ausladend gestalteten Räumen aus dem 18. Jahrhundert. Die Nachkommen der Familie Isolani hausen nicht mehr in diesen Räumen; sie werden für Kongresse, Seminare, …, zur Verfügung gestellt.
Auch die gegenüber liegende Seite des Platzes zog uns in seinen Bann.
Wunderschöne Bauten wie der Palazzo Bolognini Amorini Salina. Ellenlange Arkaden. Dort schien noch der Beginn der frühen Neuzeit regelrecht zu atmen.
Langsam mussten wir uns auf den Rückweg zum Treffpunkt der Gruppe auf der Piazza Maggiore machen. Aber nicht ohne unterwegs unsere Neugier zu befriedigen. Wir hatten erfahren und erkannt, warum Bologna die Attribute rot und gelehrsam zugeordnet wurden. Aber warum war es „die Fette“? Die Lösung kam im auf dem Wege und direkt hinter dem Palazzo dei Banchi liegenden Stadtviertel Quadrilatero. Enge Gassen, ein Laden neben dem anderen mit abwechslungsreichen, vielfarbigen Produkten. Schon im Mittelalter pulsierte hier das Leben – das Zuhause von Handwerkern, Händlern, Metzgern, Bäckern etc. Und heute? Man kann die frischen traditionellen Produkte nicht nur kaufen sondern sich damit in den verschiedensten Restaurants und Trattorien verwöhnen lassen.
Frischer Fisch, Parmigiano Reggiano, frische Pasta, Mortadella, Prosciutto und Salami und viele andere Köstlichkeiten wie auch Weine und Sekt warteten auf die Käufer. Gut (oder auch nicht), dass es für den Rückflug die Gepäcksbegrenzung gab …
Weiter mit der Fetten. Weg von den anlockenden Läden und hin zu den Restaurants. In der Galleria del Leone
geht es mit Sicherheit stilvoll vor. Über das Ambiente kann man bestimmt nicht meckern. Wir auch nicht – nur wir hatten nicht die notwendige Zeit, um opulent zu speisen. Oder einen Drink in der Roxy Bar zu nehmen.
Ebenso erging es uns vor dem Restaurant Buca San Petronio.
Keine Zeit … Hier konnte man an der frischen Luft oder unter den Arkaden seine Speisen genießen. Und dabei nicht vergessen, vor dem Beginn der Völlerei das Tischgebet zu sprechen. Man steht unter Beobachtung der Hausherren oder -damen der spätbarocken Santa Maria della Vita …
Nun aber endgültig zackzack zur wenige Minuten entfernten Piazza Maggiore. Die Ausflugsgruppe fand sich nach und nach ein. Nur eine Person fehlte. Wir warteten und machten uns schließlich ohne den verlorenen Sohn auf den Weg zur Basilica di San Francesco. Unser Ausflugsbus rollte langsam heran und siehe da – der Verlorengegangene traf ein. Die auf der Säule stehende unbefleckte Empfängnis (Colonna dell'Immacolata)
zeigte uns beleidigt ihren Rücken, da wir uns anschickten, die äußerst beeindruckende Stadt Bologna zu verlassen. Eine Stadt mit einer pulsierenden und mit imposanten Bauten und Kunstwerken vollgestopften Altstadt, die auch einen zweiten Besuch wert ist. Während unseres kurzen Aufenthalts hatten wir zwar viel gesehen, aber nur einen kleinen Teil von dem, was Bologna insgesamt zu bieten hat.
Nach 75 Minuten Rückfahrt musste ein Hamburger mit Pommes dran glauben, bevor wir uns nochmals auf die Socken machten. Auf zum fast direkt an den Terminal grenzenden langen und tiefen Sandstrand Corallo Beach (echt italienisch …).
Wir gönnten uns einen längeren Strandspaziergang, zwischendurch mit den Füßen im Wasser. Dabei hatten wir immer unser Mein Schiff 6
im Blick, besonders die langsam näher kommende Wolkenfront, die die Sonne vertrieb. Schade – uns blieb nichts anderes übrig als zurück zum Schiff zu eilen.
Wir enterten das Schiff, bevor die ersten Tropfen herunter kamen. Glück gehabt …
Gegen 18 Uhr ging es aber richtig los. Es wurde immer dunkler – eine Gewitterfront zog über uns hinweg. Eine Unmenge von Blitzen, kräftiger Regen, der einfach nicht aufhören wollte. Noch einmal schade – die Abschiedsparty wurde ins Theater verlegt. Machte uns aber nix, denn wir hatten vor, noch eine Adria-Runde zu drehen. Auch aus diesem Grunde nahmen wir den Abschied Nehmenden keine Plätze weg und wir zogen es vor, den Abend mit einem Absacker in der Schau Bar zu beenden.