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Hügel, Wäldchen, kleine Dörfer, abgemähte Felder. Und schon stand unser Bus auf einem Parkplatz am Rande von Lyme Regis. Nach einer kurzen Einweisung startete dieser Ausflugsteil. Wir hatten zwei Wege zur Auswahl: die in den Ort führende abschüssige Straße oder der gut ausgebaute Weg mit vielen Treppen zur langgestreckten Promenade oberhalb des Meeres. Logisch, wofür wir uns entschieden. Und wir wurden schon nach kurzer Zeit belohnt: tolle Ausblicke auf die Küste:
Der Weg war nicht beschwerlich und lud immer wieder zu kurzen Halts, sprich Fotostopps, ein. Unten angekommen mussten wir uns erneut entscheiden: nach links zum Steinstrand, um Fossilien zu suchen,
oder nach rechts Richtung Ort. Ein Blick auf die Uhr gab die Entscheidung – Spaziergang auf der Betonpromenade mit Abstechern an das Wasser, um nach einigen Minuten die Perle Dorsets, Lyme Regis, zu erreichen. Empfangen wurden wir von der stocksteif wirkenden Mary Anning. Von dem zu ihren Ehren geschaffenen Denkmal.
1811 war ihr Jahr. Gewohnt, an den Klippen von Lyme Regis herumzustromern, um Fossilien zum Verkauf zu suchen, fand sie einen Tag nach einem heftigen Sturm in einem von der Klippe abgebrochenen Teil das Skelett eines 11 m großen Ichthyosaurus. Ein Sensationsfund, dem weitere folgten. Auch von Anne, für die die Suche nach Fossilien so etwas wie eine Sucht wurde. Ohne wissenschaftliche Ausbildung wurde sie aufgrund ihres immerwährenden Strebens nach neuen Funden zu einer der bedeutendsten Paläontologin ihrer Zeit.
Wir sagten Anne „good bye“ und erreichten den älteren Teil von Lyme Regis auf der vor 35 Jahren sanierten ehemaligen Uferbefestigung mit einstmals militärischer Nutzung Gun Cliff,
umrundeten die militärischen Relikte auf dem Gun Cliff Walk
und erreichten nach wenigen Metern Lyme Regis Front Beach.
Ein Kieselstrand, auf dem sich vereinzelt erste Urlauber tummelten. Englisches Strandleben am Rande eines typisch englischen Urlauberstädtchens – Sonnenanbeter, Oma und Opa in Klappstühlen mit Blick auf das Meer,
Kinder suchten mit Vätern Muscheln. Auch wir suchten. Nach Fossilien, fanden aber nichts. Dafür viele Hühnergötter, von denen einige in der Jackentasche verschwanden.
Malerisch in Pastellfarben - die Strandhäuschen. Dort konnte man es bei unserem guten Wetter aushalten.
Oberhalb des Strandes die lange Strandpromenade mit vielen Sitzgelegenheiten.
Alles mit Meerblick. Oder Balkon? Viele der meist älteren Häuser an der Promenade kann man mieten. Auch mit Meerblick. Unvermeidlich die Fish-and-Chips-Bude. Mit Warnhinweis –
die Ratten der Lüfte haben in Lyme Regis dieselben Begierden wie an den deutschen Nord- und Ostseeküsten.
Wir wollten mehr von der Stadt sehen. Also rauf ins andere Leben … Eine Hauptverkehrsstraße mit Pubs, Restaurants, verschiedenen Läden mit diversen Angeboten. Andenkenläden mit echten Fossilien (nehmen wir auf jeden Fall an!)
waren selbstverständlich vorhanden. Von der Hauptader zweigten enge Gassen ab. Eine nahmen wir und waren vom Ausblick nicht enttäuscht:
Sah das Rock Point Inn nicht einladend aus? Leider nicht für uns – wir mussten uns langsam auf den Weg zum Bus machen. Unterwegs zum Parkplatz gab es nicht nur einen Hingucker. So z.B. das alte, Ende des 19. Jahrhunderts neu errichtete Rathaus.
Nicht weit davon entfernt der Eingang zum Marine Theater.
Natürlich durfte im Ort nicht die alte Kirche fehlen. Dort, wo wir die Kirche St. Michael the Archangel sahen, wurde Ende des 8. Jahrhundert das erste Gotteshaus errichtet,
von den Normannen erweitert und später modernisiert. Im Inneren sollen noch Reste des ursprünglich angelsächsischen Mauerwerks vorhanden sein. Wir sahen sie nicht – die Kirche war geschlossen. Man beachte das Kirchengeländer. Auf die Spitzen wurden Köpfe und sonstige Körperteile von Rebellen gespießt, die es 1685 gewagt hatten, sich gegen den englischen König Jakob II aufzulehnen. Jeder, der versuchte, Leichenteile zu entfernen, wurde schwer bestraft. Muss es damals gestunken haben … Erst nachdem Jakob abgesetzt worden war, durften sie abgenommen werden.
Auf dem angrenzenden Friedhof fand Mary Anning ihre letzte Ruhe. Im hinteren Bereich des Friedhofs gab es einige alte Grabsteine und Sarkophage. Besucher hatten von hier einen herrlichen Ausblick auf Meer und Küste.
Nebenbei ein Tipp für Individualbesucher dieser Gegend und Liebhaber bestimmter Getränke: Besucht den Ort Beer, nicht weit von Lyme Regis entfernt. Böse (oder auch nicht) Zungen beschwören, dass es dort neben einem tollen Strand auch einen unvergesslichen Beer garden geben soll …
Rückfahrt – wieder durch die hügelige Gegend Dorsets. Also viel Landschaft bis wir die Außenbezirke von Weymouth erreichten. Im Vorbeifahren zog eine anlässlich der olympischen Spiele drapierte Denkmalskomposition unsere Blicke auf sich. Toll! Auf Edelstahlrohren ruhende Gesteinsbrocken, die man beim Olympia-Straßenbau ausgebuddelt hatte. Engl. L 400.000,-- sollte der ganze Spaß gekostet haben. Also hat auch Südengland seinen Berliner Flughafen bzw. Stuttgarter Hauptbahnhof bzw. die Elbphilharmonie. Allerdings finanziell im erheblich geringeren Umfang … Oder konnte der englische Steuerzahler nicht noch mehr geschröpft werden? Ach ja, im Gegensatz zu den damaligen und heutigen deutschen Dauerbaustellen wurde das Gesteinsarrangement fristgerecht fertiggestellt … Die heutige Bezeichnung des Objekts lautet übrigens Jurassic Coast Sculpture.
Wir fuhren durch Weymouth. Unsere Reiseleiterin führte aus, dass König Georg III in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts seine Hände bzw. die seiner Untertanen bei der Gestaltung des Städtchens im Spiel hatte. Seine Ärzte verordneten ihm Seeluft. Schorsch suchte sich dieses bislang stille Örtchen aus und so vergrößerte sich nach und nach das von ihm ausgesuchte Seebad. Denn wo Königs waren, befanden sich auch seine Schmarotzer. Nein, seine Höflinge … Zu Schorsch´ Ehren wurde ein pompöses Denkmal errichtet. Wir erwiesen ihm im Vorbeifahren unsere Referenz. Wie auch dem Denkmal von Schorsch´ Enkelin. Von Weymouth gibt´s keine Fotos – aus dem fahrenden Bus wurden sie nichts.
Und schon waren wir zurück in Portland und auf dem Schiff. Ein wenig schlaff … also war Sonnenbaden und Ausruhen angesagt. Ausruhen vor unserem Buffalo-Besuch.
Wir schlemmten. Rindercarpaccio nach Art des Chefs; Jacobsmuscheln; gebratenes Rinderfilet auf Kartoffel-Parmesan-Mousseline, gebratenes Gemüse und Barolojus; Schoko-Toffee-Pudding – alles schmeckte nach mehr … nee, mehr ging nicht rein …
Um 20.30 Uhr legten wir bei Salutdonner ab und passierten kurz darauf die Hafeneinfahrt.
Eine wunderschöne Ausfahrt, wie man sie immer haben möchte. Wir beobachteten sie vom Strandkorb aus. Die AIDAsol fuhr langsam an der Ostküste der Isle of Portland vorbei und wir kamen in den Genuss, uns vom im Gegenlicht stehenden Portland Bill Lighthouse zu verabschieden.
Wetter und Stimmung waren hervorragend. Ein Grund noch länger zu bleiben und zum Schluss zu bestaunen, wie der Himmel brannte.