
Unsere erste Kreuzfahrt in diesem Jahr sollte in aller Ruhe beginnen. Kein Stress bei der Anfahrt mit dem Auto nach Hamburg. Aus diesem Grunde übernachteten wir vorher in einem Hotel kurz vor den Toren Hamburgs. Da wir bereits am frühen Nachmittag dort ankamen, war noch Zeit für einen Spaziergang an der nicht weit entfernten Elbe. Genauer: an der Elbe bei Over. Dort, wo die Natur weitgehend unberührt erschien. Abends ließen wir uns mit landesüblichen Leckereien verwöhnen. So, wie wir es immer an unseren ersten Abenden in Norddeutschland gewöhnt waren. Sauerfleisch mit Bratkartoffeln bzw. Bauernfrühstück. Einfach, aber sehr schmackhaft. Riesenportionen, so dass dem sehr gut mundenden Dithmarscher Pils ein Heidegeist folgen musste …
29. Juni 2025 – Hamburg
Nach einem gemütlichen Frühstück ging es los. Nicht nur wir verließen unser Hotel in Richtung der AIDAsol; auch andere Reisende machten sich auf denselben Weg. Da wir Zeit satt hatten über die Dörfer. Bei dieser Strecke lernten wir die Außenbezirke Hamburgs und insbesondere die Hafengegend sehr genau kennen. Nicht nur eine Straßensperre …
Egal, wir kamen zeitig an. Der Parkplatzbetreiber nahm unser Auto in seine Obhut, die Koffer wurden abgegeben und wir reihten uns ganz hinten in die Schlange der auf den Beginn des Check in Wartenden ein. Los ging´s und wir betraten bereits um 12.45 Uhr unsere Kabine. Herrlich … angekommen! Rechtzeitig zu einigen Häppchen im Marktrestaurant. Nach der digitalen Sicherheitseinweisung und dem „Vorstellen“ mit Rettungsweste an der Musterstation warteten unsere Koffer auf uns. Sie wurden ruckzuck geleert und verschwanden unter den Betten (übrigens Platz satt!).
Nach einem ersten Baden unter der Hamburger Sonne benötigten wir einen Koffeinstoß mit Begleitung von Kuchenstücken. Die Zeit bis zum Abendessen vertrieben wir uns im Schiff, um altbekannte „Flecken“ wiederzuentdecken.
Beim um eine Stunde verspäteten Ablegen um 18 Uhr waren wir wie viele andere ganz oben an Deck. An den Relings war kaum noch Platz. Dafür waren fast alle Liegen unbelegt; Steigerungspotential war zweifelsohne vorhanden.
Wir sagten dem Michel und der Elbphilharmonie „tschüss“, fuhren ein wenig später am 111 Jahre (Schnapszahl!) alten Lotsenhaus Seemannshöft vorbei
und ließen uns vom Magengrollen überzeugen, uns für das Abendessen vorzubereiten.
An diesem Abend wurde im Marktrestaurant „Norddeutschland“ präsentiert. Hamburger Pannfisch, Mecklenburger Schweinebraten auf Sauerkraut, Sülze, Hamburger Schnitzel, … Tja, wir scheuten uns nicht vor mehreren Gängen – Bewegung verbrennt schließlich Kalorien …
Während des Speisens hatten wir das Glück einer äußerst angenehmen Tischgesellschaft. Nach anfänglichem Geplänkel „Wo kommt Ihr denn her?“ stellte sich zunächst heraus, dass die Hälfte von uns Vieren in derselben Stadt geboren war. In Schwerin. Und als sich weitere Gemeinsamkeiten wie früherer Wohnort der Vorfahren von Familienmitgliedern beider Seiten, Nachnamensgleichheit hervortraten – teils nach whats app-Abstimmung mit der Tochter unserer Tischpartner, war es glasklar: Wir saßen mit den Schwiegereltern des Enkels meiner Tante an einem Tisch. Logisch, dass wir während der Unterhaltung und der Abstimmung mit der Heimat nicht auf die Zeit achteten. So bekamen wir nur das Ende der Willkommens-Show im Theatrium mit (Warum eigentlich nicht wie in den guten alten AIDA-Zeiten auf dem Pooldeck? Das Wetter war optimal!), verpassten aber nicht den Begrüßungssekt. Sekt? Nichts Perlendes – es war Weißwein, teilweise „gefärbt“. Noch eine Einschränkung – warum, AIDA?
Die Poolparty begann. Volle Lautstärke, volle Dröhnung als wir Brunsbüttelkoog passierten. Die Sonne ging über Dithmarschen unter –
ein phantastisches Bild. Auch wir gingen unter – totmüde unter unsere Decken …
30. Juni 2025 – Seetag 1
Herrlich! Eine Stunde länger in der Falle – die Vorbereitung auf Greenwich. Nicht für mich. Ich rollte mich zu meiner üblichen Zeit aus der Koje und widmete mich dem Balkonradar. Blauer Himmel, ruhige See. Also nix wie rauf. Rauf zum Frühen-Vogel-Kaffee. Und rauf aufs Oberdeck. Eine herrliche Ruhe … die Ruhe vor dem Sturm? Sie nutzten auch liebe Zeitgenossen, um sich einige der besten Tagesplätze zu sichern – manche lernen es nie!
Einige Runden auf den Oberdecks erzeugten Hungergefühle und sorgten für den nötigen Appetit. Wir schlugen zu und ruhten uns danach von der anstrengenden Tätigkeit im Außenbereich von Deck 5 aus.
Anschließend die üblichen Runden gedreht, zu Mittag gegessen, einen freien Strandkorb okkupiert, Wachmacher im Café mare genossen, einige Sonnenrunden bewältigt, das East mit „Teppanyaki“ (teilweise sehr scharfe Speisen) aufgesucht und vor dem Schlafengehen lange auf dem Oberdeck aufgehalten. Wir näherten uns der engsten Stelle des Ärmelkanals. Die Sonne schickte sich an, langsam, aber unaufhaltsam zu verschwinden. Es war kein optimaler Sonnenuntergang – trotzdem sehr schön anzusehen.
1.Juli 2025 – Isle of Portland
Mist! Zu spät zum Frühe-Vogel-Kaffee. Egal – im Außenbereich des Bella Donna stand frischer Kaffee bereit. Auch für mich …
Wo befanden wir uns? Natürlich auf See. Auf der Steuerbordseite erkannten wir das hügelige, noch im Dunst liegende englische Festland. Felder und Weiden der Grafschaft Dorset. Keine Wälder. Immer wieder unterbrochen von schroff in die Höhe steigenden Kalksteinfelsen. Nicht ganz so hell wie die von Dover. Aber auch beeindruckend. Schließlich erreichten wir die Weymouth Bay und damit die schemenhaft vor uns auftauchende Isle of Portland, der wir uns in Schleichfahrt näherten. Näheres bekamen wir während des Frühstücks mit. Wir sahen einen langen Sandstrand, grüne Hügel der Insel und dann das Lotsenboot.
Mit dem Lotsen hinein in den mit langgestreckten Molen eingefassten Naturhafen. Hunderte von Strafgefangenen waren mit und an ihnen beschäftigt. Sie waren damals schnell einsetzbar. Es gab zum einen genug von ihnen und zum anderen waren sie in dem oberhalb von Weymouth befindlichen Gefängnis untergebracht. Ganz schön praktisch für Merry Old England … und natürlich auch für die Navy, die in diesem Hafen bis zum Ende des kalten Krieges eine größere Basis hatte.
Langsam näherte sich unser Schiff dem Kai und legte sanft an. Pünktlich um 10 Uhr. Das große Gerenne begann. Face Check. Wir hielten uns zunächst zurück und verschafften uns von oben Überblicke über Insel und Festland. Aber auch wir mussten uns anschauen lassen. Los Richtung AIDA-Bar. Eine Menschenschlange, die bis zum Ende des Schiffs und in die Treppenhäuser ging (Mitreisende berichteten, dass sich hard-core Reisende schon um 9 Uhr in der AIDA-Bar eingefunden hatten). Wir reihten uns ein. Wie es sich so gehört: ganz, ganz hinten mit dem Trost, dass wir nicht die Letzten waren. Und oh Wunder: Nach 10 Minuten war alles vorbei. Passkontrolle mit freundlichen Worten des Officers, Registrierung der Bordkarte und ein hellblauer Punkt auf derselben.
Zeit satt bis zum Ausflugbeginn, die wir auf dem Balkon verbrachten. Mit Blick auf die natürliche Landzunge, die Portland mit dem Festland verband.
Uns gegenüber das Städtchen Weymouth. Davor Boote einer Segelschule.
Dahinter liebliche Hügel mit Wiesen, Weiden, kleinen Wäldern. Romantisch … und steigerungsfähig. Wir sollten die Landschaft später erkennen während unseres Ausflugs „Küstenstadt Lyme Regis und Weltnaturerbe Jurassic Coast“. Hinein in den Bus und los! Portland lag schnell hinter uns und wir fuhren an die für die Segelwettbewerbe der olympischen Spiele 2012 errichteten Gebäude vorbei, die nach den Spielen zu z.B. Schulen und Appartements umfunktioniert worden waren. Wir nahmen die Straße auf der natürlichen Landzunge, erreichten Weymouth mit der All Saints Church
und passierten das Naturschutzgebiet Radipole Lake mit den normalerweise großen Schwanenkolonien; nur einige dieser stolzen Schwimmtiere zeigten sich uns in ihrer ganzen Schönheit.
Der Bus fuhr auf einer fast parallel zur Küste verlaufenden Straße. Mal rauf, mal runter. Also von einem Hügel zum anderen. Ab und zu gab´s Ausblicke auf das Meer – grün und blau wechselten sich ab. Wir wurden langsamer – eine Ortschaft erwartete uns. Abbotsbury. Gelegen in einem Tal mit einer engen Durchgangsstraße. Mit Ried gedeckte Natursteinhäuser, links und rechts von der Straße.
Postkartenmotive – fast wie im Pilcherland. Aber auch das erwartete uns - später.
Unser Busfahrer zeigte, dass er das Fahren von der Pike auf gelernt hatte. Ein Bus kam uns entgegen. Passten sie beide ohne Berührung nebeneinander? Ja – zentimeterweise schoben sie sich aneinander vorbei. Zur Belohnung erhielt der Fahrer von den Insassen einen kräftigen Beifall.
Das Auf und Ab hörte nicht auf.
Schön für uns Mitfahrende. Die insgesamt nicht sehr breiten kurvigen Straßen ließen schnelles Fahren nicht zu und so hatten wir die Gelegenheit, die Landschaft zu genießen. Bis wir West Bay erreichten, eins der Tore zur Jurassic Coast. Unser Bus hielt am quasi einstigen Haupttor von West Bay. Und zwar am Bahnhofsgebäude mit Relikten aus der guten alten englischen Zeit: neben einigen Metern Schienen einige Personenwagen, die zu einem Restaurant umfunktioniert wurden.
Nun aber zur Dino-Küste. Unsere Reiseleiterin führte uns durch das geschäftige Fischerörtchen zum alten Fischereihafen, in dem heutzutage mehr Sport- als Fischerboote vor sich hindümpelten.
Wir konnten uns vorstellen, dass einige Wochen später auf der den Hafen begrenzenden Promenade kein einfaches Durchkommen möglich sein würde; die von uns empfundene Gemütlichkeit wäre dann passé. Der Blick über den Hafen auf die westlich davon gelegene Steilküste mit den sich an den Hängen schmiegenden Häusern gefiel allen.
Leider wurden die den Hafen begrenzenden alten Fischerhäuschen durch moderne, z.T. Zweckbauten ersetzt. Der Tourismus forderte es. Zum Glück wurde einem alten Backsteinkomplex nicht der Garaus gemacht. Vor ihm wurden Boote aufgebockt und Hummer- bzw. Langustenkörbe gestapelt.
Im Gebäude werden attraktive Ferienwohnungen angeboten.
In unmittelbarer Nähe dieses Baus beginnt ein 30 km langer, bis Portland reichender Strand; an dieser Stelle eher Kiesstrand. Berühmt wurde er auch in Verbindung mit Funden aus prähistorischer Zeit, die die besonders in den in der Abendsonne goldfarben erstrahlenden Sandsteinklippen hergaben.
Wer an diesem East Beach sucht und Glück hat, findet Fossilien bzw. geeignete Steine, die Fossilien enthalten. Kein Wunder, dass hier öfters Touristen mit einem Hammer herumlaufen, um den Steinen ihren Schatz zu entwinden. Wir sahen keine; hatten leider auch nicht die Zeit, uns länger auf dem Strand aufzuhalten. Und so „marschierten“ wir vorbei an dem typisch englischen Inn Bridport Arms
zurück in unseren Bus, der uns zu unserem nächsten Ausflugsziel brachte. Eine halbe Stunde Fahrt durch eine Landschaft, wie wir sie bereits vorher genossen hatten.
… Fortsetzung folgt …
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