
Da meine Mitstreiter kein Interesse zeigen, mal in die Oper zu schauen, und ich auch gar nicht weiß, ob es möglich ist, umrunden wir das spektakuläre Haus. Leider ist das Drumherum immer noch in Arbeit. So kämpfen wir uns durch die Baustelle und verlassen die vorgelagerte Insel mit der Oper.
Wo wir uns nun genau befinden, weiß ich schon. Aber wie heißt es hier? Noch sind wir auf der Insel Holmen. Ich finde aber auch den Namen „Dokøen“. Aber was damit genau bezeichnet wird, kann ich nicht herausfinden. Jedenfalls ist es hier schön und überhaupt nicht touristisch, eher studentisch. Die alten Lagergebäude und Speicher sind Zeugnisse historischer Kasernenarchitektur und waren früher das Arsenal der königlichen Marine. Heute beherbergen sie verschiedene Institute der Universität Kopenhagen. So ist die kongelige Akademie für Architektur, Design und Konservierung in Bildern hier ansässig. Und auch eine kongelige Bibliothek. Es kongelt sich also wieder. Diverse Studiengänge stellen bei ihren Lerninhalten die globalen Ziele der UN und das Wohlergehen unseres Planeten in ihren Mittelpunkt.
In der Dannskiold-Samsøes-Allé 41 befindet sich der „Talent Garden Copenhagen“. Viel schönes skandinavisches Design.
Kopenhagen ist, wie man unschwer erkennt, eine Fahrradstadt.
Ab und zu erhaschen wir auch einen Blick ins Innere. Auch wieder viel Design, aber meist noch im Entstehen.
Im Galionsvej sind die Lagerhäuser von 1863 und älter.
Neue Kanäle zu beiden Seiten der Oper unterstreichen ihre Bedeutung und heben sie durch die exponierte Insellage noch weiter hervor. So entsteht hier einer der interessantesten Plätze im Kopenhagener Hafen.
Die Trangravsbro verbindet gleich drei Ufer. Hinter uns Holmen, wo wir hergekommen sind, links geht’s Richtung Freistadt Christiana, die aber auch nicht mehr das ist, was sie einmal war, und die heute um ihr Überleben kämpfen muss, da immer mehr Investoren ihr auf den Pelz rücken und rechts nach Christianshavn. Von der Brücke haben wir einen schönen Blick auf den Christianshavns Kanal. Hier kann man sehen wie Wasser affin die Dänen sind.
Rechter Hand hat „the Bridge Street Kitchen“ oder auf dänisch die „Broens Gadekøkken“ ihren Standort. Es ist ein sehr beliebter Treffpunkt für den kleinen Hunger und entsprechend voll ist es. Ich hatte bei der Reisevorbereitung einen TV-Bericht über diese Location gesehen und würde meine Mitstreiter gern auf ein Smørrebrød einladen. Das für seine leckeren Brote bekannte Restaurant Palægade soll hier in einer der Buden eine Dependance haben. Leider ist sie unauffindbar. Der Bericht war wohl schon etwas älter. Die kulinarische Befriedigung muss also noch ein wenig warten.
In den 70er Jahren war die Christianshavn ziemlich heruntergekommen. Dann zogen Künstler in das Arbeiterviertel. Den armen Kreativen folgten wohlhabende Familien und Geschäftsleute. Heute gilt das Areal als die teuerste Wohngegend Dänemarks. Die Wohnungen haben Wasserblick und eine hölzerne Strandpromenade direkt vor der Haustür. Die urbane Badeanstalt lädt bei dem heutigen Kaiserwetter zum Sonnenbad ein.
Mit Hilfe der „Inderhavnsbro“, einer modernen Fußgänger- und Fahrradbrücke, wechseln wir die Hafenseite und begeben uns sehenden Auges in die Tourimassen im Nyhavn.
Von der Brücke haben wir eine schöne Aussicht auf das Schauspielhaus oder auf dänisch „det kongelige Teater“. Wie auch sonst. Links an der Ecke zum neuen Hafen liegt das rote Packhaus „71 Nyhavn“, ein stylisches, nicht ganz billiges Designerhotel.
Das typische Bild von Nyhavn mit seinen vielen Kneipen und Restaurants darf natürlich nicht fehlen. An das Ende des Hafenbecken schließt, was soll ich sagen, der „Kongens Nytorf“, also der königliche neue Platz mit seinen historischen Gebäuden an.
Auch wir finden nach längerem Suchen dann doch noch ein Plätzchen in dem Restaurant „Nyhavn 1“, also auf den letzten Drücker. Auf das dänische Bier habe ich mich seit geraumer Zeit gefreut und auch die angebotenen Smørrebrød-Platten sind zwar etwas touristisch, aber trotzdem ganz lecker. Dass die Kreditkarte in diesem Hotspot angemessen geglüht hat, braucht eigentlich keiner besonderen Erwähnung.
Nach dem Essen ist der Elan meiner Weggefährten auf weitere Erkundungen auf ein Minimum geschrumpft. Ich hätte gern noch den einen oder anderen Fotospot besucht, füge mich aber der Mehrheit. Wir beschließen, mit der Metro vom Rathausplatz zum Orientkaj zurückzufahren. Der kürzeste Weg zum Rathaus führt uns durch die „Strøget“, die längste Fußgängerzone Dänemarks.
Auf dem Amagertorv steht der Storchenbrunnen oder dänisch der Storkesspringvandet, an dem einmal im Jahr die frisch examinierten Hebammen kostümiert und ausgelassen feiern.
An diesem Platz befindet sich seit 1911 auch der Flagship Store von Royal Copenhagen, der 1775 gegründeten königlichen Porzellanmanufaktur. Das Gebäude selbst stammt aus dem Jahre 1616 und ist eines der ältesten Häuser der Stadt. So endet meine Bilderreise in Kopenhagen ganz standesgemäß königlich.
Am Rathaus steigen wir in die 2002 in Betrieb genommene Metro in Richtung Orientkaj. Diese Metro hat uns alle fasziniert und wir nehmen uns vor, beim nächsten Kopenhagen Besuch mehr mit ihr zu fahren. Wir brauchen weder auf einen Fahrplan zu schauen, noch uns zu beeilen. Die drei Waggons der Computer gesteuerten und führerlosen U-Bahn mit Ausblick kommt ohne Verspätung alle zwei Minuten. Wir entern den Zug und nehmen vor einer Panoramascheibe ganz hinten Platz. Viel ist nicht zu sehen, da jede Richtung ihre eigene Röhre hat. Da wir aber am Rathaus auf langen Rolltreppen sehr tief runter gefahren sind, müssen wir ja irgendwie wieder an Höhe gewinnen, da die Metrostation am Orientkaj oberirdisch liegt. Dieser Höhenunterschied wird nicht kontinuierlich ausgeglichen, sondern einmalig. So geht es plötzlich und unerwartet steil bergauf. Witzig, wenn man hinten aus dem Fenster schaut. Hat schon etwas von einer Achterbahn. Mit dem Bus fahren wir dann noch das letzte Stück bis zum Schiff, aber in wenigen Jahren wird die Metro bis zum Oceankaj durchfahren.
Kommentare 3