
.لا تقلق من وجود أشواك في شجيرة الورد ، بل ابتهج لأن شجيرة الورد بها ورود - „Ärgere dich nicht darüber, dass der Rosenstrauch Dornenträgt, sondern freue dich darüber, dass der Dornenstrauch Rosen trägt.“ (Arabisches Sprichwort)
Guten Morgen, Muscat! Es ist Montag, der 6. Februar 2012. Mein Tag in der rund 600.000 Einwohner zählenden Hauptstadt des Oman beginnt gegen 06:45 Uhr mit einem romantischen Sonnenaufgang über der Weihrauchschale. Einmal mehr begeistert mich diese atemberaubende Kulisse. Einmal mehr muss ich mich kneifen, um zu wissen: „Ja, du bist tatsächlich hier. In diesem einzigartigen Land. In dieser faszinierenden, orientalischen Stadt. Dubai ist toll und Abu Dhabi – wohin wir noch reisen – sicherlich auch. Doch kann es einen Hafen geben, der diesen Anblick überbietet?! Ich kann es mir nicht vorstellen.
Auch das Filmteam ist schon an Deck unterwegs, um diesen arabischen Sonnenaufgang für unsere „Unvergesslichen Momente“ festzuhalten. Es ist noch so herrlich ruhig in diesen frühen Morgenstunden. Wahrscheinlich schlafen viele Passagiere noch. Ich liebe Momente wie diese: die Nacht noch nicht ganz gewichen, der Tag noch nicht so richtig angebrochen … Momente, in denen ich mit dem Schiff gefühlt nahezu allein sein kann …
Wenige Minuten später ist die Sonne schon ganz hinter dem Bergrücken hervorgekommen.
Noch ein Blick übers Hafengelände und über das morgendliche Muscat, bevor ich mich wieder ins Schiffsinnere begebe.
Im Bella Donna-Restaurant stärke ich mich für meinen zweiten Oman Ausflug „MUS 01: Mystisches Muscat“. Viele Gäste haben sich für diese Tour entschieden und so warten schließlich vier Busse auf uns, davon zwei mit deutscher und zwei mit englischer Reiseleitung. Schon am frühen Morgen ist es angenehm warm und es verspricht ein erneuter sonniger Tag zu werden. Zu Hause im fernen Deutschland waren letzte Nacht fast 20 Grad minus, wie ich während eines kurzen Telefonats von meinen Lieben erfuhr.
Die Muscat umschließenden zerklüfteten Berge sind ganz scharf zu erkennen. Die Flotte der Ausflugsbusse vorm Schiff erwartet uns mit einem bunten Völkchen von Omanis. Schnell die Landgangskarten wieder in Empfang nehmen und dann entscheide ich mich für Bus 6 mit englischer Reiseleitung und Yusuf, einem jungen Omani, der vier Semester in Deutschland studiert hat und ein paar Worte Deutsch spricht.
Und schon geht es wieder los auf Entdeckungstour durch Muscat. Leider hat der Bus getönte Scheiben, so dass die während der Fahrt entstehenden Aufnahmen etwas wie im Vintage-Stil wirken, was besonders beim späteren Fotostopp oberhalb der Festungen Mirani und Jalali mit Traumblick etwas schade war, denn hier durften wir nicht aussteigen. Nun gut, erleben wir die vorbeiziehende Szenerie halt zwar durch blitzsaubere Busscheiben, dafür in einer besonderen Farbkomposition, die auch nach der Bearbeitung nicht ganz verschwunden ist.
Impressionen aus Muscat …
Yusuf erzählt uns in ziemlicher Geschwindigkeit vieles über Land und Leute, womit der den Bus begleitende AIDA-Scout leider manchmal etwas überfordert war und dadurch das eine oder andere bei der Übersetzung weg ließ. Gut, wer jetzt der englischen Sprache nicht mächtig ist, dem fällt das gar nicht auf. Ich jedoch bin teilweise ganz schön irritiert, wie „frei“ und unvollständig der AIDA-Scout übersetzte.
Nach rund einer Dreiviertelstunde erreichten wir die Sultan Qaboos Grand Mosque. Was besonders wichtig ist: sowohl Frauen als auch Männer müssen knöchellange Kleidung tragen und Frauen ihr Haar zusätzlich noch mit einem Tuch bedecken. Also nicht vergessen. Die Omanis machen da auch keine Ausnahme und lassen Touristen in unangemessener Kleidung nicht in die Moschee. Aufgrund der angenehm warmen Temperaturen hat eine Frau aus unserer Gruppe nur etwas Kurzärmeliges an und keine Jacke dabei. Ich helfe ihr aus, da ich noch ein langärmeliges Teil in meinem Rucksack habe – auch schon aufgrund dessen, dass es im Bus durch die Klimaanlage schon mal ziehen kann. Die Frau ist total froh, sie hätte sonst die Moschee nicht betreten dürfen.
Über das weitläufige, rund 40.000 Quadratmeter umfassende, wunderschön angelegte und penibelst gepflegte Gelände nähern wir uns der Moschee.
Für die Innenbesichtigung haben wir leider nur eine Stunde Zeit. Bevor wir den Gebetsraum der Männer besuchen, dessen Fassungsvermögen bis zu 20.000 Gläubige beträgt, müssen wir natürlich die Schuhe ausziehen, wandeln dann auf dem riesigen, weichen Teppich und kommen angesichts der Dimensionen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Welch gewaltige Dimensionen. Kein Wunder, misst der Gebetsraum doch knapp 75 x 75 Meter. Der im Iran handgeknüpfte Teppich in der Mitte hat eine Fläche von rund 4.300 Quadratmetern. 600 Frauen benötigten für seine Fertigstellung rund drei Jahre.
Unter der 50 Meter hohen Kuppel hängt jedoch zweifellos das Highlight, dem sich kein Blick entziehen kann: ein 14 Meter hoher, rund 8 Tonnen schwerer und mit tausenden Swarovski-Kristallen verzierter Kronleuchter.
Ich stelle mich direkt unter die glitzernde, blinkende Pracht, lege meinen Kopf in den Nacken und bin einfach sprachlos. Noch nie habe ich einen so überwältigend großen Kronleuchter gesehen.
Im Gebetsraum der Männer zeigt uns Yusuf den Heiligen Koran. Anschauen und fotografieren ist kein Problem, aber als Nichtmuslime dürfen wir ihn nicht berühren.
Den Gebetsraum der Frauen besuchen wir anschließend. Er ist wesentlich kleiner und schon beinahe ernüchternd schlicht. Doch auch hier gilt: nur barfuß oder mit Socken.
Auch die Außenanlagen sind äußerst beeindruckend. Der aus Marmor bestehende Boden scheint auf Hochglanz spiegelblank poliert. Beim Laufen könnte man meinen, man gehe über eine Eisfläche. So poliert der Boden auch ist und in der Sonne glänzt – dennoch ist er kein bisschen glatt. Wie es hier ist, wenn es mal regnet (die Betonung liegt auf „wenn“), kann ich jedoch nicht sagen.
Ein Traum aus cremefarbenem Sandstein mit einer goldenen Kuppel, die an eine eingewickelte Kugel Ferrero Rocher erinnert
Ein Moment der Stille
Während der Fahrt zum Muttrah-Souk zieht sich Yusuf im Bus erst einmal aus. Nein, nein – ein Schelm, der jetzt auf falsche Gedanken kommt ... Aber wir kennen jetzt das Untergewand einer Dishdasha ... Das traditionelle arabische Gewand wird vor allem im Oman ohne Kragen getragen. Am Ausschnitt ist eine Quaste angebracht, die der Omani dann mit seinem Lieblingsduft parfümiert. Ja, Yusuf hatte einen guten Geschmack. Normalerweise wird zur Dishdasha eine runde Kappe, Kofia genannt, getragen. Doch zu besonderen Anlässen trägt der Omani einen Turban, was in der westlichen Kultur Anzug und Krawatte gleichkommt. Und wie so ein Turban richtig um den Kopf geschlungen und gebunden wird, zeigt uns Yusuf, während wir zwischen den schneeweißen Häusern Muscats entlangfahren. Eine lustige Einlage, die vor allem bei den Damen im Bus gut ankommt.
Kurz darauf erreichen wir den nächsten Besichtigungspunkt unseres Ausfluges – den Muttrah Souk. Davon, von Mirani und Jalali, dem Bait Al-Zubair Museum sowie vom Al Alam-Palast mehr im nächsten Kapitel meines orientalischen Märchens.
Fortsetzung folgt …
Kommentare 1