Carnival hat offensichtlich seine internen Planungen geändert. Vor einem halben Jahr sollte die auf ältere US Amerikaner fokussierte Holland Amerika Line das 19. Schiff abgeben und nicht AIDA. Was hat den Sinneswandel ausgelöst, dass AIDA und Costa noch mehr Schiffe abgeben sollen und nicht die Amerikaner, wenn sie nicht sogar wie bei Carnival mit der Helios3 und der Costa Magica noch zusätzliche Schiffe bekommen? In den amerikanischen Branchen Medien wurde immer wieder von sehr starken Buchungszahlen und "pent up demand" (aufgestauter Nachfrage) berichtet, während die Amerikaner bis vor wenigen Wochen keine Chance hatten ein Kreuzfahrtschiff von innen sehen zu können. Parallel sind AIDA und Costa in Europa mit sehr schwachen Buchungszahlen wieder gestartet. Der risikoaverse und pessimistisch eingestellte Europäer/ Deutsche Durchschnittsgast hat sich in der Zwischenzeit mit Buchungen zurück gehalten oder konnte nichts längerfristig Buchen, weil die Reedereien es lange nicht für nötig erachtet haben frühzeitiger die entsprechenden Reisen in 2022 und 2023 freizuschalten. Bei den größeren amerikanischen Reedereien Carnival und NCL sind schon seit einiger Zeit Reisen für Sommer 2023 und Winter 2023/24 buchbar! Die andern haben mindestens den Winter 2022/23 freigeschaltet. Dazu kommt, dass sich Carnival schon vor der Pandemie bezüglich AIDA in seinem Geschäftsbericht geäußert hat, dass der Zugang der Nova zu kleineren Turbulenzen geführt hat die extra Kapazität auch füllen zu können. Die Durchschnittserlöse sind gesunken, was ein Hinweis darauf ist, dass eine Helios Klasse für europäische Regionalreedereien wie AIDA doch etwas zu groß ist. Wie würde sich das bloß bei drei solcher Schiffe entwickeln (3 * 52 * 5400= 840.000 Passagiere// AIDA hatte 2019 etwa 1,3 Mio Gäste mit 13 Schiffen)? Entsprechend verlagern sich die Prioritäten, dass HAL sein Schiff behalten darf (ältere Amerikaner meiden offensichtlich doch nicht Kreuzfahrten, wie es zu Anfang der Pandemie prognostiziert wurde) und AIDA die Cara doch noch abgeben muss, während Carnival auch noch den Helios3 Bauslott für 2023 bekommt. Sie wollen AIDA offensichtlich Zeit geben mit dem Kapazitästswachstum durch die Cosma (52*5400- 26*1180= +250.000 Passagiere) trotz des Cara Abgangs zurecht zu kommen, weshalb kurz bis mittelfristiges Wachstum ersteinmal auf Eis liegt.
Mit den überraschenden Nachrichten von gestern erklären sich also auch die Perla Meldungen in 2024 in Funchal und Porto aus der Karibik kommend. Mit einer dritten AIDA Helios ist also bis auf weiteres nicht mehr zu rechnen. Auf der Meyer Werft dürfte frühestens in 2026 rechtzeitig zum norwegischen Emissionsban in den Fjorden wieder ein realistischer Liefertermin frei sein, wenn es überhaupt noch eine dritte Helios gibt. Mit einer entsprechenden Bestellung bei der Meyer Werft ist aber frühestens Mitte 2022 oder eher 2023, wie es letztes Jahr Bernard Meyer schon angedeutet hat zu rechnen, wenn Carnival aus dem Schlimmsten haraus ist und die Meyer Werft mit verzweifelten, günstigen Angeboten versucht ihre Kapazitäten in 2026 und 2027 zu füllen um bis zur zweiten großen Boom Phase ab den 2030er Jahren mit emissionsneutralen Schiffen durchhalten zu können.
Wenn die dritte Helios also 2026 käme, dann würde mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Mira im Gegenzug die Flotte nach etwa 6 Jahren und zwei Werftzyklen a 3 Jahre verlassen. Frühestens dann würde ich mit einer Sphynx ab Kreta auf den aktuellen Mira Routen rechnen, weil dann erst die Bella in Kiel durch die Mar ersetzt werden könnte, die in Warnemünde durch die Perla ersetzt wurde, welche in HH wiederum durch die Nova ersetzt werden würde, welche wiederum durch die minimal größere Helios 3 in Kiel ersetzt worden wäre. Die Frage ist nur, ob es überhaupt noch dazu kommt.
Es ist auch denkbar, dass sich AIDA voll auf die für etwa 2030 erwartete Serie an emissionsneutralen Schiffen konzentriert und für viele Jahre keine Neubauten bekommt. Diese Klasse soll dann aber spätestens die anderen verbleibenden Schiffe (Mira, Vita, Aura) ersetzten und die Sphynx Klasse erst mittelfristig ergänzen und dann perspektivisch die Sphynx Klasse bis in die frühen 2040er Jahre ersetzten. Ich würde darauf setzten, dass diese Schiffe mindestens so groß sind wie die aktuellen Sphynx Klasse Schiffe (1025 bis 1100 Kabinen), wenn nicht eher in der Größenordnung von Koningsdam/ Mein Schiff 3,4,5,6 (1250-1300 Kabinen) oder der neuen MS 1 (1450 Kabinen) rangieren. Mit kleineren Schiffen würde ich trotz viel geäußerter Wünsche nicht rechnen. AIDA ist eine Massenmarkt Reederei und Tochter eines börsennotierten Konzerns und nicht die Wohlfahrt, die kleine, gemütliche, Schiffe mit vielen Balkonkabinen zu den gewünschten günstigen Preisen anbieten kann. Alle neu zu bauenden Schiffe in der Größenordnung einer Vita/Aura oder minimal größer werden im gehobenen Premiummarkt oder im Luxussegment eingesetzt, egal ob Viking, Saga, NYK, Oceana, Silversea oder auch MSC, die für ihre neuen kleinen Schiffe sogar eine separate Marke gegründet haben.
Für die nähere Zukunft heißt die Meldung, dass Carnival den Bauslott der AIDA Helios 3 übernommen hat, dass sich das aktuelle Programm mit kosmetischen Änderungen für etliche Jahre wiederholen dürfte. Mit den zwei fehelenden Schiffen heißt das einerseits weniger Routenvielfalt und andererseits eine prinzipielle Wiederholung der aktuellen Kataloge auch für den Winter 2023/24:
Winter 2023/24:
AIDA cosma Orient
AIDA nova 7 Tage Kanaren
AIDA perla DO Karibik ABC Inseln und kleine Antillen (La Romana und Barbados)
AIDA prima SA 7 Tage HH Metropolenroute bis Nov und ab März// Dez bis Feb 7 Tage ab Palma
AIDA stella Palma 12 und 9 Tage iberische Halbinsel
AIDA mar SO 7 Tage Kanaren
AIDA sol Weltreise, Winter im hohen Norden
AIDA blu Indischer Ozean
AIDA luna Karibik mit Mittelamerika (La Romana und Montego bay)
AIDA bella SOA
AIDA diva Karibik mit Mexiko (La Romana und Montego bay)
AIDA mira Südafrika (oder SOA)
AIDA vita HH xxl Routen (2x 26 Tage Kanaren und 2x Karibik 43 Tage)
AIDA aura Südafrika oder Kanaren 14 Tage (Kapverden, Azoren), ab Februar zusätzlich zur Sol Winter im hohen Norden