Montag, 08. August 2016 Spitzbergen
Aufgrund der medizinischen Ausschiffung per Hubschrauber war es etwa Mitternacht, bis wir gestern eingeschlafen sind. Dementsprechend müde bin ich noch, als ich um 6.50 Uhr durch die Durchsage geweckt werde, dass wir gleich Barentsburg passieren. Nach einem Blick aus dem Fenster entscheide ich, dass ich die russische Bergbausiedlung nicht so spannend finde und lieber noch etwas schlafen will, um für die Fjord- und Gletscherpassagen heute Abend fit zu sein. Doch weiterschlafen ist gar nicht so einfach, denn ständig kommen jetzt Durchsagen – zwar nur auf den Gängen, nicht in den Kabinen, aber das „Ding-dong“, das die Durchsage ankündigt, hält mich wach. Irgendwann muss ich dann doch wieder eingenickt sein. Viertel vor neun weckt mich ein erneutes „Ding-dong“ und ein Blick aus dem Fenster zeigt mir einen Gletscher.
Also ganz schnell Kleidung an, Fotoapparat schnappen und dann raus. Noch ist schönes Wetter und ich genieße den Anblick des Gletschers und der sonstigen Landschaft.
Schnell zieht es sich jetzt zu. Wir passieren die alte verlassene Bergbausiedlung Grumant.
Ich hatte die Beschreibung bei der Beschreibung unserer Reise im Phoenix-Katalog Angaben zum möglichen Spitzbergenprogramm wie z.B. „Kreuzen im Isfjord“ für „Katalogsprache“ gehalten. Tatsächlich machen wir aber genau das. Wir fahren nicht auf dem schnellsten Weg nach Longyearbyen, sondern kreuzen im Fjord, um gezielt möglichst nah an interessante Punkte heranzufahren.
Gegen 13.15 Uhr legen wir in Longyearbyen an. Das Wetter ist trüb und teilweise nieselt es.
Wie vor drei Jahren empfand ich diesen Ort als sehr enttäuschend. Man denkt, man kommt in die Einsamkeit und schöne Natur, stattdessen landet man in einem relativ großen Ort (über 2.000 Einwohner, das ist beispielsweise ungefähr sechsmal so groß wie Geiranger), muss auf den Autoverkehr aufpassen (warum fahren hier so viele Leute mit dem Auto? Es gibt doch kaum Straßen und leider auch keine Fußwege, auf die man flüchten könnte.) und sieht noch relativ viele alte oder modernere industrielle Anlagen. Sehr idyllisches ist es nicht.
Nett sind allerdings die besonderen Verkehrszeichen.
Wir besuchen das Svalbard Museum mit einer netten kleinen Ausstellung zur Geschichte und Tierwelt Spitzbergens.
Gegen 18 Uhr legen wir ab und steuern auf den Höhepunkt der Reise zu. Wir fahren durch den Billefjord, vorbei an der alten russischen Bergarbeitersiedlung Pyramiden zum Nordensköldgletscher.
Auf einer kleinen Insel vor dem Gletscher sehen wir einen Eisbären - es hat sich also doch gelohnt, das schwere größere Fernglas mitzunehmen. Mit dem Fernglas sieht man den Bären noch sehr viel klarer als auf meinen Fotos, denn Fotografieren war durch Wind, Schiffsbewegungen und starkes Zoomen nicht so einfach.
Es wird auch Gletschereis an Bord geholt, damit die Passagiere später ihre Drinks damit genießen können.
Außerdem führt ein Mitarbeiter vor, wie man Eisskulpturen erstellt.
Vor dem Gletscher verbringen wir ca. 1,5 Stunden. Dann geht es weiter zum Tempelfjord. Wir ankern vor dem Gletscher, fotografieren auf den Außendecks die Uhr, die fast Mitternacht zeigt, im Sonnenschein
- und gehen irgendwann gegen 1 Uhr (mein Sohn, der meckert: „Es ist noch nicht dunkel, ich will noch nicht schlafen gehen!“) und halb zwei (ich) schlafen - mit Blick auf den Gletscher vor unserem Fenster. Ein gigantischer Tag geht zu Ende. Ich hätte nie gedacht, dass wir auf einer normalen Kreuzfahrt relativ südlich in Spitzbergen tatsächlich im Sommer einen Eisbären sichten werden. Falls Ihr mal nach Spitzbergen fahrt, wählt unbedingt eine Reederei, die mehr macht als nur Longyearbyen anzulaufen.