Letztes Jahr hatte ich einen kleinen Beitrag zur Vorfreude auf die Karibik Route mit der Bella geschrieben. Diesen habe ich eben wieder gefunden und dachte, vielleicht passt dieser mit kleinen Anpassungen auch diesmal. Also viel Freude damit ![]()
Flughafen Düsseldorf - in sechs Wochen
Die Koffer wussten es schon lange, sie standen seit Tagen offen und warteten auf eine Ladung voller Klamotten. Um sie herum sammelten sich nach und nach Badesachen, Sonnenmilch, T-Shirts und Zehenlatschen. War es nicht Herbst, war es nicht kalt und neblig? Das konnte nur eins bedeuten! Das Ziel musste einen klangvollen Namen haben, so was wie Karibik…
Nun sind die Koffer randvoll und landen zusammen mit vielen anderen bunten Gepäckstücken dicht gestapelt im Frachtraum des Fliegers. Wir sitzen entspannt in der Abfertigungshalle und stoßen bestens gelaunt mit lauwarmen Sekt aus Plastikbechern auf die nächsten Tage an.
Wie immer verfliegt die Wartezeit schnell bei ersten Gesprächen – hier warten knapp 280 mehr oder weniger aufgeregte Kreuzfahrer auf den Aufruf zum Boarding. Die A330 steht schon einige Zeit am Finger und nun krächzt es aus den Lautsprechern: „ Ihr Flug nach La Romana mit Airberlin 7402 steht zum …“ Der wesentliche Rest geht in dem Raunen der Masse unter, eigentlich sollten jetzt erst mal die hinteren Reihen rein, aber das hat ja noch nie so richtig funktioniert.
Irgendwann hat sich der Knoten vor dem Gate aufgelöst und wir flutschen über Gänge und Treppen in den Finger zum Flieger, um dort wieder auf eine neue kleine Schlange aufzulaufen. Ein letzter Kraftakt und das Handgepäck findet ein Eckchen in den übervollen Fächern.
„Boarding completed” ist zu vernehmen während sich die letzten Gäste auf die verbliebenen Plätze einsortieren. Türen zu, anschnallen, durchzählen, Sicherheitsfilm und dann geht es los. Viele Tonnen Aluminium, Stahl, Getränke, Essen, Koffer und Passagiere setzen sich rückwärts in Bewegung. Kaum ist der Pushback beendet, lässt der Pilot die Triebwerke an.
Die nächsten 10 Stunden geht es zunächst Richtung Westen über den Atlantik und später nach Süden Richtung Dominikanische Republik.
Kaum haben wir die Reiseflughöhe erreicht, kommt der Getränkewagen. Eigentlich trinkt zuhause niemand dieses rote Zeug, aber im Flieger geht es wie geschnitten Brot: Tomatensaft mit Pfeffer. Unglaublich, es geht sogar mehr Tomate als Bier über die Getränkewagentheke.
Genau diese Mysterien sind es, die uns umprogrammieren auf die ganz besondere Zeit im Jahr. Wer würde sich denn sonst freiwillig für einen Arbeitstag lang in eine enge Röhre setzen und dabei fröhlich lächeln?
Zwischen Film, Werbung, Mittagessen, Zollfreiverkauf und einem weiteren Film bleibt genug Zeit um sich auf das eigentliche Ziel vorzubereiten. Das Fernweh wird beim Blick aus dem Fenster befriedigt. Weit über den Wolken strahlt die Sonne ungehindert und prickelt angenehm im Gesicht. Noch kommt die Wärme kaum durch, aber das ist nur noch eine Frage von Minuten, denn wir haben mit dem Landeanflug begonnen.
Alle am Fenster hoffen jetzt auf der richtigen Seite zu sitzen. Unter uns ist die Dominikanische Republik gut zu erkennen. Ein paar dünne Schleier behindern die Sicht unwesentlich. Wo ist nur die Küstenlinie, ist das La Romana und vor allem, wo ist der kleine Hafen mit unserem Ziel? Der Kapitän setzt zu einer steilen Kurve an und man kann aus dem Fenster fast senkrecht nach unten schauen. Wir drehen und drehen, dann kommt die Küste in Sicht. Ein weißer Punkt zeichnet sich ab, ist das der Hafen? Bevor es wirklich deutlich wird geht es wieder über Land.
Der Flieger richtet sich waagerecht aus und dann geht es runter. Immer tiefer. Man erkennt Straßen, Häuser, dann Autos und sogar einzelne Menschen. Ein paar Palmen säumen Felder und Wege. Satt landet der große Vogel und wirft Sekunden später den Anker. Junge, Junge, die Landebahn ist ganz schon kurz.
Die Aufregung von vor dem Flug ist wieder da. Wir rollen zügig zur Parkposition vor dem winzigen Gebäude. Die Ansage „Herzlich Willkommen in La Romana – Bitte bleiben Sie noch angeschnallt sitzen, bis wir…“ geht wie immer unter. Die ersten schnallen sich ab und nach 10 Stunden hält es viele nicht mehr länger auf den Plätzen. Triebwerke aus, zwei Treppen werden herangerollt und dann gehen die Türen auf. Ein Schwall sehr warmer und feuchter Lust schlägt herein. Ja, dafür sind wir hier!
„Um Ihre Koffer müssen Sie sich nicht kümmern, wir sorgen dafür, dass diese zum Schiff gebracht werden.“ Tja, diesen Service gibt es nur in der Karibik. Über die Treppen geht es über das Vorfeld direkt außen um das Gebäude zu den wartenden Bussen.
Da man nur das Handgepäck zu versorgen hat, ist unser Bus schnell voll. Von der örtlichen Agentur erfahren wir kurz wie es weiter geht, dann setzt sich der Bus in Bewegung. Das Flughafengelände ist klein und über die neue Landstraße dauert es nur Minuten, bis wir die oberen Decks und den Schornstein erstmals wirklich erkennen können.
Ein paar Kreuzungen weiter geht es aufs Hafengelände.
Als der Bus stoppt, werden wir noch mal begrüßt. Diesmal verbunden mit den Informationen wie das mit dem Check in läuft: Reiseunterlagen, Pass, Zahlungsmittel und nicht das Handgepäck vergessen. Der Bus war klimatisiert, hier knallt die Sonne voll auf die Wellblechdächer der offenen Schalterhalle – Klimaanlage gibt es erst auf dem Schiff wieder.
Sehr warm – karibisch halt eben.
Unsere Schlange ist kurz. Ein paar Minuten später haben wir alles geregelt und die Bordkarten in den feuchten Händen. Beim Verlassen der Wellblechempfangshalle haben wir den ersten ungestörten Blick auf unser zuhause für die nächsten 14 Tage: Strahlend weiß lächelt uns die AIDAmar mit ihrem rotem Kussmund an. Alle Anstrengung und Abgeschlagenheit fällt ab. Dafür dringt der Schweiß auf dem Zick-Zack-Weg durch die neue „Shoppingmeile“ zum Pier langsam aber sicher durch die viel zu warmen Klamotten. Hinter der Zollfreiverkaufshalle – quasi auf der Zielgeraden – hat sich das Fototeam zum obligatorischen Willkommensbild aufgebaut. Erstaunlich wie leicht einem selbst nach einem so langem Flug ein Lächeln gelingt.
Nur noch gerade aus den Weg herunter zum Pier, da liegt sie und wartet auf uns. Je näher man kommt, desto riesiger wirken die 252 Meter Stahl. Zur Begrüßung hat sie bunte Fahnen über Pooldeck und Bug gespannt. Mittig beult sich der gläserne Melitta-Kaffeefilter aus dem strahlend weißen Leib. Am Schornstein prangt der AIDA Schriftzug in blau, rot, gelb und grün, vorne ragt die Nock in den blauen Himmel. Das zaubert eine Gänsehaut auf den Rücken, da kann ich gar nichts gegen machen.
Vom Anblick abgelenkt verpasse ich fast die Händedesinfektion. Aber ich bin da nicht alleine. Zum ersten Mal zeigen wir die Bordkarte vor und betreten dann die Gangway auf Deck 3. Mit jedem Schritt hinein ins Schiff fühlt man es deutlicher, dieses wummern der immer laufenden schweren Schiffsdiesel. Man schwingt sich ein, nimmt es an um sich treiben lassen zu können in diesem entspannenden Tackt.
Karte vors Lesegerät gehalten – PIEP – und wir sind registriert. Nur noch die Sicherheitskontrolle und vorbei an der Pier 3 Bar. Vertraut laufen wir durch Gänge und Treppenhäuser. Ja, das ist wie nachhause kommen. Vom Eingang am Bug müssen wir fast ganz nach hinten zu unserer Kabine, die jetzt schon auf uns wartet.
Da es noch dauert bis die Koffer vor die Kabine gestellt werden, schnell etwas frisch gemacht, die leichten Sachen und die Flip-Flops aus dem Handgepäck, umgezogen, ein paar Treppen hoch, schon sitzen wir Minuten später an der Ocean Bar und bestellen den ersten Cocktail des Urlaubs.
Während wir auf unser Getränk warten, schweift der Blick über die Reling. Im Hintergrund zockelt hupend die Werksbahn vorbei und bringt Zuckerrohr in die deutlich rauchende Fabrik, die nur ein paar Meter landeinwärts auf der gegenüberliegenden Flussseite liegt. Als die Cocktails serviert werden, schickt sich hinter den Schornsteinen die untergehende Sonne an, tief rot begleitet von ein paar harmlosen Wolkenfetzen den Abend einzuläuten.
Wir prosten uns zu und herzlich Willkommen im Urlaub.