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Beiträge von joachimmeertal

  • Die Halbinsel Kintyre schützt den Firth of Clyde und damit Greenock vor dem Atlantik

    • joachimmeertal
    • 16. Juli 2018 um 09:31

    Und schon wieder die Beatles – bei der Einfahrt in den Firth of Clyde Richtung Greenock wurden wir an den von Beatle Paul McCartney und seiner Band Wings veröffentlichten Song „Mull of Kintyre“ erinnert; in dem Paul das Heimatgefühl beim Anblick der Insel wiedergibt:
    “Oh, mist rolling in from the sea
    My desire is always to be here
    Oh, Mull of Kintyre …”


    17. Juni 2012 - Greenock/Schottland

    Es war wieder früh, als wir an Deck die Einfahrt in den Firth of Clyde erlebten. Dieser an seinem äußersten Ende 42 km breite Fjord ist ein Meeresarm an der Westküste Schottlands, der nur durch die Halbinsel Kintyre vom Atlantik getrennt ist. Er beginnt in etwa bei Greenock und damit bei der Mündung des Flusses Clyde in den Firth of Clyde, der dort immerhin noch 3 km breit ist.
    Doch zurück zu der Firth-Einfahrt. Ja, es war wieder früh, aber es hatte sich gelohnt. Jede Menge Wolken am Himmel, aber kein Regen! Das war doch etwas! Links und rechts von der AIDAcara zog die schottische Landschaft an uns vorbei. Steile, terrassenförmige, mit Gras und Büschen bewachsene Hänge, auf denen Häuser, eine Kirche und ganz oben ein Wachtturm stehen.
    Weiter weite, von Hecken und Natursteinmauern eingefasste Weiden mit Bauerhöfen. Viel Grün. Kein Wunder, denn es soll in Schottland viel regnen (aber nicht an diesem Tag!!!).
    Dann kamen kleinere Wälder, aus denen ab und zu kleinere Herrenhäuser herausschauten.
    Und langsam näherten wir uns größeren Ortschaften, die sich an den Hängen des schottischen Hochlandes schmiegen. Auch hier wiederum viel Grün.
    Der Firth of Clyde scheint ein beliebtes Urlaubsgebiet zu sein; man erkennt es an den zahlreichen Mobilheimen an – wo wohl? – den grünen, ansteigenden Hängen.
    Greenock kam in Sicht – eine Stadt mit ca. 45.000 Einwohnern, die wirtschaftlich bessere Zeiten erlebt hat. Früher war die Stadt eines der britischen Zentren der Werftindustrie, bis die südostasiatischen Konkurrenten für ein Aus sorgten. Heute gibt es nur noch kleinere, spezialisierte Schiffszulieferer, aber einen Hafen, der die Stelle des versandeten, 40 km entfernten Hafens von Glasgow übernommen hat.
    Ja, was macht man in Greenock? Möglich sind Tagesfahrten nach Glasgow oder Edinburgh oder auch eine Fahrt in die Natur. Wir entschieden uns für Letzteres, denn an den Vortagen sind wir bereits durch einige Großstädte gelaufen.
    Gegen 10.30 Uhr begann unsere „Panoramafahrt entlang des Loch Lomond“. Wir verließen per Bus Greenock. Unser „Gespann“ waren der Busfahrer Allister und die Reiseleiterin Constanze. Sie informierte uns umfassend über Greenock und später über die schottische Landschaft incl. Fauna und Flora. Kurz hinter der Stadtgrenze von Greenock fuhren wir auf der 1971 eröffneten Erskine-Brücke über den Clyde. Dann begann die Landschaftsfahrt. Wiesen, Weiden, Wälder, unterbrochen von Bauernhöfen und mehr oder weniger großen Herrenhäusern bis wir den Loch Lomond erreichten.
    Er gilt mit 71 qkm als größter und schönster See dieses Landesteils und ist Teil des Nationalparks Loch Lomond and the Trossachs. Der See bietet einige Kontraste: Im Norden ist er eng und bis zu 190 m tief, im Süden breiter und flacher und mit – je nach Wasserstand – zwischen 30 und 60 Inseln versehen. Am steilen Ufer bewacht der 917 m hohe Ben Lomond den See.
    So richtig genießen konnten wir ihn aber nurrecht kurz, und zwar vom Dorf Luss aus, ein Zwischenziel unseres Ausflugs, das eine Anlegestelle für die Ausflugsschifffahrt hat. Dieses Dorf könnte ohne weiteres bei unseren Wettbewerben „Unser Dorf soll schöner werden“ mithalten. Klein, übersichtlich, pittoresk, sauber, farbig durch unzählige Blumen und blühende Sträucher. Eben ein Musterdorf, in dem sich in der Hauptsaison bei gutem Wetter die Touristen tummeln. Von Industrie bzw. Handwerk war so gut wie nichts zu sehen; lediglich ein Kilt- und ein Dudelsackmacher üben ihr Handwerk aus. Das passt zu diesem Dörfchen, ebenso, dass vor einigen Jahren hier die schottische Serie „Take the High Road“ gedreht wurde. Aber davon war nichts mehr zu sehen – unsere Augen wurden verwöhnt von den idyllischen kleinen Häusern, dem schönen See und der herrlichen Umgebung; nicht zu vergessen von der Blumenpracht.
    Erwähnenswert ist auch die Luss Parish Church. Sie ist Saint Kessog gewidmet, der im Jahre 510 das Christentum nach Luss brachte. Erbaut wurde die Kirche ab 1875. Bekannt ist sie für online-Gottesdienste und als Stätte für über 100 Trauungen im Jahr – so glitten 2009 in diesem Gotteshaus 153 Paare in ihr gemeinsames Leben. Auf dem Friedhof (passt nicht so ganz zum vorhergehenden Satz …) findet man 15 uralte Grabsteine.
    Die für die Besichtigung dieses Dörfchens angesetzte Zeit von 45 Minuten war natürlich zu kurz – wie üblich … aber die Vorgaben … also rein in den Bus und weiter! Weiter am Loch Lomond entlang, durch die schottische Landschaft und durch Dörfer. Dann wurde es steiler, der Bus mühte sich die Straße hinauf bis zum Aussichtspunkt „Rest and Be Thankful“.
    „Ruhe Dich aus und sei dankbar“ – diese Worte gravierten englische Soldaten auf einen Gedenkstein, als sie in den 40er Jahren des 18. Jahrhunderts hier den höchsten Punkt des von ihnen erbauten Straßennetzes erreichten. Und sich (hoffentlich) richtig ausruhen durften. Der Ausblick war überwältigend: raue Berge und ruhige Seen. Und ein Grün … Kein Wunder, dass sich auch heutzutage an diesem Fleck viele müde Wanderer ausruhen!
    So, genug gesehen und ausgeruht – die Landschaftsfahrt wurde für ungefähr 1 Stunde fortgesetzt bis Hunter´s Quay, wo wir auf die Fähre fuhren, die uns über den Clyde bzw. Firth of Clyde brachte. 30 Minuten dauerte die Überfahrt – herrliche Ausblicke auf den Fjord und die beiden Ufer.
    Und das Wetter besserte sich weiter: Ab und zu erschienen blaue Flecken zwischen den Wolken und die Sonne zeigte sich, wenn auch nur kurz!
    Die Fähre legte in Gourock an; Allister und Constanze brachten uns nach Greenock zum Schiff zurück. Zeitig genug, denn es gab noch Kaffee und Kuchen und auch noch genügend Zeit, sich Teile von Greenock anzuschauen. Natürlich per pedes!
    Vom Schiff war es nicht weit bis zur Stadtmitte. Wir standen zunächst vor dem Rathaus.
    Direkt daneben ist an der Ecke eines repräsentativen Hauses ein Denkmal für den größten Sohn Greenocks, James Watt, zu bewundern. Er lebte von 1736 bis 1819 und war bekanntlich als Erfinder der Dampfmaschine für die industrielle Revolution mitverantwortlich. An vielen Stellen des Ortes wird man an James Watt erinnert, so bei The Watt Library, einer Bücherei, die 1816 als James´s Schenkung mit naturwissenschaftlichen Büchern ins Leben gerufen wurde, dem McLean Museum, The Watt Hall und dem James Watt College.
    Aber was traf man an vielen Ecken an? Kirchen – und davon jede Menge. So zählten wir fünf Gotteshäuser in unmittelbarer Umgebung, ganz zu Schweigen von den anderen, ein wenig weiter entfernten. So z.B. The Old West Church, deren Anfänge bis zum Jahre 1591 zurückzuverfolgen sind.
    Wir schauten uns das 1818 erbaute Custom House an, das bis 2010 als Zollhaus genutzt wurde. Der davor liegende Kai war Abschiedsort unzähliger Schotten, die im 19. Jahrhundert vor allen Dingen aus wirtschaftlichen Gründen ihre Heimat verließen.
    Es war ein kurzer Spaziergang – so viel hatte Greenock nicht zu bieten. Also zurück auf die AIDA und schnell kam das sail-away um 19.00 Uhr. Und was noch? Ein Abschied vom ersten schottischen Hafen, wie wir ihn bisher noch nicht erlebt hatten. Vor dem Terminalgebäude verabschiedete uns eine Dudelsackband und ein riesiger Schotte. Ein echter? Nein, vom Äußeren nicht – aber sicher in dieser Puppe, die auf dem Kai winkend hin und her ging und uns zum Schluss knieend ein Lebewohl zuwinkte. Doch davon nicht genug – lange winkten uns die Tourismusmitarbeiter/-innen mit schottischen Flaggen und deutscher Fahne unter lauter und schöner Dudelsackmusik hinterher – ein Abschied, der ein wenig unter die Haut ging …
    Dann begann wieder der Stress. Sollten wir „Asien“ im Markt-Restaurant oder „Westindische Inseln“ im Calypso wählen? „Asien“ gewann – es war wie immer eine gute Wahl. Falsch machen konnte man sowieso nichts!
    Anschließend kam der nächste Stress. Was machen wir? Das EM-Spiel Deutschland – Dänemark im Theater gucken oder doch lieber Deckzeit? Deckzeit gewann und es lohnte sich!
    Über dem Festland tummelten sich noch aufgelockerte Wolken. Aber seewärts … blauer Himmel und Sonnenschein! Das machte die Ausfahrt aus dem Firth of Clyde noch attraktiver!
    Und zur Belohnung für den 2:1 – Sieg unserer Mannschaft ein herrlicher Sonnenuntergang.

    Greenock lag hinter uns – als nächstes Ziel erwartete uns Oban, unser Höhepunkt dieser Kreuzfahrt …

  • Life goes on day after day - Hearts torn in every day - So ferry ´cross the Mersey … Liverpool

    • joachimmeertal
    • 15. Juli 2018 um 09:13

    Dies nur zu Stendals Bemerkung, dass man in England den Gesang liebt – einerlei, ob er gut oder schlecht ist … England und damit auch Liverpool brachte nicht nur die Beatles sondern u.a. auch Gerry Marsden und seine Gerry & the Pacemakers hervor, die1965 neben anderen den Erfolgshit „Ferry Cross the Mersey“ auf den Markt brachten. So, jetzt sind wir mitten in Liverpool und damit auch am und auf dem Fluss Mersey!

    Und die AIDAcara fuhr früh in den Mercey – und wir waren natürlich wieder hellwach ganz oben. Es war der

    16. Juni 2012

    und wir waren erstaunt, was wir schon – übrigens ohne Regenempfang – früh von der alten Arbeiterstadt sahen: auf der Steuerbordseite sattes Grün, später dann Häuserzeilen mit rechteckig zum Ufer angelegten schnurgeraden Straßen, monumentale Bauten; auf der Backbordseite zunächst das nicht so attraktive Industriegebiet, dann im Zerfall befindliche hölzerne Kaistützen und ganz vorne die Drei Grazien, das Museum of Liverpool, die Albert Docks und ein Riesenrad – staun! Ganz anders, als wir es uns vorgestellt hatten …

    1190 gab es einen Flecken, genannt Liurpul, was so viel sie schlammiger Pfuhl oder schlammige Bucht bedeutet. 1207 wurde der Pfuhl zum Marktflecken und Hafen erklärt. Dann tat sich zunächst nicht viel. Mitte des 16. Jahrhunderts hatte der Ort 500 Einwohner und war viel weniger wichtig als das südlich liegende Chester. Dann kam das Jahr 1698: das Unterhaus war einverstanden, dass eine neue Kirche gebaut werden durfte. Das war der Beginn des Aufstiegs: Reich wurde man durch den einsetzenden Handel mit den Westindischen Inseln; reich wurde man durch den Sklavenhandel (so wie auch das vier Tage vorher besuchte Honfleur). Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde 40 % des Welthandels über den Liverpooler Hafen abgewickelt … Dies führte naturgemäß zum starken Wachstum; 1930 hatte man 850.000 Einwohner; Mitte 2012 waren es nach dem wirtschaftlichen Niedergang bei den originären Industrien nur noch ca. 445.000 …
    Wenn man an Liverpool denkt, kommen einem vor allen Dingen die Beatles und die beiden Traditionsvereine der Premier League, FC Liverpool und FC Everton, in den Sinn.

    Und eins von beiden, Fußball oder Musik, war an diesem Tag unser Hauptthema. Doch davon später mehr, denn wir waren noch nicht an Land. Gegen 7 Uhr näherten wir uns dem Kai. Und was sahen wir: Alt und Neu einträchtig nebeneinander.

    So, nun ging es aber schnell zum Frühstück, denn um 8.45 Uhr wollten wir zum Ausflugstreffen …

    Ja, was sollten wir in Liverpool machen? Wir waren davon ausgegangen, dass die alte Industrie- und Hafenstadt ein langweiliges und unattraktives Ziel war. Und was nahm man sich dann vor? Ganz einfach – auch als nicht unbedingt Beatles-Fans griffen wir zum Angebot: von AIDA vermittelter Ausflug „Auf den Spuren der Beatles“, denn Liverpool und Beatles gehören untrennbar zusammen.

    So begann dann kurz nach 9 Uhr der Ansturm auf den Bus. Plätze waren zur Genüge vorhanden und wir fuhren los. Unsere Reiseleiterin informierte uns ausgiebig über die Stadt und vor allen Dingen über die Verbindung der Stadt zu den Beatles – fast schon zu ausführlich … Und schon hielt der Bus im Cavern Quarter auf der North John Street, gegenüber vom in 1884 erbauten Hard Days Night Hotel. Logisch, dass es in diesem Hotel rund um die Beatles geht, wenn man von den bevorzugten Bildern an den Wänden ausgeht … Und nicht nur innen, sondern auch außen steht alles im Zeichen der Beatles: alle vier schauten von oben auf uns herab – nur nicht zum Anfassen, denn dafür standen sie zu hoch.
    Es war nicht weit bis zur Mathew Street – einfach um die Ecke. Hier ist das Herz der Beatles Touristen beheimatet, ein ehemals heruntergekommenes Viertel, das sich zur Amüsiermeile gemausert hat. 1957 wurde der Cavern Club eröffnet. Es traten Jazz-, Skiffle- und später Beatbands auf. Rolling Stones, The Who, Eric Clapton waren einige von ihnen. Nur das große Geld machte man nicht mit dem Club. So wurde er 1973 geschlossen und zugunsten des Baus der neuen Metro abgerissen. Für manche wahre Blasphemie – aber keine Angst, der Club wurde – z.T. mit Originalsteinen – 1984 nicht weit vom ursprünglichen Standort aufgebaut.
    Schräg gegenüber standen wir vor dem 1994 eröffneten Cavern Pub. Rechts vom Eingang befindet sich der Liverpool Wall of Fame mit 56 an CDs erinnernde Bronzetafeln von Künstlern, die von 1953 bis heute in den Charts an erster Stelle standen.
    Rund um den Pub sind in Mauersteinen Namen von Künstlern eingraviert, die im Cavern Club auftraten. Die Namen sprechen für sich …
    Nicht fehlen darf natürlich die Wandstatue „ Four lads who shook the world“, die nach dem Tod John Lennons mit einem kleinen Gitarre tragenden Engel erweitert wurde.

    Nun ging es weiter mit dem Bus. Wir fuhren in die Innenstadt, sahen viele Gebäude im alten Zuckerbäckerstil, wurden laufend informiert, welcher Beatle wo in die Schule ging, wo welcher Beatle getauft wurde, wo welcher Beatle öfters mit einem anderen Beatle unterwegs war usw. – eine Fülle von Informationen, die sehr nett ´rüberkamen, aber die für uns teilweise nicht gerade wichtig waren – wir waren eben nicht unbedingt die Beatles-Fans!

    Und so fuhren wir und fuhren und kamen in die Außenbezirke, die wir ohne diese Tour sicher nicht besucht hätten. Viertel mit ärmlichen Mietshäusern, Viertel mit gehobenen und gepflegten Reihenhäusern, Viertel mit schönen und geschmackvollen kleineren Häusern, aber auch Villen. Und viel, viel Grün und große Parks. Und dann waren wir auf einmal da: Die durch John weltberühmte Straße, eigentlich nicht ansehnlich, aber für unsere Generation (auch für die nicht unbedingten Beatles-Fans!) unvergesslich. Penny Lane ist eigentlich keine Straße sondern ein Platz (The Penny Lane Roundabout), an dem verschiedene Straßen, darunter die kleinste, Penne Lane, zusammentreffen. John stellte mit seinem Lied einen Ort seiner Kindheit und Jugend dar und erinnert an den Barber Shop

    „In Penny Lane there is a barber showing photographs of every head he's had the pleasure to know”

    und die alte Bushaltestelle am Platz

    “Behind the shelter in the middle of a roundabout the pretty nurse is selling poppies from a tray”.

    Und dort stand sie – die Kirche St. Barnabas. In den späten 50er Jahre spielte dort ab und zu die Vorgängerband der Beatles, die Quarry Men, samstagsabends zum Tanz auf. Und nun wurden im Bus Beatles-CDs abgespielt, so dass auch bei nicht eingefleischten Beatles-Fans allmählich ein echtes Beatles-Gefühl aufkam …

    Und wir fuhren weiter bis zum nächsten Gedenkort der Beatles:

    … “nothing is real and nothing to get hung about Strawberry Fields forever …”

    Von Erdbeerfeldern war hinter dem knallroten Gittertor nichts zu sehen, auch nicht von dem gleichnamigen Waisenhaus der Heilsarmee. Eher ein verwildertes Grundstück, in dessen Nähe John aufwuchs und auf dem er als Kind spielte. Und wo wuchs er auf? John zog mit fünf Jahren in dieses Haus, das Onkel und Tante gehörten. Schon früh übte John viele Stunden das Gitarrespiel. Dazu passte wunderbar eine Bemerkung seiner Tante: „Das mit dem Gitarrespielen ist ja in Ordnung, aber davon wirst Du niemals leben können!“ Wie man sich irren kann … Das Haus wurde 2002 von Yoko Ono dem National Trust geschenkt.

    Die nächste Station war 20 Forthlin Road. In dieses Haus zog 1955 die Familie McCartneys. Das Bad musste für Musiker äußerst geeignet gewesen sein, denn Paul zog sich hierhin wegen der besonderen Akustik zum Üben zurück. John kam öfters zum gemeinsamen Musizieren in dieses Haus. Nach der ersten langen Übungsphase komponierten sie hier einige bekannte Songs wie

    „Well she was just seventeen and you know what I mean and the way she looked was way beyond command so how could I dance with another ooh when I saw her standing there …”

    Anschließend fuhr uns der Bus zu den Albert Docks. In einem Teil der kernsanierten alten Docks und Lagerhäusern ist das Museum „The Beatles Story“ untergebracht. Logisch, dass der Besuch dieser Ausstellung zum Ausflugsprogramm gehörte. Am Eingang erhielten wir Kopfhörer und so konnten wir uns mit deutschsprachiger Begleitung in die Welt der Beatles begeben. Wir wurden über die phantastischen Vier informiert von der Kindheit bis zur Auflösung der Gruppe. Besonders interessant sind Nachbauten von Stätten ihrer Erfolge wie die Bühne des Cavern Club, der Eingang zum Hamburger Star-Club, diverse Plakate, der Cashbah Coffee Club, den die Beatles in ihren Anfangstagen gerne aufsuchten, das Büro, in dem die in der damaligen Szene bekannte Zeitschrift „Mersey Beat“ herausgegeben wurde, Johns „White Room“ mit Klavier und einige Original-Erinnerungsstücke wie George´s erste Gitarre und Anzüge der Beatles.

    Gezeigt wurde die nachgestellte Grabstätte von

    „Ah, look at all the lonely People
    Ah, look at all the lonely People
    Eleanor Rigby picks up the rice in the church
    Where the wedding has been - lives in a Dream
    Waits at the window, wearing a face that
    She keeps in a jar by the door - who is it for
    All the lonely people where do they all come from
    All the lonely people where do they all belong …”

    Und natürlich auch Illustrationsmaterial zum

    “In the town where I was born
    lived a man who sailed to sea
    and he told us of his life
    in the land of submarines …”

    Es war ein lohnender Besuch, kurzweilig, informativ, gespickt mit Erinnerungen an die eigene Jugend (auch wenn man nicht unbedingt Beatles-Fan war … und auch nicht nach diesem Ausflug geworden ist …) und sehr beeindruckend. Für echte Beatles-Anhänger ein Muss!Für den Rest des Tages war die Besichtigung Liverpools auf Schusters Rappen angesagt – so weit die Füße trugen. Wir meldeten uns vor dem Beatles-Museum von der Reiseleitung ab und machten uns Richtung Liverpool Cathedral auf. Es war nicht allzu weit, wobei wir das Gefühl hatten, dass die Rotphasen der Fußgängerampeln mehr Zeit beanspruchten als der effektive Weg dorthin. Doch zunächst gingen wir am direkt vor dem Wapping Dock gelegenen Riesenrad vorbei, hielten uns zunächst links (Queen´s Wharf ) und bogen nach einigen Metern rechts auf die Chaloner Street. Wir folgten dieser Straße bis zur Parliament Street (links ´rein), die wir bis zur Kirche nahmen. Doch hier tat sich eine Frage auf: Was hat das englische Parlament mit Bier gemeinsam??? An der Ecke Parliament Street/Grafton Street steht die riesige Cains Brewery. Neues, den Anforderungen der Biertrinker angepasstes Gebäude neben altem, ehrwürdigem Bauwerk … an eine mögliche Besichtigungstour durch die Brauereien dachten wir erst gar nicht … es wohl besser so, schließlich mussten wir den im Grunde einfachen Weg zum Schiff zurück finden und wir wollten noch etwas von der Stadt sehen …Genug von der Brauerei – wir sahen schon die alles überragende Liverpool Cathedral (auch nicht weit von der Brauerei entfernt …). So alt ist die Kathedrale nicht. 1880 wurde die bisherige protestantische Diözese Chester geteilt. Eben in Chester und in Liverpool. Klar, dass bei den Kirchenvätern Liverpools der Wunsch auf eine eigene Kathedrale aufkam – 1901 wurde der Entschluss zum Bau gefasst, der sich von den spanischen Kirchen inspirierte katholische G.G. Scott gewann die Ausschreibung und 1904 wurde der Grundstein gelegt. Bis 1978 dauerte es – dann wurde im Beisein von Queen Elizabeth II der Weihegottesdienst gefeiert. Übrigens, G.G. Scott ist der Vater der englischen roten Telefonhäuschen – selbst in der Kathedrale steht eins … Wenn man vor der Kathedrale, speziell vor dem Portal steht, kommen einem folgende Attribute in den Sinn: gewaltig, mächtig, erschlagend – ein Bauwerk für die Ewigkeit. Es ist die größte Kathedrale Englands, die fünftgrößte der Welt und die größte bzw. zweitgrößte (wie man´s nimmt) protestantische Kathedrale in der Welt:


    Grundfläche 9.687 qm (Kölner Dom: 7.914 qm)
    Länge 189 m (155 m)
    Turmhöhe 101 m (157 m)

    Na, auch erschlagen – die Zahlen sagen alles … Und erst, wenn man im Gotteshaus steht – wir lassen hier nur die Fotos wirken …Wir lösten uns von der Kathedrale, die wir ausgiebig besichtigt hatten und schlugen die Richtung Innenstadt ein. Und was wir zunächst sahen: eine typische englische Häuserzeile. Vorbei kamen wir am Eingang zum China Town. In Liverpool haben sich die Chinesen so ziemlich als erste in Europa angesiedelt, man sagt, dass die chinesische Gemeinde die größte Europas ist.Weiter schlenderten wir die Renshaw Street entlang, sahen diverse (ur)alte Häuser, im Zerfall befindliche Kirchen, Geschäfte und landeten schließlich vor dem Grand Central, dessen Geschichte bis ins Jahr 1790 zurückging. Zunächst war der Bau eine methodistische Kapelle (!), dann ab 1908 unter den Fittichen der Methodisten Liverpools erstes Kino und einige Zeit nach der Veräußerung des Gebäudes durch die Methodisten ein Ladenzentrum. Wer in Liverpool ist, sollte zumindest einen Blick hineinwerfen – und wenn es pressiert: es sind auch Toiletten vorhanden …
    Nicht weit war es bis zum St. George´s Quarter. Wir standen vor der St. George´s Hall, der ersten großen Konzerthalle Liverpools, die sich ab1855 den Schöngeistern widmete. Neoklassizistischer Stil; außen griechisch, innen römisch und – nochmals außen – ein populärer Platz, auf dem 2005 Massen von Liverpoolern den Kickern des FC Liverpool nach dem Gewinn der Champions League zujubelten. Ebenso traf man sich hier 1980 scharenweise im stillen Gedenken nach dem Mord an John Lennon. Und damit wären wir wieder bei den Beatles. Im Jahre 1960 nahmen die Beatles in der Hall an einem Künstlerball teil, der - wie wohl - endete: logisch – im totalen Chaos … Beatles in den Anfängen, Beatles pur …
    Auch das gegenüberliegende, in 1879 als Bahnhofshotel erbaute Great North Western Hotel sah ganz passabel aus … heute wird es als Studentenwohnheim genutzt … nicht schlecht, gar nicht weit vom Cavern Quarter, auch wenn uns das Crown Hotel besser gefiel …

    Die Füße brannten allmählich – also auf durch das Getümmel – Liverpool war am Nachmittag erwacht – Richtung Hafen. Aber nicht direkt auf das Schiff, denn es fehlten noch einige Sehenswürdigkeiten – so z.B. die „Drei Grazien“.Wir begannen mit dem Port of Liverpool Building. 1907 als erstes großes Bauwerk an der neuen Uferpromenade erbaut; 13 Stockwerke hoch; Neobarock mit allen Auswirkungen, Hauptquartier der Schifffahrtsbehörde mit dem Spruch

    „Sie, die mit Schiffen das Meer befuhren und Handel trieben auf den großen Wassern, die dort die Werke des Herrn bestaunten, seine Wunder in der Tiefe des Meeres“

    auf dem Fußboden in der Eingangshalle (natürlich in English und nicht von den Beatles, sondern Psalm 107).Links daneben bestaunten wir die Grazie Nummer zwei: das Cunard Building. Es könnte als Palazzo auch irgendwo in Italien stehen – zwischen 1914 und 1917 erbaut im Renaissance-Stil mit griechischen Elementen. Bis 1960 war in diesem Palast die Cunard Linie tätig, dann wurde es an einen Pensionsfonds verkauft und von diesem an diverse öffentliche und private Institutionen vermietet.Zur Vervollständigung wurde äußerst links kurz nach der Fertigstellung des Port of Liverpool Buildings das Royal Liver Building errichtet. War das hoch – ganze 90 m mit ebenfalls 13 Etagen. Es diente als Hauptsitz der Royal Liver Assurance, eine Versicherung, die aus einer Sterbeversicherung des 19. Jahrhunderts entstand. An dem Bau fehlte nicht viel: barocke Elemente, byzantinische Elemente, kleine Türmchen und Kuppeln und zwei große kupferne Vögel – also doch abgekupfert …Illuminiert muss das Gebäude nachts toll aussehen.

    Aber eins der Wahrzeichen der Stadt fehlte noch – vorbei an zwei Marinedenkmäler und einem Mal zur Erinnerung an die Emigranten schlichen wir zu den Albert Docks. Seinerzeit benötigte man 23,5 Millionen Backsteine und 47.000 t Beton zum Bau der Docks – ein eigens dafür geschaffener Steinbruch in Schottland musste herhalten. Nach dem ursprünglichen Bau galten die Docks als das modernste Importlager der Welt. Aber was groß war, war auch vergänglich. So geschah es auch, als Mitte des 20. Jahrhunderts die Anlagen nicht mehr für die vermehrt auf den Markt gekommenen Containerschiffe mithalten konnte. Anstatt die Docks zu entsorgen, wurden sie unter Denkmalschutz gestellt und später entkernt und renoviert. Und heute kann man um den alten Hafen unter Arkaden flanieren – und man ist sicher nie allein. Im Gegenteil – bei gutem Wetter wünscht man sich eventuell, allein zu sein, denn dort ist dann der Teufel los …Was findet man in den Docks? Zwei Hotels, Restaurants, Clubs, Bars, 19 Geschäfte, Boutiquen, Cafés, 30 Büros, 115 Luxusappartements, das Beatles-Museum, das Merseyside Maritime Museum, das Tate Liverpool für moderne Kunst – also genügend Möglichkeiten, Stunden zu verbringen.Was in dieser recht kurzen Zeit zu sehen war, rechtfertigt, dass Liverpool europäische Kulturhauptstadt 2008 war und dass Albert Dock zum Weltkulturerbe gehört.

    Mehr Zeit hatten wir leider nicht mehr. Also zurück zum Cruise Liner Terminal, vorbei am Mersey mit schönen Ausblicken auf die andere Seite, z.B. auf die Anlegestelle der Mersey Ferries mit dem Spaceport im Hintergrund, in dem sich alles um den Weltraum dreht.
    Und dann nahm uns wieder die AIDAcara auf. Das sail-away erfolgte wie gewohnt pünktlich um 18 Uhr. Nicht die ferrie sondern die AIDAcara glitt den Mersey herab.
    Wir genossen das Liverpool gegenüberliegende Ufer mit dem Flecken Wirral, dann ein auf derselben Seite des Mercy liegendes Örtchen mit den schnurgeraden, vom Ufer weg führendenStraßen, blickten nochmals auf die Skyline von Liverpool, fuhren um den Leuchtturm von Wallasey vorbei und erreichten nach recht kurzer Zeit das offene Meer. Zeit? Ja, es war Zeit, sich frisch zu machen und die im Laufe des Tages abgearbeiteten Kalorien wieder aufzufüllen. Kalorien? Das sind die kleinen Tierchen, die nachts kommen, in den Kleiderschrank schlüpfen und die Klamotten enger nähen … Kalorien? Die gab´s an diesem Abend reichlich. Im Markt-Restaurant lockte man uns mit „Portugal“, das Calypso bot zum Ausgleich „Brasilien“ – das Markt-Restaurant gewann … Ein langer Tag lag hinter uns, ein keineswegs langweiliger Tag, ein interessanter Tag, an dem wir Errungenschaften und Exponate alter englischer Herrlichkeit und zuvor Errungenschaften und Erzeugnisse neuerer englischer Glorie besuchen und bestaunen konnten.

    Liverpool ist nicht nur einen Besuch wert … Schlag auf Schlag – gestern Dublin, heute Liverpool, morgen Greenock … wir verließen Irland und England und freuten uns auf Schottland!

  • Hilfe bei der Masterarbeit zum Thema Reisen & Influencer Marketing

    • joachimmeertal
    • 14. Juli 2018 um 19:15

    Daumen hoch, auch wenn meine Antworten weniger gefallen werden!

  • Die irische Sonne begleitete uns fast den ganzen Tag! Cobh

    • joachimmeertal
    • 13. Juli 2018 um 09:18

    Ja, die irische Sonne – sie schickte uns feuchte Strahlen und das nicht zu knapp …

    14. Juni 2012 – Cobh

    An diesem Morgen konnten wir ein wenig ausschlafen. Kein Problem, denn der planmäßige Aufenthalt in Cobh begann um 10.00 Uhr und der frühe Blick aus dem Fenster führte dazu, dass ich mich noch einmal umdrehte. Grau in grau – an Deck hätten wir nichts verpasst …
    Na, irgendwann war es doch so weit. Aufstehen, Frühstück und dann auf Deck 11, um das Annähern an Irland zu beobachten. Schön war es nicht gerade, was wir sahen – weiter grau in grau … Aber der Hafen kam näher und näher und dann sah es auf einmal – übrigens war es noch trocken – ein wenig besser aus: wir näherten uns der zentrumsnahen Anlegestelle und uns grüßte das Cobh Heritage Centre und eine recht bunte Häuserzeile; alles überragte die St. Colman´s Kathedrale.
    Das Wasser war ein wenig bewegt – im Moment nur ein wenig – und die AIDAcara tastete sich langsam – auch mit Lotsenunterstützung – an den Kai heran.
    Nach dem Vertäuen dauerte es noch eine kleine Weile bis das Schiff freigegeben wurde und wir das Schiff verlassen konnten.

    Cobh – ein kleines Städtchen im Süden Irlands mit ungefähr 6.500 Einwohnern. Die Engländer wussten den Naturhafen zu schätzen und bauten ihn aus, da von hier aus günstig Soldaten, Waffen und Wirtschaftsgüter in die Neue Welt verschifft werden konnten. Cobh war weiterhin Ausgangspunkt für irische Auswanderer, die dem Hunger und dem Elend entfliehen wollten. Ab 1830 entwickelte sich die Stadt zu einem Seebad, das gerne von englischen Touristen besucht wurde. In dem Hafen legten später die großen Transatlantikschiffe an, auch die Titanic zum letzten Mal vor ihrer Katastrophe.

    Da genau vor 100 Jahren die Titanic unterging, stehen Stadt und Hafen voll im Zeichen der Titanic, so auch die Ausstellung im Cobh Heritage Centre, das sich direkt an der Anlegestelle befindet. Cobh steht auch in Verbindung zu einem weiteren Schiffsunglück: Im 1. Weltkrieg wurde 40 km vor Cobh das sich auf dem Weg nach Liverpool befindliche Passagierschiff Lusitania von der kaiserlichen Marine torpediert. 1.198 von 1.959 Menschen kamen ums Leben.
    Nun zu unserem Tagespensum. Wir hatten uns wieder mit Elsa und Lothar verabredet. Da inzwischen die flüssige irische Sonne auf uns herabtropfte, hofften wir, diesen nicht so sympathischen Strahlen entfliehen zu können, indem wir mit dem Zug nach Cork fuhren. In den Bahnhof, der sich direkt an der Pier befindet, kamen wir trocken, kauften unsere Fahrkarten und kurz danach kam schon der Zug. An sich wäre die Bahnfahrt entlang des Meeresarms, der Salzmarschen und durch die grüne südirische Landschaft schön gewesen – aber der Regen … er begleitete uns treu und brav bis Cork. So viel Anhänglichkeit wäre wirklich nicht nötig gewesen …

    Cork ist mit ca. 120.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Republik Irland, Universitätsstadt, Wirtschaftmetropole und Kulturhauptstadt 2005. Die ersten Einwohner gruppierten sich im 6. Jahrhundert um die vom heiligen Finbarr erbauten Kirche. In den folgenden Jahrhunderten wechselten sich als Herren dieser Gegend die Wikinger, Normannen und damit auch die Engländer ab, die die strategische Stärke des nahen Naturhafens erkannten und schätzten. Während der Zeiten der Unabhängigkeitsbewegung wurde Cork „The Rebel City“ genannt. Es kam zu schweren Gefechten zwischen Unabhängigkeitskämpfern und Engländern; Teile der Stadt wurden zerstört und viele prominente Unabhängigkeitskämpfer ließen bei und nach den Kämpfen ihr Leben.


    Im Zuge der Ernennung zur Kulturhauptstadt kam es zu einem Bauboom, auch in Hinblick auf die Restaurierung älterer Stätten. Und davon wollten wir uns – so weit es das Wetter zuließ – überzeugen. Beim Verlassen des Bahnhofs Cork Kent wurden sofort die Regenschirme aufgespannt und aus lauter Verzweiflung die Haltestelle des Hop-on … Busses gesucht. Auf dem Weg dorthin besuchten wir zunächst die St. Patrick´s Kirche. Ein Foto von außen ließ der Regen nicht zu – deshalb nutzten wir die Innenbesichtigung auch als Regenpause. Mit dem Bau startete man im Jahre 1832; die erste Messe wurde im Jahre 1836 abgehalten, obwohl die Kirche noch nicht ganz fertig gestellt war. Der erste Grundriss entsprach dem eines Kreuzes; Erweiterungen an den Seiten erfolgten 1894/95 – der klassizistische Baustil blieb allerdings unverändert. Der Innenraum ist in hellen Farben gehalten und besticht auch durch Schlichtheit. Das Gemälde hinter dem Altar – Das letzte Abendmahl – wurde im 19. Jahrhundert von einem italienischen Künstler geschaffen.
    Nach dem Verlassen der Kirche kam ein Hop-on … Bus um die Ecke. Wir winkten und der Fahrer hielt sofort – aus Mitleid? Ob wir schon ein wenig nass aussahen??? Und dann begann die Fahrt durch Cork. Angesetzt waren ohne Unterbrechungen ca. 1 ¼ Stunden. Zu sehen war selbst vom Oberdeck aus nicht allzu viel – Regentropfen, die an unsere Fenster klopften, hatten zur Folge, dass die Gebäude sicher recht attraktiv, aber so von uns nicht zu erkennen waren. Vorbei ging es an diversen Kirchen, öffentlichen Gebäuden, den einen und anderen Park und an vielen Pubs. Einmal gönnten wir uns den Hop-off-Stop. Und zwar an der Grand Parade, einer breiten Straße mit vielen Geschäften und dem National Monument zum Gedenken an die vielen irischen Freiheitskämpfer. Wunderbar, wie es sich in den Regenlachen spiegelte …
    Von hier aus spazierten wir direkt zu den Markthallen (English Market). Man sagt, dass sie zu den Hauptsehenswürdigkeiten Corks gehört. Zumindest beim damaligen Regenwetter konnten wir es bestätigen … Die Hallen wurden 1881 eröffnet, haben in einem Flügel einen Brunnen aus dem 19. Jahrhundert zum Verweilen und Bestaunen, bietet vorwiegend Selbstversorgern frisches Gemüse und Früchte, hat mehrere Fischtheken mit frischen Meerestieren, und wurden im Mai 2011 übrigens vom britischen Königspaar im Rahmen desersten Besuches eines regierenden britischen Monarchen in der Republik Irland aufgesucht. Einige Restaurants, Snackbars und ein Coffeeshop, den wir auch heimsuchten, locken die Besucher. Wer gute Weine und auch Spezialitäten aus Cork sucht, ist in den Markthallen richtig.
    Unsere Hoffnung, dass sich während unserer Stippvisite in den Markthallen der Regen verziehen würde, erfüllte sich nicht. Dennoch machten wir uns auf, um auch wieder die notwenige Bewegung zu haben. Wir gingen den South Channel entlang bis zur Trinity Church am Fr. Mathew Quay. Das auch Father Matthew Church genannte Gotteshaus wurde 1832 im neugotischen Stil errichtet. Auch diese Kirche ist im Inneren in hellen Farben gehalten. Recht schlicht und schön. Eigentlich wollten wir Father Matthew´s Denkmal aufsuchen. Von ihm war besonders die weibliche Bevölkerung der Stadt angetan, denn er wetterte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Apostel der Mäßigung gegen Bier- und Whiskeytrinker – klar, dass dieses Wettern nicht so richtig bei den Männern ankam … Àpropos Wetter - der Regen verwöhnte uns noch immer und wir verzichteten auf Father Matthew – so machten wir uns entlang des South Channel auf Richtung Grand Parade zur Haltestelle des Hop-on … Busses. Wir erkannten, dass auch Cork in diesem Jahr die Titanic in den Vordergrund stellt.
    So, rein in den Bus, der uns zunächst Richtung River Lee brachte. Wir sahen zwischen den Regentropfen das alte Zollhaus, die Stadthalle sowie diverse andere öffentliche Gebäude. Dann fuhren wir zurück in die Stadt, wo trotz des miesen Wetters die Straßen voll waren – vermutlich vermehrt von Iren bevölkert, die weniger Probleme mit dem von ihnen gewohnten Wetter als wir hatten. Schon erreichten wir den Bahnhof, der Zug kam nach einigen Minuten und schnell waren wir wieder in Cobh. Dort schauten wir uns zunächst die im zeitgenössischen Stil gehaltene alte Bahnhofshalle an. In einem Teil des alten Bahnhofgebäudes ist das Heritage Centre untergebracht mit vielen interessanten Ausstellungsstücken und Informationen über die Geschichte der Stadt, der Auswanderung und der Schiffskatastrophen. In den Gängen der Bahnhofshalle erinnern Fotos und Schrifttafeln an die letzte Station der Titanic in Cobh. Skulpturen mit einer Menschengruppe veranschaulichen den Abschied der Auswanderer von Verwandten und der Heimat.
    Es war Zeit für eine Tasse Kaffee und ein Stückchen Kuchen – also durch den Regen rauf auf´s Schiff. Danach war noch viel Zeit bis zum Ablegen. Also machte ich mich auf, einige Sehenswürdigkeiten von Cobh zu besuchen. Nur kamen die irischen Sonnenstrahlen nunmehr gebündelt vom Himmel – nach kurzer Zeit hielt selbst die Funktionskleidung der Nässe nicht mehr stand. Machte aber nichts, nass ist nass und das Trocknen konnte warten! Nicht weit vom Schiff führte eine kleine Promenade zu einem kleinen Museum. Der Platz zwischen Heritage Centre und Museum muss bei Sonnenschein sicher attraktiv sein!
    Nicht weit von der Promenade wurde zum Gedenken an die Opfer der Lusitania ein Denkmal errichtet.
    Von dort aus ging es recht steil bergauf, vorbei an vielfarbigen renovierten alten Arbeiterhäusern. Ziel war die St. Colman´s Cathedral. Auch sie wurde ab 1868 im neogotischen Stil erbaut. Für diese kleine Stadt war eine derartig riesige Kathedrale überdimensioniert, vor allen Dingen i.S. Finanzierung. Ermöglicht wurde die Errichtung allerdings von Spenden irischer Emigranten. Die Spendenfähigkeit und -bereitschaft der irischen Emigranten musste enorm gewesen sein, wenn man den prachtvollen Innenraum sah – phantastisch!
    Von der Kirche aus eilte ich vorbei an den an der Hauptstraße gelegenen Bürgerhäusern zurück zur AIDAcara. Ich hätte nicht gedacht, dass der Regen noch stärker werden könnte – er schaffte es und peitschte das Wasser im Hafen an die Kaimauern.
    Also schnell rauf auf´s Schiff, umgezogen, die nassen Klamotten zum Trocknen aufgehängt und die Vorbereitungen zum Abendessen angegangen. Das Marktrestaurant präsentierte „Griechenland“, im Calypso gab es „Philippinen“. Griechenland war trotz aller bestehenden Irritationen klasse …
    19.30 Uhr legte die AIDAcara ab – verließ einen kleinen Ort, den wir leider aufgrund des nicht sehr angenehmen Wetters nicht so richtig kennen lernen konnten. Aber vielleicht demnächst ´mal bei Sonnenschein…
    Kapitän Kurc informierte uns, dass die Fahrt nach Dublin ein wenig ungemütlich werden könnte. Windstärke 8; 4 m hohe Wellen. Einen Vorgeschmack bekamen wir nach dem Verlassen der Bucht. Die AIDAcara kämpfte sich in die Wellen hinein, die Gischt spritzte, was man wunderbar von Deck 6 aus beobachten konnte bis es aus Sicherheitsgründen gesperrt wurde. Aber die Fotos „waren im Kasten“ … und ein kleiner Lichtblick: es regnete nicht mehr!
    Nach einer bewegten Nacht wartete Dublin auf uns.

  • Rosamunde hin, Pilcher her – Cornwall ist wunderschön! Falmouth

    • joachimmeertal
    • 12. Juli 2018 um 09:11

    Cornwall – die südwestlichste Landschaft Englands, die bei gutem Wetter die Augen reizt – und wir hatten es! Und man muss dabei nicht Pilcher-Fan sein …

    Falmouth – 13. Juni 2012

    Der frühe Morgen – ein Blick aus dem Fenster und ich wurde immer schneller: kein Regen. Im Gegenteil: blauer Himmel und so musste ich ganz schnell nach oben! Was wollte man mehr: die AIDAcara schob sich langsam Richtung Hafen von Falmouth. Schon von weitem waren die grünen Ufer und links und rechts von der Einfahrt in die Bucht die Burgen Pendennis Castle und St. Mawes, die seit 1546 die Einfahrt bewachen, zu sehen – ein einfach herrlicher Anblick!
    Vom Oberdeck der AIDAcara sahen wir auf der Steuerbordseite nette kleine Häuschen und vor diesen in der Bucht schaukelnde Segelschiffe und –yachten. So, wie man es in gewissen Filmen immer wieder sieht … Aber live dabei zu sein ist eben besser!

    So, die Anlegestelle war nicht mehr weit und wir kamen den Stadthäusern und den Yachthäfen mit unzähligen kleineren und größeren Schiffen immer näher. Das Wasser war tiefblau, teilweise türkis – ein echtes Klischee …


    Wir sahen keine Hochhäuser – allerdings jede Menge Wohnhäuser mit viel Grün dazwischen. Die Häuser waren nicht eintönig grau – sondern nicht nur vereinzelt verschiedenfarbig gestrichen. Schon wieder eine Wohltat für das Auge!
    Falmouth wurde Ende des 17. Jahrhunderts wichtig für das Königreich. Im Westen liegend und über den dritttiefsten Naturhafen der Welt verfügend, wurde die Stadt zu einer Poststation der Halbinsel. Schiffe aus der damaligen Neuen Welt legten an, löschten die für die Hauptstadt bestimmten Postsäcke und Güter und fuhren dann wieder – voll beladen mit in den Kolonien und von den Handelspartnern benötigten Waren und natürlich auch Post über den großen Teich. Mit dem Aufkommen der Dampfschiffe hörte diese Herrlichkeit auf, denn diese Schiffe fuhren direkt durch nach London – genauso schnell wie Postkutschen von Falmouth zur Hauptstadt. Mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz wurde Falmouth das, was es heute ist. Ein beschauliches Städtchen, in das zu Recht Scharen von Badegästen kommen.

    Auch wenn die Werke von Rosmunde Pilcher nicht meinen Geschmack treffen – an dieser Dame kamen wir nicht vorbei, da wir den 4 ¼ stündigen Ausflug „Pilchers Romanlandschaften“ antraten. Aber wir hatten großes Glück: Nach Gesprächen mit Passagieren, die andere Ausflüge gebucht hatten, wurden wir recht wenig mit RP belästigt. Zwar wurden wir immer wieder informiert, wo welcher Pilcher-Film gedreht wurde – aber es hielt sich insgesamt in Grenzen. Schließlich lockten uns nicht die Drehorte sondern die Landschaft. Also rein in den Bus – Fahrer Tapsy und die ein passables Deutsch sprechende Madeleine erwarteten uns. Zunächst umrundeten wir Pendennis Castle, verließen Falmouth auf der mit Hotels und Villen gesäumten Strand- und Uferstraße und fuhren durch grüne Heckenlandschaften Richtung Marazion. Die Gegend erinnerte uns an die des Vortages: viele von Hecken eingegrenzte Weiden, Wälder, riesige Rhododendronhecken, ab und zu auf echtem englischen Rasen drapierte Herrenhäuser. Die Hecken waren oftmals in Wirklichkeit aus Steinen zusammengesetzte Naturmauern, die lediglich mit Erde „verfugt“ waren. Und wo Erde ist, ist Leben. Diverse Pflanzen machten die Mauern grün und auch bunt. Teilweise wuchsen aus den „Hecken“ hohe Bäume, deren Wipfel sich vereinigten – bei Straßenbegrenzungen durch derartige Hecken hatten wir das Gefühl,quasi durch Tunnel zu fahren. Schließlich kamen wir in Marazion an, ein kleines gemütliches Städtchen mit vielen Pubs und Terrassenrestaurants wie „The Kings Arms“, an dem wir leider vorbeifahren mussten (Zeitvorgabe!), in denen sicher im Sommer der Teufel los ist. Grund ist St. Michael´s Mount, eine Gezeiteninsel, die dem bekannten französischen Mount Saint-Michel ähnelt.

    Diese Insel ist bei Ebbe über einen Damm zu erreichen; bei Flut gelangt man per Fähre dorthin. Kurz vor 500 n. Chr. soll an diesem Ort der heilige Michael den Fischern erschienen sein; in der Folgezeit siedelten hier keltische Mönche, die ihr Christentum pflegten. Wilhelm der Eroberer überließ nach der Schlacht von Hastings bretonischen Benediktinern die Insel, die die Klosternanlage sukzessiv ausbauten. Heinrich VIII beendete das Klosterdasein und ließ die Insel zu einer Trutzburg befestigen. Heute steht die Insel im Eigentum des Nationaltrusts; der Voreigentümer, Lord St. Levan, hat allerdings das Wohnrecht. Insel und Burg sind Besuchern in gewissem Umfang zugänglich. Im Rahmen unseres Ausflugsprogramms war die Besichtigung nicht vorgesehen; bei einem 20-minütigen Fotostopp genossen wir vom breiten Kiesstrand aus den Blick auf St. Michael´s Mount, auf Marazion und auf die westlich liegende, ca. 20.000 Einwohner große Stadt Penzance, die wir später auch durchfuhren.
    Von hier aus ging es weiter westlich. Die zunächst noch liebliche Gegend wurde zusehends karger. Bäume verschwanden mehr und mehr aus dem Landschaftsbild je westlicher wir kamen und uns dem Meer näherten. Es überwogen auf einmal Krüppelkiefern. Schließlich erreichten wir unser Hauptziel Land´s End, der westlichste Punkt des englischen Festlandes.

    Glück hatten wir mit dem Wetter und der Fernsicht: blauer Himmel, Wolken und viel, viel Sonne! Von den ca. 60 m aus dem Atlantik emporragenden Klippen konnten wir die rd. 45 km entfernten Scilly-Inseln schemenhaft erkennen; klar zu sehen war der ungefähr 2 km entfernte, auf einer kleinen Insel liegende Leuchtturm Longships Lighthouse. Unter uns tobte nicht der Bär sondern das Meer. Die starke Atlantikbrandung schoss auf die Klippen, wurde gebrochen und Gischt spritzte empor. Bei starkem Sturm erreicht die Gischt sicher die Besucher der Hochküste! Es ist nicht so, dass das rauere westliche Klima die Flora ausmerzt. Farbenprächtige Blumen unterbrachen das eintönige Grün der sonstigen Pflanzen und das Graubraun der Mauern und Felsen. Dies alles genossen wir auf dem Weg zum eigentlichen westlichen Punkt Englands, dem First & Last House. Ein wenig abseits vom sonstigen großen Touristentrubel liegend befindet sich Land´s End im Privatbesitz. Ein Investor errichtete einen Themenpark mit Hotel, Läden, Snackbars, Schiffen wie ein Seenotrettungskreuzer, einen kleinen Tierpark und einen recht großen Spielplatz – ein Fleck für große und kleine Kinder. Doch das war nichts für uns – wir wollten die Natur genießen und taten dies bei einem kleinen Klippenspaziergang so weit wie möglich. Unsere Blicke schweiften über kleine Klippen, ein vom Meer geformte Felsentor, eine ausgewaschene Insel bis zum nächsten Kap bei Sennen Cove. Das Losreißen von diesem grandiosen Punkt fiel schwer, doch der Bus wartete. Tapsy fuhr uns teilweise auf anderen Nebenstrecken zurück über verschiedene Dörfer, vorbei an uralten Kirchen und Friedhöfen zurück zur AIDAcara. Es war ein lohnender Ausflug, der uns das bekannt schöne Cornwall näher und zum Schwärmen brachte.
    Am Schiff angekommen, stärkten wir uns kurz und zogen noch einmal los. Schließlich hatten wir noch Zeit. Pendennis Castle war nicht allzu weit und ohne Probleme zu finden. Die Straße dorthin ist leicht ansteigend und führt am Falmouth Hotel- keine schlechte Lage im großen Park und mit Blick auf das Meer - und von blühenden Pflanzen und Sträuchern umgebenen Häusern und Villen vorbei. Vereinzelt standen Palmen in den Gärten … kein Wunder bei dem gemäßigten Klima im Südwesten Englands …

    Immer wieder konnten wir das Meer sehen bis wir zu einer zum Castle führenden Nebenstraße kamen. Also rechts rein, den Parkplatz passiert und über eine große Wiese Richtung Schloss geschlendert. Es wurde von Heinrich VIII – wieder als Teil seiner Küstenverteidigung – an der strategisch günstigen Flussmündung zum Schutz des Hafens von Falmouth erstellt. Wir besichtigten nicht das Castle, denn für die verbliebene Zeit war der Eintrittspreis zu hoch. Aber auch die Wanderung vorbei an den grünen Wällen war ein Erlebnis, zumal die bunten Tupfer unzähliger in Blüte stehender Wildblumen den Augen wohl taten. Und was sehr wichtig war: wir konnten uns nach dem Busausflug endlich ´mal wieder ein wenig mehr bewegen. Am Ende des Walls führte ein Weg zu einem Parkplatz, dessen Zufahrt wir folgten und wir überquerten dann die um das Pendennis Castle führende Straße. Von dort aus gingen wir zu dem kleinen, auf einer Landspitze stehenden Turm Blockhouse. Die Aussicht auf die Bucht und das gegenüberliegende Ufer war nicht schlecht …

    Wir folgten einem schmalen Pfad Richtung Straße. Bevor wir auf sie stießen, gab es noch eindrucksvolle Blicke auf die Felsenküste und den Strand mit dahinter liegenden Hotels.

    Leider fing es an, leicht zu regnen. Aus diesem Grunde besuchten wir nicht – wie geplant – den Castle Beach sondern gingen Richtung Stadt zurück. Und dort sahen wir sie von nahem – die bunten Häuser Falmouth`.Und den Shuttle Bus, der zwischen Stadt und Schiff pendelte.
    Auch wenn der Oldtimer uns zum Mitfahren einlud – die wenigen hundert Meter bewältigten wir als Vorbereitung zur Fiesta Mexicana im Calypso oder zum Themenbuffet Afrika zu Fuß. Und kurze Zeit nach dem Entern der AIDAcara hatten wir die Qual der Wahl und wir entschieden uns, in beiden Restaurants Kostproben zu nehmen – es lohnte sich wie immer!

    Das pünktliche Ablegen um 21.00 Uhr erlebten wir wie fast immer an Deck, denn wir mussten live erleben, wie uns die liebliche Küstenlandschaft Cornwalls verabschiedete. Die Sonne kam noch kurz durch – es war ein stimmungsvolles sail away, das nicht viele Mitpassagiere mitbekamen. Denn das Deck war nahezu leer – König Fußball regierte im Theater und in der Anytime Bar. Das Ergebnis stimmte – unsere Mannschaft schlug die der Niederlande mit 2 : 1. Und schon wieder bekam ich so gut wie nichts vom Spiel mit – mir war wichtiger zu beobachten, wie sich die AIDAcara zum Abschluss dieses wunderschönen Tages langsam von der Küste entfernte. Der Leuchtturm am Zone Point schickte uns als Aufforderung zur Wiederkehr (warum eigentlich nicht?!) Lichtstrahlen hinterher …

    Nun war es nicht mehr weit bis Irland!

  • Charme einer Betonstadt … Le Havre

    • joachimmeertal
    • 11. Juli 2018 um 09:02

    Nein, von Charme konnte in Le Havre nicht die Rede sein, aber was will man von einer Ende des 2. Weltkrieges in Schutt und Asche gelegten Stadt erwarten?! Aber schließlich hat die Normandie noch mehr zu bieten als Le Havre …

    Le Havre, 12. Juni 2012

    Es war wieder früh, nein, sehr früh am Morgen. Der Wecker wurde wieder nicht benötigt und schnell ging es nach ganz oben auf das Deck. Was war das? Englisches Wetter in Frankreich? Nein, schlimmer – nicht nur Dunst sondern auch leichter Regen … also doch englisches Wetter … Trotzdem beobachteten wir das Einlaufen in den Hafen und das Anlegen. Nach dem Frühstück machten wir uns auf eigene Faust per Shuttle-Bus auf in die Innenstadt.
    Das an der Seine-Mündung gelegene Le Havre ist eine für französische Verhältnisse junge Stadt. König Francois I erkannte, dass der auf der anderen Seite der Seine nach und nach versandende Hafen von Honfleur für die Erfordernisse des Überseehandels ersetzt werden musste. So geschah es. 1517 wurde Le Havre gegründet und entwickelte sich nach und nach zu einer Perle des Überseehandels und der Fischerei. Einen kräftigen Aufschwung erhielt die Stadt i.Z.m. dem dampfgetriebenen Überseeverkehr; einen kräftigen Abschwung, als kurz vor Beendigung des 2. Weltkrieges die Alliierten die auch nach der Landung in der Normandie noch von den deutschen Truppen besetzte Stadt intensiv bombardierten und die deutschen Soldaten beim späteren Abzug nach dem Prinzip der verbrannten Erde vorgingen. 80 % der Stadt und der allergrößte Teil der Hafenanlagen wurden zerstört. Nun schlug die große Stunde des Architekten Auguste Perret, der für das Wiederaufbaukonzept verantwortlich war. Er war Anhänger der klaren Gliederung und des Beton-Stils.
    Wir sahen es und verstanden und verstehen es auch heute nicht, dass Le Havre als Weltkulturerbe der UNESCO gilt. Entsprechend kurz war die Stadtbesichtigung. Bei leichtem Regen (Wozu sind Wettervorhersagen eigentlich gut?) verließen wir den Bus kurz vor dem Rathaus. Stil von Monsieur Perret. Nicht unbedingt schön, aber gewaltig mit seinem 72 m hohen Turm. Ganz nett war der vor dem Rathaus liegende Place de l´Hôtel de Ville. Wasserspiele, Rasenflächen und die vier Bs (Betonsteine, Bäume, Blumen und Bauarbeiten). Man tut einiges, um die Stadt aufzuwerten. Auf dem Weg zur Kirche Saint-Joseph stießen wir durch Zufall auf die Markthalle. Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse, Käse, Wein waren sauber drapiert. Die Stände hatten aber nicht den ein wenig angehauchten Charme spanischer Markthallen. Sie wirkten steril, aber im Lebensmittelbereich kann das vorteilhaft sein!
    So, nun war die Kirche Saint Joseph an der Reihe. Von außen nicht gerade eine Schönheit aus 700 t Stahl und 50.000 t Beton. Die Außenhöhe des Turms beträgt 107 m. Die Kirchenfenster aus 12.768 Gläsern machen eine Fläche von 378 qm aus. Die Basis der Kirche ist quadratisch in Form eines griechischen Kreuzes angelegt. Wenn man das Gotteshaus betritt, verschlägt es einem die Sprache. Schlicht und einfach. Keine gefärbten Wände. Nur zwei schlichte Skulpturen der Jungfrau Maria und des Heiligen Joseph.Der Altarbereich im Zentrum. Und dann das Licht, das – trotz des regnerischen Wetters – durch die farbig abgestuften Fenster der Kirchen- und Turmwände die ansonsten schlichte Ausstattung regelrecht belebt. Im unteren Bereich dominieren dunklere Farben, die bis zur Spitze immer heller werden. Außerdem fallen – je nach Himmelsrichtung – verschiedene Farbtöne auf. Die Glasarbeit ist ein Werk der Glaskünstlerin Marguerite Huré. In der Planungsphase sagte Monsieur Perret zum seinerzeitigen Pfarrer der Notkirche: „Sie möchten, dass Ihre Kirche schön wird. Sie möchten auch, dass sie ein freundlicher Ort wird. Dann müssen wir eine Frau mit der Ausführung der Kirchenfenster beauftragen.“ So geschah es und es wirkt wie ein Lichtblick, an dem man einfach nicht vorbei gehen darf … und in diesem Fall kann man doch den Charme des Betons erkennen!
    Weiter ging es zur Kathedrale Notre Dame. Sie ist eins der wenigen alten Gebäude, das wir in Le Havre gesehen hatten. Der Turm aus 1540 ist der älteste Teil; die jetzige Kirche wurde i.W. zwischen 1575 und 1610 gebaut. Sie vereinigt Gotik- und Renaissanceelemente. Im September 1944 wurde sie durch Bomben schwer beschädigt, aber bis zur Wiedereinweihung 1974 wieder originalgetreu restauriert. Die Orgel ist übrigens ein von Kardinal Richelieu 1637 überreichtes Geschenk. Das Innere der Kathedrale überzeugt durch relative Schlichtheit.
    Es war Zeit, mit dem Shuttle-Bus wieder zurück zur AIDAcara zu fahren. Vorbei am Bassin du Commerce, der alten entkernten Dockanlage mit Geschäften vor allen Dingen sehr bekannter Textilhändler, erreichten wir unser Schiff.
    Nach einer kleinen Stärkung verließen wir es wieder zu unserer Tour „Honfleur & Deauville“. Es dauerte ein wenig länger bis wir den riesigen Hafenbezirk verlassen hatten. Schließlich hat Le Havre den größten Container- und Außenhandelshafen Frankreichs mit weiterem Ausbaupotential; außerdem ist er der fünftgrößte Hafen Europas. Schon von weitem sahen wir sie – die in den Jahren 1988 bis 1994 erbaute Pont de Normandie, die mit einer Spannweite von 856 m die größte Schrägseilbrücke Europas ist (Länge der Brücke 2.141 m) und bis 1999 sogar den ersten Platz auf der Welt hielt; die Pylone sind 215 m hoch … Bei schönem Wetter hätten wir vom höchsten Punkt aus einen prima Blick auf die Seinemündung und in den Ärmelkanal sowie auf der anderen Seite in das Seinetal werfen können – aber leider nicht an diesem Tag …
    Während der Fahrt informierte uns Irene, unsere Reiseleiterin, in deutscher Sprache eingehend über sämtliche Facetten der Normandie. Unser Busfahrer Guy war ein Profi, so, wie er die ab und zu engen und kurvenreichen Straßen bewältigte. Er fuhr uns durch die Heckenlandschaft, die uns faszinierte. Weiden waren aus Windschutzgründen von grünen Hecken eingefasst- ein fesselnder Anblick dieser – zugegebenermaßen eher einfarbigen – Mosaiklandschaft. Und auf machen Grundstücken standen schnuckelige mit Ried gedeckte Häuser – romantisch und traumhaft!
    Schließlich erreichten wir Honfleur, die Stadt mit Flair an der Côte Fleurie.
    Das Wortteil fleur bedeutet in etwa „flache Stelle“. Normannen siedelten sich hier früh an und der Ort lebte zunächst einfach vor sich hin. Erst im 13. Jahrhundert taucht er wieder in geschichtlichen Quellen als kleiner Hafen auf. In der Folgezeit wurde Honfleur ´mal von den Engländern, ´mal von den Franzosen besetzt bis die Stadt zum Ende des Hundertjährigen Krieges endgültig französisch wurde. Aus den Salzmarschen wurde Salz gewonnen und damit – sowie mit Schiffsbau und Fischerei – kam für eine sehr lange Zeit der wirtschaftliche Aufschwung. Erst die positive Entwicklung des nahe gelegenen Le Havre führte zum Niedergang. Doch dafür hat sich das alte Flair Honfleurs mit seiner pittoresken Altstadt erhalten und profitiert nunmehr stark von Touristen, die in den Sommermonaten zu Zehntausenden die Stadt mit ca. 8.000 Einwohnern überfallen.
    Unser Bus hielt in der Nähe des alten Hafenbeckens. Irene führte uns direkt in die Altstadt. Enge Gassen, jede Menge Stein- und Holzhäuser, die unterschiedlich waren und trotzdem harmonierten. Daneben noch Fachwerk- und Schindelhäuser, wie man sie selten sieht. In den alten Gassen gingen wir vorsichtig – es regnete leicht – über das Kopfsteinpflaster. Besonders beeindruckend war in der Rue de la Prison das alte Gefängnis, in dem heute das Volkskundemuseum untergebracht ist.
    Unser nächstes Ziel war das alte Hafenbecken, das Vieux Bassin. Es ist rechteckig; zweimal am Tag haben die Schiffe bei Flut die Möglichkeit, nach Öffnung der Hebebrücke ein- bzw. auszufahren. An drei Seiten befinden sich eher schmale Häuser, die wunderbar gepflegt sind. Vor ihnen grenzt ein Terrassenrestaurant an das nächste und wartet auf die Hauptsaison. Logisch, dass dann in dieser Stadt der Bär los ist! Allein den Anblick dieser alten Häuser und der Fischerboote zu genießen – das hat etwas …
    Irene informierte uns über eine Besonderheit der am Vieux Bassin liegenden Häuser: Als Wohnraum in Honfleur knapp wurde, legte man parallel zum Kai eine Straße an. Zwischen den an den Kai grenzenden Häusern und der Straße wurden zusätzliche Häuser an die Rückwand der schon stehenden Häuser errichtet – es gab also jeweils nur an einer Hausseite Fenster. Im Laufe der Zeit wurde das Wohnangebot erneut knapp. Die hinteren Häuser wurden aufgestockt und gleichzeitig teilweise auf Dächer der am Kai stehenden Häuser erweitert. Ergo: Es gab für viele der direkt am Kai liegenden Häuser zwei Haustüren – einer am Kai und einer an der Parallelstraße …
    In dem Gebäude am Schleuseneingang – der Lieutenance – war in früheren Jahren der Statthalter des Königs untergebracht. Er ist der letzte erhaltene Teil der alten Stadtbefestigung.
    Stadteinwärts liegt direkt neben der Lieutenance das Porte de Caen, ein altes Stadttor mit einem Relief des Gründers Quebecs, Samuel de Champlain. Wir gingen durch das Tor und kamen in eine enge Straße mit wieder alten Häusern, in denen Lokale und Geschäfte untergebracht sind. Viel Zeit zum Bewundern dieser ansehnlichen Häuser blieb nicht; wir bogen links ab und standen auf einmal auf dem Place Ste. Cathérine. Dort steht die Église Ste. Cathérine, die größte Holzkirche Frankreichs. Kein Wunder, dass das Material Holz gewählt wurde. Denn sie wurde im Seemannsviertel auf den Grundmauern einer im Hundertjährigen Krieg von den Engländern dem Erdboden gleichgemachten Kirche errichtet. Nach der Zerstörung beschloss man den schnellen Wiederaufbau, der allerdings aus Geldmangel und mangels Erfahrung mit Steinbauten aus Holz erfolgte. Handwerker waren i.W. Schiffszimmerleute, die zunächst das Gotteshaus einschiffig errichteten. Ja, einschiffig, denn es wurde überliefert, dass die Zimmerleute ein großes Schiff bauten, es umdrehten und als Dach nutzten. Als die Kirche zu klein wurde, baute man ein weiteres „Schiff“ an. In den Folgejahren gab es einige Erweiterungen und Änderungen. So wurden im Innenraum um 1830 Balken und Holzpfeiler mit Gips abgedeckt, allerdings um die Wende des 19./20. Jahrhunderts in den Urzustand versetzt. Die Kirche hat einen separaten Glockenturm, in dem ein Museum für religiöse Kunst untergebracht ist.
    Dann „entließ“ uns Irene. Wir hatten noch ein wenig „Freizeit“, bummelten am Vieux Bassin vorbei und genossen nochmals die Häuser der Altstadt, nun aber ohne Touristenscharen rund um uns. Mit diesem Anblick nahmen wir Abschied von Honfleur, einem Ort, der immer einen Besuch wert ist! Kein Wunder, dass sich in der Vergangenheit viele namhafte Künstler wie Courbet, Sisley, Claude Monet, Pissaro, Renoir und Cézanne in Honfleur ausgetauscht hatten. Auch heute noch gilt die Stadt als Künstlertreff.
    Weiter ging´s mit dem Bus Richtung Deauville. Leider auch mit dem Regen, der sich anstrengte, uns noch mehr zu segnen (Nochmals: Welchen Wetterprognosen kann man noch trauen???). Um uns herum wieder viel Grün, von Hecken umschlossene Weiden (es waren selten Tiere auf den Wiesen zu sehen – waren die normannischen Vierbeiner wasserscheu???), mehr oder weniger große Häuser und dann vermehrten sich die Bauten – wir näherten uns dem Seebad Trouville mit seinem riesigen Kasino. Unmerklich ging Trouville in Deauville über, nur durch den Fluss Touques getrennt. Deauville hat sich zu einem mondänen Seebad gemausert. Jede Menge Villen aus der Gründerzeit – eher groß als klein – wurden an der nicht weit vom Strand entfernten Straße drapiert.
    Dazwischen stehen einige neuere Appartementhäuser mit einem herrlichen Ausblick auf Strand und Meer. Wer das nötige Kleingeld hat, kann sich hier einkaufen: In erster Lage zahlt man kleine € 8.000,--/qm … Adäquate Preise findet man auch in Bars und Restaurants. Eine Bar in einer Nebenstraße verlangt € 15,-- für eine Flasche bekannten niederländischen Allerweltbiers; 0,04 l Whiskey/Allerweltsmarke kosten € 25,-- … Kein Wunder, schließlich gilt Deauville mit Yachthafen, Pferderennbahnen, Kasino, eleganten Villen, Strandpromenade und extrem breiten Sandstrand als eins der elegantesten normannischen Seebäder. Und das muss eben bezahlt werden. Aber nicht von uns – wir waren nur Gaffer …
    Deauville ist so elegant, dass sich in diesem 4.000 – Seelen – Ort eine Zweigniederlassung des nicht gerade minderpreisigen Kaufhauses Au Printemps befindet.
    Deauville ist so elegant, dass das 1864 eröffnete Kasino das drittwichtigste Frankreichs und eins der bedeutendsten in Europa ist.
    Deauville ist so mondän, dass im Jahre 1912 das Hotel „Le Normandy Barrière“ errichtet wurde, das sich seinerzeit aufgrund des Gesamtangebotes zu einem der besten Luxushotels Frankreichs entwickelte. Auch aktuell zählt das 4-Sterne-Luxushotel (höchstmöglichste Hotelkategorie in Frankreich) zu den renommiertesten des Landes.
    Deauville ist so elegant, dass hier im Mai 2011 der 36. G8-Gipfel stattfand.
    Doch zurück zum Strand – er zieht sich sehr weit hin und ist – wie erwähnt – für uns ungewohnt breit. Und ein Muschelparadies: riesige Felder leerer Muschelschalen.
    Und gerade hier konnte ein Markenzeichen Deauvilles nicht übersehen werden: die in 1943 angelegte hölzerne Strandpromenade „Les Planches“. Sie ist stolze 643 m lang und landeinwärts von Strandkabinen begrenzt. Jede Kabine ist mit Namen von Hollywoodschauspielern und –regisseuren bezeichnet als Hommage an die Besucher des jährlich stattfindenden Festivals des amerikanischen Films.
    Wenn nur der sich immer weiter verstärkende Regen nicht gewesen wäre …
    So schlenderten wir noch ein wenig durch die Seitenstraßen, schauten in die Schaufenster, in denen die Auslagen aus gutem Grunde preislos waren, und erfreuten uns am Anblick vieler wunderschöner alter Häuser.
    Dann war es Zeit – der Bus wartete schräg gegenüber vom Kasino. Aufgrund des Regens waren alle pünktlich an Bord. Guy fuhr z.T. eine andere Strecke zurück zum Schiff. So sahen wir ein wenig mehr von der verregneten Normandie.
    Recht kurz nach der Ankunft im Hafen legte die AIDAcara ab und schob sich vom Regen begleitet in den Ärmelkanal. Dem inzwischen verlassenen Tagesziel folgend überboten sich die Köche mit dem Tagesthema „Frankreich“ im Marktrestaurant – ein kulinarischer Höhepunkt dieser Kreuzfahrt. Das Calypso mit dem Themenbereich „Karibische Inselwelt“ ließen wir entsprechend links liegen, auch wenn wir sicher nicht enttäuscht worden wären! Und dann ging es recht zeitig in die Koje, denn Rosamunde bereitete sich schon auf uns vor.
    ZumAusflug „Honfleur und Deauville“: er ist sehr empfehlenswert – bei gutem Wetter wäre er ein Höhepunkt der Gesamttour gewesen.
    Und beim nächsten Ziel warteten blauer Himmel und Sonne auf uns!

  • Kennst Du Kent?

    • joachimmeertal
    • 10. Juli 2018 um 09:12

    Ein Nutzer bat mich, ihm meine Berichtsfolge GB/Irland zukommen zu lassen. Da es insgesamt 12 Einzelberichte sind, lade ich sie - leider ohne Fotos - in diesem Forum hoch.

    Nein, das kann ich nach dem Tagesaufenthalt in dieser schönen Gegend Südenglands nicht bejahen, aber hereingeschnuppert haben wir!


    6.00 Uhr früh: ich stand auf und schaute misstrauisch nach draußen. Das typische englische Wetter begrüßte uns. Zwar regnete es nicht cats and dogs – es war trocken, aber diesig. Sehr diesig. Sehr, sehr diesig … Oben auf Deck beobachteten wir das Einlaufen in den Hafen von Dover. Wir sahen ansatzweise die Dover umspannenden Kreidefelsen, die bereits festgemachte Black Watch der Fred. Olsen Cruise Lines und auch das im Dunst ab und zu auftauchende und über Dover thronende Castle.

    Logisch, dass wir bis zum Festmachen zuschauten. Die fleißigen Helfer arbeiteten beeindruckend im Gleichklang und somit Hand in Hand – fast wie beim Tauziehen …
    Die Geschichte Dovers ist die Geschichte vieler Kriege. Aufgrund der Nähe zum europäischen Festland wurde die Stadt immer wieder angegriffen bzw. bedroht. So wurde die Bastion 1066 vom Normannen Wilhelm der Eroberer nach der Schlacht von Hastings und vor seiner Krönung zum König von England eingenommen. Heinrich VIII und Elisabeth I ließen die Verteidigungsanlagen weiter verstärken. Zu Napoleons Zeiten wurde weiter an den Befestigungen gebaut. Während des 1. Weltkrieges war Dover Zentrum der englischen Kanalverteidigung; im 2. Weltkrieg wurde die Stadt von weit reichenden, in Frankreich stehenden Geschützen beschossen. Die Evakuierung des englischen Heeres wurde von Dover aus geleitet. Heute ist Dover eine Industriestadt und Fährhafen zum Festland; allerdings ist diese Bedeutung seit der Eröffnung des Eurotunnels gesunken.


    Nach dem Frühstück folgten wir der Empfehlung von weblounge-Nutzer C-- (danke!), Dover links liegen zu lassen und den Hauptteil des Tages in Canterbury zu verbringen. Mit dem auf der AIDAcara kennengelernten Eheleuten Elsa und Lothar fuhren wir mit dem Shuttle-Bus ins Stadtzentrum. Vom Halteplatz waren es nur ca. 10 Minuten zu Fuß bis zum Bahnhof Dover Priory; der Weg ist ausgeschildert. Die Züge fahren zweimal in der Stunde. Der Durchgangszug benötigt 16 Minuten, der langsamere, an mehreren Stationen haltende eine knappe halbe Stunde. Wir erwischten direkt den Durchgangszug.

    Canterbury wurde auf den Fundamenten einer eisenzeitlichen Siedlung von den Römern als Durovernum Cantiacorum gegründet. Nach der Übernahme durch die Angelsachsen im 5. Jahrhundert hieß die Stadt Cantwaraburig. Der Missionar Augustinus wurde um die Wende zum 6. Jahrhundert erster Erzbischof von Canterbury nach Baubeginn einer Kirche. Mitte des 11. Jahrhunderts kamen die Normannen und es begann der Bau einer Kathedrale. Der Erzbischof Thomas Becket wurde nach Stress mit König Heinrich II Kurzmantel von dessen Höflingen in der Kathedrale ermordet und drei Jahre später heilig gesprochen - auch zum Wohle Canterburys, das auf einmal Ziel unzähliger Pilger wurde. Literarisch wurde die Stadt ca. 200 Jahre später zum Mittelpunkt, als Geoffrey Chaucer seine Canterbury Tales schrieb. Er schilderte die Pilgerfahrt einiger mehr oder weniger frommer Menschen, die sich die Reise dadurch verkürzten, indem jeder eine Geschichte zu erzählen hatte. Mit für diese Zeit teilweise schlüpfrigen Bemerkungen wurde ein Sittenbild dieser Epoche wiedergegeben. Heinrich VIII trennte sich 1534 von der römischen Kirche und bestimmte den Erzbischof von Canterbury zum höchsten Geistlichen der anglikanischen Kirche (Oberhaupt war/ist der/die englische König/-in). Wirtschaftlich wichtig war im 16. und 17. Jahrhundert die Immigration der Hugenotten, die mit ihren Webereikenntnissen großen wirtschaftlichen Aufschwung brachten. Steigende Importe von Textilprodukten brachte diese Stammindustrie allerdings im 19. Jahrhundert zum Erliegen. Heute hat Canterbury über 40.000 Einwohner, wovon angabegemäß die Hälfte Studenten sein sollen


    So, nun zurück zu unserem Tagesunternehmen. Wir verließen den Bahnhof und folgten der Ausschilderung zur Kathedrale. Schnell erreichten wir die mit Rundtürmen besetzte Stadtmauer und passierten - oben der Stadtmauer folgend – den Dane John Garden. Dieser Park mit vielen verschiedenen Pflanzen und Bäumen ist beliebter Treffpunkt der Einwohner Canterburys und auch Veranstaltungsort für Open-Air-Konzerte. Außerdem befinden sich in diesem Park Denkmäler, z.B. für die Gefallenen des Burenkrieges und für James Simmons, der diesen Park im 18. Jahrhundert erweitern und der Öffentlichkeit zugänglich machen ließ. Die Stadtmauer umschließt die älteren Teile der Stadt zur Hälfte. Bei einem Spaziergang auf dem inzwischen verbreiterten „Wehrgang“ hat man sehr schöne Ausblicke auf Stadt und auf den einen oder anderen einladend aussehenden Pub.

    Halt, nein nicht halten! Weitergehen und den Pub auf Steuerbord liegen lassen! Es war noch zu früh …

    Die Stadtmauer verließen wir am Busbahnhof und bogen links in die St. George Street ein. Ziemlich zu Beginn dieser Einkaufsstraße steht als Relikt der Turm der St.-Georgs-Kirche, in der 1564 der Dichter und Dramaturg Christopher Marlowe getauft wurde.

    Wir schlenderten durch enge Gassen mit wunderschönen Häusern und standen plötzlich vor dem Christchurch Gate.

    Auweia, auch wenn allein das Eingangstor zum Kathedralenbereich beeindruckte und uns auf die Pracht der Kathedrale vorbereitete, schreckten die vor dem Tor stehenden Menschenmassen fast ab. Schulklassen verschiedener Nationen und unzählige Einzelbesucher hatten dieselbe Absicht wie wir. Also rein ins Getümmel. So, die ersten Fotos wurden geschossen, bevor wir das Gotteshaus betraten.

    Auf den Fundamenten einer angelsächsischen Kirche ließ der normannische Bischof Lafranc die Kathedrale mit zwei Westfronttürmen zwischen 1070 und 1077 hochziehen. In den Folgejahren bzw. –jahrhunderten wurde der Bau erweitert. So z.B. nach der Ermordung des Bischofs Thomas Becket durch eine Verlängerung des Chors für den Schrein des Getöteten und durch die Errichtung eines 80 m hohen Vierungsturms. Wenn man die Kathedrale betritt, geht der Blick unweigerlich nach oben. Man fühlt sich unwillkürlich an Ken Follet´s „Säulen der Erde“ erinnert! O.K. – sein Vorbild war wohl die Kathedrale von Salisbury … aber die Proportionen der von Canterbury! Die Säulen ziehen sich wirklich fast unendlich und schlank nach oben. Als Mensch fühlt man sich richtig klein …

    Wir besuchten verschiedene Kapellen, u.a. die Dreifaltigkeitskapelle, in der der Schrein Thomas Becket´s stand. Ja, er stand dort bis zur Trennung Heinrich´s VIII von Rom. Er ließ den Schrein entfernen; seitdem ist er unauffindbar. Wir gingen auch in die unterirdische Krypta, wo das Fotografieren verboten war. Aber der Besuch dieses wohl ältesten Teils der Kathedrale ist ein Muss. So gibt es dort Decken- und Wandmalereien aus dem 12./13. Jahrhundert.

    Nach längerer Besichtigung verließen wir die Kathedrale, begannen mit der Umrundung der Kirche, passierten das Haus des Dekans und standen auf einmal im Klosterhof, der von einem wunderschönen Kreuzgang umringt ist – der schönste, den wir bisher gesehen hatten!

    Eine Stätte der Ruhe - trotz der unzähligen Touristen, die sich allerdings bei unserem Besuch hierhin kaum „verlaufen“ hatten – und für die Augen. Wir hatten angesichts des vorgenommenen Tagesprogramms leider wenig Zeit, die kunstvollen Kapitelle und die Wappen an der Decke richtig zu genießen.

    Schon war die Kathedrale ganz umrundet; wir schauten uns noch die kleinen, den Kathedralenbereich an dieser Stelle eingrenzenden und gut gepflegten Häuser an und verließen ihn durch das Christchurch Gate. Hmh, gut, dass wir recht früh den Kirchenbesuch geplant hatten … schon wieder hatten sich Menschenschlangen vor dem Eingangsbereich gebildet …

    Entlang der High Street spazierten wir Richtung Westgate. Die High Street bildet mit der St. George´s Street und der St. Peter´s Street die für Fahrzeuge nicht freigegebene Haupteinkaufsstraße von Canterbury. Viele kleine, ab und zu mittelgroße Geschäfte und jede Menge Restaurants und Bars. Ab und zu Pubs, die sich jedoch mehr in den pittoresken Quergassen konzentrierten.

    Während unseres Bummelns wurden wir von Studenten angesprochen, die uns eine 40-minütige Kahnfahrt auf dem Flüsschen Stour anboten. Captain James Morgan - sein Nachname war tatsächlich Morgan – kommentierte die Sehenswürdigkeiten, die er während der kurzen Bootsfahrt ansteuerte. Direkt vor unserer Ablegestelle stehen die Weavers´ Houses, schöne alte Fachwerkhäuser, die in früheren Zeiten als Manufakturen der hugenottischen Weber dienten. Nach dem wirtschaftlichen Niedergang waren in diesen Häusern Bäcker, Metzger und auch Damen des Rotlichtviertels untergebracht. Unweit unserer Ablegestelle ist ein Relikt oder eher ein Nachbau des Ducking Stool zu sehen. Früher tauchte man auf diesem Stuhl zänkische Frauen in den Stour, der auch die Abwässer aufnahm. Auf diese drastische Weise lernten sie, ihren Mund zu halten …

    Auf einer Brücke wurde Mitte des 12. Jahrhunderts The Canterbury Pilgrim´s Hospital of St. Thomas gebaut, in dem mittellose Pilger übernachteten.

    So, die Bootsfahrt ging recht schnell vorüber. Sie war ganz nett …

    Kurz steuerten wir das Westgate an und gingen – die Auslagen der Geschäfte betrachtend – durch die Fußgängerzone Richtung Bahnhof. Dieses Mal erwischten wir den an jedem Bahnhof haltenden Zug und die Fahrzeit verdoppelte sich fast. Aber dafür konnten wir die an uns vorüber ziehende sanfte Landschaft Kents genießen. In Dover angekommen, gingen wir zur Haltestelle des Shuttle-Busses und fuhren zum Dover Castle. Doch hier gab es lange Gesichter. Man durften nicht ohne Zahlung des recht hohen Eintrittspreises die Außenmauern betreten und von dort aus einen Blick auf Dover werfen. Für einen nur kurzen Besuch war es uns zu viel - also spazierten wir ein wenig herum und entdeckten das Denkmal für Louis Blériot. Blériot überquerte als erster mit einem Flugzeug den Ärmelkanal. An der Landungsstelle wurde ihm zur Erinnerung ein Flugzeugumriss aus Steinen in den Rasen gesetzt. Ansonsten war auf den Hügeln über Dover nicht viel so sehen und so fuhren wir wieder zur AIDAcara zurück.

    Da noch ein wenig Zeit bis zum Abendessen bzw. zum Ablegen war, beschlossen wir, den westlich der Stadt liegenden Strand aufzusuchen, den wir vom Schiff aus gesehen hatten und der sich bis zu den Steilklippen hinzog. Wir gingen und gingen, versuchten mal hier und dort Zugänge durch Gewerbegrundstücke zu finden – vergeblich … Zu guter Letzt eilten wir eine Durchgangsstraße entlang und endlich war ein die Eisenbahnlinie überbrückender Zugang zum Strand zu sehen. Da aber in der Zwischenzeit die Flut gekommen und der Strand nahezu überschwemmt war, gingen wir zurück zum Schiff.

    Nach unseren Eindrücken gibt Dover – bis auf die Burganlage, wie uns Mitreisende berichteten – nicht viel her. Eine typische englische Industriestadt mit vielen älteren, teilweise nicht sehr gepflegten Häusern. Bei schönem Wetter könnte man zu den Klippen wandern (s.a. Reisebericht von rhönschaf: http://www.aida-weblounge.de/reiseberichte/…r-tag-der-reise). Die Wege sind ausgeschildert; für eine Richtung soll man gem. Ausschilderung ca. eine Stunde ansetzen.

    Am Schiff angekommen, bereiteten wir uns auf das Abendessen vor und schlugen im Calypso beim Buffet „California“ voll zu – im Marktrestaurant ging es rund um den „Orientexpress“.

    Der pünktliche Abschied um 20.00 Uhr erfolgte so wie die Begrüßung von Dover: im starken Dunst, so dass leider erneut wenig von den Klippen zu sehen war.

    Übrigens, die Wetterprognosen von Samstag trafen i.W. zu: für uns gab es fast keine Sonne, dafür auch kein Regen, den die London- und Dovertouristen an diesem Tag für sich beanspruchen mussten.

    Noch eine Nacht auf dem Schiff – dann ist Frankreich an der Reihe!

  • Es dreht sich einiges um die Einhundert … Kiel, Nord-Ostsee-Kanal

    • joachimmeertal
    • 9. Juli 2018 um 18:36

    Ein Nutzer bat mich, ihm meine Berichtsfolge GB/Irland zukommen zu lassen. Da es insgesamt 12 Einzelberichte sind, lade ich sie - leider ohne Fotos - in diesem Forum hoch.

    Nein, die Einhundert betreffen nicht das Durchschnittsalter der Passagiere dieser Reise – dieses lag extrem darunter; es geht um den Nord-Ostsee-Kanal. Doch davon später mehr …


    Samstag, 9. Juni 2012

    Grausam – der Wecker klingelte um 5.45 Uhr. Wirklich grausam? Nochmals nein, denn das frühe Aufstehen hatte ein frühzeitiges Wiedersehen mit der AIDAcara zur Folge!


    Während des Frühstücks musste unbedingt der Laptop hochgefahren werden – Wetterprognosen:

    Kiel 9.6.: nachmittags Sonne, Wolken, Regen; abends Sonne, Wolken

    Rendsburg 9.6.: abends Sonne, Wolken, Regen

    Helgoland 10.6.: Sonne, Wolken

    Dover 11.6.: vormittags Sonne, Wolken, Regen; nachmittags und abends: Sonne, Wolken

    Le Havre 12.6., Falmouth 13.6., Cobh 14.6.: jeweils Sonne und Wolken


    Mal sehen, es sah keinesfalls schlecht aus …


    Kurz nach 7 Uhr waren wir bereit; Koffer und Rucksäcke wurden im Auto verstaut und um 7.30 Uhr fuhren wir ab. Über Dortmund und Hannover ging es zunächst Richtung Hamburg, wo wir vor der Einfahrt in den Elbtunnel auf der rechten Seite die AIDAmar, die an diesem Tag die Nordlandfahrt begann, grüßen konnten. Trotz zweier längerer Pausen erreichten wir bereits um 13 Uhr Kiel, wo wir unseren Wagen abstellten. Der Shuttlebus stand schon bereit und so betraten wir kurz danach den Kreuzfahrtterminal Ostseekai.


    Da lag sie, die uns mit ihrem bekannten Lächeln und strahlenden Augen begrüßende gute alte AIDAcara – wir waren angekommen; der Urlaub begann!

    Neben „uns“ wartete die MSC Poesia auf ihre Gäste. Keine Frage, welches Schiff schöner war …


    Nach flottem Einchecken durften wir direkt auf unsere Kabine – gute Arbeit, AIDA-Crew! Auch wenn wir dieses Mal eine kleinere Außenkabine bezogen hatten – sie war zum Schlafen groß genug und ebenso funktionell wie die größeren!


    Unsere Mägen meldeten sich. Sie kamen im Calypso zu ihren Rechten. Ein winziges Mittagessen, anschließend Kaffee und Kuchen, dann ein kleines Wiedersehen mit dem Schiff bei einem kleinen Rundgang und schon standen wir wieder vor unserer Kabine. Unsere Koffer versperrten die Eingangstür – nochmals Lob für die gute Arbeit, AIDA-Crew! Das Auspacken ging schneller als das Einpacken (komisch – oder auch nicht …). Ja, und dann ging es kurz von Bord. Die Wetterprognose musste getestet werden. Tatsächlich, es regnete leicht … Aber das Begrüßungsfoto der AIDAcara wurde trotzdem geschossen …

    16.30 Uhr Seenotrettungsübung, die relativ schnell – aber mit nötigem Ernst – abgehakt wurde. Und unmittelbar danach kam unter Begleitung der immer wieder beeindruckenden Auslaufmelodien das sail-away. Die AIDAcara schob sich langsam heckwärts, wurde gedreht und schwamm dann langsam Richtung Ausgang der Kieler Förde.

    Kurz vor dem backbordseitigem Abdrehen in den Nord-Ostsee-Kanal gab es eine längere Pause, da die Schleusen noch von drei auswärts fahrenden Schiffen besetzt waren.

    Wir warteten und warteten, wurden von Kapitän Kurc recht ausführlich über den Kanal informiert und gegen 18.30 Uhr ging es endlich los. Die AIDAcara bewegte sich wieder und glitt in die linke Schleuse. Bei trockenem Wetter beobachten wir die Schleusenarbeiten bis zur Ausfahrt.


    Der Nord-Ostsee- Kanal ist zwischen Kiel-Holtenau und Brunsbüttel fast 100 km lang, über 100 Jahre alt und mindestens 100 m breit. Er ist die meist befahrene künstliche Wasserstraße der Welt. So fuhren in 2009 mehr Schiffe durch den NOK als durch Panama- und Suezkanal zusammen (ohne Sport- und Kleinfahrzeuge), hatte allerdings noch nicht einmal 1/10 der Frachtaufkommen der beiden anderen Kanäle. Es erspart den von Nord- in die Ostsee (oder umgekehrt) fahrenden Schiffen 9/10 der Strecke um Dänemark herum. Begonnen wurde der Bau 1887; eröffnet wurde der Kaiser-Wilhelm-Kanal am 21.6.1895 von Kaiser Wilhelm. Interessant ist, dass die Planbaukosten unterschritten wurden – so etwas gab es! Die Maße der ersten Ausbaustufe waren auf die für die deutsche Flotte erforderlichen Größen abgestimmt: Breite 67 m, Tiefe 9 m, Höhe der Brücken über der Wasserlinie 42 m. Doch schon Anfang des 20. Jahrhunderts reichten diese Gegebenheiten für die Großkampfschiffe der Kaiserlichen Marine nicht mehr aus. Der erste Ausbau wurde in den Jahren 1907 bis 1914 mit einer Breite von 102 m und Tiefe von 11 m angegangen. Zur Mitfinanzierung erhob Kaiser Wilhelm II ab 1902 die immer noch existierende Schaumweinsteuer. 1948 wurde der Kanal in Nord-Ostsee-Kanal umbenannt. Seit 1965 wird er erneut erweitert mit einer Zielbreite von 162 m. Der wesentliche Teil ist bereits umgebaut; die Fertigstellung des östlichen Teils krankt u.a. am Kompetenzgerangel Bund/Land, wie uns Mitfahrende aus Kiel informierten. Immerhin, es wird gearbeitet und Planfeststellungsverfahren immer wieder angegangen …


    Doch nun zurück zu unserer Fahrt! Nach dem Verlassen der Schleuse besuchten wir das Calypso-Restaurant, wo wir das Welcome-Diner genossen. Die AIDAcara fuhr währenddessen unter den beiden Kieler Brücken hindurch. Wir sahen links und rechts viel Grün – Felder und Wälder.


    Dazwischen immer wieder größere und kleinere Häuser und Villen. Ab und an legten zwischen dem vor uns fahrenden Feeder und uns eine der 14 Fähren ab; die Fähren dürfen übrigens von den Anwohnern kostenfrei benutzt werden. Während des Abendessens machten uns unsere Kieler Tischnachbarn auf die eine oder andere Merkwürdigkeit des Kanals aufmerksam. Es war ein sehr angenehmes Gespräch bei Wasser, Bier und Wein sowie sehr gutem, abwechslungsreichem Essen. Die Zeit verging und schnell war es 20.45 Uhr und damit standen wir vor einer wichtigen Entscheidung: Fußball EM-Spiel Deutschland – Portugal oder Deckabend … Ich zog den Abend auf Deck vor und das war gut so. Beim Verlassen des Calypso begrüßten wir die uns entgegenkommende Costa Voyager. Wir hätten nicht gedacht, dass bei Costa kleinere Schiffe als die AIDAcara fahren … Sie, die Costa Voyager, war nicht nur kleiner sondern auch leiser. Im Typhonwettbewerb gewann natürlich unsere AIDAcara mit großem Vorsprung!


    So, also rauf auf Deck 11, dick eingemummt, denn es war lausig kalt. Langsam kamen Dämmerung und das, was wir vorab einigen Reportagen rund um den NOK entnommen hatten. Bewohner von angrenzenden Häusern gingen auf ihre Balkone oder in ihre Gärten und winkten uns zu – wir natürlich zurück! Schiffstouristen standen vor ihren Wohnwagen und –mobilen und jubelten uns zu. Ab und zu lockten Vuvuzelas Kapitän Kurc – aber er antwortete leider nicht über sein Typhon.

    Ganz besonders fiel die größere Gruppe „Die rollende Kiste“ und „KIEK UT Fan´s“ aus, die die AIDAcara mit einem größeren Plakat begrüßten – danke!

    Dann kam die Brücke der A7 auf uns zu. Schon oft parkten wir unser Auto auf den südlich vom NOK gelegenen Parkplätzen und machten am Kanal Pause, um vorbeiziehende Schiffe zu betrachten. Bei diesen Gelegenheiten wuchs der Wunsch, auf einem Schiff durch den NOK zu fahren. Nun war es so weit – schööööööööööööööön!


    Nur kurze Zeit später erschien die berühmte Eisenbahnbrücke von Rendsburg. Es ist eine von zehn den NOK überspannenden Brücken und hat eine Besonderheit: unter dieser Hochbrücke verkehrt eine Schwebefähre zum Personen- und KFZ-Transport. Auf der ganzen Welt gibt es nur zwei Fähren dieser Art. Auf der Brücke standen Bahnarbeiter, winkten uns zu und fotografierten uns von ganz oben. Zwischen Brückenunterseite und Schiff war nicht wirklich viel Platz – kein Wunder, dass aus der AIDA-Familie nur die AIDAcara diese Tour fahren kann … Die Eisenbahnbrücke zog inzwischen mehr Mitpassagiere an Deck.


    Kurz hinter der Brücke passierten wir den auf der Backbordseite liegenden Eisbrecher Stettin. Sein Typhon „erschallte“ als Gruß: ein etwas trauriges Gekrächze, das bei einer Wiederholung nicht lauter und melodischer wurde. Selbst eine Vuvuzela überstimmte das Geknarze … aber wir ließen uns nicht lumpen und antworteten mit einem dreifachen Getöse.


    Übrigens, der Wettergott hatte ein Einsehen: der prophezeite Regen blieb aus! Aber es wurde allmählich dunkel, so dass von der uns begleitenden Landschaft kaum noch etwas zu sehen war.


    Es kam allen sehr entgegen, dass das EM-Spiel endete. Auf einmal war das Pooldeck voll – Zeit für den Begrüßungssekt und Zeit zur Freude über den 1 : 0 - Sieg über Portugal. Und auch das Resultat des „Vorspiels“ Niederlande – Dänemark war nicht zu verachten …


    Es war ein langer Tag und Zeit für die Koje …


    10. Juni 2012 - Seetag

    Der Seetagsstress wurde voll und mit Erfolg bewältigt: ausgiebiges Frühstücken, Spazieren auf Deck (windig, Wolken, ab und zu Sonne – Wetterprognose trat ein), Vortrag des Lektors Dr. May, der uns einige historische Entwicklungen und Eigenschaften der Briten näher brachte, Deckbrunch, Forumtreffen „wasserurlaub“, kleiner Nachschlag beim Mittagessen, Ausruhen auf Deck, Kaffeetrinken mit ein wenig Kuchen und Torte, Sonnenbaden, Abendessen (Markt-Restaurant: Alpenländer Küche; Calypso-Restaurant: Indien – große Currytafel), Kalorienverbraten bei Bewegung an frischer Luft und letztendlich Bettruhe – aber der phantastische Sonnenuntergang zog uns vorher in seinen Bann!


    Und es war nicht mehr weit bis Dover …

  • Reklamationsbearbeitung Aida

    • joachimmeertal
    • 2. Juli 2018 um 12:21

    Hallo Diana72,
    so, wie Du es geschildert hast, sprachst Du mit Hänschen. Hans schreibt nach meinen Erfahrungen an Kunden. Aber ein Schreiben - es sollte immer ein Einschreiben Rückschein eigenhändig sein - beschleunigt die Angelegenheit ungemein.

  • Diskussion zur Umfrage des Monats Juni 2018 - Was sind eure Lieblings-Fotomotive aus Reisen und was macht ihr nach dem Urlaub mit der Fotoausbeute ?

    • joachimmeertal
    • 9. Juni 2018 um 12:24

    Die schönsten Urlaubserlebnisse hat man im Kopf! Stimmt, denn sie man nicht nehmen. Aber trotzdem halte ich mit meiner Kamera vieles fest - am liebsten Landschaftsaufnahmen. Wobei ich gerne Dinge, die mir positiv - vereinzelt auch negativ - auffallen, fotografiere. Handyfotos mache äußerst selten, was bestimmt auch daran liegt, dass ich nicht bei Facebook & Co. angemeldet bin.
    Was mache ich mit den Fotos? Aussortieren, bearbeiten, sichern. Und die in meinen Augen besten Bilder bei der Erstellung von Reiseberichten festhalten. Die Reiseberichte sind die Grundlage für Fotobücher, die ohne weiteres - je nach Ziele (neu oder alt) - einen Umfang von bis zu 300 Seiten haben können. Ja, ich weiß: In der Kürze liegt die Würze. Aber es ist so schwer, bestimmte Fotos nicht zu berücksichtigen. Als die AIDA-Weblounge noch einigermaßen lief, lud ich dort die Reiseberichte hoch (Ich weiß, dass das nicht hierhin gehört - aber die Spitze muss sein!). Leider gibt es in diesem Forum Schwierigkeiten beim Hochladen von Fotos. Insofern habe ich nach ersten Versuchen vom Einstellen von neuen Reiseberichten abgesehen.

  • kurzfristige Umroutungen ( bitte nur Informationen )

    • joachimmeertal
    • 3. Juni 2018 um 09:28

    Schade - gerade die Lofoten gehören zu den Höhepunkten einer Nordlandreise:

    wasserurlaub.info/forum/gallery/image/2079/

  • AIDAmira: Alle Neuigkeiten und Berichte von Bord

    • joachimmeertal
    • 25. Mai 2018 um 16:51

    Bilanzkosmetik bei Costa? Na ja, im Konzernabschluss wird´s wieder aufgehoben ...

  • Reykjavik / Island

    • joachimmeertal
    • 22. Mai 2018 um 17:51

    Bei uns gab´s vor Jahren beim Ausflug Gullfoss … Lachs mit Reis. Der Lachs war in Ordnung; die Beilagen nicht so prickelnd. In Endeffekt hätten wir die Zeit besser nutzen können. Wir machten es beim nächsten Mal per Mietwagen.

  • Wanderschuhe auf den Aida Wanderungen

    • joachimmeertal
    • 14. Mai 2018 um 16:27

    Zu den Info-Veranstaltungen: Ich hatte oftmals den Eindruck, dass die Passagiere besser informiert waren als einige Scouts. Gut ist, dass bei schwierigeren Wanderungen wie Preikestolen die Ausflugstickets nicht auf der Kabine liegen sondern erst nach "Sichtung" beim Ausflugsschalter abgegeben werden. Andererseits gehen genügend Mitreisende recht blauäugig in die Wanderungen - die nicht geeigneten Schuhsorten wurden bereits erwähnt.

  • Hilfe bei der Bachelorarbeit - Ich würde mich freuen wenn Ihr die Zeit habt mich zu unterstützen :-)

    • joachimmeertal
    • 6. Mai 2018 um 16:35

    fedsch ...

  • Diskussion zur Umfrage des Monats Mai 2018 - Ausflüge über den Reiseveranstalter, oder doch lieber in Eigenregie ?

    • joachimmeertal
    • 1. Mai 2018 um 08:31

    Sofern es möglich ist, führen wir unsere Ausflüge in Eigenregie durch. Über ein Forum hat sich eine Gruppe gebildet, die bereits öfters gemeinsam unterwegs war. Die Vorteile liegen ganz klar auf der Hand:
    - Flexibilität
    - man kennt sich und muss sich nicht über unliebsame Mitausflügler ärgern (soll es geben ...)
    - die Einzelziele kann man nach seinen eigenen Vorstellungen aussuchen; es wird nichts vorgesetzt
    - und nicht zuletzt: der Preis

    Auch wenn in einzelnen Ländern die Ausflüge auf eigene Faust nicht billiger sein müssen, ist das Erkunden in kleinem Rahmen sehr angenehm.

  • Verlosung April/Mai 2018

    • joachimmeertal
    • 28. April 2018 um 14:35

    Eine Comedy-Kreuzfahrt wäre nicht schlecht - abgesehen davon bietet AIDA besonders auf längeren Reisen m.E. genügend Abwechslung im Unterhaltungsbereich. Wie bei einigen anderen steht auch bei mir nicht die Unterhaltung im Vordergrund - mich ziehen eher die Zielhäfen an.

  • Bugcambilder nicht aktuell

    • joachimmeertal
    • 24. April 2018 um 09:14

    AIDA "schreibt" Dinge einfach nur schön:

    "Hinweis: Die Schiffspositionen können derzeit auf Grund von technischen Weiterentwicklungen nicht immer tagesaktuell angezeigt werden."

    Verkäuferisch 1 a - aber lässt man sich davon täuschen?

    Beste Grüße

    Achim

  • Preisverfall / AIDA

    • joachimmeertal
    • 16. April 2018 um 18:06

    Apfelfrau, ich bin mir nicht sicher, ob ich in diesem Forum den Namen des TV-Vermarkters nennen darf.

  • Preisverfall / AIDA

    • joachimmeertal
    • 16. April 2018 um 17:44

    Mit dem Preisverfall wird es weiter gehen, da AIDA einen neuen Vertriebsweg hat. Ein sehr bekannter TV-Vermarkter bot gestern Reisen der nova an ...

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