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Beiträge von joachimmeertal

  • Winter im hohen Norden

    • joachimmeertal
    • 6. September 2018 um 09:37

    Nö … wir waren allerdings nicht über AIDA unterwegs und wir haben in Kleinbussen das Camp verlassen als der AIDA-Tross ankam.

  • Winter im hohen Norden

    • joachimmeertal
    • 5. September 2018 um 11:42

    Und dunkler ...

  • Reykjavik / Island

    • joachimmeertal
    • 4. September 2018 um 18:18

    Leider kann ich nicht in die Zukunft sehen … Frag´ doch einfach bei AIDA nach!

  • Reykjavik / Island

    • joachimmeertal
    • 3. September 2018 um 21:00

    Hallo Valerie,

    schwierig, eine Empfehlung abzugeben zu attraktiven Punkten mit wenig Touristen … Wenn man in Reykjavík ist, sollte man m.E. die im Beitrag 607 geschilderten Naturdenkmäler besuchen. Für den, der noch nicht in Island war, sind Thingvellir, der Gullfoss und die Geysire ein Muss! Nicht nur bei unserer letzten Tour hatten wir das Glück, dass wir bei diesen Stätten - bis auf die Geysire - recht wenig Touristen trafen. Man sollte sich so früh wie möglich auf den Weg machen - mit dem Auto ist man schneller als die Busse … Übrigens fanden wir das Autofahren in Island richtig entspannend - anders als auf unseren Straßen.

    Gruß

    Achim


  • Reykjavik / Island

    • joachimmeertal
    • 3. September 2018 um 19:18

    Hallo Valerie,
    die Karten in einem Reiseführer reichen grundsätzlich aus. Empfehlenswert ist, den Wagen vorab per Internet, z.B. bei Europcar, zu buchen. Europcar übergab uns in der Vergangenheit die Mietwagen unmittelbar am Hafenausgang.
    Viel Spaß dort oben
    Achim

  • Winter im hohen Norden

    • joachimmeertal
    • 3. September 2018 um 16:16

    Hallo xdrmgx,
    unsere Erfahrungen mit örtlichen Anbietern gehen dahin, dass sie flexibler sind als die über AIDA vermittelte. Außerdem waren wir in derartigen Fällen immer in Kleingruppen und nicht mit einer Armada unterwegs. Die Fahrt in einem Kleinbus ist regelmäßig entspannter als in einem normalen Reisebus.
    Gruß
    Achim

    PS: Zudem bin ich mir nicht sicher, ob die AIDA-Ausflügler an verschiedenen Punkten Nordlichter jagen konnten.

  • Winter im hohen Norden

    • joachimmeertal
    • 3. September 2018 um 11:17

    Hallo xdrmgx,
    wenn Du Pech hast, wirst Du keine Nordlichter in Alta sehen. So ist es uns in Tromsoe geschehen - bedeckter Himmel und nahezu Vollmond. Gehen wir aber davon aus, dass Du Glück haben und ein richtiges Nordlichtorchester erleben wirst!
    Der AIDA-Ausflug beginnt in Alta um 22 Uhr und endet um 2 Uh, Kosten € 116,-- p.P. Wir hatten allerdings über den örtlichen Anbieter Pescatun gebucht; der Ausflug kostete NOK 1.500 p.P. Näheres kannst Du meinem in diesem Forum gespeicherten Bericht "Alles Alta …" entnehmen. Solltest Du noch Fragen haben - spreche mich bitte an.
    Viel Spaß bei der Planung dieser herausragenden Reise
    Achim

  • Alles zur AIDAnova

    • joachimmeertal
    • 26. August 2018 um 10:05

    Mir gefällt der Bug absolut nicht:


    Nun gut, jeder hab seinen eigenen Geschmack!

  • Desinfektion der Hände und Hygiene auf den Schiffen

    • joachimmeertal
    • 26. August 2018 um 09:15

    Wir sollten nicht vergessen: Wenige "Vorfälle" , wenn nicht nur ein "Vorfall" reichen ...

  • Poolhandtuchpfand auf AIDA

    • joachimmeertal
    • 22. August 2018 um 14:56
    Zitat von Obermaat d.R.

    Ich bin schon der Meinung, dass dieses Thema einer Forenumfrage gerecht würde: Poolhandtuchpfand Ja/Nein :wiegeil:

    Nur was nützt das? Das Ergebnis ist wie die Sommer-/Winterzeitumfrage der EU nicht bindend. Und AIDA kocht weiterhin den eigenen Brei - frei nach dem Motto: Was kümmert mich das Geschwätz der anderen ...

  • Desinfektion der Hände und Hygiene auf den Schiffen

    • joachimmeertal
    • 22. August 2018 um 14:50

    Marlo steht mit seinen Beobachtungen nicht alleine auf weiter Flur … insofern ist das keine Horrorgeschichte …

  • Desinfektion der Hände und Hygiene auf den Schiffen

    • joachimmeertal
    • 20. August 2018 um 12:49
    Zitat von angel111

    ach fällt mir grad ein ... noch so eine Unart ... die Amis machen das unheimlich gerne ...

    GEBRAUCHTE, leer getrunkene Plastikflaschen werde an den "Zapfsäulen" in den Buffetrestaurants mit zb Wasser aufgefüllt, wenn es zB auf Landausflüge geht ... und natürlich die Öffnung der Flaschen direkt dranhalten, so dass eben der Kontakt zu den Zapfsäulen hergestellt wird ...
    unvorstellbar ... wenn das dann auch noch jeder / viele machen ...

    seit dieser Zeit gibt's für mich kein Getränke mehr aus diesen "Zapfsäulen" ...

    Jetzt habe ich gelernt, dass bei den TUI Schiffen in den Kabinen Karaffen stehen, um sich an den Wasserstellen (auch am Flur?) sich Wasser ziehen zu können ... das kann ich mir aber noch gut vorstellen ... die Öffnungen der Karaffen sind groß genug um das Wasser einfach einlaufen zu lassen, ohne hier den direkten Kontakt herzustellen ...

    Oder sind diese Wasserstationen unter Hygienischen Gesichtspunkten doch nicht empfehlenswert?

    Nach meinen Beobachtungen ist das nicht nur eine Unart der Amis … auch unsere Landsleute beherrschen dieses unmögliche Füllen von bereits benutzten Flaschen ...

  • Reykjavik / Island

    • joachimmeertal
    • 8. August 2018 um 09:44

    Moin zusammen,

    ich wusste - da war noch was aus der Vorbereitung unserer damaligen Mietwagentour; allerdings anders herum als zuvor geschildert:

    Diskusssionsvorschlag Reykjavík – der Goldene Zirkel


    -Straßen Vatnagarðar, Sæbraut bis Miklabraut (müsste die 49 sein) bis zum Ende

    -1 Richtung Hveragerði/Selfoss

    -Es empfiehlt sich, oberhalb von Hveragerði auf dem Parkplatz rechts von der 1 zu halten – ein schöner Ausblick!

    -Hinter Hjarðarból (vor Selfoss) links auf die 35. Nach ca. 10 km rechts zum Maar Kerið (Achtung: Das Hinweisschild zum Kerið ist leicht zu übersehen!). Kurzer Rundgang auf dem Kraterrand. (Vom Parkplatz oberhalb von Hveragerði bis Kerið ca. 30 Minuten)

    -Zurück zur 35; rechts bis zum Gullfoss. Längerer Aufenthalt: vom oberen Haltepunkt (hoffentlich mit Parkplatz) Blick auf Langjökull, Fluss Hvítá; gefahrloser Abstieg zum Wasserfall, Besichtigung – ein Muss!

    -Zurück auf der 35; nicht zu verfehlen rechts Thermalfeld Haukaladur mit dem Geysir Strokkur. Längerer Aufenthalt; je nach Witterung u.a. kleiner Spaziergang auf die rotbraunen Hügel Laugarfell à Fotos mit Tele von Geysirausbrüchen. (Vom Gullfoss bis zu den Geysiren 10 bis 15 Minuten)

    -Weiter auf der 35; nach ca. 8 km rechts auf die 37. Hinter Laugarvatn rechts auf die 365 bis zum Þingvallavatn. Rechts auf die 361 – um den See herum – später links auf die 36 bis zum Parkplatz am Aussichtspunkt Hakið (Vom Gullfoss bis zum Parkplatz ungefähr 1 ¼ Stunden incl. Pause). Längerer Spaziergang: Allmännerschlucht, Thingplatz, Þingvallakirkja. Falls genügend Zeit bestehen sollte, kleiner Fußweg bis zum Öxarrárfoss (10 m hoch), 15 Min. vom Lögberg (Vortragsort des Gesetzessprechers/Fahnenmast) entfernt.

    -Über die 36 zurück; hinter Mosfellsbær auf die Ringstraße 1 nach Reykjavík. Nach meinen Erinnerungen von Þingvellir bis Reykjavík eine knappe Stunde.

    Sollte noch Zeit vorhanden sein, schlage ich vor, Perlan anzufahren. Von der Kuppel aus gibt es einen unvergesslichen Ausblick auf Reykjavík – entsprechendes Wetter vorausgesetzt!

    Für die Rundfahrt benötigten wir 9 1/2 Stunden incl. Wagenübernahme. Es war einer der besten Ausflüge, die wir unternommen hatten.

    Viel Spaß dort oben

    Achim

  • Diskussion zur Umfrage des Monats August 2018 - CD / DVD aus dem Bordshop ?

    • joachimmeertal
    • 1. August 2018 um 20:25

    Die oftmals als Geschenk erhaltenen Traumwelten liegen teilweise noch originalverpackt im Schrank. Nach der Reise geben die eigenen Fotos realistischere Erinnerungen wieder. Die Vorfreude-CDs könnten eingespart werden. Was nützt mir die Vorfreude CD z.B. vor der 14-Tage-Ostseetour, wenn sie nur die Ziele der bereits "abgefahrenen" 10-Tages-Tour behandelt werden? Das grenzt schon an Vera...….! Ja, die Unvergesslichen Momente … manche kann man vergessen; andere sind - abhängig von der Qualifikation des Kamera-/Schneideteams - in Ordnung. Wenn nur nicht immer wieder dieselben Zielpersonen durch das Bild hüpfen würden. Ganz toll fand ich, wie ein mit zig gefüllten Begrüßungssektgläsern vollgestellter Tisch mit ca. sechs Passagieren während des Auslaufens länger aufgenommen wurde … einfach peinlich …

    Abgesehen davon sind Eigenkreationen "Unvergessliche Momente" besser und authentischer als die von AIDA. Und preiswerter … Da gibt es jemand, die tolle Ergebnisse aufweist … manche wissen vielleicht, wen ich meine ...

  • Sortland / Langøya / Norwegen

    • joachimmeertal
    • 24. Juli 2018 um 20:10

    Wir waren Anfang April (Winter im hohen Norden) beim Ausflug „Landschaftsfahrt nach Nyksund“ dabei. Auch dank des insgesamt guten Wetters war es für uns ein Erlebnis.

  • Reykjavik / Island

    • joachimmeertal
    • 22. Juli 2018 um 18:51

    Alles richtig - für den Goldenen Ring reichen normale PKWs. Allerdings ist es möglich, dass Teile der "normalen" Straßen erneuert werden und dass Ihr einige Kilometer auf einer dicken und losen Schotterstrecke fahren müsst. Wir hatten es vor drei Jahren erlebt.

  • Zunächst quer durch die Nordsee, dann an den Schären vorbei und letztendlich der Einfall in Göteborg

    • joachimmeertal
    • 19. Juli 2018 um 09:14

    Ein Nutzer bat mich vor ca. zwei Wochen, ihm meine Berichtsfolge GB/Irland zukommen zu lassen. Zwölf Einzelberichte liegen nun in diesem Forum vor – damit ist diese Reiseberichtsreihe „Rund um England“ abgeschlossen.

    Können die Schweden feiern … Mittsommernacht … die Nacht mit zünftigem Essen, das einen Riesendurst machte, und Tanz um die midsommarstång war sicher verdammt hart … aber immerhin sahen wir am Vormittag neben AIDA-Passagieren auch echte Schweden in der Innenstadt …

    22. Juni 2012 – Göteborg

    Der vorletzte Tag auf der AIDAcara … ein Blick aus dem Fenster: blauer Himmel, Sonnenschein, die ersten Schären tauchten auf. Also schnell fertig machen, Fotoapparat schnappen und schnell nach oben. Eine Fähre der Stena Line folgte uns. Ein prima Kontrast – das weiße Schiff vor stahlblauem Meer und blitzeblauem Himmel … So konnte es weiter gehen! Und es ging so weiter.
    Die Felseninseln wurden mehr und mehr. Einige waren mit Häusern bebaut, andere bestanden nur aus blankem Fels. Die Häuser bestanden vorwiegend aus Holz. Mehrheitlich nordisch braunrot oder weiß gestrichen.
    Allmählich verließen wir die offene See. An Back- und auch an Steuerbord begleitete uns das Festland. Im Moment noch ein wenig weiter entfernt. Aber sehr nahe immer wieder Schäreninseln.

    Eine einzige Idylle. Es muss Spaß machen, bei Bombenwetter – und das hatten wir an diesem Vormittag – mit einem Boot durch die Schären zu fahren. Doch bei einerHafenzeit von 8.00 bis 15.00 war es zeitlich nicht möglich, wenn man auch etwas von der Stadt sehen wollte. Abgesehen davon, dass wir aufgrund des Mittsommerfestes Schwierigkeiten gehabt hätten, am Vormittag ein Schiffchen zu finden, das uns in diese Ecke bringen konnte …

    Die AIDAcara schob sich langsam in die immer enger werdende Mündung des Flusses Göta älv in das Kattegat hinein. Übrigens, Kattegat kommt aus dem Niederländischen und heißt „Katzenloch“ – nicht Katzenklo! Katzen hatten wir dort allerdings nicht gesehen …
    Am Nordrand der Hafeneinfahrt liegt die Festung Nya Elfsborg auf der riesengroßen Insel Kyrkogårdsholmen (langsam aussprechen!). Sie wurde Mitte des 17. Jahrhunderts zum Schutz der damals in dieser Gegend noch immer ihr Unwesen treibenden Dänen errichtet. Diese holten sich hier auch eine blutige Nase … Heute ist die Insel eine Touristenattraktion und von Göteborg aus per Boot erreichbar.
    Wir fuhren weiter an verschiedenen aneinander gereihten Buchten vorbei – jeweils passende Standorte für Freizeitboote der Schweden.
    Wir erkannten, dass Göteborg nicht mehr weit entfernt war. Die sechsspurige Älvsborgsbron ist eine 933 m lange Hängebrücke (Spannweite 418 m) und wurde 1966 vom damaligen Verkehrsminister Olof Palme eingeweiht. Die Durchfahrtshöhe von 45 m reichte dicke für die AIDAcara …
    Auf der Backbordseite tauchte auf einmal ein am Kai liegendes Segelschiff auf. Das Original lief 1745 auf der Heimreise von China kurz vor dem Ziel auf Grund und sank. 1984 fanden Taucher die Reste des Schiffes. Dieses war Anlass, das Segelschiff in Originalgröße und nach alten Techniken und mit den damaligen Materialien nachzubauen. DieneueGötheborg fuhr fertig gestellt im Jahr 2005 nach China und schaffte es 2007 auch problemlos zurück. Als sie Guangzhou anlief, waren König Carl XVI. Gustav und Königin Silvia an Bord.

    Frühstückszeit! Stärkung für die Stadtbesichtigung! Die AIDAcara legte pünktlich am Frihamnen Pier an. Und wir – wieder mit Elsa und Lothar und mit weiterer Verstärkung durch Christina und Gerd – verließen kurz nach der Freigabe unser Schiff. Wie kam man in die Stadt? Entweder mit dem Shuttle-Bus oder mit dem Taxi oder 10 Minuten zu Fuß bis zur Götaälvbron (Brücke) und weiter mit der Straßenbahn (für den Fahrkartenautomaten muss man allerdings genügend Kleingeld in skr haben!) oder zu Fuß. Wir wählten die letzte Möglichkeit – ganz gemütlich verließen wir das Hafengelände und schlenderten über die Götaälvbron. Von dort aus hatten wir schöne Ausblicke auf die AIDAcara, die gerade für die letzte Strecke „vollgepumpt“ wurde und die Stadt.
    Ein Lippenstift erschien vor uns. Nein, ein Hochhaus. Was denn nun? Na ja, eine gewisse Ähnlichkeit besteht schon … Aber man sollte nicht daran vorbeigehen, denn man hat die Möglichkeit, mit dem Fahrstuhl auf eine Aussichtsplattform in 86 m Höhe zu fahren und eine unbeschreibliche Aussicht zu genießen. Wir nicht, denn die Auswirkungen der Mittsommernacht … die Regenerationsphase war noch nicht beendet … und der Lippenstift dementsprechend geschlossen. Rechts vom Lippenstift liegt das seit Jahren fest vertäute Segelschiff Barken Viking. Es wird sicher noch Jahre so bleiben, denn die Masten sind höher als die in Richtung Kattegat zu bewältigende Brücke … aber dafür kann man auf dem Schiff übernachten – es ist ein 4-Sterne-Hotel auf dem Wasser!

    So, die Brücke war geschafft und wir stießen über die breite, mit noch nicht geöffneten Geschäften aller Art versehene Hauptader Hamngaten auf den Gustaf Adolfs Torg (Platz).



    Hauptperson auf diesem Platz ist – na, wer wohl? – unser alter Schwede Gustav II. Adolf natürlich, stocksteif seit 1854 auf einem Sockel stehend und ein wenig eingezäunt – nicht füttern! Interessant ist, dass die Statue die dritte Version ist. Das erste Standbild wurde von einer römischen Firma in Bronze gegossen. Nur die Legierung war nicht die beste – der Guss ging voll daneben. Anschließend fabrizierte eine Münchner Firma eine neue Statue. Der Guss gelang, Gustav Adolf fuhr quer durch Deutschland, wurde verschifft und … das Schiff sank. Ein Bronzeguss war nicht eben billig, also wurde Gustav Adolf von nach Lohn Lechzenden wieder aus dem Wasser in die Welt gehievt. Aber die Finder verlangten einen derartig hohen Finderlohn, dass sich die Stadtväter sagten, dass Gustav Adolf ihnen nicht so viel wert sei. Ergo: es wurde ein dritter Gustav Adolf gefertigt (bitte nicht fragen, von wem – wahrscheinlich zur Minimierung der Material- und Transportrisiken von einem heimischen Unternehmen) und dieser Gute steht seitdem oben auf seinem Sockel und schaut auf die von ihm gegründete Stadt … oder eher bis zu den Begrenzungen seines Platzes. Dazu gehört die ehemalige Börse. Von deren oberen schneeweißen Fassade schauen sechs Grazien auf das an diesem Tag nicht sehr ausgiebige Treiben herab. Sie symbolisieren Fleiß, Glück (daraus machte man später einfach Frieden), Handel, Seefahrt, Reichtum und Industrie. Die Börse wurde drei Jahre nach der endgültigen Version Gustav II Adolfs fertig gestellt. Links von der Börse schließt sich das einstige Stadtshuset an; beide Gebäude dienen heute der Stadtverwaltung. Außerdem bestaunt Gustav (na, lassen wir nun den Adolf) das ehemalige Rathaus aus dem Jahre 1672, in dem nunmehr (hoffentlich) Recht gesprochen wird.

    Aber nun weiter mit unserem Stadtrundgang. Wir hielten uns rechts vom Gustaf Adolfs Torg, gingen am Stora Hamnkanalen entlang und standen plötzlich vor der Christinae Kyrkan, so benannt nach der Tochter von Gustav II Adolf. Sie ist auch als Tyska Kyrkan = Deutsche Kirche bekannt. Nach der Stadtgründung wurden viele protestantische Einwanderer wie Niederländer, Deutsche und Schotten ins Land geholt. Sie waren wichtig für die schnelle Entwicklung Göteborgs, z.B. die Niederländer als Spezialisten im Stadtbau. Ihren Einfluss zeigten sie, indem sie das seinerzeitige Stadtbild mit vielen Grachten prägten, von denen leider viele im Laufe der Zeit zugeschüttet wurden. Die Fremdstämmigen blieben in der Verwaltung nicht außen vor. So bestand der Stadtrat von 1641 aus vier Schweden, je drei Deutschen und Holländern und zwei Schotten. So, nun der Bogen zur Deutschen Kirche: Sie wurde für die Einwanderer gebaut. Die jetzige Ausgestaltung stammt aus dem Jahre 1783, nachdem die Vorgängerkirchen zweimal Bränden zum Opfer fielen. Interessant ist, dass noch heute der Pfarrer von der Deutschen Evangelischen Kirche gestellt wird.
    Weiter ging es links über den Kanal in die Västra Hamngatan. Nach vielen Metern ragte auf der linken Seite die Gustavi Domkirka, die Domkirche, hervor.
    Auch der Dom ist der dritte Bau auf diesem Platz. Die beiden verheerenden Brände haben die alten Gotteshäuser auf dem Gewissen. Das aktuelle Bauwerk wurde 1827 eingeweiht und vor ca. 30 Jahren im klassizistischen Stil grundlegend renoviert. Übrigens steht der Dom auf dem uralten Friedhof. Man schätzt, dass auf ihm über Jahrhunderte hinweg ungefähr 23.000 Menschen ihre Ruhe fanden.

    Das nächste Ziel war ein Insidertipp eines Mitreisenden: Wir sollten unbedingt das historische Stadtviertel Haga besuchen! Weit war´s nicht – den Roselungskanalen und die Nya Allén überqueren und schon waren wir da. Ein Viertel, das Geschichte atmet.

    Die Gründungsurkunde stammt aus 1647. Für die arbeitende Bevölkerung wurde erstmals außerhalb des Stadtgrabens eine Siedlung mit einfachsten Häusern – eher wohl Hütten – geschaffen. Jahrhunderte später baute man i.Z.m. der Industrialisierung in diesem Viertel Wohnstätten für Arbeiter. Das Ergebnis wurde im Laufe der Zeit katastrophal. Vor ca. 50 Jahre wurde aufgrund der hygienefremden Wohnbedingungen der Abriss des gesamten Viertels in Erwägung gezogen. Die Stadt erwarb ungefähr 80 % der Häuser, wollte mit dem Abriss beginnen und bekam Stress mit Bewohnern und Befürwortern der historischen Bauwerke. Das Ergebnis war ein Kompromiss – einige Häuser wurden abgerissen, andere liebevoll renoviert. Und es lohnte sich, vor allen Dingen auch deshalb, da die durch den Abriss entstandenen Baulücken mit tollen, dem alten Stil angepassten Wohnhäusern geschlossen wurden.

    Es war ein Erlebnis, durch Haga zu spazieren. Viele Holzhäuser, jede Menge kleine Geschäfte, eine Vielzahl von Cafés und Restaurants. Normalerweise müssten bei dem guten Wetter die Gassen bevölkert sein. Aber nicht vergessen: Die Nachwehen der Mittsommernachtsfeiern waren auch hier zu spüren: Wir hatten Platz satt!

    Am Rande des Viertels ging der Blick nach oben. Nicht nur der Blick sondern auch ein Weg. Und nicht nur der Weg sondern auch Treppenstufen. Viele Treppenstufen, die von uns bezwungen wurden. Ziel war Skansen Kronan im Skansparken. Und nun die Übersetzung, nee, die Beschreibung des Skansen Kronan: Als die Dänen frech geworden waren oder so, wurde diese Festung Ende des 17. Jahrhunderts gebaut. Eine richtig gute Investition! Die Kanonen dieser Festung hatten über Jahrhunderte hinweg keinen einzigen Schuss abgegeben. Auch bekam die Festung keinen einzigen Schuss ab. So wurde eine große Menge Geld gespart … Was machte man nun mit einer solchen Festung? Die Katakomben dienten später als Gefängnis; im Hof für den Freigang der Häftlinge befindet sich heute ein kleines Café. Es soll urig sein, was wir nicht überprüfen konnten. Denn es war geschlossen – Mittsommernacht!
    Aber das machte nichts, denn vom Festungshügel genossen wir eine tolle Aussicht über die Stadt.

    Irgendwo las ich, dass in diesem Park gerne gegrillt wurde – man sah aber nach den Feiern der letzten Nacht so gut wie keine Grillrückstände. Die Lösung war: es gab Entsorgungsbehälter für Einweggrills …
    Von nun an ging es bergab … Richtung Hafen. Doch nicht auf dem direkten Wege. Wir wollten noch ein wenig von Göteborg mitnehmen und schlenderten langsam durch die Straßen. Uns fiel auf, dass die meisten Gebäude an den Hauptverkehrsstraßen keine sterilen Zweckbauten waren. Ein wenig älter, gut gepflegt, verspielt, nicht langweilig, vielseitig – eben schöööööööööööön!

    Schließlich kamen wir wieder zum Rosenlundskanalen. Auf der anderen Seite befand sich unser nächstes Ziel: die Feskekörka. Fischkirche? Eine Kirche, in der Fisch verkauft wurde? Nein, kein geweihtes Haus sondern eine Fischhalle, die nur vom Äußeren einer Kirche ähnelt. Seit 1874 werden hier Meerestiere verkauft. Besser in der Halle als draußen im Kalten, dachten sich damals sicher die Fischerfrauen …

    Weiter schlenderten wir den Rosenlundskanalen entlang. Auf der einen Seite Gebäude an Gebäude, zwischendurch die eine oder andere, meist breite Straße oder auch ein Platz. Auf der anderen Seite des Kanals eine riesige Parkanlage. Nunmehr links einschwenken in die Korsgatan. Dort befindet sich die Große Markthalle (Stora Saluhallen) aus 1889. Sie erinnert ein wenig an alte, in dieser Zeit in Deutschland gebaute Bahnhöfe. Viel Stahl, viel Glas. Und da die Markthalle so alt war, wurde sie gerade von außen runderneuert. Fotos von den Gerüsten und Christo-Planen ersparten wir uns. Aber nicht den Besuch der Innenräume. Über 40 Verkaufsstände, Restaurants, Delikatessenläden, die sich langsam füllten. Nein, nicht von AIDA-Passagieren (einige waren zwar auch anwesend), sondern von der Stadtbevölkerung. Hunger nach dem Feiern? Oder musste Nachschub für den Abend – es war Freitag – besorgt werden?

    Weiter ging es Richtung Innenstadt. Und plötzlich fanden wir uns wieder am Stora Hamnkanalen mit der Deutschen Kirche.
    Der Gustaf Adolfs Torg war auch nicht mehr weit. Da die Fußsohlen ein wenig brannten, beschlossen wir in der Hoffnung, noch ein wenig mehr von Göteborg zu sehen, mit der roten Bimmelbahn zu fahren. Für uns eine Fehlinvestition. Wir fuhren weitestgehend die Strecke ab, die wir vorher zu Fuß bewältigt hatten … Na ja, ein bisschen Verlust ist immer.
    Nun aber ein Blick nach oben. Der blaue Himmel wechselte in Richtung grau; dicke Wolken nahten. Also auf Richtung AIDAcara, aber nicht, ohne noch das Kronhuset besucht zu haben.

    1654 – das Magazin auf königlichem Boden wurde fertig gestellt. Man merkte, dass Niederländer am Werk waren. Das für die Armeeorganisation gedachte Gebäude trägt zweifelsohne holländische Merkmale. 1660 traf sich hier der von König Karl X. Gustav einberufene Reichstag. Karl X. überlebte die Sitzungen nicht und umgehend wurde i.R.d. Zusammenkunft der immerhin schon vierjährige Sohn zum neuen König ausgerufen. Um den Adel, die Geistlichkeit und das gemeine Volk nicht zu überfordern, erhielt der neue, in allen politischen Winkelzügen erfahrene Regent früh genug den für die Schweden ungewohnten Namen Karl mit einer XI. Das Kronhuset ist von außen wunderbar restauriert worden (von innen mit Sicherheit auch) und Veranstaltungsort für Konzerte. Die besten Fotos kann man vom Innenhof aus schießen. Dort sieht man auch kleine gelbliche Gebäude, Kronhusbodarna, in denen Kunsthandwerker auf betuchte Abnehmer warten, sowie ein uriges Café.

    Von hier aus war es bis zum Fluß Göta älv nicht mehr weit. Vor uns baute sich das Casino Cosmopol Gothenburg auf. Heute betreten die Besucher das Haus mit viel Geld in der Hoffnung, es mit noch mehr Geld zu verlassen (böse oder auch andere Zungen behaupten, dass diese Hoffnung oftmals trügt ...). In früheren Zeiten war es anders: Man kam mit wenig Geld in dieses alte Zollhaus, verließ es, um nach einer Reise über den großen Teich eine Zukunft mit mehr Geld zu haben.

    Schnell vorbei – und dann sahen wir sie, unsere AIDAcara. Eine richtig schöne Kulisse. Im Vordergrund ältere, im Wasser oder auch auf dem Kai liegende Schiffe des Schiffsmuseums Miritiman, Anker, Mastbaum und dazwischen unser Schiff ...

    Dieses Freilichtmuseum passt zu Göteborg. Schließlich hat die Stadt den größten Hafen Skandinaviens. Nicht nur militärische Schiffe wie ein Zerstörer, ein U-Boot und ein Schnellboot können besichtigt werden von außen und teils von innen. Auch zivile Wasserfahrzeuge wie Schlepper, Feuerschiffe oder Frachter warten auf Besucher. Insgesamt liegen 20 ”Pötte”, teilweise nebeneinander vertäut und über Brücken oder Stegen betretbar, am Kai. Wir genossen nur den Anblick von außen, denn der Zeitpunkt des sail-away kam immer näher und wir hatten noch einige Meter vor uns.

    Einige Meter – ja einige Meter weiter stießen wir auf Göteborgs Operan. Ein kleineres Gebäude ... Fläche 28.000 qm, 1.200 Angestellte, zwei Konzertsäle – der größere bietet 1.300 Zuschauern Platz, Hauptbühne mit 500 qm, 270 Vorstellungen p.a. ...
    Von der Oper aus bewunderten wir nochmals das Hotelschiff Barken Viking und den Lippenstift.

    Auch wenn sich der Himmel immer mehr zuzog, war es ein wunderschöner Anblick, von dem wir uns schnell trennen mussten. Das Hafenbecken Lilla Bommenshamn wurde umrundet, ebenso der Lippenstift, von dem aus wir über eine Wendeltreppe auf die Götaälvbron stiegen. Wir ließen diese Brücke hinter uns, schwenkten links in das Hafengelände und standen letztlich wieder vor der AIDAcara. Am Kai erkannten wir, dass sie vor ein wenig mehr als 3 Jahren bereits an derselben Stelle lag.
    Und nun schnell auf unser Schiff – ein wenig Wehmut begleitete uns. Schließlich lag unser letztes sail-away vor uns ... und um 15 Uhr war es so weit. Leinen los – die AIDAcara schob sich langsam den Göta älv hinunter. Ein Blick zurück: Götaälvbron, davor wieder und unverrückbar der Lippenstift und das Hotelschiff Barken Viking.

    Beeindruckend, wie die auf dem Hügel thronende Masthuggskyrkan nicht sehr ansehnliche Wohnhäuser und die Sankt Johannes Kyrka überragt.
    Auch das Terminal der Stena Line sagte: ”adjö”! Und zeigte uns in den spiegelnden Scheiben unsere AIDAcara.
    Und dann? Dann begann es zu nieseln, später ein wenig stärker zu regenen. Schade, dass wir die Schärenausfahrt nicht bei blauem Himmel und Sonnenschein wie am frühen Morgen die Einfahrt miterleben durften. Kaffee und Kuchen trösteten ein wenig. Wir sagten uns, dass dieses Wetter der richtige Hintergrund für eine nicht beliebte Tätigkeit war: Packen!

    Anschließend schauten wir uns natürlich noch einmal lieb gewonnene Ecken auf der AIDAcara an bis zur Abendessenszeit, die schneller kam als wir wahrhaben wollten.
    Ja, das Farewell-Diner ... mir läuft wieder das Wasser im Munde zusammen ... Der Abschiedssekt wie auch die Farewell-Poolparty ließen noch auf sich warten – König Fußball regierte zum letzten Mal während dieser Reise! Ich sah wieder so gut wie nichts vom Spiel, wie unsere Jungs die griechische Nationalmannschaft beim 4 : 2 – Sieg durcheinanderwirbelten ... der letzte Deckabend ging vor, zumal der Regen verschwand. Der Sonnenuntergang war nicht optimal; aber die Sonne ließ sich wenigstens noch einmal sehen.
    Nach dem Spiel füllte sich blitzschnell die Landschaft um die Pools – die letzten Stunden begannen. Für uns auch nach einiger Zeit in unserer Kabine, in der wir uns während der gesamten Kreuzfahrt wohl fühlten.

    Und am frühen Morgen der Wecker – ein Blick aus dem Fenster: blauer Himmel. Das motivierte trotz des bevorstehenden Abschieds, so schnell wie möglich das Deck aufzusuchen. Das Marine-Ehrenmahl von Kiel-Laboe begrüßte uns. Einmal gegen den blauen Himmel, einmal im Gegenlicht.
    Als wir an der Einfahrt des Nord-Ostsee-Kanals vorbeifuhren, wussten wir: Der Kreis hatte sich geschlossen ...

    Zum Abschluss dieser Reiseberichtsfolge danken wir Kapitän Kurc und seine Crew, dass wir mit Ihnen diese hochinteressante Kreuzfahrt unternehmen durften. Uns hat alles, wirklich alles gefallen. Dazu im Einzelnen:

    Crew: wie immer höflich und zuvorkommend
    Schiff: Es ist bekanntlich das älteste AIDA-Schiff, wurde aber - wenn es angebracht war - renoviert.Man sieht ab und an, dass die AIDAcara in die Jahre kommt. Aber wir hatten uns jederzeit sicher gefühlt und freuen uns, im kommenden Jahr Wiederholungstäter zu werden. Über die Sauberkeit gab es nichts zu bemängeln.
    Essen: Die Waage sagte alles ... abwechslungsreich, lecker, eine prima Auswahl. Und die Themenabende ...
    Ziele: wie schon geschrieben hochinteressant. Eine prima Mischung aus Natur und Kultur, wobei beides teilweise ineinander überging.
    Wetter: am Anfang na ja – doch wir wussten, worauf wir uns einließen. Später spitze; übrigens: Honfleur und Irland im Sonnenschein sind einzigartig.

    Danke!

  • Winter im hohen Norden

    • joachimmeertal
    • 18. Juli 2018 um 20:25

    Die angabegemäße Überspannung im Maschinenraum hätte auch auf jedem anderen Schiff passieren können. Wir hatten Glück, dass wir bei ruhigem Meer und ohne starkem Wind weit genug von der Küste waren, so dass keine größere Gefahr entstand. Man hatte die Angelegenheit recht schnell im Griff. Negativ war, dass wir erst kurz nach dem ursprünglich geplanten Auslaufen informiert wurden, dass das Verlassen des Hafens erst für den folgenden Tag vorgesehen war. M.E. muss den Führungskräften schon beim Auftreten der Schwierigkeiten bekannt gewesen sein, dass eine Abnahme des Schiffes durch einen einzufliegenden Sachverständigen unabdingbar war. Eine frühe Information hätte eine andere Tagesplanung in Trondheim zur Folge gehabt.

    Jetzt zur ursprünglichen Problemstellung: Die Chance, Nordlichter zu sehen, ist bei früheren Terminen größer. Andererseits könnte man bei den frühen Terminen Pech haben, wenn Stürme das Anfahren der Häfen unmöglich machen oder die Witterungsbedingungen (permanente Wolken, wie wir es in Tromsoe hatten) den Nordlichtern keine Chance geben. Also kann man schlecht raten, wann man am besten fahren soll …

    Trotzdem viel Spaß dort oben!

    Achim

  • High von den Highlands … Invergordon

    • joachimmeertal
    • 18. Juli 2018 um 07:56

    Wie anders ist der romantische Zauber, der über dieser Landschaft liegt. Ein Ton stiller, rührender Klage durchklingt das Ganze wie das Gefühl eines scheidenden Frühlings, eines kurzen Glücks. - Theodor Fontane



    10. Juni 2012 – Invergordon

    Invergordon zum Dritten – zweimal kamen wir bereits mit einer AIDA an und erlebten bei unserer Ankunft jeweils Regen. An diesem 10. Juni hatte es allerdings geklappt: es war trocken, die Wolken überwogen zwar, doch blauer Himmel und Sonne machten sich breiter und breiter … Die AIDAcara nahm ihren „Weg“ durch den Moray Firth und dann in einem dazu gehörigen Seitenarm, dem Cromarty Firth. Links und rechts der Fjorde dehnten sich ansteigende Weiden und Felder aus. Ab und zu unterbrochen von mehr oder weniger großen Wäldern. Das Spiel der Wolken bestimmte die Farben mit – es war einfach schön, die langsam an uns vorbei gleitende Landschaft in unterschiedlichen Farbtönen zu genießen.

    Und schon legten wir an – gegen 8 Uhr. Die Silhouette von Invergordon war nicht gerade anziehend. Hinter netten Häusern ragen einige riesige Öltanks hervor, sicher auch die Reste von Invergordons einstiger Funktion als Öllager der Royal Navy. Seit einiger Zeit ist die Stadt Zentrum für die Reparatur und Wartung von Ölplattformen. Kein Wunder, da die Ölfelder der Nordsee in Reichweite liegen. Bei der Fahrt zum Anlegeplatz sahen wir auch einige dieser Ungetüme – wenn ich mich nicht irre, waren es sechs, die auf Reparatur oder nach Einmottung auf den nächsten Einsatz warteten. Nicht unbedingt ein schöner Anblick wie auch die Plattformen für die Flakgeschütze – Überbleibsel aus dem zweiten Weltkrieg.
    Direkt nach dem Anlegen zog uns die Möwe Jonathan – so tauften wir sie frei nach Neill Diamond - in ihren Bann. Sie frühstückte. Nicht von Passagieren zugeworfene Brotkrumen sondern Muscheln, die sicher gesünder und besser für die Möwen waren. Es gab nur ein Problem. Eine Möwe verputzte nicht Muscheln wie Obelix Austern, nämlich mit Schale. Und Jonathan konnte nicht mit einem Nussknacker umgehen. Zumal keiner da war. Aber Jonathan war nicht dumm – Muschel in den Schnabel, einige Meter in die Luft fliegen, Schnabel auf und die Muschel auf den Kai fallen lassen. Dann nachschauen, ob sie an das Fleisch kommt. Wenn ja, guten Appetit. Wenn nein, nochmals die Muschel auf den Kai prallen lassen. Beharrlichkeit führt zum Ziel und macht auch satt …

    Àpropos satt – ein kleines Hungergefühl setzte ein und auf ging es zum Frühstück. Da sich die Sonne immer mehr blicken ließ, flohen wir aus dem schon gut besuchten Restaurant und setzten uns an die frische Luft. Ob es nicht ein wenig kühl war? Ja, doch – aber dagegen halfen Fleece-Jacke und einige Tassen heißen Kaffees. Schön war´s – mal anders als bisher. Und wir schauten nicht Richtung Öltanks sondern auf nette, nahe dem Ufer gelegenen kleine Häuser …

    Wir ließen uns Zeit beim Frühstück. Denn bereits 2007 und 2010 hatten wir vom Hafen aus zwei von AIDA vermittelte Ausflüge gemacht; die restlichen Angebote sagten uns nicht so richtig zu. Also überlegten wir, was wir an diesem Tag – übrigens wieder mit Elsa und Lothar – machen sollten. Man könnte ganz, ganz ruhig den Tag in Invergordon gammelnd verbringen, alternativ könnte man aus lauter Langeweile mit Zug oder Bus nach Inverness fahren oder man könnte auch sonst ´was machen … Wir legten uns nicht fest, verließen die AIDAcara und das Hafengelände und … schwupps – schräg gegenüber vom Eingang des Hafengeländes wurde uns „sonst ´was“ angeboten. Dort stand ein leerer Bus. Leer, weil er erst um 11.00 Uhr abfahren würde. Aber Fahrer Kenny und Reiseleiterin Nini standen vor dem Bus und boten uns für £ 22,50 p.P. eine knapp siebenstündige Fahrt in die nähere Umgebung an. Uns wurde ein Plan mit Zielen und Planuhrzeiten in die Hand gedrückt und … schwupps … zahlten wir und bekamen unsere Tickets.

    Wir hatten noch ein wenig Zeit und beschlossen, uns kurz Invergordon anzuschauen. Vor allen Dingen einige Giebel, die in den Vorjahren von Schülern unter Anleitung von Künstlern mit Gemälden verschönert wurden.
    Quasi um die Ecke lockte die ungefähr 150 Jahre alte Church of Scotland. Der Grundstein wurde vom Erzbischof von Canterbury gelegt; übrigens die erste offizielle Amtshandlung eines englischen Erzbischofs in Schottland seit Gründung der presbyterianischen Kirche. In einer Ecke dieser Kirche ist eine Seemannsmission beheimat. Seeleute der in Invergordon anlegenden Schiffe haben die Möglichkeit, via Internet mit ihren Angehörigen Kontakt aufzunehmen. Diese Ecke war gut bevölkert – logisch, dass das phantastische Angebot gerne angenommen wird.

    Von der Kirche gingen wir nochmals zum Kai der AIDAcara. Schließlich fehlte uns noch ein Invergordoner Foto unseres Zuhauses … Und auch die Uferlandschaft gegenüber von Invergordon sah nicht schlecht aus …

    Und dann war es kurz vor 11 Uhr – rein in den Bus, der sich schnell füllte und zum Schluss nahezu rappelvoll war. Naja, zu diesem Preis – aber es lohnte sich! Wir verließen Invergordon, das Tor zu den Highlands, und fuhren am Cromarty Firth entlang. Es war Ebbe. Schlickfelder begrenzten nun die Förde mit vielen kleineren und auch größeren Felsen. Nein, es waren nicht nur Felsen – es waren auch Seehunde, die sich bei gutem Wetter gerne die Sonne auf den Pelz brennen ließen. Schööööööööööööön …

    Nach ca. 45 Minuten erreichten wir Inverness. Nini „entließ“ uns mit der Bitte, gegen 13 Uhr wieder pünktlich an „Bord“ zu sein. Elsa, Lothar und wir zogen los. Die ersten Eindrücke waren nicht schlecht.

    Die Stadt Inverness hat ihren Namen von ihrer Lage. Sie wurde an der Mündung des Ness erbaut, was im Gälischen Inverness heißt. Schon St. Columba besuchte die Stadt, um sich von seinem Kampf mit Nessie auszuruhen. Sicher ist auf jeden Fall, dass er die Anstrengungen der Unterhaltungen mit dem Ungeheuer nicht in dem prachtvollen, am Ness gelegenen Hotel vergessen wollte …

    Weiter schlenderten wir zur Inverness Cathedral, ein neugotischer Bau, erstellt zwischen 1866 und 1869 und St. Andrew gewidmet. Was sagte wohl St. Columba dazu … sollen beide sich hoch droben darüber auseinandersetzen! Wir überquerten die Ness Bridge und stiegen neben dem Inverness Museum unzählige Stufen nach oben und standen dann vor dem Inverness Castle. Schon im 12. Jahrhundert stand dort ein Schloss, das während des zweiten Jakobitenaufstands 1746 zerstört wurde. 1834 wurde auf derselben Stelle das jetzige Schloss im viktorianischen Stil errichtet. Natürlich ist dort heute nicht die Königin beheimatet – die Räumlichkeiten werden als Verwaltung, insbes. als Gericht genutzt. Vom Vorplatz kann man einen schönen Ausblick auf den River Ness und Inverness genießen. Wir taten dieses ausgiebig, zumal die Sonne schien. Schottische Sonne, so, wie wir es bisher nicht gewohnt waren. Nun ging es wieder nach unten. Vorbei an älteren kleinen Einzelhandelsgeschäften an der Castle Street führte unser Weg in die Innenstadt und auf einmal standen wir vor „The Caledonian“, ein schmuckes Gebäude, das man für private Feiern mieten kann. Preise standen natürlich nicht im Aushang. Sie waren uns aber sowieso egal, denn Tag und Abend waren voll verplant!
    Nicht weit entfernt war der Victorian Market. Klar, dass wir ihn aufsuchen mussten. Na ja, ganz nett, aber nicht so vielfältig und voller Leben wie der English Market in Cork.
    Ein Blick auf die Uhr – es war allmählich Zeit, den Bus wieder anzusteuern. Die St. Mary´s Church auf dem gegenüber liegenden Ufer fiel ins Auge, 1837 im neugotischen Stil erbaut als erstes katholisches Gotteshaus nach der Reformation in Inverness.
    Nur der Ness musste noch überquert werden – für uns ging es über die Greig Street Bridge und nach wenigen Metern saßen wir wieder im Bus, der pünktlich mit allen Passagieren an Bord abfuhr. Schnell verließen wir Inverness und es begann eine sehr beeindruckende Landschaftsfahrt, zunächst in etwa parallel zum River Ness. Die Straße war anfangs recht breit, sie wurde enger, mitunter war sie einspurig. Für Kenny und auch die wenigen entgegenkommenden Autos kein Problem, denn es waren genügend Ausweichbuchten vorhanden. Was gab es zu sehen? Natur pur in Form von kleineren Wäldern, Weiden, Lochs, in Blüte stehenden unzähligen Ginsterbüschen, alles insgesamt farbenfroh. Wenn wir an einzelnen Höfen oder Kleinsiedlungen vorbei kamen, sahen wir neben den liebevoll gepflegten Blumengärten das frische, nuancenreiche Grün der Weiden, Sträucher und auch vereinzelten Wälder, daneben auch größere Farbflecken durch immer wieder auftauchenden blühenden Ginster und Fuchsienhecken. Einfach ein Traum. Kein Wunder, dass die Highlands zum Hochgefühl führten …
    Viele hätten gerne größere Waldflächen gesehen. Dass in den Highlands keine existierten, verdankte man Elisabeth I. Sie verfügte seinerzeit, dass englische Schiffe nur aus englischem Holz gebaut werden durften. Zum Eisenschmelzen benötigte man Holzkohle. Natürlich nicht aus englischem Holz. Das brauchte man schließlich für die Schiffe. Sondern aus den Wäldern der Highlands, die nahezu restlos abgeholzt wurden, auch unrühmlich unterstützt von gierigen Kaufleuten aus den Lowlands – es war eben eine andere Welt, die leider auch eine andere Landschaft schuf … Trotzdem – schön war´s!
    Ab und zu sahen wir an „Backbordseite“ das Loch Ness, doch genauso oft versperrten Hügel den Blick. Kurz vor dem westlichen Ende von Loch Ness, ca. 8 km vor Fort Augustus, machten wir am Suidhe Viewpoint eine längere Pause. Die Aussicht war großartig. Man spürte die endlose Weite. Das viele Grün – gefördert vom schottischen, immer wiederkehrenden Regen – beruhigte. Ein Spiel zwischen Farben, Licht und Wolken. Eine hügelige Landschaft, ansteigend zum Bergrücken der Monadhliath Mountains. Riesige Heideflächen – wie toll mag es zur Blütezeit aussehen … In der Ferne eines der zahlreichen Lochs mit bewaldeten Ufern. Die Straße buckelig und schnurgerade. Einfach toll. Und wie immer zu wenig Zeit zum ausgiebigen Genießen! Also – weiter bis zum nächsten Stopp in Fort Augustus am westlichen Ende von Loch Ness.
    Dieser kleine Ort mit ca. 500 Einwohnern ist nach der gleichnamigen Festung benannt, die wiederum ihren Namen von William Augustus, Duke of Cumberland hat. Den Schotten ist er eher als Schlächter von Culloden bekannt. Aus dem Süden kommende Touristen – entweder per Boot über den Kaledonischen Kanal oder auf dem Landweg – bevölkern in der Saison Fort Augustus. Die über den Kanalweg Kommenden haben hier einen Zwangsaufenthalt, denn sie müssen vom zulaufenden Kanal via fünf Schleusen ins Loch Ness entlassen werden.
    Während des ca. halbstündigen Aufenthalts spazierten wir den Kanal entlang zum Beginn des Loch Ness, später beobachteten wir die Ein- und Ausschleusung. Ins Auge fiel auch die schottische Blumenpracht – so z.B. der abgebildete Rhododendron.

    Wie immer viel zu schnell mussten wir uns von den Blumen und dem Kanal lösen – wir fuhren weiter, nunmehr in nächster Reichweite des berühmten Loch Ness. Kein anderer als St. Columba hatte schon das Vergnügen, Nessie kennen zu lernen! Im Jahre 565 kam er von Irland nach Schottland. Er wollte nichts als missionieren. Doch das war nicht einfach, denn wenn er Schotten zu seinem Glauben bekehren wollte, musste er den Clanchief überzeugen. Verdammt hart. Da kam ihm ein Zufall zu Hilfe. Als er den damals noch nicht als Loch Ness bekannten See erreichte, hatte gerade ein Seeungeheuer einen Anwohner angefallen und dem Heidentode zugeführt. Als St. Columba (damals auch noch nicht Saint) dieses bemerkte, bat er einen seiner Anhänger, ans andere Ufer zu schwimmen. Und was geschah? Nessie kam und freute sich auf das nächste Opfer. St. Columba sah Nessie, schrie das Ungeheuer an: „Komm´ nicht näher, lass den Mann in Ruhe! Schleich di (oder so ähnlich …)!“Nessie gehorchte, St. Columba beeindruckte den anwesenden Clanchief, der sich schnellstens taufen ließ … Nicht nur er … Schottland war nunmehr in der Hand der katholischen Kirche …

    Beim nächsten Halt am Urquhart Castle lag Loch Ness in voller Pracht vor uns – nicht sehr breit, dafür aber lang, umrandet von Hügeln, nicht unnahbar, sondern aufgrund des Wetters freundlich: Kommt ´runter – besucht mich! Es ging leider nicht, denn wir hatten lediglich 15 Minuten Zeit, einen Blick auf den See zu werfen und natürlich zu fotografieren. Es hieß ja auch Fotostopp … Unter uns lag Urquhart Castle, welches im 13. Jahrhundert als königliche Festung erbaut worden war. Mehrmals wechselten die Bewohner nach hartem Kampf. Mal waren es die Schotten, mal waren es die Engländer. Zum Schluss die Engländer, die die Festung 1692 in die Luft sprengten, damit sie nicht den Jakobiten in die Hände fallen konnte. Seitdem tat sich dort nichts mehr. Doch als man merkte, dass es ein Touristenmagnet werden könnte, wurden die Ruinen aufgeräumt, die nähere Umgebung mit (fast) englischem Rasen versehen und eingezäunt. Dazu wurde noch ein weitgehend unterirdisches Besucherzentrum mit Souvenirläden, Café und Multimediashow errichtet. Lohnenswert ist es, den Turm zu besteigen. Der Blick von oben auf die Anlage und das Loch entschädigt die Mühe, lange anzustehen und sich durch Touristenscharen zu drängen (Erfahrung unseres ersten Besuches …).

    Die Zeit lief allen – Kenny, Nini und den Passagieren – davon.Also weiter. Kurz hinter Urquhart Castle verließen wir Loch Ness und fuhren über Land. Ungefähr eine Dreiviertelstunde bis wir wieder den Cromarty Firth erreichten. Eine kurze Fahrt am Ufer entlang, dann überquerte der Bus den Cromarty Firth und wir kamen pünktlich – wie im Zeitplan vorgesehen – kurz vor 17.00 Uhr am Admirals Pier an. Rauf auf die AIDAcara, Rucksack in der Kabine ablegen und schnell nach oben. Denn für 17.00 Uhr war ein Auftritt einer schottischen Tanzgruppe incl. Akkordeon- und Dudelsackspieler avisiert. Rappelvoll war es – doch es gab immer wieder Lücken, so dass wir die Truppe gut beobachten und fotografieren konnten. Als zum Schluss unsere schottischen Freundinnen und Freunde „Auld Lang Syne“ (Nehmt Abschied, Brüder, ungewiss ist alle Wiederkehr …) sangen und spielten, kam das bekannte Gänsehautgefühl …
    Und damit nicht genug. Kurz nachdem die Gruppe die AIDAcara verlassen hatten, wurden wir vom Kai aus gebührend verabschiedet: Lange spielte die Dudelsackgruppe, wir winkten mit einer schottischen Flagge, fuhren langsam aus Cromarty und Moray Firth und erreichten die offene Nordsee. Auf ging es in Richtung Osten. Und wir gingen in das Markt Restaurant, wo uns zur Einstimmung auf den nächsten Hafen „Skandinavische Impressionen“ erwarteten. Wir zogen sie den „Mediterranen Highlights“ des Calypso vor – schließlich gab es an diesem Tag genügend Highlights …

    21. Juni 2012 – Seetag

    Dieser Tag verlief unspektakulär. Frühstück, frische Luft schnappen, Mittagessen in Form des Poolbrunch´, frische Luft schnappen, den ersten Koffer packen (so´n Mist!), Kaffee trinken, frische Luft schnappen, dabei eine Flasche AIDA Prestige Cuvee köpfen Abendessen. Und nun kam der zweite Druck des Tages (nach dem Packen) auf uns zu: wohin sollten wir gehen? Ins Markt Restaurant zum Thema „USA“ oder ins Calypso, wo „Outback“ angeboten wurde? Logisch, es lief auf einen Kompromiss hinaus: wir wählten beide Restaurants … Und der Kompromiss hatte sich gelohnt. Beides war vorzüglich!

    Früh rief die Koje, denn am nächsten Tag wollten wir nicht das Einlaufen durch die Schären vor Göteborg verpassen …

  • Vom schottischen Oban fuhren wir in die Karibik des Nordens

    • joachimmeertal
    • 17. Juli 2018 um 09:00

    Es bleibt leider nur bei der äußeren Ähnlichkeit – schneeweiße Strände, äußerst feiner Sand, glasklares Wasser. Aber die Temperaturen … auch im Juni waren Jacken unverzichtbar …

    18. Juni 2012 - Oban

    Weit war es wirklich nicht von Greenock bis Oban: Luftlinie ca. 40 bis 50 km. Doch wie schafft man die AIDAcara über das Land nach Oban??? Überhaupt nicht – so blieb Kapitän Kurc nichts anderes übrig, als die 172 sm = 319 km auf den üblichen Wasserwegen um die Halbinseln Kintyre und um die Hebrideninseln Islay und Jura zurückzulegen.
    Allein die Aussicht, zwischen den Inneren Hebriden den nächsten Hafen anzusteuern, brachte uns wieder vor sechs Uhr nach oben. Und es lohnte sich. Es war frisch, Regenwolken waren nicht zu sehen, aber leichte Wolken begleiteten uns. Doch der blaue Himmel war nicht fern. Die beste Voraussetzung für einen unvergesslichen Tag. Und der sollte es werden! Allein das Wasserleuchten …
    Dann ging es aber flott zum Frühstück, denn unser Treffen zum Ausflug „Schottische Inselimpressionen Mull & Iona“ fand bereits um 8.45 Uhr statt. Zunächst musste noch unbedingt ein Foto geschossen werden: wie wir uns langsam, aber wie immer sicher Oban näherten.
    Oban ist eine Hafenstadt am Firth of Lorn, hat ca. 8.500 Einwohner und ist aufgrund des Schutzes durch die knapp 2 km vor dem Festland liegende Insel Kerrara ein beliebtes Wassersportgebiet. Im Hafen konnten keine Schiffe in der AIDAcara-Größenordnung anlegen. Also ging es per Tender an Land. Dort wartete schon unsere Reiseleiterin. Sie informierte uns, dass noch genügend Zeit war, um zu Fuß um den Hafen herum die Anlegestelle der Fähre zur Insel Mull zu erreichen. Bei bestem Wetter war es ein sehr schöner Spaziergang. Da Ebbe war, gingen wir unterhalb der Befestigung auf dem Strand entlang und genossen die Stadtsilhouette mit alten Häusern auf der einen Seite und auf der anderen Seite die Ausblicke auf die Hafeneinfahrt.
    Rauf ging es auf die Fähre MV Isle of Mull und wir bekamen einen guten Platz auf dem oberen Deck. Und was sahen wir? Zunächst noch einmal die Stadtfront von Oban. Ein wenig fiel ein größeres, über der Stadt thronendes Gebäude aus dem Rahmen, eines der wenigen Sehenswürdigkeiten des Ortes. Das Gebäude erinnert an ein Kolosseum. Der McCraig´s Tower sollte ein Denkmal für diesen Bankier und für seine Familie sein. Und ist es mit Sicherheit auch geworden, auch wenn der Bau aufgrund des Todes von McCraig vor der Fertigstellung zum Erliegen kam. Seine Erben hatten mit dem auf sie zugekommenen Vermögen anderes vor … Nichtsdestotrotz sollte sich eine mögliche Besichtigung lohnen – besonders der Blick von oben auf Oban, auf den Hafen und die zum Meer führende Wasserstraße. Wir genossen diesen Ausblick nicht; waren aber mit dem zufrieden, was wir nach dem Auslaufen vom Deck der MV Isle of Mull aus genießen durften.

    Unterwegs verabschiedete uns die auf Reede liegende AIDAcara – aber nur für eine relativ kurze Zeit.
    Die Fährüberfahrt dauerte ca. 45 Minuten, war aber keine Sekunde langweilig. Wir blieben immer im Blickkontakt zum Land, ließen die Ufer von Festland und Hebrideninseln an uns vorüberziehen, genossen den Anblick der ansteigenden Berge auf dem Festland und die unterschiedlichsten Grüntöne, die zum Gipfel führten und zusätzlich durch von den Wolken verursachten Schatten verändert wurden. Ein schneeweißer, noch auf dem Festland stehender Leuchtturm der Insel Lismore

    begrüßte uns und auf den Ausläufern der Insel Mull mahnte uns das trutzige Duart Castle, welches im 13. Jahrhundert als eines der ersten schottischen Steinfestungen errichtet wurde zur Vorsicht. Kurz darauf erreichten wir den Fähranleger von Craignure und wurden sofort in den Bus „gescheucht“ (bitte nicht wörtlich nehmen …). Es begann eine rd. 1 ½-stündige Landschaftsfahrt über die viertgrößte Insel Schottlands. Die Straße war anfangs einigermaßen breit, später schmaler und mitunter recht eng, besonders bei der Fahrt durch Ortschaften oder über alte Brücken. Wir sahen viel – weite Ebenen, grüne, immer enger werdende lang gestreckte Täler, die vom 966 m hohen alten Vulkankegel Ben More überragt werden.
    Unterwegs zeigten sich ab und zu Dörfer, vielfarbige Blumen verschönerten Gärten und auch die Weiden – ein Ergebnis des auch Mull erreichenden Golfstromes. Plötzlich wurde der Bus langsamer: links von uns waren einige der von unserer Reiseleiterin als Wuschelkühe bezeichneten Tiere zu sehen – sogar mit einem Kälbchen! Wuschelkühe – das sind die dunkel falbenfarbigen Kühe mit Beatlefrisur (schon wieder …) und langem Fell … und dann, als wir uns dem Meer näherten, auch eine Gänsefamilie mit Jungen. Unverdorbene Natur pur!
    Je mehr wir uns dem von Iona trennenden Meeresarm näherten, um so mehr veränderte sich die Landschaft. Die Berge wurden flacher, Wasser kam in Sicht und damit auch andere, wassertypische Pflanzen.
    Schon näherten wir uns dem Fährhafen Fionnphort – welch´ ein Name! Ob er schon Dichter und Denker inspiriert hat??? Übrigens ist dieser Ort eine Mull-Großstadt mit immerhin 70 Seelen …
    Beim Anblick der Küste kam allmählich so etwas wie ein Karibik-Feeling auf. Welch` ein Strand (wenn auch nicht so breit und weitläufig wie Jamaikas Negril), welch´ ein weißer und feiner Sand, welch´ verschwiegene (?) Buchten … und die leicht auf dem glasklaren Wasser schaukelnden Boote …
    So, nicht träumen und raus aus dem Bus und nach wenigen Minuten rauf auf die nächste Fähre. Ein einwandfreies Timing, denn wenn wir die Fähre verpasst hätten, wäre es zulasten unserer Zeit auf Iona gewesen. 15 Minuten Überfahrt für die ungefähr 1,6 km, die gut begann. Mit einem märchenhaften Blick auf die Kulisse der Insel Iona.

    Wir verließen die Fähre und bekamen direkt große Augen. Ein wunderschöner Fleck in dieser ansonsten so rauen Umgebung. Klares, türkisblaues Wasser, blauer Himmel, herrliche kleine, von Felsen unterbrochene Sandstrände, satte Farben auf dem Land: grüne Wiesen und viele bunte Blumen – nur die Zeit, alles in Ruhe zu besuchen, fehlte leider, auch wenn Iona mit 8,8 qkm und mit dem wahnsinnig hohen Berg Dùn Ì (101 m) recht übersichtlich ist.

    Der Touristenpulk unseres Busses marschierte los und folgte einer der wenigen Straßen der Insel. Schon bald hielten wir vor den ersten auf unserem Weg liegenden Ruinen an. Es waren die Reste eines um 1200 von Reginald, dem Sohn eines gewissen Somerled of the Isles, eines militärischen und schottischen Anführers aufden schottischen Inseln,gegründeten Nonnenklosters. Praktischerweise war die erste Priorin seine Schwester Beatrice. Die Nonnen folgten dem Orden der Augustinerinnen; das Kloster hieß gälisch „An Eaglais Dhubh“, was soviel wie „Die schwarze Kirche“ nach der Farbe der Tracht der Nonnen hieß. Das Kloster wurde nach der Reformation aufgelöst und ging in das Eigentum der MacLeans of Duart, Eigentümer des Duart Castle, über.
    Einige Meter weiter umringten wir das MacLean´s Cross, ein frei stehendes Hochkreuz aus dem 15. Jahrhundert mit keltischen Motiven, das die Zeit gut überstanden hat.
    Während unserer Spaziergänge über einen leider nur kleinen Teil der Insel genossen wir die Gärten. Eine Blumenpracht … und sehr oft im Hintergrund die Fähranlegestelle von Mull.
    Dann sahen wir die Hauptattraktion der Insel: die frühgotische Abteikirche Iona Abbey aus dem Jahre 1203.

    Es war einmal – so beginnen bekanntlich Märchen … Es war einmal ein irischer Prinz, der aus seiner Heimat vertrieben wurde und im Jahre 563 auf der fruchtbaren Insel Iona an Land ging – und das ist kein Märchen! Er, der spätere schottische Apostel St. Columba, gründete die Iona Abbey, die langsam, aber stetig wuchs. Die Mönche bekehrten zunächst die Bewohner der Westküste Schottlands, später die Einwohner ganz Schottlands sowie Nordenglands und darauf große Teile der skandinavischen Bevölkerung zum keltischen Christentum. Somit ist diese Insel als Urstätte des nordeuropäischen Christentums anzusehen. Die keltische Klosteranlage wurde um 800 mehrfach von den Wikingern zerstört und jeweils wiederaufgebaut und bestand bis ins 11. Jahrhundert. Im 12. Jahrhundert siedelten sich die mit Macht ins Land drängenden Anhänger der römisch-katholischen Kirche in dieser Gegend an, gründeten ein Benediktinerkloster und legten somit in diesem Jahr den Grundstein für die Abteikirche.

    Die St. Oran´s Kapelle wurde im 12. Jahrhundert erbaut und ist der älteste erhaltene renovierte Kirchenbau auf der Insel. Neben der Nutzung als Kapelle ist er Begräbnisstätte der Mitglieder des MacDonalds-Clans, den Lords der Inseln.
    Dass die Insel mit dem geschilderten kirchlichen Hintergrund den nordischen Herrschern so wichtig und heilig war, erkennt man daran, dass neben der Iona Abbey 48 schottische, 4 irische, 8 norwegische Könige und unzählige Clanchiefs der westlichen Hebriden ihre letzte Ruhe fanden. Deren Grabsteine wurden im Laufe der Jahrhunderte anderweitig genutzt. Man vermutet, dass viele sterbliche Reste der Regenten unter dem abgebildeten Hügel liegen.
    Bemerkenswert sind mehrere keltische Hochkreuze – im Original und als Nachbildung – auf dem Abteigelände und im kleinen angeschlossenen Museum. Original und Fälschung – nein, Original und Nachbildung. Aus nahe liegenden Gründen wurde das Original des im 8. Jahrhundert geschaffenen St. John´s Kreuzes im schützenden Museum auf- und ausgestellt.
    Auf Iona und speziell in der Iona Abbey fand die 1938 von George MacLeod, Pfarrer der Church of Scotland, gegründete Iona Community ihre Heimat, die u.a. über Jugendarbeit, neue Lieder und den Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit Menschen ansprechen möchte.
    Übrigens entließ die Reiseleiterin den Touristenpulk nach Vereinbarung eines Termins und Treffpunkts für die Rückreise vor der Abteikirche. So schauten wir uns die Abtei in Ruhe an und machten uns anschließend nach dem Verlassen des Kirchengeländes langsam auf den Weg Richtung Hafen. Es gab ja noch genug zu sehen und vor allen Dingen zu genießen …
    So die saubere Natur und vor allen Dingen die Pflanzen, die wirkungsvoll vor Meer und der Insel Mull ihr Dasein gefunden haben. Es fielen wieder manns- (oh, sorry) und fraushohe Fuchsienhecken auf – schöner als jeder Gartenzaun …
    In einem Restaurant stärkten wir uns mit Fisch and Chips – einfach, aber sehr lecker und vor allen Dingen äußerst frisch. Und dann ging es wieder auf die Fähre. Ein letzter Blick auf Iona und Iona Abbey, schon verließen wir die Fähre und stiegen in den auf uns wartenden Bus. Während der Rückfahrt über dieselbe Strecke wie auf der Hinfahrt genossen wir nochmals die Landschaft, sahen erneut die Wuschelkühe und äsende Hirsche. Plötzlich hielt der Bus auf offener Straße. Der Fahrer und unsere Reiseleiterin machten uns auf einen in der Luft schwebenden Seeadler aufmerksam.Gigantisch! Die Sicht war außergewöhnlich gut und wir konnten nun auch den mit 1.344 m höchsten Berg Großbritanniens sehen. Oberhalb einer Seenkette machten wir eine kurze Fotopause und näherten uns allmählich dem Fährhafen von Craignure. Vom oberen, gut gefüllten Deck aus bewunderten wir nochmals das Duart Castle, wir ließen ein wenig später den Leuchtturm von Lismore hinter uns, schauten uns die an uns vorüber ziehenden buckeligen Wiesen und Weiden an und auf einmal erschien die AIDAcara vor uns,

    ein schönes und gutes Schiff vor einer grandiosen Kulisse! Und viel zu schnell tauchte vor uns Oban auf, zunächst die Landzunge mit vor sich hin dämmernden und in Anpassung an die Landschaft immer grüner werden Fortresten, dann das Panorama mit dem McCraig´s Tower und auf der anderen Seite die Marina mit still auf dem Wasser liegenden Segelschiffen. Von der Anlegestelle der Fähre schlenderten wir gemächlich zu den wartenden Tenderbooten, die uns in wenigen Minuten auf unsere AIDAcara brachten. Es dauerte nicht mehr lange bis zum sail-away um 20.00 Uhr, das wir wie immer miterlebten. Und auch die nunmehr sich uns in Pastellfarben präsentierende Insel Mull, an der wir langsam vorbei glitten.
    Unsere Mägen meldeten sich. Die Qual der Wahl blieb uns dieses Mal erspart, denn im Marktrestaurant wurde mit „Bella Italia“ verwöhnt während im Calypso „Pasta Festival“ geboten wurde – auch an diesem Abend konnte man einfach keinen Fehler machen.
    Ein erlebnisreicher, mit Natur und Kultur gespickter Tag ging zu Ende. Wir waren sicher, dass unser Ausflug die richtige Wahl war und würden ihn immer wiederholen. Er war wirklich jeden Cent wert. Wenn Ihr nach Oban kommen solltet und auch Mull und Iona kennen lernen wollt, ein kleiner Tipp: bucht von zu Hause aus per myaida – aufgrund der Fährkapazitäten und dem gegebenen Andrang ist das Platzangebot sehr begrenzt!

    19. Juni 2012 – Seetag

    Nach den letzten Tagen, an denen wir immer unterwegs waren, hatten wir uns das Ausschlafen verdient. Also stand ich erst kurz vor 7 Uhr auf und es dauerte nicht lange bis ich an der frischen Luft war. Und staunte: wir wurden links und rechts von Land begleitet! Festland? Nein, wir fuhren zwischen den Inseln der Äußeren Hebriden, Skye und Lewis. Kurz vor 8 Uhr überholte uns ein Kreuzfahrtschiff der Thomson Cruises – wozu diese Eile?
    Es war bewölkt, aber im Nordwesten zeigten sich leichte Anzeichen von blauem Himmel. Nach dem Frühstück zog es uns wieder nach draußen. Am Heck auf Deck 6 gab es für uns noch einige freie Plätze – wir wollten die Sonne locken. Und sie gehorchte und brannte! Schnell wurde es voll und voller. Dann kam Kapitän Kurc´ Durchsage: Delphine an Steuerbord! Schnell nach drüben und wir sahen noch die Delphine. Leider nur kurz und nur Rücken und Rückenflosse – aber besser als gar nichts!
    Die Zeit verging wahnsinnig schnell, auch bei netten Gesprächen mit Christine und Gerd und beim Fotoshooting von Frustvögeln (die Delphine ließen sich ja nicht mehr blicken, Christine!).
    Schon war Mittagsessenszeit. Anschließend setzten wir uns ganz oben in die Sonne. T-Shirt-Wetter – einfach herrlich! Die Äußeren Hebriden hatten wir hinter uns gelassen, aber auf der Steuerbordseite begleitete uns nun das Festland. Kurz nach 14 Uhr schwenkten wir in Höhe von John o´ Groats Richtung Süden. John o´ Groats ist der nordöstlichste Punkt Schottlands. Dort, wo sich Nordsee und Atlantik küssen. Immerhin, auf dieser Kreuzfahrt erlebten wir die südwestlichste Stelle des englischen Festlandes, Land´s End, und nun sahen den äußersten Punkt Schottlands im Nordosten! Und ganz weit im Norden waren als leichter Strich am Horizont Ausläufer der Orkney-Inseln zu erkennen!
    Weiter erfreuten uns blauer Himmel und Sonnenschein – wir genossen beides beim Kaffeetrinken im Freien.

    Schließlich trübte es sich ein wenig ein. Zum Abendessen gingen wir ins Markt-Restaurant, wo „Russland“ geboten wurde – eine Klasse für sich. Die „Karibischen Märkte“ im Calypso ließen wir links liegen, denn die Karibik hatten wir am Vortag genossen! Nach dem Essen tranken wir mit Kerstin und Meli einen Cocktail und danach saugten wir nochmals Meeresblick und die schottische Küste ein.
    Was fehlte noch zur Abrundung dieses Tages? Ein prima Sonnenuntergang –

    wir hatten ihn! Es war ein schöner und abwechslungsreicher Tag ohne jede Animation – auch das klappte ohne eine Sekunde Langeweile!

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