Hallo zusammen.
Die ersten Gedanken an eine Kreuzfahrt hatte ich schon vor etlichen (so ca. 30) Jahren. Die großen Schiffe und der damit verbundene Luxus haben mich absolut fasziniert. Ferne Länder sehen und dekadent am Pool rumliegen, während mich ein Steward mit Getränken versorgt, das wär´s. Die Preise, die zu der Zeit für so eine Kreuzfahrt aufgerufen wurden, zumal im Vergleich zu anderen Urlaubsformen, haben mich dann aber eher abgeschreckt. Hinzu kam, dass ich nicht den Altersschnitt radikal nach unten ziehen wollte. Daher fiel die Entscheidung, eine Kreuzfahrt steht erst an, wenn 1. genug Kohle vorhanden ist und 2. ich dem Rentenalter deutlich näher bin, als dem Führerscheinerwerb.
Dann lernte ich 1983 meine Frau kennen. Während ich bei der Bundeswehr in Schleswig stationiert war, machte meine Frau mit ihrer Schwester und ihrem Schwager einen Urlaub in Schweden. Auf der Rückfahrt haben sie in Kopenhagen Station gemacht, während ich mein Wochenende nutzte, um ebenfalls nach Kopenhagen zu fahren. Samstags sind wir dann zu viert mit der Fähre vom dänischen Gedser nach Travemünde gefahren. Kurz vor dem Einlaufen in Travemünde ist dann die legendäre Finnjet (hallo Baba-Doni) an uns vorbei gepflügt. Ich glaube ich habe noch beim Einlaufen im Hafen mit offenem Mund an der Reling gestanden. Boah, was für ein Riesenschiff. Leider hatte ich zu der Zeit keinen vernünftigen Grund, nach Helsinki zu fahren, schade eigentlich.
Dann kam die Zeit des Studiums, des Familiengründens, des Kinderkriegens und so verging Jahr um Jahr, der Urlaub fand mangels entsprechender Finanzmasse im Allgäu, dem Bayerischen Wald oder im Sauerland statt, während eine Kreuzfahrt weitestgehend in Vergessenheit geriet. Dieses "Ach, das müssen wir auch irgendwann mal machen" war immer nur dann ein Thema, wenn mal wieder die Vistafjord, die Astor, die Berlin oder die Deutschland als Traumschiff in See stach. Die Serie hat mich eigentlich immer begeistert, nur wenn sich Heide Keller mal wieder an Bord verliebte, wurde es peinlich.
Als ich 40 wurde, hat mir meine Frau dann zwei Eintrittskarten für das Musical „Buddy“ in Hamburg geschenkt. Wir sind also nach Hamburg gefahren, haben uns abends das tolle Musical im Hafen angesehen und am nächsten Morgen die obligatorische Hafenrundfahrt mit einer Barkasse gemacht. Zu der Zeit lag im Dock bei Blohm & Voss ein großes Kreuzfahrtschiff, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe, das aber mit seinem tollen weißen Anstrich und den riesigen Dimensionen, meine verschüttet geglaubte Sehnsucht nach einer Kreuzfahrt wieder belebte. Zumal Punkt 2 aus dem ersten Abschnitt dieses Postings in greifbare Nähe gerückt war.
Ein vorsichtiges Nachforschen bei meiner werten Gattin erbrachte allerdings die Ernüchterung. Sie fand die Idee einer Kreuzfahrt zwar faszinierend, aber meinte, davor ständen noch andere Dinge an, die man sich erst einmal leisten sollte, bevor man für puren Luxus die Kohle zum Fenster hinaus wirft.
Tja, nun stand ich vor dem Problem, wie ich meine Frau überzeuge, dass für eine Kreuzfahrt durchaus Geld da ist. Eine eigentlich unerfreuliche Geschichte kam mir zur Hilfe. Es ergab sich nämlich, dass meine alte Firma umstrukturiert wurde. Allem technischen Personal wurde zum Jahresende gekündigt (die Leistung wollte man günstiger extern einkaufen) und wir wurden ab ca. Mitte Oktober unter Weiterzahlung des Gehaltes bis zum Jahresende freigestellt. Hinzu kam noch eine üppige Abfindung, mein Weihnachtsgeld und das Geld für ca. 150 noch nicht bezahlte Überstunden. Weiterhin hatte ich das fast schon unglaubliche Glück am ersten Tag meiner Freistellung einen Anruf meines jetzigen Arbeitgebers zu erhalten, ob ich mich kurzfristig vorstellen könnte. Das habe ich am gleichen Tag noch gemacht und nachdem wir uns handelseinig waren auf meine Frage, wann ich denn anfangen könnte, zur Antwort erhalten: „Wir sind mit einem Projekt ziemlich in Druck, können sie nicht gleich hierbleiben“. So habe ich also für November bereits mein erstes neues Gehalt kassiert und da gleichzeitig im November alle vorgenannten Zahlungen meines alten Arbeitgebers erfolgten, hatte ich mit einem Schlag so viel Geld auf dem Konto, dass alleine die zu zahlende Einkommenssteuer mich schwindelig machte.
Das Geld habe ich dann dem Familienbudget zugeführt mit der Bedingung, dass von einem Teil des Geldes eine Kreuzfahrt gemacht wird, egal was es kostet.
Tja, aber an eine konkrete Planung wollte meine Frau immer noch nicht herangehen. Also musste ich hier zu einer kleinen List greifen. Ich hab also überlegt, wie ich ihr die Reise schenken kann (einfach buchen kam nicht infrage) ohne dass sie aus der Nummer nochmal rauskommt.
An ihrem 40. Geburtstag war es dann soweit. Ich habe auf der Geburtstagsfeier mit ihr das Spiel „die verflixte 7“ gespielt. Das lief mal als Show im Fernsehen mit Rudi Carrell. Da gab es immer einen aus 7 Preisen zu gewinnen, von Niete über kleinwertig bis zu maximal einem Auto, wenn ich mich recht erinnere. Das Spiel war halt, dass man die Preise nicht direkt genannt bekam, sondern es gab immer Umschläge, die man in die Hand bekam und dann musste man sich nach und nach von den Umschlägen wieder trennen, bis einer übrig blieb. Wenn man Glück hatte, wars das Auto, wenn man Pech hatte, die Niete. Hinweise auf den Inhalt erhielt man verschlüsselt durch Symbole, Musikeinspielungen und sonstige Dinge. Meine Frau musste mit Hilfe der Gäste verschiedene Aufgaben erfüllen und nach und nach wurden die einzelnen Preise aussortiert. Für die letzten drei Preise gab es dann die Hinweise. Das war zwar alles ein wenig „getürkt“ und von mir gesteuert, aber der Zweck heiligt die Mittel. Und letztendlich hat es dann ja auch geklappt. Sie hat sich für den Umschlag mit der Kreuzfahrt entschieden. So, aus der Nummer kam sie nun nicht mehr heraus.
Dass es eine Kreuzfahrt mit einer AIDA werden sollte, war mir von vornherein klar. Das Konzept des Clubschiff-Urlaubs hatte mich überzeugt. Alles andere wäre mir zu steif gewesen. Außerdem konnten wir unsere Kinder zu der Zeit praktisch „für´n Appel und ´n Ei“ mitnehmen.
Es hat dann aber doch noch über ein Jahr, bis zum Sommer 2004 gedauert, bis wir wirklich in See gestochen sind. Ich hatte dann noch das Glück, dass meine Zimmerkollegin im Büro einige Zeit vor mir bereits mit AIDA gefahren ist und mir dann täglich davon vorgeschwärmt hat. Von der lockeren Art an Bord, von "Du" statt "Sie", von den tollen Parties, vom maritimen Restauant (so hieß das Rossini damals), das man einmal während der Kreuzfahrt kostenlos (!!!) besuchen konnte. Von der Sonne, dem Meer, den verschiedenen Häfen, die man anläuft und und und. So hatte ich schon lange vor der Tour, auch ohne dieses Forum, das ich zu der Zeit noch nicht kannte, die entsprechende Vorfreude.
Ja, und am 13.08.2004 war es dann soweit. Eine Woche auf AIDAvita. Es war eine unvergessliche Fahrt, die uns mit Kpt. Zausch ins westliche Mittelmeer und den Atlantik führte. Allein schon der Anblick, als wir mit dem Bus vom Flughafen in Palma auf den Hafen zurollten und die vita majestätisch im Hafen an der Pier lag. Das Schiff, ein Traum, das Wetter, ein Traum, das Essen, ein Traum, die Stimmung an Bord, ein Traum. Die 30 Grad auf dem Pooldeck, nachts um 1 Uhr, die Einfahrt in den Rio Tejo nach Lissabon, die Altstadt von Cadiz, die Vorbeifahrt am Felsen von Gibraltar. Ich werde es nie vergessen.
Liebe Grüße
Jürgen