
... In unserer Kabine erinnerte uns die Raupe Nimmersatt,
dass wir ein Restaurant aufsuchen sollten. Wir gehorchten und fuhren nach dem Magenfüllen am frühen Nachmittag per Shuttle an den Rand der Altstadt Zadars. Genauer: wieder zu dem Kunstwerk „Gruß an die Sonne“. Wir grüßten zurück und widmeten uns dem Teil der Altstadt, den wir vor acht Tagen vernachlässigt hatten. Bei unserem ersten Besuch hatten wir sie durchforstet und die Hälfte der Stadtmauer besichtigt. Die andere Hälfte der Stadtmauer war an der Reihe. Doch zunächst mussten wir sie erreichen. Über die breite Promenade, die sich bis zur Eckbastion des alten Hafens hinzog.
Ganz schön belebt … und wunderbar breit. Halt, woher kamen auf einmal die sphärischen Töne, die lauter wurden, je weiter wir uns voran bewegten? Es waren keine Laufsprecher und keine Musiker in Sicht. Hmh, sie kamen aus der Erde … aus Löchern in den Bodenplatten. Wir standen auf einem Wunderwerk. Auf der inzwischen 20 Jahre alten Meeresorgel. Von der Promenade führen auf einer Länge von 70 m Steppenstufen ins Meer. Ausgehend vom niedrigsten Ebbeniveau wurden 35 unterschiedlich lange und dicke Kunststoffrohre unter die Stufen gelegt; an deren landseitigen Enden Orgelpfeifen installiert. Durch den von den Wellenbewegungen erzeugten Luftdruck in den Rohren erzeugten die Orgelpfeifen Töne. Ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber nicht atonal und monoton. Und vor allen Dingen abwechslungsreich, denn je nach Wellenintensität änderten sich Ton und Lautstärke; die Energie des Meeres, also der Natur, steuerte die Ergebnisse.
Nun aber weiter – andere Sehenswürdigkeiten warteten auf uns. Weiter über die Promenade mit einem Blick zurück.
Eine Spazierstrecke, wie wir sie lieben. Gepflegt, sauber, nicht monoton durch die angrenzende Bepflanzung und teilweise Bebauung. Nach kurzer Zeit erreichten wir die Eckbastion,
ein Teil der im 16. Jahrhundert fertig gestellten venezianischen Stadtmauer. Insgesamt war sie 3 km lang und bis zu vier Meter dick.
Sie diente als Schutz gegen die osmanischen Angreifer. Damals gab es mit Sicherheit entlang des alten Hafens Foša nicht den einigermaßen schmalen, gut gangbaren Weg am Fuße der Stadtmauer. Uns kam er sehr entgegen – so mussten wir nicht zurückgehen sondern konnten an dem einen Ende der Mauer durch das Landtor die Stadt betreten.
Ein imposantes Renaissancetor mit einem Hinweis über dem Rundbogen, wem die Stadt die gesamte Anlage zu verdanken hatte. Der Löwe San Marco schaute sich von Anfang an genau an, wer die Stadt betrat oder auch verließ.
Auch uns? Warum nicht, denn wir „stürzten“ uns in die kleine, überschaubare Altstadt. In ein größeres bewohntes Museumsdorf (Wie heißt es noch so schön: Gebäude, die nicht leben, verfallen …).
Es gab auch nicht bewohnte alte Häuser. Aber wir hatten den Eindruck, dass man sie sich nicht selbst überließ (Es würde auch die Besucher abschrecken …) sondern dass sie wieder herausgeputzt wurden. Dieses Haus scheint als Attrappe für ein Restaurant zu dienen. In der Hochsaison werden vor dem Haus Tische aufgestellt, an denen man sich gemütlich niederlassen kann. Nur nebenbei: Der Platz wird von der ehemaligen Kirche des Heiligen Dominikus begrenzt, in der vor ungefähr sieben Jahrhunderten die erste Universität Kroatiens untergebracht war.
Nur wenige Schritte weiter das nächste Gotteshaus.
Die Kirche nebst Kloster des Heiligen Michael. Spitzbübisch ist dieser heilige Ort den Zadrani als „Der Hauptbeichtort in Zadar“ bekannt. Prima, erst einmal beichten und direkt nach Vergebung der Sünden im Außenbereich bei gutem Essen und süffigen Wein erleichtert der Völlerei frönen …
Wir gingen weiter strikt geradeaus und erreichten das Forum Romanum. Neben römischen Hinterlassenschaften wie Säulen- und Mauerresten beherrschen die präromanische Kirche des Heiligen Donat und auch die Kathedrale den uralten Platz;
darüber hinaus noch weitere klerikale Gebäude, nämlich die St.-Marien-Kirche des Benediktinerklosters.
Boah, beeindruckender Platz – aber unser Schiff wartete. Also ohne Unterbrechungen weiter. Ohne? Nee, nicht ganz – die Kathedrale musste noch von vorne auf der Speicherplatte verewigt werden.
Man sollte es einfach nicht glauben – weitere Gotteshäuser lagen auf unserem Weg. Zunächst die Kirche des Heiligen Elias,
dann am Ende einer mit blank geschlurften Steinen gepflasterten Gasse
die Kirche unserer lieben Frau der Genesung. Ein kleines, abseits liegendes Kirchlein, das von Touristen kaum beachtet wird.
Am Rande des „Parks der Köpfe“, in denen Bronzebüsten verdienter Bürger Zadars aufgestellt wurden. Gegenüber sahen wir ein weiteres älteres Gebäude – das „Kleine Arsenal“.
Dieses im Ursprung 500 Jahre alte Bauwerk war einst als Turm Teil der Befestigungsanlage. Man sieht ihm das Alter nicht an – einen Hinweis gibt wieder der venezianische Löwe. Seit einigen Jahren wird im Kleinen Arsenal den Besuchern Zadars einstige Glorie nähergebracht.
Es wurde Zeit für den endgültigen Rückweg. Shuttle-Bus, Schiff, Sonnenbaden auf dem Pooldeck und ein Sonnenuntergang
beendeten den Nachmittag bevor wir uns von der Costa Deliziosa
verabschiedeten, um uns auf den Abend vorzubereiten. Draußen war es recht frisch, so dass die Bars ungewohnt voll waren. Keine freien Plätze – aber Malito und Mai Tai schmeckten auch auf unserem Balkon.