
Isafjördur
Noch vor dem Einbiegen in den Fjord nach Isafjördur, dem „Fjord mit der Insel“ (auch wenn es nur eine Halbinsel ist, auf der sich der größte Teil des Ortes befindet), fahren wir, gerade aufgestanden, recht dicht an den Felsen vorbei. Was für eine imposante Kulisse baut sich da vor uns auf.
Genau deshalb, für diese Umrundung Islands, hat der vorausschauende Teddy bei der Buchung diese Schiffsseite gewählt. Und es zahlt sich aus. Immer eigentlich hat man das Land in mehr als nur Sichtweite.
Der Blick geht nach unten aufs ruhige Meer zwischen uns und den Felsen. Und da sind auch schon 2 Wale, auf Position 5 Uhr im Heckbereich. Mann, damit habe ich jetzt aber nicht gerechnet. Rücken und Flosse durchfurchen das Wasser und bewegen sich von uns weg. Und bald schon sind sie nur noch mit dem Fernglas zu erkennen…Wenn wir heute bloß diese RIB-Tour gehabt hätten! Bestimmt wimmelt es hier nur so von Walen. Wo das schon am frühen Morgen so losgeht...
Aber wir haben heute
„Dynjandi Wasserfall und Fischerdörfer“ (oder so ähnlich)
gebucht. Vom Preis her jedenfalls dürften wir jetzt eigentlich das Paradies erwarten…bei diesem „Ersatzausflug“.
Die Landschaft ist schön, im Winter sogar ein Skigebiet
und liegt im strahlenden Sonnenschein rechts und links der Busfenster.
Zumindest bis es auf einmal dunkel wird. Was ist das? Da wird sich doch nicht gerade jetzt das schöne Wetter verabschieden?
Zum Glück nicht, denn ich erkenne: Wir sind in einem Tunnel, auch wenn der grundsätzlich komisch aussieht. Bloßes Gestein umgibt uns rechts, links und wohl auch über uns. Und außerdem hat der Tunnel meist nur eine Spur. Die sind wohl noch nicht ganz fertig geworden…Na ja, ist ja auch ziemlich lang und unterwegs gibt es sogar eine Abzweigung im Innern dieses durchlöcherten Berges. Jedenfalls ist dieser Tunnel tatsächlich recht neu und beschert den Einwohnern jetzt eine erhebliche Zeit- und Kilometerersparnis. Die brauchen jetzt nicht mehr unbedingt über die Passstraße fahren, die im Winter eh oft unbefahrbar und gesperrt ist. Ja und dann musste man schon mal hunderte Kilometer Umweg von A nach B in Kauf nehmen. Da ist man jetzt sicher auch mit dieser naturbelassenen Lösung zufrieden. Ich glaube der heißt „Vestfirdir-Tunnel“, wenn ich da nichts durcheinander werfe. Denn auch am nächsten Tag wird wieder ein Tunnel ins Spiel kommen.
Ist auch egal, denn irgendwann geht es jetzt weiter mit der Landschaft und der Sonne. Und bald schon liegt er voraus dieser wohl 100m hohe „Dynjandi-Wasserfall“.
Wie ein Schleier öffnet er sich vor uns, wird nämlich beim ersten Fall nach unten immer breiter. Dann geht es weiter mit etlichen Verzweigungen und vielen verschiedenen mal größeren, mal kleineren Fällen,
die fast alle einen Namen haben. Wie wir auf unseren Bordkarten, nur hier sind es Holzschilder und die Namen sind irgendwie komplizierter.
Unten fließt das aufgewühlte Wasser dann in den Fjord, welchen wir nach dieser Tunnelfahrt erreicht haben.
Das war jetzt der erste Überblick vom Parkplatz aus, aber mit dieser Fernsicht auf den eindrucksvollen Wasserfall geben wir uns ja wohl kaum zufrieden.
Da muss mehr kommen Leute! Also raufkraxeln, bzw. raufschleppen bis dahin, wo der große Wasserfall aufschlägt und der Wassernebel die Fotolinse einsaut. Zeit genug dazu haben wir ja angeblich.
Auf halber Strecke wird die Jacke ausgezogen und irgendwie fliegen wohl auch schon hier die Wassertropfen rum und treffen ausgerechnet die Stirn des Trägers. Komisch, bei uns eigentlich nicht…
Beim Abstieg treffen wir jetzt auf den „Magier“ Mark Gettmann, der gestern Abend im Theatrium noch so eine verblüffende, amüsante und für die Kandidaten aber teilweise grenzwertige Show mit seinen Tricks und Vorhersagen gegeben hat. Endlich mal wieder die lange vermisste vernünftige Unterhaltung dort.
Jedenfalls verstehen wir uns mit dem jetzt ohne Worte an dieser für Gegenverkehr zu schmalen Stelle. Auch ohne Show weiß dieser Gedankenleser genau, was wir vorhaben, nämlich ihn zuerst gehen zu lassen. Unheimlich?! Woher nur kennt der das höfliche und rücksichtsvolle Wesen der Fellbande?
Also bis jetzt ist der Ausflug schon mal toll, offenbar eine gute Wahl.
Nun aber erstmal wieder in den Bus, auf zu neuen Entdeckungen. Denn laut Plan haben wir ja noch einiges auf der Agenda stehen.
Z. B. auch das „Wikinger- und Fischerdorf Thingeyri“ wo wir schon ganz gespannt drauf sind. Aber irgendwie fahren wir da heute gar nicht hin. Stattdessen wird der „kurze“ Rundgang durch das „umweltfreundliche“ Fischerdorf Sudureyri und insbesondere der Aufenthalt an diesem langweiligen Ort jetzt so weit ausgeweitet, dass irgendwann dann nur noch die Rückfahrt ansteht. Ob es daran liegt, dass er der Heimatort der Reiseleiterin ist?
Im Ort steht aber wenigstens noch ein wesentlicher Punkt an:
„kurzer Rundgang und Kostprobe von getrocknetem Fisch und Fischfrikadellen an einer lokalen Fischfabrik“
Und das hätte man mal genau lesen sollen. Denn die Ausgabe des Naschwerks ist vor, also tatsächlich (wie geschrieben) „an“ und nicht „in“ einer Halle, die möglicherweise eine Fischfabrik ist, wenn sie denn nicht -wie gerade- geschlossen ist. Okay, es ist Samstag. Haben wir in der Eile der schnellen Panikbuchung wohl überlesen. Irgendwie hat man gedacht, man sieht mehr als die getrockneten Fische in dem Holzverschlag…
Aber in Thingeyri waren wir trotzdem nicht. Und das stand da wirklich drin. Zumindest ein „kurzer“ Fotostopp.
Fazit: Für über 200€ pro Person satt ins Klo gegriffen!
Der Dynjandi-Wasserfall nebst toller Landschaft hätte gereicht. Und das hätte man auch wesentlich billiger haben können, war aber nicht mehr frei. Und wie gesagt, wir hatten eigentlich auf die RIB-Fahrt zu den Walen gesetzt und keinen Plan B vorbereitet… Und auf Hafenanbieter wollten wir uns nun auch nicht verlassen. Also, nur halber Ausflug gelungen. Aber wenigstens war diese Hälfte gut.
Dafür geht es jetzt vom Bus aus nicht direkt auf`s Schiff, sondern ab in die 3000 Einwohner-Stadt Isafjördur. Aber eigentlich haben wir dafür gar keine Zeit mehr. Und jetzt da durch zu hetzen, wo wir heute schon relativ unbeeindruckt durchgefahren sind… Ganz nett zwar, aber ich wüsste nicht, wo ich da jetzt auf die Schnelle hin wöllte. Und vor allem weiß ich nicht, wie man die Träger überreden kann, uns da jetzt noch hin zu schleppen.
Dann belassen wir es mal bei der Hafengegend hier. Die sieht von weitem ja ganz nett aus.
Ins Museum gehen wir nicht, aber schauen uns draußen ein wenig um,
schonen die Kraft der Träger und müssen jetzt eh wieder zurück aufs schwimmende Hotel, -Abfahrt!
Ausfahrt, und wir verhinderten RIB Boot Fahrer beziehen Posten. Wenn schon nicht vom Schlauchboot aus, dann eben jetzt vom heimischen Balkon. Und schon kurz nach dem Ablegen, in dieser kleinen Fjordzunge nah beim Hafen,
entdecken die geschulten Knopfaugen der Teddys das Ziel der Begierde, „Wal auf 3 Uhr Steuerbord“! Noch liegt der Körper nahezu waagerecht im Wasser. Doch dann holt er Schwung zum Abtauchen, und seine mächtige Schwanzflosse versinkt nun fast schon gemächlich in den Fluten und damit unter unseren begeisterten Blicken von der Bildfläche. Aber offenbar nicht gemächlich genug, denn von Einem fehlt der begeisterte Blick. Der Träger nämlich schaut gerade, aufgeschreckt durch etwas Dunkles, was die Wasseroberfläche durchbricht und sich in gerader Richtung fortbewegt, zu einer ganz anderen Stelle durch das Fernglas und muss am Ende feststellen: „Fehlalarm“. Und bis der jetzt auf unsere Entdeckung reagiert… -Also wieder kein Foto…
Der Fehlalarm, und das sei allen zukünftigen Walbeobachtern für diese Gegend gesagt, offenbar war es ein Ablenkungsmanöver dieser vielen kleinen dunklen Wasservögel, diesen Wasserhühnern im Kleinformat. Wie bei uns zuhause, laufen die mehr als sie fliegen, dicht über der Wasserfläche und verursachen hier beim „Whale Watching“ irritierende Spuren auf der fast stillen See. Ehrlich!
Wenn das mit den Walen schon beim Auslaufen so losgeht, dann scheint das hier ein echter Hotspot für unser Vorhaben zu sein. Und was machen die?! Erstmal Abendessen. Muss das jetzt wirklich sein? Jetzt, wo das Wasser sicher gleich vor Walen gar nicht mehr zur Ruhe kommen wird? Ja, das löst aber nun wirklich absolutes Unverständnis bei uns aus. Wozu habe ich diese kalte Reise eigentlich gebucht? Bestimmt nicht zum Essen…
Das versucht der Träger nun aber doch wieder gut zu machen und will das Glück offenbar erzwingen. Am späten Abend steht er wechselweise mit Fernglas und Fotoapparat im Anschlag oder wenigstens in Griffweite, mittlerweile frierend, im eisigen Fahrtwind. Er will unbedingt das ultimative Foto, das mit der Schwanzflosse! „Haben wir wirklich solchen Druck aufgebaut?“ – denke ich noch so, während ich in der „Aida Heute“ schon mal die Sprechzeiten des Bordhospitals nachblättere…
Aber dann kommt doch Bewegung in die Sache. Da sind jetzt einige Walsichtungen in etwas weiterer Entfernung. Mal ein Körper, mal eine Flosse oder auch eine verräterische Fontäne.
Und dann, gegen mittlerweile 23:30 Uhr, das Finale! Nur knappe 100m vom Balkon entfernt, ein großer Buckelwal. Und jetzt aber! Mittlerweile sind Fernglas gegen Fotoapparat getauscht, als der Wal ziemlich genau in Höhe des Balkons vorbeizieht. Teleobjektiv ausgefahren und er hat ihn voll und gestochen scharf im Visier. Groß und mächtig wirkt er jetzt im Display. Jetzt nur ruhig bleiben! Die gesammelte Erfahrung lehrt: Gleich taucht er ab! Bloß nicht zu früh den Auslöser zur Serienaufnahme drücken. Denn sonst lädt die Kamera noch, ist nicht einsatzbereit, wenn er tatsächlich mit der Schwanzflosse in die Linse wedelt. Was für eine Nervensache!
Und jetzt kommt sie raus. Er taucht! Wow, welche Vorfreude begleitet das Drücken des Auslösers zum ultimativen Foto. Doch der Druck geht ins Leere. Es passiert nichts. Außer das nun statt der erwarteten ultimativen Fotoserie im Display erscheint: „Speicherkarte voll“ -Und der Wal ist weg…
Teddy verkneift sich jetzt mal diesen Spruch von Heidi Klum: „Heute habe ich leider kein Foto für Dich“ Denn der verhinderte Fotograf schmeißt nun mit ungefähr allen Worten um sich, die man von uns niemals hören möchte. Jedenfalls keines davon zitierfähig.
Und während der noch hektisch die Karte zu wechseln versucht, erscheint etwas weiter entfernt die große Fontäne eines sicher noch größeren Wals...mehrfach… Aber das sehen nur diejenigen, die gerade nicht mit der Speicherkarte beschäftigt sind…
Wow, der Stachel sitzt tief. Ende. Vorhänge zu und ab ins Bett. Eine zunehmende Triefnase wird ihn aber schon morgen früh wieder an die kalte Schmach erinnern.
Und wir Teddys werden dieses Erlebnis eh nie vergessen. Auch ohne Fotos und Speicherkarte…
Aber draußen verhindert ein ganz eigenartiges Licht ohnehin alle weiteren Versuche...
-- Fortsetzung folgt --
Im 6. Teil geht es zum nördlichsten Hafen dieser Reise, nach Akureyri. Und ausgerechnet so hoch im Norden wird es nun am wärmsten sein. Nicht nur im Thermalbad, sondern mit fast 20 Grad bricht auch in der Stadt die Hitzewelle aus und treibt vereinzelte Nordmänner ins kalte Meer...
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