Reisebericht: Romantische Kreuzfahrt von Venedig nach Kreta mit AIDAblu, oder - „Ist der Norovirus nicht zu stoppen?“

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    • Reisebericht: Romantische Kreuzfahrt von Venedig nach Kreta mit AIDAblu, oder - „Ist der Norovirus nicht zu stoppen?“

      Die schönsten Tage des Jahres sollten für uns den Sommer verlängern und vom romantischen Venedig (28.10.2018) in den immer noch warmen Mittelmeerraum bis Kreta (04.11.2018) führen. Dieser Schuss ging leider ordentlich nach hinten los.

      Eines vorweg, es fängt harmlos an und steigert sich - garantiert.

      Von Beginn an: Der Flug mit SunExpress (Bewertung 2,7 von 10 bei Trustpilot) sollte uns um 7:10 h uns von Düsseldorf nach Venedig führen. Tatsächlich starteten wir um ca. 8:15 h - shit happens. Das Wetter in Venedig meinte es nicht ganz so gut mit uns – es war bedeckt, leichter Nieselregen und etwas Wind - aber ca. 20°. Da wir Regenschirme und -jacken im Gepäck hatten sollte das Wetter kein Problem sein. Das Einchecken auf dem Schiff (AIDAblu) dauerte zwar etwas länger als wir es bislang gewohnt waren, aber was soll’s? Wir haben doch Urlaub! Um ca. 12:00 h waren wir dann Bord. Zu diesem Zeitpunkt waren sehr wenig Reisende auf dem Schiff. Kein Gewusel zwischen ankommenden und abreisenden Gästen – sehr gut organisiert, war unser Eindruck.

      Da die Kabine noch nicht bezugsfertig war, machten wir uns nach einer kleinen Stärkung auf den Weg in die Stadt. Wir hatten schon gehört, dass der Markusplatz nicht erreichbar sei – alles stünde unter Wasser. Mit dem Peoplemover fuhren wir dennoch vom Ende des Hafengeländes für 1,50 € bis zur Piazzale Roma. Von dort aus ging es zu Fuß Richtung Rialobrücke und Markusplatz. Es gibt unterschiedliche Wege zu diesen Sehenswürdigkeiten, die sehr gut ausgeschildert sind. Bereits nach wenigen Metern sahen wir die ersten überfluteten Kanäle und viele Venezianer mit Gummistiefeln und vermutlich überwiegend Touristen, mit diesen bunten Plastiküberziehstiefeln, durch das Wasser waten. Auch Barfuß und mit hochgekrempelten Hosen liefen die „ganz Harten“ durchs Wasser. Igitt, kann ich da nur sagen – aber darauf komme ich später noch einmal zurück. Nach ein paar Stunden zurück an Bord, eine paar Fotos gemacht und endlich in der Kabine, duschen und umziehen.

      Bereits vor der Reise hatten wir nicht das beste Gefühl bei Venedig (mal ganz unabhängig von der gesamten Abgasdiskussion in der Kreuzfahrtbranche, stellt Venedig doch noch eine Sondersituation dar) und unser Gefühl hat sich beim Anblick der Überflutungen nicht verbessert.

      Am zweiten Tag (29.10.2018) in Venedig sollte laut Wettervorhersage der Sturm noch zu nehmen und damit das Hochwasser in der Stadt noch weiter steigen. Wir fuhren sehr früh (9:00 h) mit dem Wasserbus Alilaguna für 15€ (inkl. Rückfahrt) vom Hafen direkt zum Markusplatz. Es war schon interessant mit dieser „Nussschale“ zwischen den riesigen Kreuzfahrtschiffen und auf dem Canale Grande zu schippern und es war auch die einzige Möglichkeit überhaupt zum Markusplatz zu gelangen. Dort angekommen waren wir erstaunt darüber, wie wenig Wasser zu diesem Zeitpunkt auf dem Platz stand. Erzählungen anderer Passagiere vom Vorabend ließen schlimmeres befürchten. Nach einer ausgiebigen Fotosession und einem Espresso im Florian ging es um ca. 12:00 h wieder zurück zum Schiff. Der Pegelstand war inzwischen deutlich gestiegen, aber alles noch gut über die Stege erreichbar.

      Den Nachmittag verbrachten wir auf unserer Kabine und sahen von Minute zu Minute wie Wind und Regen zunahmen. Kapitän Kohrs teilte den Gästen um ca. 14:00 h mit, dass die Hafenverwaltung Aus- und Einfahrt in den Hafen von Venedig für größere Schiffe bis auf weiteres, aufgrund des starken Windes, gesperrt hat. Damit sei das Auslaufen um 16:00 h nicht wie geplant möglich und das es um 17:00 h weitere Infos im Theatrium geben werde. Kapitän Kohrs erklärte anhand einer Karte von Venedig und eines maßstabsgetreuen „Schiffsmodell“ sehr anschaulich, warum das Auslaufen bei starkem Seitenwind und langsamer Fahrt schwierig und vor allem gefährlich sei. Während des Abendessens wurden die Gäste dann darüber informiert, dass ein Auslaufen nicht vor 4:00 h am frühen Dienstagmorgen möglich sei und deshalb der Hafen von Split auch nicht mehr rechtzeitig erreicht werden kann. Schade, schade, schade – aber da Sicherheit vorgeht, alles ok. Spaßeshalber meinte ich am Tisch noch: „Na ja, ich glaube wir stehen morgen früh noch in Venedig.“ Ich sollte Recht behalten.

      Beim Blick um 7:00 h aus der Kabine konnte ich nur lachen. Diesen Blick hatten wir nun schon Sonntag, Montag und jetzt Dienstagmorgen (30.10.2018) – puh. Kapitän Kohrs melde sich auch sehr bald über die Kabinenlautsprecher und bat zunächst für die frühe und unsanfte Störung um Entschuldigung. Er informierte uns darüber, dass er das Auslaufen bewusst noch weiter verzögert hatte, damit die Gäste zumindest den wunderschönen Ausblick vom Canale Grande aus genießen könnten. Es war eine gute Entscheidung. Das von der aufgehenden Sonne auf die imposanten Bauwerke geworfene Licht lieferte eine beeindruckende Kulisse beim Auslaufen. Ein grandioses Bild! Dennoch überkam mich wieder dieses gewisse Schuldgefühlt am „Untergang Venedigs“ beteiligt zu sein.

      Der erste und auch ungeplante Seetag verlief für uns völlig unspektakulär. Den Blick auf das Meer zu genießen ist für uns eine der schönsten Seiten einer Kreuzfahrt. Irgendwie stellten wir aber fest, dass an diesem Abend der Ablauf im Theatrium anders war als sonst. Keine Show, viel weniger Menschen.

      Endlich, Dubrovnik eine andere Stadt (31.10.2018). Gutes Wetter und gute Laune. Wir hatten uns die Fahrt auf den Hausberg Srd (412 m), die Umrundung der Altstadt auf der Stadtmauer und einfach nur durch die Altstadt zu schlendern vorgenommen. Früh ging es mit dem AIDA-Shuttlebus für 9,99 € in Richtung Altstadt. Ein Gast meinte, man könne sich zu viert ein Taxi hin- und zurück teilen (ca. 26 €), dann würde man pro 3,50 €/ Person sparen. Kann man sicher auch machen, wir haben uns aber für den Shuttlebus entschieden.

      Kurzer Einwurf: Was uns an diesem Morgen etwas irritierte war der besondere Hinweis, man solle möglichst keine Getränke mit Eis zu sich nehmen und beim Essen entsprechende Vorsicht walten lassen. Ja, das ist aber allgemein bekannt und die Restaurants/ Bars haben keinen unsauberen Eindruck auf uns gemacht. Wir haben nur das gute AIDA-Sprudelwasser für 2,50 €/ Flasche getrunken.

      Wir sind von der Bushaltestelle, nahe des Pile-Tores direkt zur Seilbahn gegangen. Ca. 10 Minuten Fußweg. Hin- und Rückfahrt mit der Seilbahn kosteten 22 €/ Person, Bezahlung mit Kredit- oder EC-Karte ist möglich. Die Fahrzeit mit der Bahn dauerte nur wenige Minuten, ebenso wie das Warten auf die Gondel. Die Aussicht vom Srd ist fantastisch, sowohl auf die Stadt als auch auf die Berge. Wir sind noch etwas Richtung Norden zu einem weiteren Aussichtspunkt gewandert, konnten die AIDAblu allerdings nicht sehen.
      Schnell ging es auch wieder mit der Seilbahn hinunter in die Stadt.

      Einheitspreise in Dubrovnik?!?! Auch die Besichtigung der Stadtmauer kostete 22 €/ Person oder 150 Kuna. Für die Besichtigung der Stadtmauer gilt das gleiche, wie für den Hausberg – einfach klasse. Auf die Beschreibung von Einzelheiten der Festungsanlage verzichte hier – diese können im Internet nachgelesen werden.

      In der Altstadt findet man die typischen Geschäfte. Uns hat nichts besonders gesprochen. Ein Gang durch eine der engen Gassen, abseits des allgemeinen Touristenstroms, ist schon interessanter. So etwa um 15:00 h waren wieder auf dem Schiff. .

      Beim Abendessen fiel uns wieder auf, dass sehr wenige Gäste beim Essen waren. War die Tour nicht ausgebucht? Oder waren die Gäste zu Halloween von den Geistern verjagt worden. Apropos Halloween! Jeff, vom Reinigungspersonal hatte uns aus einem kleinen Handtuch einen sehr hübschen Geist gezaubert. Daumen hoch!

      Donnerstag (01.11.2018), es stand ein gebuchter Ausflug auf dem Programm. Gebucht hatten wir den Ausflug CFU02 Achillion & Paleokastritsa. Dieser Ausflug wurde leider wegen eines Erdrutsches gecancelt. Dabei fällt mir ein, dass wir doch schon auf anderen Kreuzfahrten Ausflüge wegen Erdrutsche umbuchen mussten – hmmmm?! Seltsam – wird wohl tatsächlich der Klimawandel sein – oder interessiert sich niemand für ein Kloster?
      Wir hatten also umgebucht auf CFU03 Achillion & Typische Dörfer für 49,90 €/ Person. Doch bevor es losging, stand ja Frühstück auf dem Programm. Aber warum hatte ich heute irgendwie so gar keinen Appetit? Meine Frau schmeckte das Frühstück wie immer - nur ich hatte Probleme einen Bissen herunter zubekommen. Eine Scheibe Brot mit Marmelade und ein Kaffee ging aber doch. Da der Ausflug erst um 12:30 h startete nutzten wir die Zeit um kurz die Altstadt von Korfu-Stadt zu besichtigen. Das hätten wir uns sparen können. Dreckig und ungepflegt.

      Pünktlich um 12:30 h ging es dann los. Zuerst in das Dorf Kato Garouna. Was uns an Ausblicken auf dem Weg ins typische Dorf geboten wurde, haben wir selbst beim Streik der Müllabfuhr in Neapel nicht gesehen. Abfall und Müll an „jeder“ Straßenecke, aber nicht etwa in Müllsäcken – nein, einfach den „gelben Sack“ ausgekippt und fertig. Und die Gebäude? Wie meinte ein Mitreisender zum Zustand? 90% der Häuser haben einen Sanierungsbedarf von mehr als 100.000 €. In Kato Garouna angekommen, konnten wir uns endlich, entschuldigen Sie bitte, von dem sinnlosen Gequatsche der Reiseleiterin erholen. Fast die gesamte Fahrzeit wurde uns die Olivenölproduktion erklärt? Ja, darüber kann man etwas erzählen, aber bitte nicht 30 Minuten. Dann Kato Garouna! Was macht dieses Dorf zu einem typischen Dorf – fragten wir uns. Der Dreck? Die verkommenen und unsauberen Ecken oder was? Wir waren nicht die einzigen, die sich fragend ansahen. Das typische Dorf zu besichtigen lohnt sich aus unserer Sicht auf gar keinen Fall!

      Aber jetzt ging es endlich zum Highlight für meine Frau – zum Achillion. Die Informationen der Reiseleiterin wurden allmählich etwas besser. Kaiserin Elisabeth hier, Sissi da. Ja – kann man sich ansehen. Wenn man auf eigene Faust dorthin kommt, kann man die 8 € Eintritt/ Person durchaus dafür ausgeben. Ein Muss ist aber auch das Achillion nicht. Es besteht enormer Renovierungsbedarf und einige Zimmer können nicht betreten werden. Ich fühle mich mittlerweile gar nicht wohl, ständiges aufstoßen und irgendwie ein flaues Gefühl vom Magen her. Aber ich habe ja auch wenig gegessen. Endlich geht es zurück zum Schiff. Diesmal direkt durch Korfu-Stadt. Hierhin wird uns hoffentlich nichts mehr verschlagen – einfach nur schäbig.

      Zurück auf dem Schiff erstmal zu Abendessen. Irgendwie ist mein Magen leer, aber richtig hungrig bin ich auch nicht. Ok, etwas Fisch und Reis können nicht schaden, aber keinen Wein, lieber einen Tee. Es schmeckt mir nicht. Nach dem Essen hat sich mein Empfinden nicht verbessert im Gegenteil. Auf der Kabine habe ich erstmal Fieber gemessen – 37,6°. Kein Fieber, aber mir ist doch irgendwie kalt. In der Nacht ging es dann los. Das Fieber stieg plötzlich auf 38,3° und – ach, auf weitere Einzelheiten verzichte hier lieber.

      Freitagmorgen ging es mir gar nicht gut. Meine Frau ging alleine zum Frühstück und fragte, ob sie mir eine Banane und etwas Brot mit auf die Kabine bringen dürfte (ja, darf man nicht). Nein, das war nicht möglich. Entweder gehe ich selbst zum Frühstück oder ich muss mich beim Schiffsarzt vorstellen, dann würde ich ggf. das Essen zur Kabine gebracht bekommen. Ich verzichte vollständig auf das Frühstück.

      Wie meine Frau mir erzählte stand kein Besteck und kein Geschirr mehr auf den Tischen. Auch das Personal war auffällig reduziert. Tasse, Glas und Besteck musste Sie bei einem AIDA-Mitarbeiter abholen. Gäste waren kaum im Restaurant. Auf Nachfrage bei einem Kellner bekam sie die Antwort, „all passengers are sick, but pssst – it’s secret“. Ok – so etwas hatten wir auch schon vermutet – denn so viele Teetrinker hatten wir bisher auf keiner Kreuzfahrt gesehen. Allerdings schien das Ausmaß doch enorm zu sein.

      Ach ja, wir sind dann noch einen Hafen angelaufen – ich habe es im „Fieberschlaf“ nicht ganz wahrgenommen. Zum nicht geplanten Zwischenstopp, um einen noch schwerer erkrankten Passagier von Bord zu bringen machte Kapitän Kohrs keine weiteren Angaben (wie wir im Nachhinein erfahren haben sind auch auf Korfu bereits erkrankte Passagiere von Bord gegangen).

      Wie war das noch in Venedig? Passagiere sind Barfuß durch das Wasser gelaufen! I

      Mein Fieber stieg auf 38,4° an, dazu Pulsrasen, Kopfschmerzen und – na ja, keine weiteren Details welche Symptome noch auftraten. Obwohl unsere Reiseapotheke sehr gut bestückt war entschloss ich mich den Schiffsarzt aufzusuchen. Um ca. 11:30 h waren sieben Passagiere vor mir an der Reihe – also, vor dem Hospital warten. Um 12:15 ging es dann in den Hospitalbereich. Während der Wartezeit in diesem Bereich hatte jemand an der Tür geklingelt. Die Arzthelferin öffnete Dir und eine junge Frau trat kreidebleich ein. „Sie müssen draußen warten, wir rufen Sie dann rein.“ Antwort der jungen Frau: „Nein, ich bleibe jetzt hier – mir geht es ganz schlecht.“ Arzthelferin: „Ok, dann kommen Sie mal mit, ich schaue mal, ob wir noch ein Bett frei haben.“ Beide verschwanden und die Arzthelferin kam nach ca. 5 Minuten allein zurück. Als ich um 12:40 h beim Arzt war, war die Untersuchung schnell abgeschlossen. Zwei, drei Fragen und den Bauch kurz abgedrückt.

      Auf meine Frage zur Bezahlung meinte der Schiffsarzt „Ich habe mein Honorar bereits auf dem Konto und zwar inklusive eines Zuschlags dafür, dass ich sie außerhalb der Sprechzeiten behandelt habe“. ?!?! Versteckte Kamera? Spaßvogel? Frage an den Doc: „Wenn ich am Sonntag noch 38,5° Fieber habe, was würde denn dann passieren?“ Antwort: „Wenn Sie nicht transportfähig sind, bleiben sie solange auf dem Schiff, bis sie wieder laufen können.“ Meine Frage: „Und wenn es mir morgen um 17:00 h noch nicht gut geht?“ Antwort: „Machen sie sich keine Sorgen, wir kümmern uns um sie“.
      Ich bekam ein Fläschchen Desinfektionsmittel (100 ml) und Quarantäne bis Samstag 17:00 h verordnet. Das war es also Santorini – shit, shit, großer bullshit! Wäre ich besser nicht gegangen? Sollte ich lieber weitere Gäste infizieren?

      Lopedium und Ibuprofen hatten wir in unserer Reiseapotheke. Ich konnte mir damit gut helfen. Den Freitag und den Samstag habe ich die ganze Zeit auf der Kabine verbracht. Meine erste Mahlzeit bekam ich dann so um 16:00 h, Zwieback, Honig und eine Banane. Der Mahlzeitenservice hatte scheinbar auch einige Probleme. Die Tabletts wurden nicht abgeholt, das Essen wurde nicht gebracht. Immer wieder Anrufe an der Rezeption – ach, da muss ich mich auch noch bei meiner Frau bedanken.

      Schlafen, schlafen, schlafen.

      Samstag, 03.11.2018. Wenigstens konnte ich vom Balkon aus gut auf Santorini schauen – „mit wie wenig man manchmal doch zufrieden sein kann“.

      Am Samstagnachmittag kam die Durchsage von Kapitän Kohrs, dass sämtliche Passagiere, egal ob sie das An-/Abreisepaket bei AIDA gebucht hatten oder nicht, das Schiff am Sonntag um 10:00 h verlassen haben müssen. Inzwischen war es auch 17:00 h – und jetzt? Wer „kümmert“ sich um mich. Mir ging es zwar etwas besser aber genesen war ich nicht. Darf ich jetzt direkt wieder an allen Aktivitäten an Bord teilnehmen? Ich habe es einfach gemacht. Ob ich damit weitere Passagiere infiziert habe oder nicht? Ich hoffe zwar nicht, aber möglich ist es schon. Aber jetzt hatte AIDA scheinbar kein großes Interesse mehr daran kranke und gesunde zu trennen. Es war ohnehin klar, dass Sonntag alle von Bord müssen – Krank, halb genesen oder gesund.

      Inzwischen hatten wir auch ein Ausflugsticket an unserer Kabinentür. KRE02 Perlen Kretas. Treffpunkt um 9:00 h an den Bussen und Ende 17:00 h am Flughafen. Da ich mich in keinster Weise fit genug fühlte an einem acht stündigen Ausflug teilzunehmen begab ich mich zur Rezeption – sie können sich vorstellen, was dort los war. Da aber auch der Ausflugsschalter geöffnet war, konnte ich mein Anliegen doch schneller als erwartet loswerden (hier hat wohl Erfahrung im Umgang mit solchen Situationen – Profis!). Unser Rückflug sollte planmäßig um 19:45 h starten und ich wollte wissen welche Alternativen zur Gestaltung des Tages möglich seien. „Einzige Alternative zum Ausflug – sie organisieren den Tag eigenverantwortlich inkl. des Transports zum Flughafen“. Da ich mit dieser Art des Umgangs nicht einverstanden war, habe ich dieses in einer Gästemeldung dokumentiert.

      Sonntag, 04.11.2018. „Wie immer“ am Abreisetag, durch das Anlegemanöver wurden wir bereits um 4:00 h wach – ist halt so. Beim Frühstück gab es seltsamerweise kein Obst?!?! Keine Banane. Zwieback gibt es scheinbar ohnehin nicht – ärgerlich. Aber egal, zwei Scheiben Brot mit Marmelade, zwei Tassen Tee und vor dem Essen erstmal die Hände desinfizieren. So ein Noro-Virus spielt ja schon mal gerne Ping-Pong. Dann ging es los: Alle Abflüge bis 14:30 h wurden spätestens um 10:00 h direkt zum Flughafen gebracht, d.h. die Passagiere haben bis zu 4 Stunden am Flughafen verbracht. Insgesamt fuhren 12 Busse die Tour KRE02 – ca. (600 Personen). Vor der Abfahrt mussten alle Gäste in einem eingezäunten Bereich warten. Einige wenige VIP-Gäste (fünf Sterne auf dem Kofferanhänger) wurden durch die Masse hindurchgeführt und durften den eingezäunten Bereich direkt verlassen. In einem eigenen Bus fuhren sie davon. Leider habe ich keine Informationen darüber, wie diese Gäste den Tag verbringen durften. Auf jeden Fall war unsere Abfahrt pünktlich.

      Der Ausflug führte uns vom Hafen ich Heraklion zunächst nach Chania (lt. Google 142 km und mit dem PKW etwas mehr als 2 Stunden Fahrzeit). Wir haben es mit dem Bus ebenfalls in 2 Stunden geschafft. Also langsam war der Bus nicht unterwegs. In Chania haben wir einen kurzen Stopp (ca. 40 Minuten) eingelegt. Ein älterer Herr ist kurz nach dem Aussteigen aus dem Bus hingefallen und hat sich eine Platzwunde an der Stirn zugezogen. Er wurde vom Busfahren mit einem Pflaster versorgt, zum Glück brauchte die Wunde nicht weiter ärztlich behandelt werden. Von Chania ging es weiter Richtung Westen zu einem Restaurant in dem wir unser „Mittagessen“ bekamen. Die Fahrt dauert ca. 30 Minuten und ich schätze mal weitere 40 km (leider nicht wieder zurück Richtung Flughafen sondern genau entgegen gesetzt).

      Die letzten 200 m zum Restaurant ging es so steil bergauf, dass der Busfahrer zunächst mit dem Restaurantbesitzer die Strecke mit dem Auto inspizieren musste, weil er nicht wusste, ob die Straße mit dem Bus überhaupt befahren werde konnte. Puh, dann ging es auf einer „Straße“, jeder Feldweg ist gefühlt bei uns breiter, bergauf. Ohne Leitplanken rechts oder links – zweimal gab es bei der Auffahrt laute Aufschreie Fahrgäste mehrerer (ich vermute in der Mehrzahl weibliche Fahrgäste).

      Unversehrt am Restaurant angekommen bot sich uns ein schönes Panorama auf die Kretischen Berge. Als wir das Restaurant betraten ging ein Raunen durch den Saal. Ja, es war ein Saal. Zig eingedeckte, überwiegend Runde Tische erwarteten uns. Schnell hieß es „ bitte hier diese Tische einnehmen“. Es war anzunehmen, dass alle 12 Busse hier ihren Stopp machen sollten – und so kam es dann auch (übrigens bei insgesamt zwei WC für Damen und Herren zusammen!). Von der Vor-, Haupt- und Nachspeise habe ich was alles gegessen? Die trockenen gekochten Kartoffeln. Meine Frau hat auch das Fleisch probiert, allerdings nur probiert. So, oder ähnlich war es bei allen unseren Tischnachbarn. Der Aufenthalt hier war 1 Stunde und 15 Minuten.

      Von Chania ging es dann es dann nach Rethymno – endlich Richtung Flughafen. Aber leider wieder fast anderthalb Stunden Busfahrtzeit und zunächst einmal bergab. Der Busfahrer ließ sich während der gesamten Abfahrt vom Reiseleiter filmen. Bei der Abfahrt war jetzt auch noch besser erkennbar, wie steil es hinunter ging. In zwei Kurven der super engen Serpentinen setzte der Bus mit irgendwelchen Fahrzeugteilen auf. Es gab einen höllischen Krach. Jetzt schrien nicht nur überwiegend weibliche Fahrgäste, insbesondere nicht als der Bus mit der Vorderachse scheinbar schon den „Feldweg“ verlassen hatte.
      Allen Fahrgästen war die Erleichterung anzumerken, als der Busfahrer nach ausgiebiger Inspektion der Beschädigung wieder in den Bus einstieg und weiter fuhr.

      In Rethymno hatten wir wieder ca. 40 Minuten Freizeit. Wir haben einen Tee getrunken und ein wenig relaxed. Von dort ging es dann direkt zum Flughafen. Der Reiseleiter erzählte noch eine Stunde etwas über die griechische Mythologie, obwohl die meisten Gäste die Augen zu hatten. Abschließend meinte er, dass wir uns insb. beim Fahrer bedanken sollten und das er uns sicher die fast 600 km über die Insel gefahren hat. 600 km?!?, so weit war es ganz sicher nicht. 360 km müssten es in etwa gewesen sein. 360 km kranke, halbe kranke und gesunde gemeinsam im Bus.

      Am Flughafen herrschte pures Chaos, die Dame vom AIDA-Airportservice war mit der Masse ankommender Passagiere leider vollkommen überfordert. Sie kann sich mein Mitleid nach solch einem Arbeitstag sicher sein. Über die sanitäre und hygienische Situation am Flughafen nur so viel – einfach nur ekel erregend. Unser Flug hatte dann ziemlich genau eine Stunde Verspätung. Übrigens hat AIDA für seine Gäste SmartWings gechartert. Google liefert bei der Abfrage „SmartWings Erfahrung“ auf der ersten Seite u.a. das Ergebnis „Die schlechteste Airline der Welt?“ Bei Trustpilot erhält SmartWings 2,5 Punkte von 10. Wir sind aber sicher in Düsseldorf gelandet und waren letztendlich um 0:50 h zu Hause. Das heißt, ca. 16 Stunden nach Beginn des überflüssigsten Ausflugs den ich je mitgemacht habe.

      Soll ich jetzt ein noch Fazit ziehen? Nein, ich erspare es mir. Wenn Sie weitere Informationen und Meinungen von Mitreisenden interessieren, dann schauen Sie sich in der AIDA-Weblounge um oder lesen Sie den Artikel bei RP-Online über diese Kreuzfahrt.

      Eine abschließende Bitte habe ich noch:
      Wollen Sie, dass sich an solchen Situationen etwas ändert? Dann schaffen Sie Transparenz über Fakten Ihrer Kreuzfahrten. Das Internet bietet hierzu alle Möglichkeiten. Auch seriöse Printmedien sind meist eine gute Hilfe. Gerne stehe ich auch für weitere Infos zur Verfügung.

      Und denken Sie alle immer daran „Es gibt nichts Gutes, außer man tun es!“