AIDAcara und die verkehrte Welt oder Aida und das erste Mal

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    • AIDAcara und die verkehrte Welt oder Aida und das erste Mal

      Eine Aida erstmals auf dem Weg nach Spitzbergen


      AIDAcara eine verkehrte Welt?
      - Der Sommer beginnt, die Tage werden wieder kürzer – aber – auf der Cara werden die Tage länger.
      - Deutschland verliert das EM-Halbfinale – aber – auf der Cara passiert das schon 2 Stunden eher
      - Wenn man zum Nordkap möchte, fährt man auch Richtung Norden – aber – die Cara fährt nach Südosten.
      - Anfang Juli trinkt man normalerweise eisgekühlte Getränke – aber – auf der Cara freut man sich über Glühwein und heiße Schokolade.


      Und die Reise hat sogar einen Namen: Nordeuropa 10
      So hieß sie jedenfalls 2012, inzwischen ist sie umbenannt und trägt den hübschen Namen „Highlights am Polarkreis“


      Und weil es beim Lesen irgendwann langweilig wird – es sind immerhin 9 Hafen- und 8 Seetage – lasse ich die Dinge, die hier im Forum ohnehin (fast) jeder kennt (z.B. das Leben an Bord) einfach weg.
      Enttäuscht werden auch diejenigen sein, die auf Tipps zur individuellen Gestaltung der Landausflüge hoffen. Ich oute mich als „Feigling“, der nur AIDA-Ausflüge bucht.


      Für alle Anderen: Auf geht‘s! Ich möchte euch (gedanklich) mit auf eine Reise nehmen, die noch kein AIDA-Schiff zuvor gemacht hat – nämlich dem Nordpol entgegen.


      23.06.2012 – Busanreise nach Kiel

      Da braucht es nicht viel Worte, Aida hat die Anreise bestens organisiert.
      Das Wetter war alles andere als gut, nur 20°, dichte Wolken und Regenschauer. Davon habe ich mir die Stimmung nicht vermiesen lassen. Immerhin war Kieler Woche, ich hatte Urlaub und mein zweiter Urlaub allein auf einem Schiff führt selbst den Kapitän ins „Ungewisse“. In Kiel angekommen wurden die Regenschauer seltener.
      Die SNRÜ fand mit Verspätung statt. Es gab Probleme auf der Bahnstrecke von Hamburg nach Kiel, so dass wir auf die letzten Gäste gewartet haben. Dafür wurde uns (den Gästen, die die Musterstation auf der Steuerbordseite hatten) dann auch einiges geboten. Direkt vor der Pier befand sich die große Bühne von NDR2. Dort fand ein Rockkonzert statt. Eigentlich sollten wir zu der Zeit schon unterwegs sein. So fand unsere SNRÜ mit musikalischer Untermalung, ähm, ich meinte Übermalung statt. Unsere Pflicht war erfüllt, es ging endlich los. Mit mächtig viel Getöse (Typhon) ging es auf ins Abenteuer. Und so sieht es aus, wenn ein Eisbrecher unseren Gruß erwidert.



      Da dampft es gewaltig. Beim Anblick des Eisbrechers frage ich mich, ob wir den vielleicht noch brauchen werden. Immerhin fahren wir dem Nordpol entgegen.
      Wir nehmen Abschied von Kiel. Bedingt durch die Kieler Woche ist es ein ganz besonders Erlebnis. Nur schade, dass die vielen Windjammer die Segel nicht gesetzt haben.



      Einer hat es getan und strahlt in der goldenen Abendsonne. Ihm ist mein Profilbild gewidmet.


      24.06.2012 - 1. Seetag

      An diesem Seetag hatten wir Temperaturen zwischen 12 und 15 °, mal Sonne mal ein Regenschauer, also wie gestern. Über das Bordleben wollte ich eigentlich nichts schreiben. Aber eine Besonderheit gab es dann doch. Ein Schwesterntreffen auf der Nordsee. Gegen 20.00 Uhr fuhr die Luna an unserem Heck vorbei. Nicht mal eine Stunde später sichteten wir die Mar ungefähr 5 Seemeilen Schiff voraus. Man konnte die Luna noch in der Ferne sehen, während die Mar ihre Reise mit Kurs auf die Luna fortsetzte. Es passiert ja schon öfter mal, dass 2 Aida's in einem Hafen liegen, aber 3 Schiffe zeitgleich im selben Seegebiet? Man könnte denken, das Meer ist nur für Aida da. Mit diesen Eindrücken ging der erste Reisetag zu Ende.


      25.06.2012 - Lerwick

      Mainland ist die Hauptinsel der Shetlandinseln. Wir legen in der Hauptstadt Lerwick an. Beim Einlaufen sehe ich eine karge Landschaft und felsige Klippen. Bei der Ankunft war die Insel wolkenverhangen, die Farbe grau dominierte und bei 13′ wirkte sie nicht einladend. Aber ähnlich wie schon in Kiel, die Wolken verzogen sich und zu Beginn des Ausfluges herrschte Frühlingswetter. Der erste Eindruck täuschte. Es gab viele grüne Wiesen mit kleinen Blümchen, kleine Seen, Schafe – kurzum Natur pur.

      LER 03 – Westliche Inselrundfahrt & Shetland-Ponys
      Dieser Ausflug hat mir einen recht guten Eindruck von der Inselgruppe vermittelt. Man bekam die Hauptstadt zu sehen, viel Geschichtliches und viel Natur. Zunächst fuhren wir nach Scalloway, dort konnten wir bummeln oder ein altes Castle besichtigen. Ich habe die Zeit für eine ausgiebige Fototour genutzt. Teilweise beschlich mich das Gefühl, dass ich mich inmitten einer romantischen Filmkulisse befinde. Und natürlich nicht zu vergessen – die Shetland-Ponys.



      Die sind so klein, dass selbst ich Feigling keine Angst bekommen habe. Und sie sind so zutraulich, dass man sie sogar streicheln kann. Nur füttern darf man sie verständlicherweise nicht.

      Mit einem letzten Blick auf Lerwick ging ein wunderschöner Tag zu Ende.


      26.06.2012 – 2. Seetag

      Bereits morgens um 3.30 Uhr begrüßte mich die Sonne auf dem Weg nach Island. Es blieb so herrlich, viel Sonne, kaum Wind und Temperaturen von ca. 17°. Die wenigen Wellen auf dem Meer haben wir wahrscheinlich selbst verursacht.


      27.06.2012 - Reykjavik

      Wer noch unter dem Eindruck der niedlichen Shetland-Ponys steht, für den eine kleine Warnung. Nennt ein Island-Pferd niemals Pony! Es ist eine Beleidigung.

      Die Hauptstadt von Island – übersetzt Rauchbucht - liegt im Südwesten und empfing uns mit einem Mix aus Sonne und Wolken und Temperaturen um die 17°. Der Eyjafjallajökull, der vor zwei Jahren für viel Aufregung sorgte, versteckte sich hinter einen dicken Wolkendecke.

      REY 02 - Gullfoss, Geysire & Thingvellir
      Während der Fahrt durch die beeindruckende Landschaft Islands gab es die ersten heftigen Regenschauer. Zunächst führte mich der Ausflug in das Gebiet der Geysire. Der größte und bekannteste Geysir bringt es leicht auf eine Höhe von 25 m (aber nicht immer!), dabei hat das Wasser noch eine Temperatur von 80 bis 100º. Also nicht gleich zum Fotografieren positionieren, sondern erst mal genau prüfen, aus welcher Richtung der Wind kommt. Es soll bei den Besuchern schon üble Verbrennungen gegeben haben.
      Weiter ging unsere Fahrt zum Gullfoss (goldener Wasserfall). Ab hier hat es der Wettergott nicht mehr gut mit uns gemeint. Den Begriff Wasserfall konnten wir wörtlich nehmen. Es war trotzdem ein beeindruckendes Naturschauspiel, wie sich die Wassermassen 30 m in die Tiefe stürzen. Ich hätte hier gern ein Foto eingestellt, aber es gibt schönere, bei Sonnenschein und mit Regenbogen.
      Nicht weniger eindrucksvoll ist Thingvellir. Zum einen geschichtsträchtig, weil es das Fleiluftparlament von Island war. Für mich persönlich aber noch viel interessanter in geologischer Hinsicht. Tiefe Risse und Erdspalten sind der Beweis dafür, das die Erde noch immer in Bewegung ist. Hier treffen 2 Kontinentalplatten aufeinander, die seit Jahrtausenden versuchen, sich von einander zu entfernen.
      Rein geologisch betrachtet, sind wir von Europa nach Amerika gegangen/gefahren und wieder zurück.
      Weiter ging es zur letzten Station, direkt nach Reykjavik. Perlan war unser Ziel. Perlan, das sind 6 Heißwassertanks, die 24 Millionen Liter 85º heißes Wasser beinhalten. Das Dach eines Tanks wird als Aussichtsplattform genutzt. Man hat (eher: man hätte haben können) einen fantastischen Rundum-Blick auf die Hauptstadt.


      28.06.2012 - 3. Seetag - Überquerung des Polarkreises

      Heute am frühen Nachmittag bekamen wir hohen Besuch an Bord - Neptun und seine Gefährten.

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      Während die „Mutigsten“ ihre Aufgaben erfüllten um von Neptun und seinen Gefährten aufgenommen zu werden, glitt unsere Cara bei blauem Himmel an den isländischen Fjorden vorbei.


      29.06.2012 - Akureyri

      Das Wetter war so, wie wir es bereits von Reykjavik kannten, mit viel Glück ein kleiner Sonnenstrahl, grau in allen Abstufungen und immer wieder Regenschauer bei ungefähr 13º. Ich habe auf Island sehr viel fotografiert. Es ist eine einmalige Insel und sie hat so viel zu bieten. Aber Fotos sind doch am Schönsten, wenn die Sonne scheint.

      AKU 01 - Godafoss und Myvatn
      Der Ausflug begann mit einer ca. 45-minütigen Fahrt durch die aufregende Landschafts Islands. Unser erstes Ziel war der Godafoss (Götterfall). Das Wasser fällt diesmal nur aus 12 m Höhe, einen Sonnenstrahl hatten wir auch hier nicht, der uns einen Regenbogen gezaubert hätte, eindrucksvoll war es trotzdem.
      Weiter ging die Reise zum Myvatn (Mückensee). Der Name ist Programm! Millionen dieser Viecher schwirren in der Luft herum. Aber während uns eine heimische Mücke mit dem schrecklichen Gesumme schier in den Wahnsinn treiben kann, verhalten diese Mücken sich vollkommen ruhig. Sie stechen auch nicht, allerdings sollte man den Mund nicht so weit aufmachen, bzw. am besten gar nicht.
      Myvatn ist 37 km² groß, liegt ca. 280 m über dem Meeresspiegel und ist der viertgrößte See Islands. Das Gebiet ist ebenfalls vom Vulkanismus geprägt. Wir befinden uns wieder genau an der Grenze der beiden Kontinentalplatten.

      Nächster Programmpunkt: Ein Spaziergang durch den Lavairrgarten in Dimmuborgir. Ich muss zugeben, hier habe ich gestreikt. Viele Busse kamen zeitgleich an, auf diese Massentreterei hatte ich keine Lust. Vom Parkplatz hatte man aber eine geniale Aussicht, und auch wichtig, Zeit für die Toilette ohne anstehen zu müssen. Es war also nicht unbedingt ein Fehler sich hier von der Gruppe abzusondern. Nachdem dann auch noch ein kräftiger Graupelschauer niederging, bin ich sogar trocken geblieben.
      Unsere letzte Etappe waren die brodelnden Schlammpfuhle. Hier konnte man die Naturgewalten wieder hautnah erleben.



      Diesmal sogar mit allen Sinnen: Sehen, das bedarf keiner Erläuterung. Hören: Zischen und pfeifen, vielleicht wie ein rostiger Wasserkessel, nur viel lauter. Mir ist bis jetzt noch kein passender Vergleich eingefallen. Riechen: Der Geruch von faulen Eiern dominierte.
      Auch hier ging es wieder von Europa nach Amerika und zurück.
      Insgesamt war es ein lohnenswerter sehr interessanter Ausflug. Besser wäre aber gewesen, die Busse würden zeitversetzt abfahren. Auch wenn die Gelände weitläufig gewesen sind, es waren zu viel Leute zur gleichen Zeit am selben Ort.
      Und noch etwas ist passiert: Ich habe mich verliebt! Verliebt in diese wahnsinnig beeindruckende Insel mit ihren herzlichen Bewohnern.


      30.06. / 01.07.2012 - 4. + 5. Seetag

      Island war in jeder Hinsicht ein Erlebnis. Wo gibt es das schon, dass ein Telefonbuch nach Vornamen geordnet ist? Interessant ist auch der Computer, an dem wir ja gerade sitzen. Auf isländisch heißt das Tölva. Wenn man das aber wortwörtlich übersetzt bedeutet Tölva Zahlenwahrsager.
      Mit dem starken Wunsch, dass ich unbedingt diese Insel noch einmal besuchen muss, haben wir Island verlassen und steuern weiter nordwärts.

      Mittlerweile ist die Wassertemperatur von 5º höher als die Außentemperatur.
      Etwa auf der Hälfte der Strecke passieren wir Jan Mayen an der Backbordseite. Jan Mayen ist eine unbewohnte Insel, die nur gelegentlich von Forschern (meist Vogelkundlern) bewohnt wird. Sie ist gut 50 km lang und 15 km breit und Teil des Nordatlantischen Rückens. Ich habe von dieser Insel vorher noch nie etwas gehört. Das Klima wird zunehmend rauer und kälter. Wir fahren mehrfach durch dichtes Schneegestöber. Trotzdem genieße ich die Fahrt. Ich stehe mit einer leckeren heißen Schokolade (natürlich mit Baileys, pst … nicht weitersagen) am Bug der Cara und lasse mir den Wind um die Nase wehen. Welches Datum haben wir heute? Den 1. Juli 2012! Unglaublich!


      02.07.2012 – Longjearbyen

      Der Ort liegt an der Westküste von Spitzbergen. Eine Vegetation ist quasi nicht vorhanden. Das Städtchen ist von schneebedeckten Bergen umgeben. Das Thermometer zeigt eine Temperatur von knapp über Null an, aber die Wege sind schnee- und eisfrei.



      Ich empfinde eine seltsame Enttäuschung. Da fährt zum allerersten mal eine Aida (von anderen Reedereien weiß ich es leider nicht) an diesen Ort – und? Nichts! So ist das, wenn man etwas erwartet. Ich habe tatsächlich geglaubt, dass wir irgendwie empfangen werden. Und wenn es nur ein Pappschild mit dem Wort „Welcome“ ist. Aber es war ein Anlauf wie jeder andere auch.
      Ich bekam trotzdem zu spüren, dass Kreuzfahrtschiffe hier etwas Neues sind. Nämlich bei der Wahl einen passenden Ausfluges. Das Angebot war sehr begrenzt. Ich konnte lediglich zwischen 4 Ausflügen wählen. Und das habe ich zum Glück schon zu Haus getan. Wer erst auf die Präsentation gewartet hatte, der ging leer aus. Das Problem: Auf Spitzbergen gibt es kaum Busse.

      SPB 01 – Longjearbyen: Kultur und Geschichte
      Der Ausflug bestand aus einer Panoramafahrt, führte uns in eine Galerie und auch in ein Museum. Ich bin kein Fan von Museen. Dieses hat mir aber doch relativ gut gefallen. Viel Geschichtliches, Eisbären und andere einheimische Tiere und ein kleiner Shop. Es mangelte aber an Alternativen. Ich hoffe für spätere Reisen, dass hier nachgebessert wird.

      Wir verlassen Spitzbergen. Ich stehe mit meinem neuen Lieblingsgetränk wieder am Bug und genieße die grandiose Kulisse. Über die Bordlautsprecher tönt leichte klassische Musik. Das ist der perfekte Sound während wir beinahe majestätisch durch diese Landschaft gleiten.
      Zum Nordpol wären es gerade mal noch 1316 km gewesen. Schade, dass hätten wir doch auch noch geschafft! Die Entfernung entspricht in etwa der Luftlinie von München nach Ibiza.


      03.07.2012 – 6. Seetag

      Knapp die Hälfte der Reise ist schon vergangen, wir fahren wieder Richtung Heimathafen. Ersteinmal zum Nordkap und dann weiter entlang der norwegischen Küste.
      Es ist der 6. Seetag, aber ich verspüre noch immer keine Lange Weile. Dazu tragen auch die Gastkünstler – Stefan Wabhubinger und Kay Ray – bei. Es ist schon ein irres Erlebnis, wenn man gegen Mitternacht das Theater verlässt und auf dem Pooldeck von der Sonne geblendet wird. Nicht zu vergessen die beiden Schauspieler, die sich während der gesamten Reise in den unterschiedlichsten Kostümierungen unter die Passagiere gemischt haben.


      04.07.2012 – 7. Seetag

      Die Cara soll erst um 23 Uhr in Honnigsvag anlegen.
      Ich bewohnte auf dieser Reise eine Meerblickkabine mit eingeschränkter Sicht. Richtig gemütlich, denn das zweite (getrennt stehende) Bett hat man mir als Sofa zurecht gemacht. Vom Bett aus konnte ich den Himmel sehen. Im stehen konnte ich durch einen Spalt zwischen 2 Rettungsinseln durch gucken. Was ich sehe ist allerdings merkwürdig. Sehen hier alle Häuser gleich aus? Oder ist tatsächlich ein und dasselbe Haus schon drei mal an mir vorbei gefahren? Eigentlich sollte ich jetzt ins Theater, dort ist der Treffpunkt für den Ausflug. Der Start des Ausflugs ist auf mehrere Zeiten verteilt, über 800 Gäste sollen das Nordkap gebucht haben, dazu noch ein Crewausflug. Aber noch haben wir nicht angelegt. Starker Wind hat uns immer wieder von der Pier weggedrückt und Schlepper standen nicht zur Verfügung. Ich rechnete damit, dass dieser Hafen ausfällt. Der Kapitän hat anders entschieden. Also: Alle in die Boote.

      wasserurlaub.info/forum/galler…09124a318fa2c335799ce4401

      Was ich danach erlebt habe ist einfach unbeschreiblich und mir auch unverständlich.
      Deshalb betone ich es nochmal: Es ging nur um einen Ausflug, nicht ums Überleben! Durch die Verzögerung nutzte die Zeitstaffelung gar nichts und alle Ausflügler waren im Theater versammelt. Dann wurden, von den vorderen Sitzreihen beginnend, jeweils 100 Personen abgezählt und zum Tenderboot geleitet. Das hätte auch funktioniert, wenn ….. Ja, wenn nicht die oberen Sitzreihen einfach das Theater verlassen und im Treppenhaus versucht haben, sich unter die erste Gruppe zu mischen. Zu diesem Zeitpunkt ahnte aber Niemand etwas davon, weder im Theater noch auf der Brücke. Ein Kapitän kann natürlich nur auf eine Situation reagieren, wenn er darüber informiert wird. Natürlich brach dann am Boot das Chaos aus. Die Securities haben nochmals gezählt.... Was sich dort unten vor der Tenderluke abgespielt hat hat sich dann in den nächsten Tagen auf dem Schiff herumgesprochen. Ich war nicht dabei, und ich möchte hier nicht die Erzählungen Dritter wiedergeben. Ihr könnt es euch sicher auch so vorstellen.
      Ich hatte das Glück, einem Boot an der Heckluke zugeordnet zu werden. So haben wir auch das hintere Treppenhaus benutzt und kamen ohne „Zuwachs“ an und konnten zügig losfahren.
      Es war Niemand in Not, aber kaum Jemand hat den Anweisungen der Crew Folge geleistet. Jeder war sich selbst der nächste ohne irgendwelche Rücksicht zu nehmen. Natürlich trifft das nicht auf alle Gäste zu.
      Und unser Kapitän Prem Kurc? Hat wahrscheinlich von allem nichts bekommen. Er hatte auf der Brücke zu kämpfen um die Cara möglichst ruhig zu halten. Und er hat da einen tollen Job gemacht! Ich habe gelernt, Menschen sind unberechenbar, auch ohne Notfall. Seit jener Nacht sehe ich selbst das Unglück der Concordia mit anderen Augen. Aber das gehört hier nicht her.

      HVG 01 - Fahrt zum Nordkap
      Ja, und der Ausflug? Der war auch zum Vergessen!
      Ich war am Nordkap, aber gesehen habe ich es nicht. Es sollte wohl einfach nicht sein. Selbst der Bordfotograf hat nach 20 Minuten aufgegeben. Ich habe vorher schon so viele schöne Bilder von der Mitternachtssonne am Nordkap gesehen. Live gesehen habe ich dichten Nebel, gespürt habe ich den Orkan und etwas später auch die nasse Wäsche, trotz Cape. So waren schon alle Gäste viel eher wieder am Bus, der dann auch losgefahren ist. Ein Boot stand an der Pier auch gerade bereit und es ging wieder auf die Cara.

      So niederschmetternd die Nacht war, so herzlicher war der Empfang. Bereits unten bei den Fahrstühlen wurden wir in die Aida-Bar gebeten. Die Crew hatte nicht nur Glühwein, sondern auch frisches Brot und Erbsensuppe vorbereitet. Um diese Zeit hätte das Schiff schon ablegen sollen. Es war 04.00 Uhr nachts. Die Mitarbeiterin – eine Deutsche – die die Erbsensuppe ausgegeben hat sang fröhlich und laut „Guten Morgen, Guten Morgen, Guten Morgen Sonnenschein“. Wenn es damals schon diese Umfrage mit dem „Lächelmoment“ (oder so ähnlich) gegeben hätte, sie hätte meine Stimme bekommen.

      Auf unseren Kapitän wartete die nächste Herausforderung. Nach 06.00 Uhr kamen die letzten Gäste, um 10.00 Uhr sollten wir bereits in Hammerfest vertäut sein. Mit Höchstgeschwindigkeit ging es bei unruhiger See zum nächsten Ziel.


      05.07.2012 – Hammerfest

      Wir kommen fast pünktlich in Hammerfest, der einst nördlichsten Stadt Europas mit dem exklusiven Eisbärenclub an. Dort kann jeder Mitglied werden, Aufnahmeantrag ausfüllen und vor Ort unterschreiben, dann Obolus entrichten, schon ist man lebenslang dabei.


      HMF 03 – Hammerfest und Umgebung
      Wir besuchen den o.g. Eisbärenclub. Mitgliedern wird kostenfreien Eintritt gewährt. Der Club ist zwar interessant, aber einmal reicht. Weiter geht es mit einer kurzen Panoramafahrt und einem Halt an einem Aussichtspunkt mit fantastischem Blick auf Hammerfest. Es ist noch immer wolkenverhangen, aber trocken. Unterwegs erzählt uns der Reiseleiter, dass gestern auch die Schiffe der Hurtigrouten nicht anlegen konnten. Unsere Fahrt geht zum Fischerdorf Forsol weiter. Vom weiten wirken die Gestelle wie Dächer. Beim näher kommen sieht man, dass es Kabeljau ist, der zum Trocknen aufgehängt ist. Man sieht ihn zwar, aber man riecht ihn nicht.



      Nach gut 2 Stunden war ich wieder auf dem Schiff. Es war ein relativ kurzer Ausflug, aber nach schlafloser Nacht reichte mir das auch.


      06.07.2012 – Tromsö

      Endlich, endlich, die Sonne scheint!
      Und ich habe heute „frei“. Alle – Menschen und Möwen – genießen die Aussicht und die wärmenden Sonnenstrahlen.



      Das Schiff liegt mitten in der Stadt. Es ist die Gelegenheit für mich allein von Bord zu gehen. Einfach mal Bummeln ohne auf die Uhr zu schauen, ohne dem Reiseleiter zuzuhören und ohne die Anwesenheit von ca. 40 weiteren Gästen. Der Tag heute ist einfach nur ein entspannter sonniger Urlaubstag.


      07.07.2012 – Gravdal

      Die Wikinger nannten die Lofoten „Inseln der Götter“. Bei der Anfahrt auf Gravdal sieht es aus wie „Inseln der grauen Wolken“, wieder einmal! Die Stabkirche von Gravdal mit ihrem rot-weißen auffälligen Anstrich ist nur schemenhaft zu erkennen.

      GRV 01 – Insel Flakstadoy, Fischereimuseum & Lofotendorf Nusfjord
      Es blieb diesig, aber trocken. Zum Glück, denn bei diesem Ausflug bin ich viel an der frischen Luft. Das erste Highlight war schon auf der Fahrt zu sehen. Hier grasen die Schafe auf dem Dach. Und weil es unglaublich klingt ein Beweisfoto:

      wasserurlaub.info/forum/galler…09124a318fa2c335799ce4401

      Das Fischereimuseum war im Ursprung eine Schmiede. Das Symbol der Fischer, ein Kormoran aus Eisen, hat 1963 ein Kunstschmied dem norwegischen König geschenkt. Er ist noch heute das Markenzeichen. Dem Schmied kann man bei der Arbeit zusehen. Das Hauptgebäude hat auch ein mit Gras bewachsenes Dach, aber ohne Schafe. Nicht weit entfernt ist das Lofotendorf. Die Landschaft ist ein Paradies und erinnert an saftige Wiesen in den Alpen, aber nicht an den hohen Norden. Ich kann mich nicht satt sehen von dieser Landschaft. Kleine romantische Häuser, klare Bächlein, Blümchen an den Fenstern und auf den Wiesen… hier stellvertretend ein Beispielfoto:



      Der Ausflug war zu Ende, aber das Naturerlebnis noch lange nicht. Die Cara zog ihre Bahnen sehr nah am Ufer und schlängelte sich an den vielen kleinen Inseln vorbei. Jetzt schaute auch die Sonne noch vorbei.


      08.07.2012 – Bergen

      So schön wie der gestrige Tag endete begann der heutige. Bergen ist die zweitgrößte Stadt Norwegens. So habe ich auch Hochhäuser erwartet. Es ist schön, dass sich diese Erwartung nicht erfüllt hat. Es wirkt alles beschaulich, friedlich, ruhig und romantisch. Direkt gegenüber dem Liegeplatz sieht man die kleinen bunten Holzhäuser vom Bryggeviertel.

      BER 07 – Bergen & Umgebung mit Boot und Busfahrt
      Das ist wieder ein Ausflug für Naturliebhaber. Ich brauchte erstmal nur das Schiff wechseln, die andere Hälfte der Gruppe ging zum Bus. Da bin ich schon 15 Tage auf See und mache eine Bootstour. Und wieder stand nur Norwegens Natur im Vordergrund. Ca. 90 Minuten konnten wir die Fahrt an der frischen Luft (es gab aber auch Innenplätze) genießen.



      In der Nähe von diesem schönen Flecken Erde tauschten wir das Gefährt und gingen in die Busse. Wieder eine Stunde Fahrt durch die Natur. Die vorherige Bootsfahrt konnte die Tour mit dem Bus aber nicht toppen. Ich war wohl schon zu verwöhnt. Zum Abschluss spazierten wir noch durch das Bryggeviertel und gingen dann selbstständig zum Schiff.

      Es war ein schöner Tag bei schönem Wetter, trotzdem ist meine Stimmung etwas getrübt. Es war der letzte Landgang.


      09.07.2012 – 8. (letzter) Seetag

      Was soll ich schreiben? Relaxen und Koffer packen. Ein erster Rückblick.

      Mich begeistern weder Museen noch Kirchen oder alte Gemäuer. Ok, einige schon, aber das ist eher selten. Ich bin Fan von faszinierenden Landschaften oder Naturgewalten.
      Die Naturgewalten durfte ich auf Island bestaunen, mit schönen Landschaften kam ich in Norwegen voll auf meine Kosten.
      Ich hatte mir vor dem Urlaub Gedanken gemacht, ob 17 Tage auf dem Schiff nicht zu viel sind. Jetzt weiß ich, eine Schiffsreise kann gar nicht zu lang sein.


      10.07.2012 Ankunft in Kiel

      Ich bin wieder am Ausgangspunkt der Reise, aber mir bleiben noch einige Stunden. Die Busse fahren erst um 14.00 Uhr. Das Pooldeck ist beinahe menschenleer.
      Aber es sollte anders kommen. Dinge wiederholen sich. Im letzten Jahr hob der Flieger von Mallorca nach Hannover nicht ab, diesmal kam der Bus nicht an. Er geriet zweimal in eine Vollsperrung. Natürlich durften wir auf dem Schiff bleiben. Für uns wurde sogar ein Bereich in der Aida-Bar abgesperrt und wir wurden mit Sekt und Saft bewirtet. Es war schon 18.30 Uhr, als wir das Schiff verließen.
      Ein schöner, ereignisreicher und erholsamer Urlaub war zu Ende