Reisebericht AIDAcara - Grönland, Island, Schottland - August 2017

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    • Reisebericht AIDAcara - Grönland, Island, Schottland - August 2017

      Sonntag, 06.08.2017 Hamburg

      Da wir im Großraum Hamburg wohnen, haben wir eine entspannte Anreise. Nach kurzer Fahrt mit einer Regionalbahn erreichen wir den Hamburger Hauptbahnhof. Dort geben wir zunächst unser Gepäck beim Gepäckbus von AIDA ab. Dann laufen wir hinüber zum ZOB, von wo der Shuttlebus von AIDA zum Terminal Steinwerder fährt. Dort geht es wirklich schnell – erst geben wir Boarding Pass und Gesundheitsfragebogen ab, dann bekommen wir an einem Stehtisch die Bordkarten, danach folgen noch Sicherheitskontrolle und Begrüßungsfoto. In weniger als 20 Minuten sind wir an Bord.


      Unsere Kabine 6239 ist schon fertig. Auf den ersten Blick ist die Sichtbehinderung der Außenkabine (eine weiße Wand auf der außen an der Kabine vorbeilaufenden Rundumpromenade) doch recht stark, aber seitwärts kann man an der Wand gut vorbeischauen. Wir haben getrennte Betten – darauf legt mein Jung-Teenagersohn inzwischen wert. Der Schrankplatz ist sehr großzügig. Während der Reise wird sich die Kabine als gute Wahl herausstellen. Sie ist sehr ruhig, man hört kaum Schiffsgeräusche und nichts von den Nachbarkabinen oder der außen vorbeilaufenden Rundumpromenade. Wir sind im Nu auf der Promenade, wenn es etwas Schönes zu sehen (und natürlich zu fotografieren) gibt. Von außen hereinschauen kann man nur, wenn wir Licht oder den Fernseher an haben. Deck 6 bedeutet, dass wir Fahrstühle faktisch nicht brauchen, sowohl zum Essen (Deck 8 oder 9) als auch bei Landgängen (Ausgang häufig auf Deck 3) kann man problemlos Treppen laufen. Das einzige, was möglicherweise stören könnte, ist eine Lampe auf der Außenpromenade, die dafür sorgt, dass es in der Kabine trotz heruntergelassenem Rollo nachts nie komplett dunkel ist. Ich empfinde das eher als angenehm, da ich so keine Taschenlampe brauche, wenn ich nachts mal ins Bad muss.


      In der Kabine liegen auch schon die Tickets für unsere vorab gebuchten Ausflüge. Bei dem erwarteten Höhepunkt der Reise, der nächtlichen Bootsfahrt zu den Eisbergen in Ilulissat, stutze ich: gebucht hatte ich 19.30 Uhr, erhalten haben wir 17.30 Uhr. Mal abgesehen davon, dass ich bei einer Tour ab 17.30 Uhr die Bezeichnung „nächtlich“ ziemlich albern finde (Sonnenuntergang in Ilulissat ist für ca. 22 Uhr angesagt, die „nächtlichen“ Touren im Sonnenuntergang kosten auch 30 EUR mehr p.P. als die Tagestouren, da möchte wenigstens die Chance auf einen Sonnenuntergang haben), finde ich 17.30 Uhr als Ausflugszeit auch ziemlich riskant, da wir erst um 17 Uhr in Ilulissat ankommen sollen. Das muss ich gleich morgen reklamieren.


      Zunächst gehen wir etwas essen. Das Calypso Restaurant bietet heute bis 16 Uhr sowohl Mittagessen als auch Kaffee und Kuchen an. Das ist sehr angenehm für die Anreisenden, so hat jeder ausreichend Zeit, sich mit dem zu stärken, wonach ihm ist.

      Um 17 Uhr findet die Seenotrettungsübung statt. Zum Abendessen gehen wir gegen 19 Uhr. Um 20 Uhr legen wir ab und um 21 Uhr findet die Begrüßung durch den General Manager und den Entertainment Manager auf dem Pooldeck statt. Das klassische „Sie haben Urlaub“ gehört ebenso zu einer AIDA-Reise wie beim Ablegen die Auslaufmelodien, die mir – sehr zum Unverständnis meines Sohnes – regelmäßig die Tränen in die Augen treiben. Es ist wahrscheinlich typisch deutsch, aber ich mag es, wenn ein Schiff nicht einfach abfährt wie ein Bus, sondern das Ablegen ein wenig zelebriert wird.


      Nach der Begrüßungsshow der AIDA Stars (ebenfalls auf dem Pooldeck, heute ist es noch sonnig und warm) hat mein gefräßiger Sohn schon wieder Appetit, so dass wir noch zur Pizzastation im Calypso Restaurant gehen, die täglich bis Mitternacht geöffnet hat.

      Unser erster Eindruck vom Mutterschiff der AIDA-Flotte, mit dem wir zum ersten Mal fahren, ist positiv: kurze Wege, modernes buntes AIDA-Design, ein schöner Saunabereich mit großem Ruheraum und ein sehr großzügiger Sportbereich (nach meinem Eindruck größer als auf den Schiffen der Sphinx-Klasse, die doppelt so viele Passagiere mitnehmen wie die kleine Cara mit ihren ca. 1.200 Gästen). Das Heck ist natürlich nicht vergleichbar mit der Artania, mit der wir letzten Sommer in Spitzbergen waren, aber es gibt immerhin eine Rundumpromenade mit kleineren Sitzecken im Heckbereich auf Deck 6 (Promenade) sowie Deck 7. Ich glaube, hier werden wir uns wohlfühlen.


      Montag, 07.08.2017 Seetag

      Wie fast immer in der ersten Nacht schlafen wir nicht ganz so lange und gehen schon um 9 Uhr zum Frühstück (das ist für unsere Verhältnisse früh). Um 11 Uhr gehen wir zum Fantreffen, das von dem Mitglied eines Kreuzfahrtforums organisiert und vor der Reise bei AIDA angemeldet wurde. Auch mein Sohn kommt mit, obwohl zeitgleich das Teenagertreffen stattfindet. Mit seinen noch zwölf Jahren fühlt er sich aber den Teenagern noch nicht zugehörig und wird leider im Laufe der Reise jegliche Teilnahme an Aktivitäten für diese Altersgruppe verweigern. So richtig ideal finde ich die Einteilung aber auch nicht – zwischen einem 12 und einem 17jährigen liegen doch Welten.


      Treffpunkt für das Fantreffen ist die Anytime Bar. Dort begrüßt uns u.a. der Kapitän Lars Krüger und wir dürfen mit ihm zusammen auf den Außenbereich (die Nock) der Brücke. Das ist ein tolles Erlebnis, von dem auch ein Erinnerungsfoto von AIDA-Mitarbeitern gemacht wird, das wir später kostenlos auf die Kabine geliefert bekommen. Außerdem lernen wir bei dem Treffen gleich die beiden Paare persönlich kennen, mit denen wir uns für morgen über ein Forum zu einem gemeinsamen individuellen Ausflug (Auto mit Fahrer) verabredet haben.


      Um 12 Uhr hören wir uns dann den Vortrag des Lektors Dr. Wolfgang Mey über Schottland im Theater an. Im Gegensatz zu den größeren AIDA-Schiffen hat die Cara kein offenes Theatrium, sondern ein richtiges Theater (in dem es allerdings einige Reihen ohne Rückenlehne gibt, was bei längeren Shows anstrengend werden kann). Ungünstig ist, dass der KidsClub der Cara nur durch einen Vorhang vom Theater getrennt ist. Wir sitzen leider in der Nähe diese Vorhangs zum KidsClub und können bis 12.30 Uhr, als die Kinder zum gemeinsamen Mittagessen gehen, nur wenig von dem Vortrag verstehen. Für die weiteren Vorträge werde ich einen Platz wählen, der möglichst weit entfernt vom KidsClub liegt.


      Nach dem Mittagessen gehe ich zum Sport. Ich liebe das abwechslungsreiche Kursangebot bei AIDA. Heute steht „Step & Tone“ auf dem Programm und ich merke erstens, dass Sport bei Seegang mit dem Step nicht so einfach ist und zweitens, dass ich total außer Form bin. Aber es macht Spaß, das ist die Hauptsache.


      Danach folgt die Lieblingsmahlzeit meines Sohnes: Kaffeezeit.


      Beim Ausflugsschalter reklamiere ich die Umbuchung der Ausflugszeit in Ilulissat. Dies ärgert mich besonders vor dem Hintergrund, weil ich für diese Reise zum ersten Mal den Premiumtarif bei AIDA gebucht hatte, weil ich nicht nur die Kabine aussuchen, sondern auch sicher sein wollte, dass ich alle Ausflüge bekomme, die ich möchte. (Für diejenigen, die die Konditionen bei AIDA nicht kennen: wer den Premiumtarif bucht, darf auch zuerst Ausflüge reservieren. Bucher zum Variotarif (Garantiekabine) dürfen dagegen erst 90 Tage vor Reisebeginn Ausflüge buchen. Bei den meisten Reisen macht das keinen Unterschied, aber bei einer Nordlandreise mit knappen Ausflugskapazitäten spielt das schon eine Rolle. Ich hatte mehrere Ausflüge gebucht, die online lange vor Reisebeginn schon ausgebucht waren.) Am Ausflugsschalter kann man mir nichts zu den Gründen der Umbuchung sagen. Auch gäbe es keine Möglichkeit, auf die gebuchte Zeit (19.30 Uhr) oder eine andere Zeit zu wechseln. So ein Mist, ich hatte extra die teurere Abendtour gebucht, weil mein Sohn an dem Tag Geburtstag hat. Ich versuche, das Beste aus der Situation zu machen und reserviere für den Abend des 16. August einen Tisch im Selection Restaurant für 20 Uhr. So können wir nach dem Ausflug wenigstens ein schönes Abendessen mit Bedienung genießen.


      Zum Abendessen heute gehen wir ins Marktrestaurant. Dort steht „Bella Italia“ auf dem Programm. Während das Mittagessen in den beiden Buffetrestaurants Marktrestaurant und Calypso weitgehend identisch ist, steht das Abendessen jeweils unter unterschiedlichen Themen. Das finde ich von der Idee her sehr gut, die Umsetzung lässt im Laufe der Reise allerdings manchmal zu wünschen übrig bzw. lässt mich etwas ratlos zurück – aber dazu später. Die heutige Umsetzung ist mit ihren durchaus hochwertigen Speisen (u.a. Rindercarpaccio mit Parmesan als Vorspeise) aus meiner Sicht gelungen.


      Abends geht es ins Theater. Nach einer kleinen Lasershow werden der Kapitän und die leitenden Mitarbeiter des Schiffs vorgestellt. Im Anschluss folgt eine Show zur Vorstellung der AIDA Stars (3 Sängerinnen, 3 Sänger, ein Tanzpaar, eine Akrobatin). Leider ist das Theater zu klein für alle Gäste. Nach über einer Stunde, die wir auf einer Treppenstufe ohne Rückenlehne gesessen haben, merken wir unseren Rücken. Jetzt schnell ins Bett, denn morgen haben wir viel vor.


      Dienstag, 08.08.2017 Invergordon / Schottland

      Schon kurz vor sechs werde ich wach – allerdings haben wir heute durch Zeitumstellung eine Stunde gewonnen. Nach einem schnellen Frühstück treffen wir uns mit vier weiteren Mitreisenden an der Rezeption. Wir wollen mit einem privaten Guide, John, eine Tour durch die Highlands machen. seethehighlands.com/ John fährt einen Ford Galaxy, so dass wir alle problemlos Platz finden. Wir haben uns für die Tour „Wild West Coast“ entschieden. Das Wetter ist heute für schottische Verhältnisse hervorragend: teils sonnig, teils wolkig, den Großteil des Tages trocken und bis zu 18 Grad warm. Wir fahren viel und halten zunächst nur für Fotostopps an Seen und Aussichtspunkten in den Bergen. Die Landschaft ist grandios, allerdings sind die kleinen Stechmücken im Inland eine echte Plage. Schon nach einem kurzen Fotostopp sind etliche im Auto, draußen hält man es kaum aus. Als wir die Westküste erreichen, wird es deutlich besser. Hier ist es windiger und wir bleiben von Stechmücken weitgehend verschont. In Shieldaig machen wir eine Kaffeepause. Nun fahren wir nur noch über single-track-roads (nur eine Spur für beide Richtungen, alle paar hundert Meter gibt es eine kleine Ausweichbucht für Gegenverkehr), so dass wir froh sind, einen versierten schottischen Fahrer zu haben – für diese Art Straßen herrscht nämlich im Sommer sehr viel Verkehr, so dass der Fahrer gut aufpassen muss. Auch merkt man schnell, welche Autofahrer aus Ländern mit Rechtsverkehr kommen: das sind diejenigen, die die Ausweichbucht auf der rechten Fahrbahnseite nutzen statt auf der linken.


      Zum Mittagessen geht es in ein in einem wunderschönen Garten gelegenes kleines Restaurant in Applecross. applecrossgarden.co.uk/




      Danach fahren wir über einen Bergpass. Binnen Sekunden zieht es sich zu, später regnet es dann auch. Gegen 16 Uhr sind wir wieder zurück am Schiff. Alles hat gut geklappt, es war ein ausgesprochen gelungener Ausflug, die landschaftlichen Eindrücke waren einmalig.


      Mit uns liegt noch die Mein Schiff 1 im Hafen.


      Wir stärken uns kurz an der Pizzastation des Calypso Restaurants (hier bekommt man nicht nur Pizza, sondern auch Sandwiches und Salat), dann gehen wir auf das Pooldeck zur Vorführung einer schottischen Folkloregruppe mit Gesang, Tanz und natürlich einem Dudelsackspieler. Beim Ablegen werden wir von einer ganzen Dudelsackkapelle verabschiedet. Wir genießen das Ablegen und die Fahrt durch den Cromarty Firth. Nur Delfine oder Schweinswale sehen wir heute leider nicht (sind sonst hier häufig zu sehen).

      Als wir gegen 19 Uhr zum Abendessen gehen wollen, erleben wir es zum ersten Mal, dass wir keinen Platz finden. Das Calypso Restaurant ist einschließlich der Plätze im Bereich der Lambada Bar komplett voll. Inzwischen ist es 19.10 Uhr, im Marktrestaurant endet die erste Essenszeit um 19.30 Uhr. Wir finden dort einen Platz (Thema: USA), essen eine Kleinigkeit und kehren dann nach einer halben Stunde zur zweiten Tischzeit zurück.


      Abends gibt es eine tolle Show des Comedians Carsten Höfer („Der Frauenversteher“).


      In unserer Kabine ist heute tagsüber unsere Klimaanlage repariert worden (sie hatte nur Kaltluft gepustet). Jetzt ist es so warm, dass ich nachts auf „kalt“ stellen muss – aber genau so soll es ja auch sein.


      Mittwoch, 09.08.2017 Seetag

      Ausschlafen! Nach dem Frühstück gehe ich zu „Zumba“. Während ich beim Sport schwitze, hat mein Sohn Wale gesehen. Das will ich auch, nur leider springen die Tiere nicht auf Kommando. Immerhin sehen wir mehrfach den Blas von Walen. Die „Fontänen“ sind sehr gut zu erkennen. Es ist sonnig und im Heckbereich auch recht windgeschützt. In Jacke kann man gut draußen sitzen, allerdings ist es auf Deck 6 (Rundumpromenade) recht eng, weil sich hier Jogger, Spaziergänger und Leute, die im Liegestuhl sitzen wollen, in die Quere kommen. Wir weichen auf den Außenbereich des Calypso Restaurants aus, der auch außerhalb der Restaurantöffnungszeiten als Aufenthaltsplatz mit Tischen und Stühlen zur Verfügung steht. Um 12 Uhr gehe ich zum Vortrag des Lektors über Island. Mittagessen, lesen, Reisetagebuch schreiben, Kaffeezeit (inzwischen ist die Sonne weg, es regnet leicht, so dass niemand mehr draußen sitzt), Sauna und Postkartenkauf, dann ist schon wieder Zeit für das Abendessen. Im Calypso heißt der heutige Themenabend „Lateinamerika“. Die Umsetzung ist allerdings so lala. Nudeln und Bolognesesoße sind nicht wirklich lateinamerikanisch und mein „Argentinisches Steak“ ist verdammt zäh (die Fleischqualität bei den Steaks im Buffetrestaurant lässt die gesamte Reise zu wünschen übrig, später gehe ich stärker zu Fisch über, da gibt es eine hervorragende Auswahl in guter Qualität). Da der Seegang zum Abend hin stärker wird und wir morgen wieder einen Ausflug vor uns haben, beschließen wir, auf die Show zu verzichten und stattdessen mal etwas früher schlafen zu gehen. Von Seegang werde ich zum Glück nicht seekrank, aber müde.


      Donnerstag, 10.08.2017 Seydisfjördur / Island

      Als ich morgens nach über neun Stunden Schlaf gegen 6.30 Uhr wach werde (wir haben nachts durch Zeitverschiebung schon wieder eine Stunde gewonnen), liegen wir schon vor Seydisfjördur – zunächst auf Reede, da der Liegeplatz für die heute einlaufende Fähre von Smyrril Line reserviert ist, später übernimmt die AIDAcara dann den Liegeplatz.


      Um 9 Uhr ist Treffen für unseren Wanderausflug zum Hengifoss. Wir tendern an Land, dann verteilen sich die Gäste auf drei Busse. Nach einer guten Stunde Fahrt über die Berge, entlang des Sees Lagerflot und vorbei am größten Waldgebiet Islands, erreichen wir den Parkplatz, der Ausgangspunkt für die Wanderung ist. Bevor ich losgehe, heißt es erst einmal Schlange stehen, denn es gibt genau eine Toilette für die Damen und eine für die Herren. Auf dem Wanderweg gibt es keine Bäume, hinter die man mal verschwinden könnte, also muss ich wohl oder übel über 20 Minuten anstehen. Immerhin zieht sich durch diese Warterei die Busladung Menschen gut auseinander.


      Die ersten ca. 200m der Wanderung sind recht steil. Ich schnaufe und befürchte schon, die Wanderung nicht zu schaffen. Mein Sohn amüsiert sich herrlich über meine miserable Kondition. Aber es wird besser und wir werden mit toller Landschaft belohnt: erst kommt nach ca. einer halben Stunde ein kleinerer Wasserfall in Sicht, der zwischen Basaltsäulen fließt.


      Nach einer weiteren halben Stunde sind wir am Hengifoss, dem zweithöchsten Wasserfall Islands. Die Wanderung hat sich definitiv gelohnt. Wir haben auch einigermaßen Glück mit dem Wetter, denn es ist zwar wolkig, aber trocken. Auch an den Vortagen soll es trocken gewesen sein, so dass der Weg nicht matschig ist. Insgesamt haben wir 2,5 Stunden Zeit für die Wanderung. Hoch braucht man ca. 1 Stunde, zurück ca. 45 Minuten, da ist auch eine längere Wartezeit am Toilettenhäuschen drin.


      Auf der Rückfahrt zum Schiff halten wir noch eine halbe Stunde in Egilstadir an einem Souvenirshop – aus meiner Sicht ein ziemlich überflüssiger Stopp. Als wir erneut die Hochebene Richtung Seydisfjördur überqueren, verschlechtert sich das Wetter erheblich. Jetzt nieselt es und die Wolken sind noch dichter als am Morgen. Aufgrund des schlechten Wetters gehen wir um 15 Uhr direkt an Bord und verzichten auf einen Bummel durch das übersichtliche, allerdings sehr schön gelegene Örtchen. Wir stärken uns mit Pizza und Kuchen im Calypso, beobachten das Ablegen und gehen bald darauf zum Abendessen, weil bei Wolken und Regen von der schönen Fjordlandschaft leider nur begrenzt etwas zu erkennen ist. Heute steht das Abendessen im Marktrestaurant unter dem Thema „Portugal“.


      Im Theater gibt es heute die Show „Songbook Bryan Adams“. Mit diesem Konzept, das ich bisher von AIDA-Shows noch nicht kannte (Lieder und Informationen über Bryan Adams), kann ich mich nicht so richtig anfreunden. Das wirkt auf mich eher wie eine Talkshow als eine Gesangs- und Tanzshow, zum Teil wird auch mehr über die AIDA Stars als über Bryan Adams geredet. Mehr Musik und weniger Gesabbel würde ich besser finden.


      Wir verzichten auf den „Sprung über den Polarkreis“, der um 22.40 Uhr auf dem Pooldeck stattfinden soll und begeben uns lieber Richtung Bett, denn für morgen früh habe ich schon für 6.30 Uhr den Weckruf bestellt.


      Freitag, 11.08.2017 Akureyri / Island

      Der Weckruf holt uns heute aus dem Tiefschlaf. Das Wetter ist deutlich anders, als ich es mir nach der Prognose im Tagesprogramm vorgestellt hatte. Angesagt war heiter bis wolkig, 15 Grad, tatsächlich haben wir dicke Wolken, grauen Himmel und Nieselregen bei ca. 6 Grad. Also schnell noch die Regenhosen an, bevor es auf den Ausflug geht. Gebucht haben wir „Godafoss und Myvatn“ über FAB-Travel. fabtravel.is/de




      Der Bus von FAB-Travel steht auf dem Parkplatz direkt vor dem Schiff. Wir sind eine Gruppe von 20 Personen. Unser Fahrer und gleichzeitig auch Reiseleiter ist ein Isländer mit einer deutschen Mutter, so dass er perfekt deutsch spricht. Es geht zum Godavoss (Wasserfall), dann zum Myvatn (Mückensee),wo wir die Pseudokrater und den Lava Irrgarten (Dimmuborgir) anschauen. Weiter geht es zu dem Solfatarenfeld Namaskard. Es stinkt fürchterlich, ist aber sehr eindrucksvoll.


      Für eine längere Mittagspause fahren wir zum Myvatn Naturbad. Wer will, kann schwimmen gehen. Der Eintritt ist für Kinder bis 12 Jahre frei, von 13 – 15 Jahren gilt ein deutlich ermäßigter Preis, Erwachsene zahlen umgerechnet ca. 35 EUR. Mein Sohn möchte baden gehen, ich nicht. Am Eingang gibt es ziemliche Probleme, weil hier Kinder nicht alleine schwimmen gehen dürfen. Zum Glück erklärt sich ein Mann aus unserer Reisegruppe bereit, die Aufsicht über meinen Sohn zu übernehmen. Wer nicht schwimmen will, kann die Umgebung erkunden oder etwas in dem dem Schwimmbad angeschlossenen Selbstbedienungsrestaurant essen. Die Preise in Island sind für uns allerdings gewöhnungsbedürftig. Für eine Tasse Suppe zahle ich umgerechnet ca. 15 EUR.


      Weiter geht es zu einer Lavahöhle, die früher zum Baden genutzt wurde (heute ist das Wasser zu heiß geworden). Dann fahren wir um den Myvatn herum zurück nach Akureyri. Das Wetter hat aufgeklart, jetzt scheint die Sonne, dafür weht aber ein eisiger Wind. Wir halten für einen Fotostop mit Blick auf die Kreuzfahrtschiffe im Hafen (neben der AIDAcara liegen noch die Regent Seven Seas Explorer und die kleine Star Pride). Außerdem fahren wir durch den alten Teil von Akureyri, bevor wir gegen 16.30 Uhr wieder am Schiff sind. Der Ausflug mit FAB-Travel war sehr empfehlenswert, wir waren weniger Leute und haben mehr gesehen als auf dem vergleichbaren AIDA-Ausflug. Ein letzter Anruf zu Hause, jetzt haben wir drei Seetage vor uns.


      Die Begrüßung auf der Cara mit wahlweise kaltem Eistee oder heißem Früchtetee und Keksen (wir haben den heißen Früchtetee gewählt) tut wirklich gut. Es erfolgt eine Durchsage vom Kapitän, dass wir später ablegen werden als geplant, da noch etwas repariert werden muss. Also gehen wir zuerst zum Abendessen.


      Gegen 20 Uhr legen wir dann bei bestem Wetter ab. Die Fahrt durch den Fjord ist wunderschön, nur Wale sehen wir leider nicht – war ja auch klar, ich war ja dabei und ich bin so etwas wie ein Wal-Pechvogel.


      Im Theater gab es heute eine Show des Comedians John Doyle – das war klasse! Danach geht es noch mal kurz nach draußen: 22.30 Uhr, es ist immer noch nicht richtig dunkel und wir fahren durch schöne Landschaft. Aber jetzt bin ich echt geschafft und will nur noch ins Bett.


      Samstag, 12.08.2017 Seetag

      Wir holen heute ordentlich Schlaf nach. Trotz nächtlicher Zeitumstellung (wir haben wieder eine Stunde gewonnen), schaffen wir es nur knapp zum Spätaufsteherfrühstück. Um 11.30 Uhr gibt es eine Eisschnitz-Vorführung auf dem Pooldeck, dann folgt die Polarkreistaufe, bei der wir aber nur zusehen. Um 12 Uhr gehe ich zum Vortrag des Lektors über Grönland. Dann Mittagessen, Sport (Rückenfit), Kaffeezeit (hurra, es gibt Sachertorte!) und Sauna. Ganz schön stressig, so ein Seetag!

      Um 18.30 Uhr gehen wir zum Eisstockschießen. Da wir keine Eisbahn haben, schleudern wir mit Eisklötzen, die eine Seilschleife zum Halten und Werfen haben. Nach dem Abendessen (Thema England, natürlich mit Fish and Chips) schauen wir uns noch die kurze Show „Schlagergranaten“ an, die aufgrund des kühlen Wetters vom Pooldeck ins Theater verlegt wurde. Dann ist schon wieder Zeit zum Schlafengehen.


      Sonntag, 13.08.2017 Prinz-Christian-Sund / Grönland

      Gegen 7.30 Uhr (nein, ich bin nicht zum Frühaufsteher geworden, sondern habe mich gestern gut erholt und wir haben nachts schon wieder eine Stunde durch Zeitumstellung gewonnen) wache ich auf. Draußen herrscht dicker Nebel. So habe ich mir das nicht vorgestellt. Erst einmal geht es zum Frühstück. Gegen 10.15 Uhr sehen wir den ersten Eisberg und laufen in den Prinz-Christian-Sund ein. Erst einige Tage später bei der nautischen Fragestunde wird uns der Kapitän erklären, wie viel Glück wir hatten, überhaupt in den Prinz-Christian-Sund einlaufen zu können. Noch bis zwei Stunden vor unserer Einfahrt lag besagter Eisberg im Weg. Die Tour vor uns (die AIDAcara fährt diesen Sommer dreimal die Grönland-Reise, wir sind die mittlere Tour) konnte nicht durch den Prinz-Christian-Sund fahren.


      Pünktlich zur Einfahrt in den Sund klart es auf: blauer Himmel, Sonnenschein, windstill – besser geht es nicht. Es beginnt die vielleicht schönste Passage, die ich je gefahren bin: Berge, Gletscher, Wasserfälle und immer wieder kleine Eisberge. Im Heck ist es so windstill, dass einige Passagiere im T-Shirt in der Sonne sitzen. An schattigen Stellen ist es allerdings sehr schnell sehr kühl. Heute ist der erste Tag der Reise, an dem Liegestühle knapp werden. Hier merkt man doch deutlich die Unterschiede zur Artania, mit der wir letzten Sommer in Spitzbergen waren und die deutlich großzügigere Freiflächen hat als die AIDAcara. Es bleibt aber auch auf der Cara noch Platz zum Schauen und Fotografieren. Immerhin ist die Rundumpromenade auf Deck 6 unverglast, ebenso die Heckbereiche auf Deck 7, 9 (Außenfläche des Calypso-Restaurants) und 10. Deck 11 vorne ist inzwischen teilweise verglast (mit Lücken rechts und links sowie unten, um zu fotografieren). Der Windschutz vorne ist aber gar nicht so schlecht, denn später am Tag wird der Wind eisig und die Verglasung hilft sehr, es besser draußen auszuhalten. Bis auf kurze Pausen zum Mittagessen und zur Kaffeezeit verbringen wir heute den Tag draußen und fotografieren gefühlt hunderte von Bildern. Eine Aussicht ist schöner als die andere. Jeder Eisberg sieht aus jeder Ansicht wieder neu interessant aus.


      Mitten im Sund gibt es eine kleine Ansiedlung. Die Bewohner begrüßen uns von ihren Booten aus. Gegen 17.30 Uhr verlassen wir den Prinz-Christian-Sund. Prompt verschlechtert sich das Wetter, wir fahren in eine dicke Nebelwand. Jetzt erst mal in die Sauna zum Aufwärmen.


      Später beim Abendessen (Thema: Spezialitäten der Fjorde) klart es auf. Die Küste wird sichtbar (und sieht ein wenig so aus wie die Lofoten), außerdem schwimmen einzelne Eisberge vorbei. Die Sonne geht unter. Nach so viel Natur haben wir keine Lust auf Showprogramm. Noch ein bisschen im Katalog blättern (AIDA bietet inzwischen erstaunlich viele interessante Routen an, nur leider wenig in unseren Sommerferien) und etwas lesen, dann geht es ins Bett.
    • Teil 2


      Montag, 14.08.2017 Seetag

      Heute ist das gestrige Wetterglück aufgebraucht. Wir haben 3-5 Grad, den ganzen Tag dichten Nebel und gegen Abend auch noch Regen. Ein Tag für Aktivitäten in den Innenräumen. Nach dem Frühstück gehe ich erst mal zum Sport, dann zum Vortrag des Lektors. Mittagessen, erste Postkarten schreiben, Kaffeezeit, Sauna – was man halt an einem Seetag so macht. Ich stelle fest, dass ich auf der kleinen Cara nichts vermisse. Ich brauche an Seetagen Sportkurse, einen Lektor und einen schönen Saunabereich, um glücklich zu sein. Das habe ich hier alles.


      Am späten Nachmittag wird im Theater die Weltreise 2018 der AIDAaura vorgestellt. Dann Abendessen (Thema: Mediterrane Highlights) und danach noch die Show des Comedians Freddy Farzadi. Die Gastkünstler auf dieser Reise sind etwas einseitig ausgewählt: 5 Comedians mit je zwei Shows, also 10 Abende Comedy. Das ist schon ein bisschen viel.


      Dienstag, 15.08.2017 Nuuk / Grönland

      Heute wache ich schon um 7.10 Uhr durch Schiffsgeräusche auf. Wir liegen auf Reede vor Nuuk. Während ich frühstücke (mein Sohn schläft noch – wenn er als Erwachsener mal ohne mich auf Kreuzfahrt gehen wird, kann er immer Garantiekabine buchen – er kann bei jeglicher Geräuschkulisse schlafen), zieht dichter Nebel auf. Obwohl wir ganz nahe vor dem alten Kolonialhafen liegen, ist das Land teilweise kaum zu sehen. Also esse ich erst mal in Ruhe. Als ich gegen 8.30 Uhr zur Kabine komme, ist mein Sohn immerhin schon aufgestanden. Bis er dann auch noch gefrühstückt hat und wir endlich startklar sind, ist es schon fast halb elf: eine blöde Zeit, denn als wir zum Tenderboot wollen, geraten wir in eine große Ausflugsgruppe. Wir gehen individuell an Land und schauen uns erst einmal die typischen Sehenswürdigkeiten im alten Teil von Nuuk an: u.a. die Statue des Missionars Hans Egede, das alte Hospital (ein großes gelbes Gebäude) und die Erlöserkirche. Da es wiederneblig und dazu sehr kalt und windig wird, besuchen wir nun das Grönländische Nationalmuseum (Eintritt Erwachsene: 30 Dänische Kronen oder 5 EUR, Kinder kostenlos). Im Museum wird sehr anschaulich die frühere Lebensweise der Inuit dargestellt. Berühmt ist das Museum für die Mumien von Qilakitsoq.


      Als wir nach ca. einer Stunde das Museum verlassen, hat sich das Wetter deutlich verbessert. Bei blauem Himmel und Sonnenschein erkunden wir die verschiedenen Gesichter der grönländischen Hauptstadt. Neben dem alten Kolonialviertel mit hübschen kleinen bunten Häusern gibt es auch eine moderne Stadt mit Fußgängerzone und Geschäften. Es gibt aber auch die zum Teil heruntergekommenen, wirklich schrecklichen Blocks von Plattenbauten. Es herrscht erstaunlich viel Autoverkehr.


      Als sich der Nebel verzieht, erahnen wir zumindest die wunderschöne bergige Umgebung. Gegen 14.30 Uhr wird es wieder sehr windig und kalt (wir haben heute Höchsttemperaturen von 8 Grad; bei Wind fühlt es sich deutlich kühler an). Das Tendern zurück dauert über eine halbe Stunde, weil jetzt viele Leute zurück wollen und aufgrund des Windes ein stärkerer Wellengang herrscht, so dass sowohl das Anlegen am Steg an Land als auch an der AIDAcara doch etwas länger dauert.


      Jetzt erst einmal Pizza zur Stärkung, eine schöne Tasse heißen Tee und dann Sauna zum Aufwärmen. Wir legen mit rund einer Stunde Verspätung ab, da noch nicht alle Ausflügler rechtzeitig zurück waren. Leider hat es sich wieder stark zugezogen, von der umliegenden Landschaft sehen wir so gut wie gar nichts, nur manchmal tauchen kleinere Felseninseln aus dem Nebel auf. Zum Abendessen stehen heute grönländische Spezialitäten auf dem Programm. Ich wusste gar nicht, dass Pommes frittes, Kartoffelgratin, Kartoffel-Artischocken-Gemüse, Hirschrückensteaks oder Entenbrust grönländisch sind. Es hat sehr gut geschmeckt, aber die Umsetzung des Themas ist doch verbesserungswürdig bzw. sollte man dieses Thema vielleicht gar nicht wählen, weil man z.B. Wal oder Robbe den Gästen nicht servieren kann bzw. darf. Tatsächlich grönländisch war heute wahrscheinlich nur eine Suppe, ggf. noch ein oder zwei Fischgerichte.


      Für abends war die Show „Der Weltenwandler“ angekündigt, doch aufgrund technischer Probleme gab es stattdessen den Kinofilm „Die Schöne und das Biest“. Auch schön, aber lang. Bis wir im Bett liegen, ist es mal wieder fast Mitternacht.


      Mittwoch, 16.08.2017 Seetag / Ilulissat / Grönland

      Heute hat mein Sohn Geburtstag. Er wird ein Teenager, 13 Jahre alt. Gegen zwanzig vor zehn werden wir wach. Draußen herrscht dichter Nebel, wir sehen gar nichts. Irgendein Spaßvogel hat offensichtlich unser „Bitte nicht stören“-Schild geklaut, so dass wir schon Besuch vom Housekeeping bekommen, als wir noch im Schlafanzug sind. Jetzt erst einmal zum Spätaufsteherfrühstück. Danach packt mein Sohn Geschenke aus. Später bekommt er über das Housekeeping noch einen netten Geburtstagsgruß von der Rezeption sowie als Geschenk von AIDA eine Virtual Reality Brille für das Smartphone. Jetzt müssen wir Eltern ihm wohl endlich die Anschaffung eines Smartphones erlauben.


      Um 12 Uhr gehe ich zum Vortrag des Lektors über Trolle. Danach wollen wir Mittagessen. Was ist denn heute los, ist eine Hungersnot ausgebrochen? Wir müssen das Calypso Restaurant einmal komplett durchlaufen, ehe wir an Tischen im Bereich der Lambada Bar endlich zwei Plätze finden – und das auch nur weil die Familie, die dort schon sitzt, ihr jüngstes Kind auf den Schoß nimmt. Bei der Kälte und dem Nebel draußen (wir haben ca. 0 – 2 Grad) sitzt niemand mehr im Außenbereich, was man drinnen doch deutlich merkt.


      Nach dem Essen schauen wir hoch auf das Pooldeck zu den AIDA Welten (dort stellen sich verschiedene Tätigkeitsbereiche an Bord vor, z.B. das Housekeeping mit Handtuchtieren), aber da ist aufgrund der Kälte auch nicht viel los.

      Zur Kaffeezeit habe ich eine Geburtstagstorte für meinen Sohn ins Calypso Restaurant bestellt. Wir finden gleich den schön gedeckten Tisch mit der Schokoladentorte und zum Abschluss gibt es noch ein Ständchen von den Kellnern.


      Noch ein bisschen Sport, bei dem man schon die ersten Eisberge entdecken kann, dann wird es langsam Zeit, sich für den Ausflug „Bootsfahrt zu den Eisbergen“ fertig zu machen. Na Pustekuchen! Der Kapitän sagt durch, dass wir aufgrund des Nebels langsamer fahren mussten als geplant und deshalb erst gegen 18.30 Uhr Ilulissat erreichen werden. Die Teilnehmer des ersten Ausflugs (17.30 Uhr) werden ins Theater gebeten. Dort werden auch gleichzeitig Tendertickets für die Gäste ausgegeben, die heute individuell an Land gehen möchten. Den Ausflüglern verrät man zunächst nicht, was jetzt los ist. Wir sitzen im dunklen Theater, während wir an Eisbergen vorbei nach Ilulissat einlaufen und immer mehr Tendertickets abgeholt werden. Erst nach einiger Zeit wird angesagt, dass unser Ausflug komplett gestrichen wird. Es gäbe allerdings noch ein paar Restplätze für andere Zeiten. Das ist ja interessant, als ich am ersten Seetag die Umbuchung der Ausflugszeit reklamiert hatte (zur Erinnerung: wir hatten 19.30 Uhr gebucht, waren aber ohne Rücksprache auf 17.30 Uhr umgebucht worden), hieß es noch, dass es keine anderen Plätze mehr gäbe. Die Leute rennen Richtung Ausflugsschalter, es bildet sich eine Schlange. Bis wir an der Reihe sind, gibt es keine Plätze mehr. Super, jetzt haben wir das Einlaufen in Ilulissat im dunklen Theater und in der Schlange vor dem Ausflugsschalter verbracht, um am Ende doch ohne Ausflug dazustehen. Besonders ärgert mich, dass es kein Wort des Bedauerns von den AIDA-Mitarbeitern gibt. Es wird lapidar darauf verwiesen, dass wir die Ausflugskosten auf das Bordkonto erstattet bekommen, das ist alles. Bei Phoenix Reisen hatten wir letzten Sommer aufgrund einer Buspanne bei einem Ausflug eine Flasche Sekt und – für mich viel wichtiger – ein freundliches Schreiben auf die Kabine bekommen, dass Phoenix die Unannehmlichkeiten bedauert. Hier fällt ersatzlos das aus, was sicher nicht nur für uns der Höhepunkt der Reise sein sollte und es kommt noch nicht mal ein Wort des Bedauerns. In unserem Fall ist das doppelt ärgerlich, weil wir noch nicht einmal 17.30 Uhr als Ausflugszeit gebucht hatten, sondern ohne Rücksprache von AIDA darauf umgebucht worden waren. Ich weiß, dass AIDA sich bei den online gebuchten Ausflügen immer noch eine Änderung der Ausflugszeiten vorbehält. Das ist sicherlich sinnvoll bei Ausflügen, die nur ein oder zweimal am Tag stattfinden, aber doch nicht bei Bootstouren, die Tag und Nacht im 2-Stunden-Takt angeboten werden und bei denen die ursprünglich gebuchte Zeit genauso stattfindet. Die einzige Mitarbeiterin, die mitfühlend zum Ausdruck bringen wird, wie schade sie es findet, dass unser Ausflug ausgefallen ist, ist die freundliche Rezeptionistin, bei der ich die Geburtstagstorte für meinen Sohn bestellt hatte und die sich bei einem späteren Treffen daran erinnert und sich erkundigt, ob am Geburtstag meines Sohnes alles gut geklappt hat.


      Es hilft nichts, wir müssen das Beste aus der Situation machen. Ich verlege unser für 20 Uhr geplantes Essen im Selection Restaurant auf 19 Uhr. Wir essen sehr lecker und in ruhiger Atmosphäre (nur zwei weitere Tische sind heute Abend besetzt) à la carte. Ich habe schottischen Räucherlachs als Vorspeise, schottische Hühnersuppe mit Backpflaumen als Suppe und Lammrücken als Hauptgericht. Auf Nachtisch verzichte ich. Mein Sohn hat ebenfalls die Hühnersuppe, Rumpsteak als Hauptgericht und englische Schichtcreme (Trifle) als Dessert. Es hat uns sehr gut geschmeckt und bei der Rechnung stelle ich erfreut fest, dass nur mein Essen berechnet wurde (14.90 EUR für ein Drei-Gänge-Menü). Ich nehme an, dass das Menü meines Sohnes aufgrund seines heutigen Geburtstags nicht berechnet wurde.


      Um 21 Uhr tritt eine grönländische Folkloregruppe im Theater auf und zeigt Volkstänze, die stark an Polka o.ä. erinnern.


      Danach werfen wir noch einen Blick auf die Eisberge bei Nacht, dann geht es ins Bett. Da es schon seit einigen Stunden regnet, bin ich nicht mehr ganz so betrübt, dass unser Ausflug zu den Eisbergen ausgefallen ist, da die Ausflüge in kleinen, zum Großteil völlig offenen Fischerbooten stattfinden. Tenderboote und Ausflugsboote sollen übrigens die ganze Nacht hindurch fahren – mal sehen, ob uns das beim Schlafen stört.


      Donnerstag, 17.08.2017 Ilulissat / Grönland

      Schon gegen 4.15 Uhr werde ich durch Schiffsgeräusche wach. In einigen Tagen bei der nautischen Fragestunde werden wir erfahren, dass die Cara in Ilulissat nicht ankern konnte (auf dem Ankerplatz lag ein Eisberg), sondern mit Maschinenkraft an Ort und Stelle gehalten werden musste. Jetzt dröhnt es, also hole ich meine Ohrenstöpsel (es ist die erste Nacht auf dieser Reise, wo ich sie brauche) und schlafe weiter. Prompt verschlafe ich am Morgen und werde erst durch das Klopfen des Housekeepings wach. Zunächst ärgere ich mich, dass wir so lange geschlafen haben. Nach einem Blick nach draußen (strömender Regen) relativiert sich das aber. Also erst mal zum Frühstück, dann ziehen wir uns Regenzeug an: Regenhosen, hoffentlich wasserdichte Funktionsjacken, ebenfalls hoffentlich wasserfeste Wanderschuhe. Dass ich mir vor der Reise extra noch einen Rucksack mit Regenschutzhülle gekauft habe, erweist sich heute als ziemlich nützlich. Die Temperatur liegt bei 7 Grad, immerhin ist es nicht windig. Schon vor der Reise hatte ich mir einen Plan der Wanderwege am Eisfjord ausgedruckt. Der Ausgangspunkt für die Wanderungen ist zwar im Ort nicht beschildert, aber kaum zu verfehlen, wenn man ungefähr weiß, in welcher Richtung man suchen muss. Vorher kommen wir an vielen Schlittenhunden vorbei. Sie sind erstaunlich leise.


      Wir gehen zunächst den blauen Wanderweg. Der Teil über Holzbohlen ist sehr bequem zu gehen, hier ist es allerdings auch sehr voll, weil viele einzelne Wanderer sowie geführte Wanderungen (hier geht es auch zur alten Siedlung Semermiut entlang) unterwegs sind. Vom Anleger der Tenderboote unterhalb des Hotels Arctic bis zum Ausgangspunkt der Wanderung sind wir übrigens 45 Minuten gelaufen. Der Teil über die Holzbohlen ist dann schnell bewältigt, die erste tolle Aussicht auf den Eisfjord hat man schon nach wenigen Minuten. Ab dem Ende des Holzbohlenweges, der ca.1,5 km lang ist, wird es komplizierter. Jetzt gibt es keinen festen Weg mehr, sondern man folgt den blauen Markierungen im Gelände, das aus Steinen und heute bei dem Dauerregen sehr matschigen Trampelpfaden besteht. Hier sind jetzt kaum noch Leute unterwegs. Die Kletterei ist aber auch nicht so ganz ohne. Mein Sohn amüsiert sich wieder glänzend über mein langsames Tempo – wie schön, wenn das Kind Freude am Wandern hat. Für die gesamte Wanderung (blauer Weg bis Holms Bakke, von dort aus über den roten Weg zurück zum Ausgangspunkt der Wanderwege) haben wir ca. 1,5 Stunden gebraucht. Bei gutem Wetter hätte man vermutlich noch mehr Zeit mit dem Genießen der Aussicht verbracht.


      Inzwischen sind wir trotz Regenkleidung so klitschnass, dass wir nur noch zurück zum Schiff wollen. Auf eine Ortsbesichtigung von llulissat verzichten wir deshalb. Am Anleger der Tenderboote steht schon eine lange Schlange Gäste, denen es ebenso geht. Die Mitarbeiter von AIDA teilen mit, dass es bisher mit dem Tendern so lange gedauert habe, weil sich Tenderboote und Boote für die Ausflüge zu den Eisbergen einen Anleger teilen müssen. Jetzt wären aber alle Rundfahrten unterwegs und es soll schneller gehen. Trotzdem geht es nicht weiter. Inzwischen stehen über 100 Leute schon seit mehr als einer halben Stunde in strömendem Regen, weil ein grönländisches Wassertaxi auf zwei Passagiere wartet und den Anleger nicht räumt. Es dauert gefühlt ewig, bis die Mitarbeiter von AIDA den Kapitän des Wassertaxis davon überzeugen können, im Hafen eine Warterunde zu drehen, damit zwischenzeitlich ein oder zwei Tenderboote anlegen und die nassen, durch die Warterei inzwischen auch stark frierenden Menschen zurück auf die Cara transportieren können.


      Jetzt bloß raus aus den nassen Klamotten und erst einmal eine schöne Tasse Tee. Mein Sohn muss extrem durchgefroren sein, denn zum ersten Mal auf dieser Reise trinkt er freiwillig eine Tasse Tee. Danach gehe ich zum Aufwärmen in die Sauna. Dort treffe ich eine Dame, der es in puncto Ausflüge noch schlimmer ergangen ist als uns. Sie war für den Bootsausflug zu den Eisbergen auf die Zeit 1.30 – 3.30 Uhr gebucht worden. Treffpunkt war 1.15 Uhr (wohlgemerkt alles in der Nacht, nicht mittags). Die Gruppe musste bis 2 Uhr warten, dann wurde der Ausflug aus Sicherheitsgründen abgesagt. Es war stockfinster (zu unserer Reisezeit war die Mitternachtssonne längst vorbei) und es herrschte stärkerer Wellengang. Ihr Rundflug heute mittag war dann ebenfalls aufgrund des Wetters ausgefallen. Die Absage erfolgte so spät, dass auch keine Zeit mehr für eine individuelle Wanderung zum Eisfjord blieb. Von Ilulissat hatte sie also praktisch nichts gesehen.


      Erst später erfahren wir, dass wir zwei Stunden später ablegen werden, weil noch Ausflügler fehlen. Hätte man da nicht unseren ausgefallenen Ausflug dranhängen können? Wir essen zum Abendessen nur eine Kleinigkeit (Thema: Highlights der Schären), dann gehen wir auf die Rundumpromenade, um die Eisberge wenigstens vom Schiff aus noch einmal zu bewundern. Sie sind einfach immer wieder schön.


      Um 21 Uhr gehen wir dann ins Theater zur zweiten Show des Comedians Carsten Höfer.Das war wieder sehr lustig. Als wir gegen 22 Uhr aus dem Theater kommen, ist gerade die Zeit des Sonnenuntergangs. Draußen sind Eisberge zu sehen, die wunderschön im Licht der untergehenden Sonne leuchten. Weit entfernt sieht man auch buntes Licht – ein Regenbogen? Wir rennen zur Kabine, um die Fotoapparate zu holen. Es ist wunderschön, draußen aber auch eiskalt und unsere normalen Jacken sind noch zu nass, um sie anzuziehen. So hätte ich mir den nächtlichen Bootsausflug zu den Eisbergen gewünscht – jetzt bekommen wir den Anblick vom Schiff aus, wenn auch nicht so nah, wie es mit den Ausflugsbooten gewesen wäre. Mal wieder wird es spät, bis wir ins Bett kommen.


      Freitag, 18.08.2017 Seetag

      Wir schlafen bis Viertel vor zehn. Offensichtlich sind wir nicht die einzigen Langschläfer – beim Spätaufsteherfrühstück ist es brechend voll. Noch sieht man draußen etwas, doch bis zum Mittagesse haben wir wieder dicke Nebelsuppe und der Seegang nimmt zu. Nachmittags schreiben wir die letzten Postkarten, nach der Kaffeezeit stehen bei mir Sport und Sauna auf dem Programm. Mein Sohn vergnügt sich mit den Kinderfilmen (normalen Fernsehempfang haben wir rund um Grönland nicht, aber auf einem Kanal werden vier verschiedene, für Kinder geeignete Kinofilme gezeigt, leider die gesamte Reise über täglich dieselben Filme). Ich lese heute das erste meiner drei mitgebrachten Bücher aus.


      Nach dem Abendessen (Thema: Philippinen) schauen wir uns im Theater den zweiten Teil des Reisefilms an. Auf die anschließende Show einer Kabarettistin verzichten wir, weil wir morgen in Qaqortoq etwas eher aus den Federn kommen wollen als die letzten Tage. Vorsichtshalber bestelle ich an der Rezeption einen Weckruf für 8 Uhr.


      Noch kurz zum Showprogramm: aufgrund technischer Probleme können momentan keine Musicals o.ä. gezeigt werden. Repariert werden kann das erst in Reykjavik.


      Samstag, 19.08.2017 Qaqortoq / Grönland

      Kurz vor acht werde ich durch Schiffsgeräusche wach. Der Kapitän hat schon Recht, an Hafentagen braucht man bei der Cara eigentlich keinen Weckruf. Geplant war eine Liegezeit (auf Reede) von 8 – 14 Uhr. Da wir mit Verspätung ankommen (die ersten Tenderboote fahren um 9.10 Uhr), wird die Liegezeit bis 15 Uhr verlängert. Wir haben schönes Wetter, für Grönland ist es sogar recht warm (ca. 11 Grad im Schatten, in der Sonne werde ich heute Mittag sogar ein Thermometer finden, das 20 Grad anzeigt). Mein Sohn trödelt heute mal wieder ohne Ende, obwohl er wach ist, erscheint er erst 40 Minuten nach mir beim Frühstück. Kann mir mal jemand verraten, was ein 13jähriger Junge, der sich noch nicht mal rasieren muss, morgens 40 Minuten im Bad macht? Gegen 10.45 Uhr sind wir endlich startklar und wollen Tendertickets holen. Die gibt es nicht mehr, man sagt uns, dass gleich das freie Tendern ohne Tickets beginnt. „Gleich“ stellt sich als „in 1,5 Stunden“ heraus. Es ist wirklich ärgerlich, dass bei dem schönen Wetter und der kurzen Liegezeit das Tendern heute so endlos dauert. Es ist schon halb eins mittags, bis wir überhaupt an Land sind.


      Qaqortoq kommt meinen Vorstellungen von einer grönländischen Kleinstadt am nächsten. Während ich in Nuuk die alten, heruntergekommenen Plattenbauten entsetzlich und die modernen Neubauten nicht unbedingt typisch grönländisch fand und wir in Ilulissat aufgrund des Regens kaum etwas vom Ort gesehen, aber auf dem Weg zum Startpunkt der Wanderung mehrmals fast von Autos oder großen Baufahrzeugen angefahren worden waren (dort herrschte ein schlimmerer Verkehr als in meiner deutschen Heimatstadt zur Rush hour), scheint mir Qaqortoq etwas beschaulicher und vor allem von den Wohnhäusern einheitlich fröhlich bunt zu sein. Nicht alles sind Einfamilienhäuser, aber es gibt nicht so riesige Plattenbauten wie in Nuuk. Das Wetter tut ein Übriges, dass es uns gefällt. Allerdings haben wir hier zum ersten Mal in Grönland ein Mückenproblem. Ich habe Mückenschutz Marke Eigenbau dabei (man setze ein BaseCap auf, darüber dann ein Fenstergitternetz (Gaze) aus der Drogerie und befestige das Ganze mit einem Halstuch oder Schal), der mir schon in Island am Myvatn gute Dienste geleistet hat. Das hilft prima. Mein Sohn ist allerdings zu eitel dafür.


      Wir bummeln durch den Ort und genießen die Ausblicke. Ich finde es faszinierend, wie viele Wildblumen in Grönland blühen. Im Fjord treiben Eisberge – kleiner als in Ilulissat, aber trotzdem schön.


      Gegen 14.15 Uhr tendern wir zurück. Jetzt verteilen sich die Leute besser, es geht recht schnell. Im Calypso Restaurant wurde die im Tagesprogramm für das Mittagessen angegebene Zeit offensichtlich verlängern – wir bekommen noch das normale Mittagessen und nicht nur Pizza von der Pizzastation.


      Beim Ablegen genießen wir eine schöne Fahrt durch den Fjord. Durch den Fahrtwind wird es aber sehr schnell bitterkalt. Bei mir stehen noch Sport und Sauna auf dem Programm. Mein Sohn geht zur Loriot-Lesung der Schauspielerin Anja Herbertz ins Theater. Thema des heutigen Abendessens ist „rund um den Lachs“.


      Zwischendurch muss ich immer wieder kurz nach draußen, denn es ist wunderschön. Zu einer Seite Eisberge im Licht der untergehenden Sonne mitten im Meer. Zur anderen Seite die Küste Grönlands, die ein bisschen so wirkt wie die Lofoten – nur mit Eisbergen davor.


      Beim Abendessen sehe ich endlich kurz „meinen“ ersten Wal (ich hatte schon das Gefühl, der einzige Mensch auf dem Schiff zu sein, der bisher keinen Wal gesehen hatte). Auch abends im Sonnenuntergang sehe ich mehrfach etwas auftauchen, was ein kleiner Wal oder Delfin sein könnte – nur fotografieren kann ich es leider nicht.


      Im Theater gibt es heute einen Film „Der Mann ohne Schatten“. Es wird wirklich Zeit, dass wir nach Reykjavik kommen, damit die Technik im Theater repariert werden kann. Abwechselnd einzelne Comedians oder Filme sind als Abendprogramm auf Dauer nicht sehr abwechslungsreich.


      Heute Nacht wird uns eine Stunde „geklaut“ – die vier Stunden,die wir von Deutschland nach Grönland an Zeit gewonnen haben, müssen wir in den nächsten Tagen so nach und nach wieder abgeben.


      Sonntag, 20.08.2017 Seetag

      Eine Stunde verlorene Zeit führt dazu, dass es heute um 10 Uhr beim Frühstück rappelvoll ist. Das Meer sieht recht ruhig aus, doch es schaukelt spürbar. Mein Tag verläuft nach dem inzwischen üblichen Seetagmuster: Frühstück, Sportkurs, Vortrag des Lektors, Mittagessen. Um uns ein bisschen draußen zu bewegen, laufen wir fünf Runden über die Rundumpromenade (eine Runde hat 375m). Jetzt haben wir uns unseren Kuchen verdient. Nach jetzt zwei Wochen Kreuzfahrt habe ich ein Gefühl, das ich noch nie auf einer Kreuzfahrt hatte (allerdings ging auch noch keine meiner Kreuzfahrten länger als 15 Nächte): das Gefühl, dass ich so langsam genug habe. Wir haben tolle Landschaften gesehen, wir hatten aber auch schon viele Seetage, ich bin ausgeschlafen und erholt, ich habe alles, was ich sonst an Seetagen gerne mache und wozu ich im Alltag viel zu selten Zeit finde (Sport, Sauna, Vorträge hören, mal in Ruhe lesen) oft genug gemacht, ich habe genug leckeres Essen rund um die Uhr genossen. Vor diesem Urlaub habe ich gedacht, dass ich später gerne mal eine Weltreise mit dem Schiff machen würde. Heute würde ich sagen: „Nein, das muss nicht sein, lieber zwei Wochen Schiff und dann noch evtl. ein vorheriger oder anschließender Landurlaub.“


      Um 16 Uhr ist im Theater nautische Fragestunde. Es wurde angekündigt, dass die Passagiere gerne auch ihre Fragen und ihren Unmut zu den Landgängen in Grönland, insbesondere den ausgefallenen Ausflügen in Ilulissat äußern können. Hier gibt es offensichtlich viele, die diese Gelegenheit nutzen möchten – das Theater ist rappelvoll. Im Mittelpunkt der Kritik stehen insbesondere die vielen ausgefallenen Bootsausflüge zu den Eisbergen in Ilulissat sowie die Buchungssituation für diese Ausflüge (geringe Kapazitäten, vor der Reise schon alles ausgebucht). Der Kapitän Lars Krüger, der mit 38 Jahren jünger ist als die meisten seiner Passagiere, macht seine Sache unter diesen Umständen sehr gut. Er hat sich hervorragend vorbereitet (inklusive Fotos / Videos, die zur Veranschaulichung bestimmter Sachverhalte gezeigt werden). Einige Dinge kann er klären (z.B. die geringe Zahl von Anbietern und Booten für die Bootstouren, so dass z.B. ein kaputtes Boot nicht kurzfristig ersetzt werden konnte; versicherungsrechtliche Gründe, die es unmöglich machen, andere als die vorher zertifizierten Ausflugsanbieter auszuwählen oder den Passagieren auch nur als Alternative zu empfehlen etc.). Unser „persönliches Pech“ mit der Umbuchung auf die frühere und damit ausgefallene Ausflugszeit erklärt das aber nicht. Neben ausführlicher Kritik an der Ausflugssituation kamen natürlich auch nautische Themen zu Sprache. So erfuhren wir, dass wir in Ilulissat nicht ankern konnten, sondern das Schiff mit Maschinenkraft an Ort und Stelle gehalten werden musste (deshalb war es vermutlich nachts von den Maschinen her so laut). Auch wurde erläutert, dass in Gebieten, wo mit Eisbergen zu rechnen ist, die Stabilisatorennicht genutzt werden können (ist ja auch logisch, ich hatte nur nie darüber nachgedacht – vermutlich war es deshalb oft so schaukelig, obwohl das Meer gar nicht so unruhig aussah). Insgesamt dauerte die nautische Fragestunde 1,5 Stunden.


      Dann noch Sauna, Abendessen (Spezialitäten aus Australien – sehr lecker!), noch ein paar Runden über die Rundumpromenade, dann ist Schlafenszeit. Im Theater läuft schon wieder Kabarett, darauf haben wir keine Lust.
    • Teil 3


      Montag, 21.08.2017 Seetag / abends Reykjavik/ Island

      Heute passiert es: mein verschlafener Sohn schafft es noch nicht einmal bis 11 Uhr zum Spätaufsteherfrühstück (gerechterweise muss ich zugeben, dass auch ich es nur geradeso für die letzte halbe Stunde schaffe).

      Mittags geht es wieder zum Vortrag des Lektors – bei dieser langen Reise ist das schon fast eine Vorlesungsreihe. Wenn wir am Ende einen Test schreiben würden, könnten wir wahrscheinlich einen Schein in Völkerkunde bekommen.


      Nach dem Mittagessen zieht es mich nach draußen, denn wir haben recht schönes Wetter. In der Sonne kann man es auch gut länger im Freien aushalten. Wir drehen ein paar Runden über die Rundumpromenade. Um 15 Uhr schauen wir auf dem Pooldeck vorbei, denn dort ist als Event „Blue Lagoon“ angesagt: angekündigt ist eine Kaffeezeit mit blauer Sahne, besonderen Getränken etc. Tatsächlich werden kostenpflichtig bestimmte Drinks angeboten, dazu gibt es eine Sorte Kuchen vom Blech – mit weißer Sahne und ohne besondere Deko. Da gehen wir doch lieber zur normalen Kaffeezeit ins Calypso.


      Danach zieht es mich aber wieder nach draußen. Ab 16 Uhr ist schon Land in Sicht. Außerdem sehen wir ab und an ganz kurz einen Wal oder Delfin. Für ein Foto reicht es leider nicht. Aufgrund eines Fotos beim Vortrag des Lektors kann ich in Schiffsnähe auch einen Baßtölpel identifizieren, aber leider ebenfalls nicht fotografieren.


      Wir gehen heute direkt um 18 Uhr zum Abendessen mit dem Plan, nach dem Anlegen und der Freigabe des Schiffes schnell von Bord zu gehen. Diese Idee haben offensichtlich viele Leute – beim Essen ist es sehr voll und als die Cara gegen 20 Uhr endlich freigegeben wird, stürmen gefühlt 1.000 Leute gleichzeitig zur Gangway.


      Wir laufen noch kurz in die Stadt (kurz bezieht sich auf unseren Aufenthalt im Zentrum von Reykjavik, nicht auf den Weg, der laut Hinweisschild 4,5 km die einfache Strecke beträgt, aber sehr schön am Meer entlang führt). Wir genießen den Sonnenuntergang und das recht milde schöne Wetter. Im Zentrum fotografieren wir das „Sonnenschiff“ und die Hallgrimskirche (das hat schon Tradition, es ist unser dritter Besuch in Reykjavik).


      Gegen 23 Uhr sind wir zurück auf dem Schiff. Noch schnell zur Pizzastation und dann zur Rezeption, um für morgen einen Weckruf um 5.30 Uhr zu bestellen. Das morgige Ablegen wurde zwar von 17 auf 20 Uhr verlegt, die Ausflugszeiten wurden aber leider nicht angepasst, so dass wir morgen schon um 7 Uhr am Bus sein sollen. Jetzt schnell noch ein paar Stunden Schlaf, damit wir morgen nicht den Ausflug verschlafen. Erst später bei der Präsentation des Reisefilms werde ich erfahren, dass es sich diese Nacht gelohnt hätte, noch länger aufzubleiben – es gab wunderbare Polarlichter zu sehen. Leider erfolgte an Bord keinerlei Hinweis darauf. Für Polarlichter wäre ich auch gerne nachts um 2 Uhr noch einmal aufgestanden.


      Dienstag, 22.08.2017 Reykjavik / Island

      Vor Aufregung bin ich sogar noch vor dem Weckruf wach. Schnell frühstücken – heute öffnet ein Restaurant schon um 6 Uhr – dann geht es zum Ausflugsbus. Wir fahren zunächst zu einer Heißwasserquelle, von der man außer Dampf leider kaum etwas erkennen kann, da dort gerade gebaut wird.


      Weiter geht es zu den Wasserfällen Hraunfossar und Barnefoss, wo wir 45 Minuten Zeit zum Anschauen haben. Dort ist es sehr schön, der Barnefoss schießt zwischen erkalteter Lava hervor. Ich schwitze. Die Sonne scheint, es ist für Island außergewöhnlich warm, aber ich habe mich recht dick angezogen, da unser Hauptziel kalt sein soll: der Langjökull-Gletscher mit seiner Eishöhle.


      Vorher gibt es aber noch ein gutes Mittagsbuffet in Husafell (um 10.30 Uhr, das ist sonst unsere Frühstückszeit, aber angesichts der Zeit, die heute schon seit unserem Frühstück vergangen ist, ist das in Ordnung).


      Wir fahren nach dem frühen Mittagessen noch eine halbe Stunde mit dem Bus über Schotterpiste, bevor wir in das Gletscherfahrzeug umsteigen. In der Ausflugsbeschreibung wurde gewarnt: „Gletscherfahrzeug unbeheizt und ungefedert“. Das mag für die älteren weißen Fahrzeuge, die wir auch gesehen haben, gelten. Unser hochmodernes rotes Fahrzeug ist bei der Gletscherfahrt deutlich bequemer als der Reisebus auf der Schotterpiste. Heizung gibt es auch, allerdings ist es heute so warm, dass wir eher lüften müssen.


      Eine knappe halbe Stunde dauert die Fahrt auf den Gletscher. Oben geht es dann in die von Menschen geschaffene Eishöhle. Unsere große Gruppe wird in zwei kleinere Gruppen geteilt. Wir bekommen im ersten Raum der Höhle Spikes, die man sich unter die Schuhe schnallt, um nicht auszurutschen.


      In der Höhle kann man bei einer Temperatur um die 0 Grad wärmere Kleidung gebrauchen. Wichtig sind vor allem wasserfeste Sachen (Schuhe, Hosen, Jacken), denn es tropft. Die Führung durch die Höhle mit einem englischsprachigen Guide dauert ca. 1 Stunde und ist sehr interessant. Es gibt sogar eine Kapelle, in der man heiraten kann (hier singt unser Guide für uns, um die tolle Akustik zu verdeutlichen).


      Zurück aus der Höhle drehen wir mit dem Gletscherfahrzeug noch eine Extrarunde auf dem Gletscher. Die Sicht ist heute hervorragend, die Reiseleiterin erläutert, dass wir in der Ferne sogar die Westmännerinseln sehen können.

      Zurück im normalen Reisebus geht es ca. eine Stunde über Schotterpiste (hier werden wir ordentlich durchgeschüttelt) und dann noch ein Stück über eine asphaltierte Straße zum Thingvellir-Nationalpark. Während unser Reisebus bei den bisherigen Zielen der einzige Bus war und es sonst allenfalls noch ein paar individuelle Besucher gab, ist hier jetzt die Hölle los. Wir bekommen eine halbe Stunde, um einmal durch die Schlucht zwischen der eurasischen und der nordamerikanischen Erdplatte zu wandern. Das ist bei diesem schönen Wetter und in der tollen Umgebung viel zu knapp bemessen. Ich könnte hier locker 2 – 3 Stunden herumlaufen.


      Kurz vor 17 Uhr sind wir wieder am Schiff. Neben der Cara liegt inzwischen die Astoria, die wir schon in Ilulissat getroffen haben.


      Jetzt raus aus der viel zu warmen Kleidung. Wir gehen noch mal kurz von Bord, um die Sonne an dem kleinen Strand zu genießen und mit meinem Mann zu telefonieren. Dann Abendessen, Reisetagebuch schreiben und um 20 Uhr legen wir ab.


      In Reykjavik hat unser Kapitän gewechselt. Statt Lars Krüger haben wir jetzt Manuel Pannzek.


      Um 21 Uhr gibt es die Musical-Show „Der Weltenwandler“. Endlich wieder eine Show mit Gesang und Tanz. Die Bühnentechnik konnte in Reykjavik zum Glück repariert werden. Heute ist ein perfekter Tag, an dem ich weiß, warum ich gerne Kreuzfahrten mache: ein toller Ausflug bei bestem Wetter, gutes Essen (das Abendessen im Calypso hatte heute das Thema Indien. Das fand ich gut umgesetzt und ausgesprochen lecker), ergreifendes Auslaufen und abends eine tolle Show.


      Allerdings bin ich durch das frühe Aufstehen echt fertig. In der Nacht wird uns außerdem wieder eine Stunde „geklaut“. Mal schauen, ob wir es morgen überhaupt zum Frühstück schaffen.


      Mittwoch, 23.08.2017 Seetag

      Ich werde um 10 Uhr durch die Durchsage des Kapitäns wach (die Durchsage wurde nicht auf die Kabinen geschaltet, aber bei mir wirkt das „Ding-Dong“, mit dem Durchsagen in den öffentlichen Bereichen angekündigt werden, immer wie ein Wecker). Mein Sohn wird auch kurz wach, dreht sich um – und schläft weiter. Als ich vom Spätaufsteherfrühstück komme, schläft er immer noch. Erst als ich kurz vor 12 Uhr zum Vortrag des Lektors aufbrechen will, wird er wach.


      Wir haben heute sehr spürbaren Seegang. Der Infokanal im TV meldet bis zu Windstärke 11, viele Außenflächen sind ganz oder teilweise gesperrt. Meinem Sohn ist etwas übel, aber nach dem Mittagessen (seiner ersten Mahlzeit heute) ist er wieder fit. Ich habe zum Glück keine Probleme mit dem Seegang.


      Nach dem Mittagessen gehen wir ein bisschen nach draußen, dann geht es zu Tee und Kuchen. Um 16.30 Uhr gehe ich zu „Functional Fitness“, was sich als deutlich anstrengender erweist, als ich vorher gedacht hatte. Dann stehen Sauna und Abendessen auf dem Programm. Der Themenabend „Fjorde und Schären“ entspricht in allen Gerichten exakt dem, was wir schon einmal auf dieser Reise im selben Restaurant hatten.


      Heute Abend gibt es die Show „Cotton Club“, die mir sehr gut gefällt. Danach will mein Sohn noch zur Pizzastation, bevor es wieder ins Bett geht. Es stürmt immer noch, außerdem regnet es. Hoffentlich wird es morgen besser.


      Donnerstag, 24.08.2017 Lerwick / Shetland Inseln / Schottland

      Heute werde ich mal etwas früher wach, so dass ich nach dem Frühstück noch zum Sport gehen kann (Gleichgewichtstraining – mein Gott, ist das bei Seegang schwierig) und den Vortrag des Lektors besuche, bevor wir gegen 12.30 Uhr in Lerwick anlegen. Pünktlich mit dem Anlegen beginnt auch der Regen. Nach einem schnellen Mittagessen gehen wir zu dem Treffpunkt für den Ausflug zum Mousa Broch. Eine Mitarbeiterin von AIDA teilt uns mit, dass der Ausflug nicht wie geplant stattfinden kann, da die Fähre zur Insel Mousa aufgrund des schlechten Wetters nicht fährt. Man kann entweder kostenlos zurücktreten oder an einer Alternativtour zur St. Ninian’s Isle und einer alten Wassermühle teilnehmen. Da bei der Alternativtour die Fährfahrt entfällt, gibt es eine Erstattung von 10 EUR p.P.


      Wir entscheiden uns für die Alternativtour, denn ohne Ausflug würde ich bei dem Regenwetter heute vermutlich gar nicht von Bord gehen und dies später bestimmt bedauern. Zunächst fahren wir zu einem Aussichtspunkt, von dem aus wir die Insel Mousa sehen können.


      Unser Ausflug wird seitens AIDA von unserem Lektor begleitet, was sich als Glücksfall erweist, da er nicht nur übersetzt, was die Reiseleiterin erzählt, sondern selbst sehr viel über die Shetland Inseln weiß. Weiter geht es zur St. Ninian’s Isle. Als wir den Bus verlassen und über einen Strand zur Insel hinüberlaufen, hört der Regen fast auf. Die Umgebung ist wunderschön.


      Auf der Insel gibt es die Überreste einer Kapelle, bei der archäologische Funde gemacht wurden. Leider setzt der Regen jetzt sehr stark ein, dazu ist es windig. Bis wir wieder im Bus sitzen, sind wir komplett durchnässt, zumindest von außen. Mein Sohn, der noch gemeckert hatte, als ich für ihn (und mich) vor dem Spaziergang auf Regenhose bestanden hatte, gibt jetzt zu, dass das doch keine schlechte Idee war.


      Wir halten nun kurz an einem Punkt, von dem aus wir Seehunde an einem Strand sehen können.


      Kann das Wetter schlimmer sein als in Ilulissat? Ja, es kann – wir haben hier nicht nur Dauerregen, sondern auch noch sehr tief hängende Wolken, so dass kaum Sicht besteht. Außerdem beschlagen in einem Bus voller nasser Leute natürlich die Scheiben.


      Wir fahren weiter zur Quendale Water Mill, wo wir eine Stunde Zeit haben, die Mühle zu besichtigen, im kleinen Souvenirshop einzukaufen oder Tee zu trinken. Vor allem ist es ein Stopp, um wieder etwas zu trocknen.


      Danach fahren wir zurück nach Lerwick, machen eine kleine „Stadtrundfahrt“ und wer will, kann im Ortszentrum aussteigen und später mit einem von der Stadt kostenlos bereitgestellten Shuttlebus zum Anleger zurückkehren. Wäre es trocken, hätten wir das sicherlich gemacht, aber bei dem Wetter habe ich keine Lust mehr, draußen herumzulaufen.


      Auf dem Schiff werden wir mit heißem Tee und Keksen begrüßt – das tut gut. Dann telefonieren wir von der Rundumpromenade aus mit meinem Mann und sehen dabei mehrere Seehunde im Hafenbecken. Nun noch Sauna zum Warmwerden – ich bin sicher, dass die Sauna wesentlich dazu beigetragen hat, dass ich mich bisher nicht erkältet habe.


      Beim Abendessen wählen wir das Thema Großbritannien im Calypso. Im Marktrestaurant ist das heutige Thema Spanien, dazu gibt es zur Einstimmung ab 17.30 Uhr in der AIDA Bar Tapas. Eine gute und leckere Idee. Großbritannien gab es auf dieser Reise auch schon mal als Essensthema, aber das Angebot ist heute nicht komplett identisch mit dem letzten Mal, auch wenn sich einige Gerichte wiederholen.


      Das Ablegen verpassen wir heute, da wir im Theater die zweite Show des Comedians John Doyle genießen. Da wir morgen schon um 8 Uhr in Kirkwall anlegen sollen und ich befürchte, durch die entsprechenden Anlegegeräusche wach zu werden, geht es nach der Show ins Bett.


      Freitag, 25.08. 2017 Kirkwall / Orkney Inseln / Schottland

      Ich schlafe schlecht aufgrund von Schiffsgeräuschen. Um 8 Uhr werde ich durch die Ansage des Kapitäns wach, dass wir Kirkwall erreicht haben. Da wir heute deutlichfrüher wach sind als sonst, schaffen wir es, schon um 10 Uhr von Bord zu gehen. Wir nehmen den kostenlos von der Stadt Kirkwall bereitgestellten Shuttlebus. Hier auf den Orkney Inseln ist man super organisiert. Wir erhalten einen deutschsprachigen Stadtplan, in dem nicht nur die Sehenswürdigkeiten beschrieben sind, sondern auch Shuttlebushaltestelle und Toiletten verzeichnet sind.


      Es beginnt, stark zu nieseln. Oh nein, ich will nicht schon wieder komplett nass werden. Wir haben nachmittags noch einen Ausflug..

      Aufgrund des Wetters machen wir in Kirkwall Kulturprogramm. Wir besichtigen die St. Magnus Kathedrale von innen (als wir 2015 mit MSC in Kirkwall waren, ging dies aufgrund des Sonntaggottesdienstes nicht).

      Außerdem besichtigen wir die Reste des Earl’s Palace und des Bishop’s Palace (Eintrittskarten für beide Gebäude erwirbt man vor dem Earl’s Palace). Dann geht es zu den Tankerness House Gardens und ins Orkney Museum (Eintritt frei).


      Nach knapp zwei Stunden sind wir fertig und fahren zurück zum Schiff. Der Shuttlebus pendelt ständig, so dass man nicht lange warten muss.


      Nach dem Mittagessen geht es auf den AIDA-Ausflug „Die Orkney Inseln aktiv erleben“. Der erste Stopp ist an den Birsay Moors. Hiervon bin ich etwas enttäuscht. Ich hatte einen Moorwanderweg erwartet. Tatsächlich gibt es nur einen Ausguck auf einen See, auf dem heute leider kaum Vögel sind. Ansonsten kann man noch Windkraftanlagen anschauen (das Moorgebiet befindet sich auf dem windreichsten Hügel der Orkneys) oder in die hier eher unspektakuläre Landschaft schauen.


      Weiter geht es zum Marwick Head. Wir marschieren einen Hügel hinauf zu einem Denkmal für die Verstorbenen eines 1916 versenkten Schiffes. Der Ausblick und die Klippen hier sind spektakulär. Durch den Wind kann es auf den Klippen aber leicht gefährlich werden. Der Reiseleiter erzählt, dass dieses Jahr schon zwei Personen abgestürzt sind.


      Papageientaucher sehen wir leider nicht, die sollen nur im Juli hier nisten. Dafür sehen wir aber jede Menge Möwen und kleine Hasen, die von den Möwen gejagt werden (sichtbar auch an den vielen Hasenskeletten – das ist nichts für zartbesaitete Gemüter).


      Das Wetter hält sich sehr gut, es ist trocken und ab und an schaut sogar die Sonne hervor. Auf der Rückfahrtfahren wir noch an Skara Brae (einer Siedlung aus der Steinzeit), dem Ring of Brodgar und dem ältesten Steinkreis der Orkneys vorbei. Es gibt aber keine Zeit bzw. keine Möglichkeit für einen Fotostopp. Da wir den Ring of Brodgar bei unserem letzten Besuch 2015 ausgiebig besichtigt haben, sind wir nicht allzu traurig darüber.

      Wir sind um 17.30 Uhr die letzten, die vor dem Ablegen noch schnell an Bord hechten. Verabschiedet werden wir von Dudelsackspielern. Die Ausfahrt zeigt noch einige sehenswerte Punkte.


      Dann geht es zum Abendessen (Thema: Pasta-Festival). Um 20.30 Uhr ist mein Sohn (mit mir) zum Empfang der Geburtstagskinder dieser Reise ins Theater eingeladen. Die Plätze vorne sind bei der heutigen Show für alle Personen, die während der Reise Geburtstag hatten (insgesamt 96) reserviert, angestoßen wird dann mit Sekt bzw. Orangensaft. Heute zeigt der Comedian Freddy Fazardi seine zweite Show. Da wir müde vom Tag sind und uns heute Nacht wieder eine Stunde „geklaut“ wird, ist nach der Show Schlafenszeit.


      Samstag, 26.08.2017 Seetag

      Wir schaffen es gerade so zum Langschläferfrühstück. Ein letzter Vortrag des Lektors, Mittagessen, Sport. Da wir für den Kurs „Powerbands“ nur zwei Personen sind, fällt dieser aus und ich gehe stattdessen auf den Crosstrainer. Kaffeezeit mit meiner Lieblingstorte (Sachertorte), dann steht der unangenehmste Teil der Kreuzfahrt an: das Kofferpacken. Unangenehm ist aber vor allem, alles – einschließlich der dreckigen Wäsche von drei Wochen Urlaub – unterzubringen. Dann machen wir noch ein paar Fotos vom Schiff und vom Farewell-Buffet, das nicht nur liebevoll mit Eisskulpturen und Obstschnitzereien dekoriert ist, sondern auch beim Essen zeigt, dass es auch nach drei Wochen Kreuzfahrt durchaus noch positive Überraschungen geben kann.


      Abends findet die Verabschiedung von der Crew im Theater statt. Das ist wieder sehr ergreifend. Es gibt noch eine Abschiedsshow mit Gesang und Tanz, danach geht es mit Party auf dem Pooldeck weiter. Endlich ist es mild genug für eine Poolparty, auch wenn man eine dünne Jacke braucht. Mein Sohn findet Party und Tanzen allerdings peinlich, so dass wir uns kurz nach 23 Uhr auf die Kabine begeben. Die Koffer dürfen erst morgen zwischen 6 und 7 Uhr vor die Tür gestellt werden, damit man sie dann voraussichtlich ab 10 Uhr im Terminal erhält. Wie bescheuert ist das denn? Ich stelle doch nicht den Wecker auf 6 Uhr früh, nur um die Koffer raus zu stellen! Ich packe noch die Reste ein, auch die Jacken kommen in den Koffer, denn in Hamburg sollen morgen 22 Grad sein. Das sind für uns nach dieser Reise hochsommerliche Temperaturen. Den Wecker stelle ich nicht – entweder, wir werden vor 7 Uhr wach und stellen die Koffer vor die Tür oder wir nehmen sie selbst vom Schiff. Da der Ausgang morgen auf unserem Deck 6 sein soll, dürfte das machbar sein. Es ist nach Mitternacht, bis wir endlich im Bett liegen.


      Sonntag, 27.08.2017 Hamburg

      Natürlich werde ich vor Aufregung vor 7 Uhr wach und kann die Koffer noch vor die Tür stellen. Ein letztes Frühstück – heute sogar sehr gemütlich, da es offensichtlich viele Gäste gibt, die schon früh das Schiff verlassen möchten. Die Koffer im Terminal stehen schon ab ca. 9.15 Uhr zur Abholung bereit. Jetzt wollen viele Leute von Bord, es bilden sich lange Schlangen, doch keiner wird rausgelassen. Was ist denn hier los? Es gibt keinerlei Informationen, warum wir nicht von Bord dürfen, die Schlange wird immer länger. Erst nach einer halben Stunde geht es weiter – offensichtlich erfolgte gerade per Kran eine Anlieferung o.ä., so dass keine Gäste draußen herumlaufen durften. Kann man da nicht mal eine kurze Durchsage machen, damit nicht immer mehr Passagiere in der Schlange stehen? Das hinterlässt zum Schluss keinen guten Eindruck.


      Im Terminal finden wir schnell unsere Koffer. Mit dem Shuttlebus geht es zum ZOB, wo uns schon mein Mann erwartet. Nach einer kurzen Bahnfahrt sind wir mittags wieder zu Hause.


      Fazit

      Es war eine schöne Kreuzfahrt. Die Ziele in Grönland, Island und Schottland haben mir sehr gut gefallen. Eisberge sind faszinierend. Die Ausflüge – soweit sie denn stattfanden – empfand ich als lohnenswert und kann sie uneingeschränkt weiterempfehlen. Mit unserer Kabine (gewählt als Kompromiss zwischen Preis und dem Wunsch, auf solch einer langen Reise zumindest Tageslicht zu haben) war ich auch sehr zufrieden. Gar nicht zufrieden war ich damit, dass uns AIDA in Ilulissat ohne Rücksprache auf eine andere Ausflugszeit umgebucht hatte, obwohl zu der von uns gebuchten Ausflugszeit Ausflüge stattfanden. Es geht aus meiner Sicht gar nicht, dass AIDA damit wirbt, dass Premiumbucher als erstes Ausflüge buchen dürfen und gerade diese Bucher (wir waren beileibe nicht die einzigen) dann als erstes auf andere Zeiten umgebucht werden, was dazu führte, dass unser Ausflug aufgrund der verspäteten Ankunft ganz entfiel. Dazu habe ich mich nach der Reise bei AIDA beschwert und wir haben uns auf eine Entschädigung (und vor allem auf eine Entschuldigung seitens AIDA) geeinigt. Die Ausflugspannen in Ilulissat und der Umgang der Crew damit haben leider die Stimmung an Bord für längere Zeit sehr nachhaltig verdorben, in den ersten Tagen danach war dies das Hauptgesprächsthema unter vielen Gästen. Es gab kaum jemanden, bei dem in Ilulissat alles wie geplant geklappt hatte. Ich finde, hier sollte AIDA auch vor der Reise mit offenen Karten spielen. In MyAIDA wurden z.B. für die Bootstouren zu den Eisbergennur „erträgliche“ Abfahrtszeiten angezeigt (erster Abend Abfahrten alle zwei Stunden ab 17.30 Uhr bis 23.30 Uhr, zweiter Tag Abfahrten ab 9 Uhr morgens). Bei Erhalt der Ausflugstickets stellte sich dann heraus, dass die ganze Nacht hindurch gefahren werden sollte (wir haben Gäste mit Abfahrten 1.30 Uhr oder 5.30 Uhr kennengelernt), obwohl zu unserem Reisezeitpunkt keine Mitternachtssonne mehr herrschte. Hier sollte man aus meiner Sicht diese ungünstigen Abfahrtszeiten für die Bootstouren auch vorab kommunizieren und nicht die Gäste erst an Bord darüber informieren. Andererseits sollten die Gäste aber auch stärker über die begrenzten Ausflugskapazitäten in Grönland informiert werden. Hier war sicher einigen Passagieren nicht so ganz klar, wie die Situation vor Ort ist und dass es z.B. bei einem Ausfall eines Bootes eben nicht schnell Ersatz gibt. 24 Stunden in Ilulissat sind bei 1.200 Passagieren und den begrenzten Ausflugskapazitäten deutlich zu wenig. Hiersollte aus meiner Sicht besser einer der schottischen Häfen gestrichen und stattdessen Zeit in Ilulissat drangehängt werden.


      Zum Bordleben: sehr positiv war ich von dem großzügigen Sport- und Saunabereich überrascht. Das Showprogramm fand ich – nicht nur wegen des technischen Ausfalls – eher mittelmäßig. Als Gastkünstler fünf Comedians bieten aus meiner Sicht zu wenig Kontrastprogramm. Die Schwerpunkte des Lektors lagen eindeutig auf Völkerkunde. Er konnte viel zu Land und Leuten erzählen, was auch interessant war. Für eine solche Reise würde ich mir aber ergänzend einen Naturkundler wünschen, der interessante Passagen oder Tiersichtungen kommentiert (das fehlte völlig) und Vorträge zu Fauna, Flora und Naturphänomenen wie Gletscher und Polarlichtern hält. Das Essen war aus meiner Sicht in Ordnung, die Auswahl an Fischgerichten sehr gut, die Fleischqualität bei Steaks nicht so toll. Da es auf der Cara abends keine Familienessenszeit gab und die Plätze in den Buffetrestaurants sehr begrenzt waren, hatten wir mehrfach Schwierigkeiten, einen Tisch zu finden, obwohl wir nur zu zweit waren. Das fand ich anstrengend und kannte ich von den größeren AIDA-Schiffen so bisher nicht. Auch habe ich gemerkt, dass ich inzwischen verwöhnt bin. Nach Kreuzfahrten mit Gesellschaften, bei denen Bedienrestaurants inklusive sind, schätze ich das inzwischen. Bei drei Wochen Buffet wird es irgendwann doch langweilig. Sehr gut fand ich allerdings das Selection Restaurant, das wir erstmalig genutzt hatten. Das würde ich bei weiteren Fahrten wahrscheinlich mehr als einmal besuchen.


      Für alle, die gerne mit AIDA fahren oder die aufgrund von Einschränkungen bei der Urlaubszeit in den Sommerferien nicht länger als drei Wochen verreisen können, kann ich die Grönlandreise mit der Cara uneingeschränkt empfehlen. Ich selbst würde sofort wieder nach Grönland reisen – dann aber eher mit einem Schiff, das weniger Passagiere mitnimmt,mehr Ziele in Grönland anläuft und längere Liegezeiten am Höhepunkt Ilulissat hat als die Cara.

      Viele Grüße
      Stefanie