AIDAmar: Nebel des Ostens

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    • AIDAmar: Nebel des Ostens

      Prolog:
      „Der Nebel, wenn er steigend sich erhält, bringt Regen, doch klar
      Wetter, wenn er fällt.“
      Wieviel Wahrheit diese alte Bauernweisheit beinhaltet, erfuhren wir an
      Bord von AIDAmar auf der Route „Ostsee 2“ vom 18. bis 25. Mai 2013.



      Anreise


      Zunächst jedoch war von Nebel noch nichts zu spüren, begann unsere Reise mit drei
      Erwachsenen und einem zweijährigen Kleinkind doch am frühen Morgen des
      17. Mai in strömendem Regen. Nicht umsonst witzeln Karnevalisten seit
      langem, dass unsere Heimatregion, das Bergische Land östlich von Köln,
      zwar sehr schön sei, man es aber überdachen müsse… Ein
      Dach hat unser Auto zum Glück, und gut geschützt nahmen wir so Kurs auf
      die Ostseeküste, wo wir schon am Mittag eintrafen und zunächst das uns
      schon bekannte und gerade mit Kindern sehr sehenswerte „Karls
      Erlebnisdorf“ in Rövershagen bei Rostock besuchten. Hier herrschten
      übrigens Temperaturen von über 20 Grad und Sonnenschein! Nach
      ausgiebigem Bummel über das Gelände und Nutzung der gastronomischen
      Einrichtungen ging die Fahrt weiter über den Warnemünder Ortsteil „Hohe
      Düne“ und via Warnowfähre zu unserer Ferienwohnung, die uns für eine
      Nacht Bleibe im (inoffiziellen) AIDA-Heimathafen sein sollte. Am
      Kreuzfahrtterminal lag bereits die „Norwegian Star“, und bei der
      Vorbeifahrt mit der Fähre steigerte sich unsere Vorfreude noch: schon am
      nächsten Tag würde dort AIDAmar liegen und uns erwarten!

      Nach einem
      Spaziergang durch Warnemünde und Einkehr in einem Restaurant am Alten
      Strom suchten wir die Wohnung mit den in ihr befindlichen Zeitmaschinen
      auf: den Betten! Kaum hingelegt, war die Nacht schon vorbei und der
      Abreisetag da. Das Frühstück mit (fast) allem drum und dran nahmen wir
      schon im Schatten unseres stolzen Schiffes zu uns, denn das Angebot von
      „Karls Zwiebelschuppen“ direkt neben dem Cruise Center am Passagierkai
      ließ für gerade mal 2,50 Euro pro Person kaum Wünsche offen – inkl.
      Kaffee „all you can drink“! Anschließend konnte man schon die Koffer
      abgeben, und ich machte mich auf den Weg, unser Auto zu parken. Meine
      Internetaufklärung im Vorfeld ergab, dass man auf dem gut 10 km vom
      Terminal entfernten Parkplatz P4 im Überseehafen (Adresse: Am Seehafen
      7, Rostock) für eine Wochengebühr von nur 7 Euro parken kann. Selbst
      wenn man die Fahrten mit dem Taxi (jeweils ca. 20 Euro inkl. Maut für
      den Warnow-Tunnel) hinzurechnet, ist das wesentlich günstiger als der
      Parkservice am Terminal (ca. 160 Euro pro Woche!).

      Beim
      Einchecken durften wir die VIP-Schalter nutzen, diese stehen neben
      „hochrangigen“ AIDA-Clubmitgliedern und Suitengästen auch
      Schwerbehinderten und Familien mit Kinderwagen offen, was die Wartezeit
      in der erschreckend langen Schlange der gut 2500 Passagiere der
      Pfingst-Reise massiv verkürzte. Nach der Sicherheitskontrolle suchten
      wir an Bord umgehend das Bella-Donna-Restaurant auf. Die
      Grundarchitektur dieser AIDA-Generation war uns von vorigen Reisen (2 x
      Bella, 1 x Luna; siehe auch meine anderen Reiseberichte hier!) noch gut
      bekannt, so dass wir uns auf Anhieb zurechtfanden. Kaum war das erste
      Bord-Gelage abgeschlossen, wurde per Durchsage mitgeteilt, dass unsere
      Kabinen bereits bezugsfertig seien. Perfekt! Also ab auf Deck 4 und
      Quartier bezogen: erstmalig hatten wir eine Vierer-Innenkabine gebucht,
      um die mitreisende Oma mit uns zusammen unterbringen zu können. Wir
      haben das nicht bereut, denn nach unseren Erfahrungen ist man ja ohnehin
      nur zum Duschen, Schlafen und Umziehen in seiner Kammer. Die nötige
      Kleinkind-Ausstattung (Treppchen fürs Waschbecken, Töpfchen,
      Kinderbettwäsche) mussten wir bei der Rezeption anfordern, es wurde nach
      und nach alles geliefert. Als Babyfon hatten wir die Oma mitgebracht.
      Falls die einmal länger aufbleiben wollte oder für den Mittagsschlaf der
      Kleinen hatten wir wieder die PMR-Funkgeräte (Private Mobile Radio,
      Motorola TLKR 6) dabei, die sich im letzten AIDA-Urlaub mit Kind bewährt
      hatten.

      Um 17 Uhr fand die Seenotrettungsübung statt. Wichtige Sache,
      zweifellos, aber auch wieder eine harte Geduldsprobe für Kleinkinder.
      Nach moderaten Quengeleien und der Erlaubnis, Kindern die unbequemen
      Westen abzunehmen (natürlich erst, nachdem alle Passagiere registriert
      wurden) war auch das überstanden, und AIDAmar war seeklar. Sail away!
      hieß es mit leichter Verspätung um 18.10 Uhr, und wir waren unterwegs –
      begleitet von drei Ausflugsschiffen, die durch ihre Hornsignale für
      Gänsehaut sorgten.





      Nach Abendessen und Willkommens-Sekt lernten wir erstmalig
      Club-Direktor Konstantin Burkämper und Entertainment-Manager Martin
      Schwarz kennen – die beiden erweckten die ganze Reise über den Eindruck,
      ein gutes Team zu sein und traten mit angenehmem Witz und
      Redegewandtheit auf. Auch zum Show-Ensemble mit seinen Sängern und
      Tänzern gibt es nur ein Wort zu sagen: professionell! Selten haben uns
      die Shows an Bord so gut gefallen, wie die auf AIDAmar. Ganz besonders
      hervorheben muss man die beiden Schauspieler – exzellent! Die können
      nämlich auch noch singen und tanzen – man sollte keinen Auftritt
      verpassen! Das haben auch viele andere an Bord schnell gemerkt, denn auf
      unseren vorigen Reisen war das Theatrium bei den Schauspielerauftritten
      auch am frühen Abend nie so gut gefüllt, wie bei den Aufführungen
      dieser beiden Profis! Sympathisch auch: die Schauspieler sah man bei
      anderen Auftritten des Show-Ensembles ganz oft im Publikum, sie
      klatschten und freuten sich mit ihren Kollegen.

      Bald nach der Welcome-Show auf dem Pooldeck zwangen uns deutlich
      sinkenden Temperaturen zu einem Imbiss in den California Grill
      (unbedingt probieren: die frisch auf Bestelllung zubereiteten Burger!)
      und anschließend in die Kojen, wo wir alle vier eine erholsame erste
      Nacht auf See verbrachten.



      Nebel über der Ostsee

      Gibt man den Begriff „Ostsee“ in gängigen Internet-Suchmaschinen ein,
      so stößt man schnell auf die Definition, die Ostsee sei ein Nebenmeer
      des Nordatlantiks. Dies ist nicht korrekt. Vielmehr müsste es heißen:
      die Ostsee ist ein NEBELmeer des Nordatlantiks. Den Blick aus dem nicht
      vorhandenen Kabinenfenster ersetzte die Bug-Kamera im iTV des Schiffes.
      Und dort sah man – quasi nichts! Warum das um diese Jahreszeit nicht
      überraschend war, klärte sich bei der 10-Uhr-Durchsage von Kapitän Jörg
      Miklitza von der Brücke: Treffen wärmere Luftmassen auf das noch kalte
      Ostseewasser, so bildet sich schnell dichter Nebel.



      Zum
      Zeitpunkt dieser Erklärung befanden wir uns bereits im Kid’s Club, wo
      der Krabbeltreff für unter 3-jährige Kinder stattfand. Neben
      Informationen über die Räumlichkeiten des Clubs gab es ein wirklich
      nettes AIDA-Frühstücksbrettchen als Willkommensgeschenk für jedes Kind
      und die Möglichkeit zum Kennenlernen und Austausch zwischen den Eltern.
      Hierbei wurde alsbald klar, dass sämtliche Kinderwagen, die auf Gängen
      etc. standen, verschwunden waren. Sinnvoll, denn im Ernstfall behindern
      diese die Evakuierung des Schiffes. Einem Gefühl folgend, suchte ich
      umgehend den „Parkplatz“ unseres eigenen Buggys auf und stellte fest:
      auch wir wurden gewissermaßen „abgeschleppt“. Dazu muss man jedoch
      wissen, dass unser Wagen an einer Stelle stand, die uns fast genau ein
      Jahr zuvor auf der AIDAluna zugewiesen wurde. Dort übernahm AIDA
      natürlich keine Verantwortung dafür, dass die Wagen nicht beschädigt
      oder entwendet werden, aber man tolerierte ausdrücklich das Abstellen
      von Kinderwagen an bestimmten Stellen, z.B. in Blindräumen unter den
      Treppen im untersten Deck oder vor den Aufzügen. An genau so einer
      Stelle hatten wir unseren Wagen abgestellt; jetzt mussten wir und andere
      Eltern neben den sichergestellten Kinderwagen auch die Belehrung
      abholen, dass der Sicherheitsoffizier der „Mar“ keinerlei abgestellte
      Gegenstände außerhalb der Kabinen toleriere. Sicher sein gutes Recht,
      und wer in postcostaconcordialen Zeiten die Sicherheitskeule schwingt,
      darf kaum Gegenrede erwarten, aber bedauerlich war es schon. Zumal die
      Massen von Gepäck, die am Abend vor der Abreise die Gänge verstopften
      (da waren wir auch noch in voller Fahrt mehrere Stunden auf hoher See
      unterwegs) offenbar kein Problem darstellen…




      Wie dem auch
      sei, zusammengeklappt passte der Wagen so eben in die Kabine. Leider
      kam man sich in den nächsten Tagen beim Verlassen des Schiffes immer mit
      den Housekeeping-Wagen in die Quere, die ein Passieren mit dem
      fahrbereiten Kindertransporter unmöglich machten, so dass mir die
      Aufgabe zukam, den unhandlichen Wagen zusammengeklappt zum Ausstiegsdeck
      zu tragen. Gottseidank gab es genug zu essen an Bord; so verließen mich
      nicht die Kräfte ;)

      Der 1.Seetag
      auf dem Weg nach Tallinn verlief, wie so ein Seetag eben ist: Show und
      Cocktail auf dem Pooldeck, Mittagessen, Schiffflitzen mit unserer
      Tochter, Spielen, Cocktail, Kaffee & Kuchen, Abendessen – und
      plötzlich, um 19.22 Uhr, fuhr AIDAmar raus aus dem Nebel, und wir
      stellten fest: es gibt einen Horizont! Die Sonne hatte gesiegt, wenn
      auch nur vorübergehend… Mit dem Nebel lichtete sich auch der Vorhang im
      Theatrium, und die Vorstellung der nautischen Offiziere und des Kapitäns
      begann. Kapitän Miklitza machte das wirklich gut, neben den üblichen
      Kapitänswitzen (keine Zitate hier, ich will Erstreisenden den Spaß nicht
      verderben) gab es auch interessante und unterhaltsame Infos. Das galt
      übrigens auch für jede seiner Ansagen von der Brücke: Neben dem
      Kursverlauf, dem Wetter und ähnlichen Dingen erinnerte er gar an die
      Bedeutung des Pfingstfestes und lud regelmäßig den Lektor ein, neben
      seinen ausführlichen Vorträgen im Theatrium kurze Informationen über den
      jeweiligen Zielhafen per Durchsage zu machen. Wir fanden das sehr gut.
      Nach der Offiziersvorstellung folgte die AIDAmar-Show „Kauri“, die
      eigens für dieses Schiff geschaffen wurde. Bombastische Musik, viel
      Bewegung auf der Bühne, dafür keine im Schiff. Das galt für die gesamte
      Reise, die so mehr einer Flusskreuzfahrt glich: die Ostsee platt wie ein
      Ententeich, die „Mar“ lag darauf ruhig wie ein Brett, und wir lagen
      alsbald ruhig im Bett.



      Tallinn

      Die
      estnische Hauptstadt empfing uns mit Nebel, der sich aber noch im
      Verlauf des Frühstücks auflöste und den Blick auf das bekannte Panorama
      freigab. Hat man wie wir keinen Ausflug gebucht, kann man
      den kurzen Weg vom Liegeplatz in die Altstadt von Tallinn
      (UNESCO-Weltkulturerbe) problemlos zu Fuß zurücklegen (vorher
      kostenlosen Stadtplan an der Information am Pier holen). Dafür wird man
      mit einer sehr schönen mittelalterlichen Kulisse belohnt. Den kurzen
      Aufstieg über die Treppen „Lühike jalg“ zur Alexander-Newski-Kathedrale
      (Eintritt frei – wunderschöne orthodoxe Kirche) sollte man unbedingt
      machen, belohnt wird man auch mit einer schönen Sicht zum modernen Teil
      Tallinns bis zum Hafen. Wieder zurück im Zentrum, lohnt das Rathaus aus
      dem Baujahr 1402 einen Besuch. Unweit davon, in der Straße
      Varna tug 1, liegt das mittelalterliche Gasthaus „Olde Hansa“.
      Unbedingt einkehren! Schöne Terrasse, stilechte Bedienung und ein
      Innenraum ohne elektrisches Licht. So merkwürdig der Rat klingen mag:
      auch die Toiletten sollte man besuchen. Etwas vergleichbar Geniales habe
      ich noch nirgendwo gesehen. Eine Empfehlung ist auch das Kräuterbier,
      das im Tonkrug serviert wird, wie überhaupt alle Speisen sehr gut
      aussahen (und auch schmeckten!). Die großen Menüs sind zwar nicht billig
      und man sollte sich dafür Zeit nehmen, aber auch für den kleinen Hunger
      hat die Karte etwas zu bieten (z.B. Suppen oder den Kräuter-Ofenkäse).
      Nach etlichen Stunden Altstadt-Bummel fragten wir dann einfach den
      Fahrer eines zufällig entdeckten Costa-Busses, der für die neben der
      AIDAmar liegende Costa Luminosa im Shuttleverkehr fuhr, ob
      er uns auch mit zur AIDA nimmt, was er sofort bejahte. So kommen wir
      inklusive Kinderwagen wieder kräfteschonend und kostenlos zurück an
      Bord. Übrigens kommt man mit Englisch ganz hervorragend zurecht, sowohl
      in Restaurants als auch in Souvenirläden oder eben mit den Busfahrern.
      Zurück an Bord genossen wir Essen, Showprogramm und Getränkeangebot und folgten der Costa Luminosa Richtung Russland…



      St. Petersburg

      Nachdem in
      der Nacht zum zweiten Mal auf der Reise die Uhren vorgestellt wurden und
      somit wieder eine Stunde Schlaf fehlte, trieb uns der im iTV zu sehende
      blaue Himmel jedoch schnell aus den Betten. Herrlichstes Wetter empfing
      uns in Russland! Zwar konnte man die Aussicht auf den Hafen mit seinen
      riesigen Wohnblocks aus Sowjetzeiten kaum genießen, wohl aber die Sonne
      auf dem Pooldeck. Da unser gebuchter Ausflug erst nachmittags startete,
      hatten wir Zeit genug, uns an Deck bei sommerlichen Temperaturen die
      Zeit zu vertreiben.



      Nach dem
      Mittagessen an Bord wurde es Zeit, den russischen Grenzbehörden
      gegenüberzutreten. Im nagelneuen Terminal geht es streng zu: anstellen,
      einzeln in einen verspiegelten Gang vor der Grenzerkabine eintreten,
      Gesicht und Passfoto vergleichen lassen und einen Stempel erhalten. Bloß
      die Landgangskarte (Gruppenvisum) nicht vergessen! Sonst keine
      Einreise. Da merkt man erst mal, wie einfach das Reisen innerhalb der EU
      ist… Dennoch reagierte die Dame hinter Glas freundlich auf mein in
      perfektem Touristenrussisch vorgetragenes „Guten Tag“ (Dobry djen) und
      „Danke!“ (ßpaßibo). Auch hier scheint man die Bemühung anzuerkennen.

      Rein in den
      Bus, und unser Ausflug „St. Petersburg & Shopping“ begann. Etwa eine
      Stunde Stadtrundfahrt folgte, in denen die Reiseführerin von „Arctur
      Tours“ Informationen über passierte Gebäude und sonstige
      Sehenswürdigkeiten gibt. Von ihr erhielten wir auch kostenlose
      Stadtpläne. Das war in Ordnung. Nach dem Ausstieg bei der Blutskirche
      führte sie uns zum Newskij Prospekt, einer großen Haupt-Einkaufsstraße.
      Hier eilte sie allerdings einfach vorneweg und nahm keine Rücksicht auf
      Familien und Gehbehinderte in der Gruppe, die einfach zurückblieben. Das
      war weniger gut. Schließlich haben aber alle das Ziel erreicht, wo nun
      eine Stunde Freizeit anstand.



      Generell ist
      die Innenstadt von St. Petersburg wie die jeder anderen Großstadt,
      dabei auch recht sauber. Alles ist sehr voll und hektisch, jedermann
      fummelt mit Smartphones rum und hat mp3-Player auf den Ohren, der
      Verkehr ist Wahnsinn. Wir zogen uns deshalb schnell in den schönen und
      gepflegten Park neben der Blutkirche zurück, bevor die Zeit schon rum
      war und wir die Rückfahrt zum Schiff antreten mussten. Zwischendurch
      wurde noch an einem großen Souvenirladen gehalten, wo es neben mehr oder
      weniger hochwertigen Andenken auch einen gratis Wodka gab. Na sdarovje!
      Kleiner Schreck bei der Ankunft am Terminal: eine laaaange Schlange bis
      ums Eck vor der Ausreisekontrolle. Hilft nix. Augen zu und durch. Und
      sich darüber freuen, einen klaren Vorteil der EU erkannt zu haben:
      einfach rein ins Land, einfach raus aus dem Land.



      War dieser
      Ausflug sein Geld wert? Knapp 40 Euro hat die Tour pro Erwachsenem
      gekostet. Eingedenk der Tatsache, dass man sonst ohne zuvor beantragtes
      Visum (Kosten: ca. 70 Euro pro Person!) gar nicht vom Schiff runterkäme
      und dann ja erst einmal nur im Hafen steht, von dem das schöne Zentrum
      noch weit entfernt ist, spricht alles deutlich für AIDA-Ausflüge in St.
      Petersburg!

      Zurück auf
      dem Schiff, stürzten wir uns umgehend ins Abendgelage, gefolgt von der
      Open-air-Party auf dem Pooldeck, die für die beeindruckende Vorbeifahrt
      an der verlassenen Festung Kronstadt auf der Insel Kotlin vor St.
      Petersburg kurz unterbrochen wurde. Anschließend erlebten wir die „White
      Russian Pool Party“ bei schönstem Wetter und Helligkeit bis in die
      Nacht! Durch die zwei Stunden Zeitverschiebung und die Lage relativ hoch
      im Norden bleibt es bis weit nach Mitternacht hell. Die Zeit der
      berühmten „weißen Nächte von St. Petersburg“ beginnt Mitte Mai, und es
      war ein beeindruckendes Erlebnis! Ebenso wie die Darbietung des
      Show-Ensembles zu bekannten Russland-assoziierten Liedern und die
      Getränkespecials des Bar-Teams.





      Helsinki

      Die
      Hauptstadt Finnlands empfängt uns mit „flüssigem Sonnenschein“, wie
      Kapitän Miklitza sagte. Leider sollte dies den ganzen Tag so bleiben,
      aber wir ließen uns von einer Erkundigung der Stadt nicht abhalten.
      Bedauerlicherweise hatten wir keinen stadtnahen Liegeplatz und waren auf
      den AIDA-Shuttlebus für 10 Euro pro Person angewiesen (keine
      Ermäßigungen für Kleinkinder oder Behinderte). Der Bus fuhr etwa
      halbstündlich und entließ uns unweit des Esplanaden-Parks im Zentrum
      Helsinkis. Bereits im Vorfeld der Kreuzfahrt hatte ich über das Internet
      einen kostenlosen Stadtführer und einen Stadtplan beim Tourismusbüro
      angefordert. Nach einem kurzen Rundgang und einem Besuch beim Dom
      trockneten wir uns in einem Shopping-Center und in einem Cafe bei
      landestypischem Gebäck, bevor wir über den Markt zurück zur
      Shuttlebushaltstelle gingen. Immerhin war für 16 Uhr das
      Offiziers-Shaken angesetzt, bei dem es wohlschmeckende
      Cocktail-Kreationen aus den Händen der Offiziere des Club- und
      Entertainmentbereichs zum vergleichsweise günstigen Preis (0,1 l für
      2,10 Euro) gibt. Allerdings trat das ein, was wir schon befürchtet
      hatten: aufgrund des schlechten Wetters fand die auf dem Pooldeck
      geplante Veranstaltung (vorerst) nicht statt. Stattdessen
      also zum Kaffeetrinken. Hier hat AIDA unseres Erachtens ein bisschen
      gepatzt: es war ein Regentag, sehr viele Passagiere kommen deshalb
      früher wieder an Bord, und einzig das Bella-Donna-Restaurant hatte zum
      Kaffeetrinken geöffnet und war darüber hinaus auch nur zur Hälfte mit
      Kuchen bestückt. Da knubbelten sich die Kaffee- und Kuchenliebhaber dann
      doch ein bisschen. Vielleicht hätte man hier flexibler reagieren und
      ein weiteres Restaurant öffnen können.

      Nach dem Abendessen konnte der interessierte Gast auf
      der Leinwand im Theatrium erste Blicke auf die neue AIDA-Generation
      werfen, die in Japan gebaut wird und 2015 auf Jungfernfahrt geht. Für
      die 86tägige Überführung des Schiffes nach Europa wurde schon kräftig
      geworben. Später am Abend dann ein Klassiker in neuem Gewand: die
      ABBA-Show mit dem Show-Ensemble. Sensationell und immer wieder gut!

      Die Ansage des Kapitäns vor dem Ablegen preiste die Schönheit der
      Schären, die wir am frühen nächsten Morgen auf dem Weg nach Stockholm
      durchfahren würden. Also wurde der Wecker für den nächsten Tag extra
      früh auf kurz vor 5 Uhr gestellt, ich stahl mich mit Videokamera und
      Fotoapparat aus der Kabine, eilte auf Deck 12 und sah – nichts als
      NEBEL!



      Stockholm

      Ab und zu
      tauchten schemenhaft einige Strukturen auf, die wohl die Schären
      darstellten. Sieht sicher schön aus, wenn man was sieht. So allerdings
      brachte es nicht viel, und ich wollte schnell zurück in die Kabine,
      stellte jedoch fest, dass ich meine Bordkarte in selbiger vergessen
      hatte.



      Um nicht die
      ganze Familie aufzuwecken, beschloss ich, einen Rundgang zu für mich
      ungewöhnlicher Zeit über das Schiff zu machen. Wer hätte das gedacht: Da
      waren noch mehr Leute auf! Einige kehrten enttäuscht um, als sie den
      Nebel bemerkten, auch sie wollten wohl die Schärendurchfahrt genießen.
      Die Joggingstrecke wurde schon genutzt, und im Fitnesscenter waren
      überraschend viele Geräte besetzt. Am beeindruckendsten aber sind die
      vielen Besatzungsmitglieder, die unbemerkt von den meisten Passagieren
      überall für Sauberkeit und betriebsbereite Einrichtungen des Schiffes
      sorgten! Noch ein Abstecher in den California-Grill: der
      Frühaufsteher-Kaffee war sehr gut besucht – jeder Tisch besetzt. Drei
      Tassen Kaffee später konnte ich es wagen, bei meiner Familie
      anzuklopfen. Langsam musste auch dort die Morgenroutine beginnen.

      Nach dem
      „richtigen“ Frühstück, übrigens wie immer im East Restaurant, wo es
      nicht ganz so hektisch zuzugehen scheint wie in den anderen und das
      darüber hinaus von auffallend vielen Besatzungsmitgliedern genutzt wird
      (immer ein guter Hinweis), machten wir uns auf, Stockholm zu erkunden.
      Der morgendliche Nebel hat mittlerweile aufgelockerter Bewölkung Platz
      gemacht und versprach einen netten Tag. Der Liegeplatz „Stadsgarden 167“
      liegt gut 2,5 km von der Altstadt entfernt. Wir entschieden uns gegen
      geschätzte 25 Minuten Fußmarsch und nutzten die
      Hop-on-hop-off-Sightseeing-Boote, die direkt neben der AIDAmar
      haltmachen und in einem Rundverkehr wichtige Haltepunkte
      Stockholms anfahren. Das kostet 120 Schwedische Kronen (=knapp 15 Euro)
      pro Person, Kinder bis 5 Jahre fahren frei, das Ticket gilt 24 Stunden
      und kann mit Kreditkarte direkt an der Touristeninformation am Kai
      bezahlt werden. Dort gibt es auch Gratis-Stadtpläne. Unser erstes Ziel
      war die Altstadt („Gamla stan“), wo wir durch wunderschöne Gässchen und
      Plätze spazierten und um 12.15 Uhr den täglichen Wachwechsel der
      königlichen Garde am Schloss erlebten.



      Sollte man
      nicht verpassen, das ist gemessen an den Zuschauerzahlen sicher eine der
      Hauptattraktionen! Anschließend Mittagessen in einem schönen
      Hinterhof-Restaurant-Cafe, in dem man windgeschützt draußen sitzen kann.
      Schwedische Kronen haben wir uns in einer Wechselstube besorgt (kostet
      ca. 5 Euro Gebühren), man kann auch auf dem Schiff an der Rezeption
      tauschen, aber da hatte sich schnell eine lange Warteschlange gebildet.
      Besser, man erledigt das schon am Vortag oder sucht einen Geldautomaten
      (wir haben allerdings keinen gefunden, als wir einen brauchten). Nächste
      Station war Östermalm, ein Stadtteil mit zahlreichen, auch teuersten
      Einkaufsmöglichkeiten, bevor wir das vorletzte Boot (um 16 Uhr) zurück
      zum Schiff nahmen. Kurz frisch gemacht, und schon luden die Offiziere
      zum nachgeholten Offiziers-Shaken auf dem Pooldeck ein. Während der
      laufenden Veranstaltung kam es dann doch noch zu Regenschauern, aber der
      Großteil des Events war gelaufen. Auf die arme kleine
      Restmenge an Cocktails, die nach dem Rückzug der Offiziere noch auf den
      Tresen stand, stürzten sich die Massen, als gäbe es nie wieder Alkohol
      zu trinken. Nun denn. Was es auf jeden Fall noch gab, war reichlich zu
      essen, und das nahmen wir an diesem Abend im Brauhaus zu uns. Rustikale
      Speisen, die am Tisch serviert werden, begleitet von dafür zwar nicht
      inkludierten, aber wohlschmeckenden Bieren, stärkten uns für das
      Abendprogramm im Theatrium, während draußen die Schärenlandschaft
      diesmal gut sichtbar vorbeizog.



      Zoff am Zapfhahn

      Wer schon
      andere Reiseberichte von mir gelesen hat, weiß um die Problematik mit
      vergewaltigten SB-Zapfhähnen in den Buffetrestaurants. Auch auf dieser
      Reise gab es wieder einige mehr oder weniger lustige Dinge zu
      beobachten. Allen voran der ältere Herr, der zum Kaffeetrinken(!) im
      Bella-Donna-Restaurant den abgeschlossenen Zapfhahn mit aller Gewalt
      tatsächlich so weit bewegen konnte, dass ein kleines Rinnsal Bier in
      sein Wasserglas tropfte. Erst ein Restaurantmitarbeiter konnte ihn
      stoppen…

      Verschiedene
      Phasen wurden am Zapfhahn durchlaufen: Am Anfang der Reise
      Selbstbewusstsein („Ich zapf gleich für euch alle mit“ – er drückte den
      Hahn allerdings immer nach hinten, so kommt nur Schaum!!!), dann Wut und
      Ärger („Was ist das für eine Sch… hier!“) und schließlich Resignation
      („Können Sie mir eins machen, ich kriege das nicht hin!“). Und man kann
      immer wieder nur sagen: es ist durchaus möglich, perfekt
      durch zu zapfen, einfach das Glas sehr schräg drunter, voll aufgedreht
      und mit steigendem Bier das Glas aufrichten. Ohne Schwenken, auf und ab
      oder ähnliche Verrenkungen. Und: Bier will nicht aus dem Hahn gequetscht
      werden! Voll öffnen!

      Immerhin
      stellt AIDA zu Stoßzeiten offenbar einen Mitarbeiter ab, der den
      Zapfhahn bedient, im Marktrestaurant habe ich das mehrfach gesehen.
      Sicher eine kluge Entscheidung gegen den Schankverlust… Am 2. Seetag
      dann eskalierte die Situation mittags im Bella Donna: ein Herr
      blockierte über Minuten die Zapfstelle, bis die Warteschlange die Geduld
      verlor, offen auf den Bieramateur schimpfte und zwei Leute die Sache
      mit sanfter Gewalt selbst in die Hand nahmen und ihm halfen.

      Ansonsten
      gibt es aber an den Restaurants mal wieder nichts auszusetzen. Es war
      abwechslungsreich und lecker, wir haben mit vier Personen immer einen
      Platz gefunden und mussten auch nicht übermäßig lange irgendwo am Buffet
      anstehen (das Kaffeetrinken in Helsinki mal ausgenommen).

      Wir vertrieben uns den – übrigens wieder nebligen - Seetag mit Tischtennis, Shuffleboard und – natürlich – Essen.
      Nachmittags lud Kapitän Miklitza zur nautischen Fragestunde ins gut
      gefüllte Theatrium. Er ging sehr nett auf alle Fragen ein, sowohl von
      Kindern als auch von Erwachsenen, und hatte meist die Antworten parat.
      Wenn das mal nicht der Fall war, scheute er sich auch nicht, das
      zuzugeben (Frage: „Was kostet die AIDAmar?“ – „Keine Ahnung. Googeln Sie
      das doch mal.“). Durchaus sympathisch. Nicht sympathisch waren die
      Handvoll Zeitgenossen, die immer wieder die Frage nach dem Betrieb des
      Schiffes mit Schweröl stellten. Merkwürdige Leute: kurz vor dem Ende der
      Kreuzfahrt, die sie sicher in vollen Zügen genossen haben, stellen sie
      das Konzept in Frage. Jemand fing am Mikrofon an zu vorzurechnen, wie
      viel Kohlendioxid die AIDAmar auf dem Weg ausgestoßen habe und wie
      vielen Millionen Autos das entspricht. Warum ist er dann nicht mit dem
      Auto nach St. Petersburg gefahren? Das sah die breite Masse im Theatrium
      auch so und begann, den Kritiker auszubuhen. Der Kapitän machte gar
      kein Hehl daraus, dass die AIDAmar auch mit (schwefelarmem!) Schweröl
      fährt. Es gibt halt noch keine ernstzunehmende Alternative für diesen
      Treibstoff, der von Umweltorganisationen wegen des hohen Rußanteils im
      Abgas kritisiert wird. Vergnügungsreisen können bei derzeitiger Technik
      niemals wirklich umweltfreundlich sein. Und wer sich fortbewegt, kann
      verunfallen. Das muss einem klar sein, wenn man auf Reisen geht, mit
      welchem Verkehrsmittel auch immer.

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      Seetag: Abends gab es die Aufführung des AIDA-Kid’s Club im Theatrium.
      Schön, was die verschiedenen Altersgruppen der Kinderbetreuung die Woche
      über geprobt haben. Mit professionellem Licht und Musik, dazu eine
      tolle Maske und nette Kostüme – gute Unterhaltung (nicht nur) für Kinder
      und Eltern. Später gab es noch die Farewell-Show auf dem Pooldeck, und
      die Besatzung aus allen Bereichen verabschiedete sich von den Gästen,
      inklusive Kapitän. Nach der letzten Nacht an Bord folgte das letzte
      Frühstück; unsere Tochter ging noch ein letztes Mal im Kid‘s Club
      spielen, während der Papa das Auto holte, und dann war er schon wieder
      vorbei, der Urlaub. Unternehmen AIDA 2013 meldet sich ab.

      Fazit: Wieder eine tolle Woche ohne gravierende Mängel an Bord eines
      AIDA-Schiffes verbracht, schöne Städte besucht, lecker gegessen und
      getrunken und viel Spaß gehabt. Wir kommen wieder!