Sardinien – ein mit Altertümern gespicktes Naturwunder

Als unregistrierter Nutzer ist Dein Zugriff eingeschränkt. Bitte melde dich an oder registriere dich einfach mit ein paar Klicks hier, um alle Funktionen in vollem Umfang nutzen zu können.
Kabinenkategorie
Meerblickkabine
Reisedatum bis
13. Oktober 2019
Reisedatum von
27. Oktober 2019

25. Oktober 2019 – Cagliari/Sardinien


Kurz vor 7 Uhr waren wir vor Ort. Die Lichterkette von Cagliari mit der auf dem Hang liegenden Altstadt und verschiedene Fähren begrüßten uns.



Ich grüßte mit dem üblichen Koffeinstoß zurück und holte meine bessere Hälfte zum Frühstück ab.

An diesem Freitag musste es etwas schneller gehen, denn wir waren mit vier anderen Gästen vor dem Hafeneingang mit Dirk, einem örtlichen Anbieter von Ausflugsfahrten, verabredet. Hinein in den Kleinbus und los. Wir fuhren zunächst über die Autobahn; später ging es über regionale Straßen weiter.

Erst einmal durch sehr grüne Teile Sardiniens, die wir später hinter uns ließen. Wir durchquerten Hügellandschaften, Dörfer und Baumgruppen. Meist Oliven-, aber auch Zitrushaine. Viele „Öhrchenhecken“ mit Kaktusfeigen kurz vor der Reife. Auch Bäume mit Granatäpfeln warteten darauf, dass sie von ihren Früchten befreit wurden. Es war eine grundsätzlich recht karge Gegend, die über Bewässerung – sei es natürliche oder künstliche Regenspeicherung oder aus Wasserläufen – am Leben behalten wird. Schafherden und auch Ziegenhorden rupften die restlichen Hinterlassenschaften der Vegetation. Von den vor Jahrhunderten Sardinien fast vollständig bedeckenden Wäldern war so gut wie nichts zu sehen. Dank der Araber und der Savoyer.

Wir erreichten unser erstes Tagesziel. Mitten im Ort Villamar. Die Bar dell´ Arte, in der wir Cappuccino & Co. schlürften. Aber dieses war nicht der Grund unseres Halts. In diesem Ort lebte der Maler Antioco Cotza, der Häuserfassaden und Mauern mit Allerlei aus dem Leben und der Geschichte Sardiniens verschönerte (Murales). Weltliche Themen. Historische Themen. Hinweise auf die Musikszene. Religiöse Wandmalerei durfte auch nicht fehlen. Wie auch nicht das leicht abgewandelte Wappen der Insel.



Weißer Grund, Andreaskreuz und vier Mohrenköpfe mit verbundenen Augen. Weiß und rot sind Hinweise auf die Aragoner, denen Anfang des 14. Jahrhunderts die Insel übereignet wurde. Die Köpfe der Schwarzen symbolisieren die zeitweiligen Herrscher, die Araber. Die Augenbänder sind auf vielen Darstellungen nach unten gerutscht – richtig ist die Darstellung mit Stirnbändern. Nach Erläuterungen einer sehr breiten Mauermalerei



stieß der Künstler zu uns; anschließend fuhren wir durch Villamar und entdeckten immer wieder neue Wandmalereien.

Die Landschaft veränderte sich nach dem Verlassen von Villamar. Es wurde trockener; Oliven- und auch Mandelbäume blieben zahlreiche Farbtupfer. Sie begleiteten uns bis wir den Ort Barumini erreichten, mitten in der Ebene Marmilla. Etwas außerhalb von Barumini war eine Anhöhe nicht zu übersehen.



Vor ca. 80 Jahren war nichts Besonderes an oder auf diesem Hügel zu erkennen – ein typischer Erdhügel mit Gesteinsbrocken. Diese Brocken und auch grundsätzlich nicht hierhin passende Keramiken ließen einen hiesigen Archäologen stutzen. Er und viele Helfer buddelten und buddelten Mitte letzten Jahrhunderts und dann trat etwas zutage, was sich vor uns aufbaute:


Eine Trümmerlandschaft? Nein, ein logisch angelegter Komplex. Die Nuraghe von Barumini. Nuraghe? Vorher nie gehört! Ganz einfach: so etwas wie ein steinernes Fort (mein Vergleich, der Wissenschaftlern mit Sicherheit nicht gefällt!).


In der Mitte ein 14,1 m, einst mehr als 20 m hoher Zentralturm mit einem Basisdurchmesser von 10 m; in der Höhe der dritten, gerade noch vorhandenen „Etage“ immerhin noch 5 m. Der Turm verjüngte sich also nach oben. Dieser sowie weitere, nach den Himmelsrichtungen abgestimmte, mit Mauern verbundene vier Türme wurden um 1.300 v. Chr. erbaut. Ebenso, eventuell Jahrzehnte später, ein weiterer Mauerring mit neun Türmen: In dieser Anlage gruppierten sich die Wohnbauten der damaligen Einheimischen,



die im Bedrohungsfall schnell in die Nuraghe flüchten konnten. Ein äußerst intelligent angelegter Wehrbau. Dass die damaligen Baumeister an alles gedacht hatten, erkannten wir bei der Besichtigung der Nuraghe. Innerhalb des ersten Mauerringes befand sich ein 20 m tiefer Trinkwasserbrunnen. Mahlsteine für Getreide waren noch immer erhalten; innerhalb des zentralen Bauwerkes wurden Vorratsräume berücksichtigt. Der ohne Bindemittel „aufgestapelte“ Hauptturm war teilweise über eine nicht aus dem Altertum stammende Treppe erreichbar. Auch von uns … von oben aus stellten wir fest, warum das Bollwerk gerade auf dieser Anhöhe errichtet wurde:



Der Rundumblick über die gesamte Ebene war einwandfrei; auf den die Ebene umschließenden Höhen waren in Blickweite weitere Nuraghen erbaut worden, von denen aus durch Zeichen – egal, welcher Art – kommuniziert werden konnte. In den Jahrhunderten nach der Fertigstellung erfuhren diese seit 1997 als Weltkulturerbe ausgewiesene Wehrsiedlung gravierende Änderungen bis zur Zerstörung durch die Punier. Und zwar irgendwann um 600 v. Chr.

Äußerst beeindruckt von dieser für die damalige Zeit technische Meisterleistung verließen wir die Anhöhe. Die Fahrt ging anfangs hügelabwärts und dann wieder nach oben. Bis auf 550 m Höhe. Dorthin, wo sich die Hochebene Giara de Gesturi erstreckte. Unser nächstes Highlight, denn kurz hinter der Einfahrt in den 43 km² großen Nationalpark mussten wir anhalten. Direkt neben einer alten verlassenen Schäferhütte und einem leeren Grabgemäuer. Beides war nicht der Grund, dass wir stoppten und ohne viel Getöse das Auto verließen. Eine kleine Wildpferdeherde stand am Wegesrand; ein Fohlen ganz nahe bei uns.



Es war bestimmt nicht an Menschen gewöhnt; es rührte sich nicht vom Fleck und ließ mich mit meinem ausgestreckten Arm ca. 30 cm an sich herankommen. Als der mit Fressen beschäftigte, aber trotzdem alles beobachtende Leithengst warnend schnaubte, trat ich selbstverständlich zurück.

Was futtern die Wildpferde nach dem langen trockenen Sommer? Grasreste, Mastix und was sonst noch an Grünem aus der Erde herauskam. Wasser ist normalerweise genügend vorhanden. Die Hochebene ist flach und besteht unter der Erdkrume aus Wasser undurchlässigen Basalt. Im Winter bilden sich Seen, in deren Nähe sich die Pferde aufhalten. Sollte kein Wasser vorhanden sein, werden punktuell vorhandene Tröge von Mitarbeitern der Nationalparkverwaltung gefüllt. So auch in unserer Nähe. Einige Pferde löschten dort ihren Durst und verschwanden anschließend im Gebüsch.

Logisch, dass wir von der Beobachtung dieser an sich scheuen Tiere begeistert waren – wir konnten sogar ein Fohlen beim Säugen beobachten.



Nachdem die Wildpferde – 600 sollten im Nationalpark ihre Freiheit genießen – sich von uns entfernt hatten, fuhren wir auf nicht befestigten Wegen weiter.

Ein Geratter … Störung der Ruhe … Doch nicht lange. Bis Dirk am Rande der Straße den Wagen auf einer „Parkmöglichkeit“ anhielt. Ein kleiner Spazierganz durch die Wildnis stand an. Dirk brachte uns die Flora näher. Da die Hochebene oftmals von Stürmen heimgesucht wird, wachsen dort weniger hohe Bäume, eher Sträucher und sonstige niedrige Pflanzen. Jedoch auch sehr viele Korkeichen, die in früheren Zeiten eine nicht unwesentliche Einnahmequelle darstellten. Aber auf Grund der Globalisierung und des damit einhergehenden Wettbewerbs war es damit vorbei. Dirk erklärte kurz das Ernten und die Weiterverarbeitung von Kork; zeigte und kommentierte uns andere Strauch- und Gewächsarten. Z.B. Mastixbüsche, Rosmarin, Pfefferminze … Er erläuterte, dass sämtliche ungiftige Produkte der Sträucher und Kräuter Grundlage für eine Art der Heimarbeit darstellten. Z.B. zur Schnapsbrennerei …

Von einem Lichtungsrand aus konnten wir in der Ferne eine weitere Wildpferdegruppe beobachten, die sich nicht von uns stören ließ. Das war´s dann leider mit der Giara de Gesturi, denn unsere Zeit lief ab … und schon fuhren wir hügelab bis wir einen mit einer Öffnung versehenen Felsbuckel erblickten.



Der Grund, dass Dirk den Bus stoppte und uns herausscheuchte. Wir standen vor einem Domus de Janas, übersetzt Haus der Feen. Wir fanden sie nicht im Inneren des Felsbuckels – die Feen. Dafür aber kleine leere Kammern. Wofür wurden sie herausgeschlagen? Vor dem Nuraghenzeitalter nutzten die Bewohner der Insel diese „Behausungen“ als Grabstätten, von denen es auf Sardinien mehr als 1.000 geben soll. Die Verstorbenen wurden oben auf dem Felsbuckel den Tieren aus- oder vorgesetzt. Die übrig gebliebenen blanken Knochen wurden mit Blut rituell gewaschen und – soweit wie möglich zusammensetzt – in Foetushaltung in einer Kammer beigesetzt; anschließend wurde das Feenhaus mit einer Steinplatte verschlossen. Bis zur nächsten Beisetzung. Für heutige Zeiten grausam, aber in den Urzeiten nicht unüblich.

Von dem Hügel hatten wir eine sehr gute Übersicht auf die zu diesem Zeitraum trocken erscheinende Umgebung.



Im Frühjahr würden wir überrascht sein – der Winterregen führt zu einer Natur- und Wachstumsexplosion.

Nicht, dass wir unser Tagesprogramm erledigt hatten. Dirk führte uns in einen BioLaden, in dem wir uns alle ein bisschen eindeckten und dann zu einer Verschnaufpause in einer Bar. Espresso – heiß und sehr kräftig … Zum anschließenden Abkühlen hätten wir uns an einer Weinzapfanlage bedienen können …



Es scheiterte leider … kein Kleingeld, keine Weinflaschen … kein Wein aus der Zapfsäule …

Wir konnten und mussten es verschmerzen, denn die Uhr tickte weiter und wir fuhren entsprechend Richtung Cagliari.



Unterwegs nahmen wir die Reste einer weiteren Nuraghe mit,



die selbstverständlich auf einem Hügel errichtet wurde. Auch mit einem tollen Ausblick auf die Umgebung.



Danach ging es endgültig Richtung Schiff.



Die Außenbezirke von Cagliari wurden erreicht und wir fuhren an einem Salzsee entlang. Einer der Truppe fragte: „Leben dort die Flamingos?“ Dirk: „Ja! Wollt Ihr sie sehen?“ Und ob – und Dirk wusste, wo sie am besten zu beobachten waren.



Herrlich – diese für uns so fremden Vogeltiere. Wie sie ihre Hälse reckten. Wie sie im Wasser stolzierten. Wie sich der Schwarm erhob, über den See flog und landete.



So fiel es uns richtig schwer, dass wir zum Schiff zurück mussten.

Wir waren überpünktlich – vier Minuten vor „Alle Personen an Bord“ checkten wir ein. Ob wir vorher ausgerufen wurden? Wir bekamen es nicht mit …

Fazit dieses Ausflugs – nur zwei Worte: EINFACH TOLL! Für Nachahmer bzw. Interessenten:

https://www.wasserurlaub.info/forum/thread/62337-ich-schreibe-über-folgende-destination-natur-und-geschichte-im-süden-sardiniens/



In unserer Kabine fanden wir einen putzigen Abschiedsgruß vor: ein Handtuchhäschen .

Selbstverständlich schafften wir es, zum sail-away ganz oben zu sein. Die Altstadt von Cagliari mit dem wie üblich alles überragenden Dom rief uns „Arrivederci“ zu



Und nach kurzer Zeit hatte die AIDAcara das Hafenbecken verlassen. Auf der anderen Seite schleuderte uns die untergehende Sonne ihre letzten Strahlen entgegen.

Wir trugen zur Entvölkerung des Oberdecks bei und machten einen Ortswechsel ins Calypso, wo wir „Ostasien“ schlemmten. Die Show „Weltenwanderer“ besuchten wir nicht; wir hatten sie bereits auf einer unserer zurückliegenden Kreuzfahrten gesehen. Der Mai Tai an der frischen Luft war eine hervorragende Alternative …

Kommentare 14

  • Weinzapfanlage ... Ihr wieder ... ;-) Mich begeistern da die Öhrchenhecke und die Wildpferdeherde mehr. ;-)

    • Ja, ja - jedem das Seine … wir hatten alles! Nur keinen Wein aus der Zapfanlage.

  • Eine Weinzapfanlage! Astrein, das wäre doch mal eine Neuerung in allen Marktresataurants!
    Aber Du konntest sie nicht mal ausprobiert, weil du keine leere Flasche dabei hattest!
    Gruss Gerd

    • Darauf hab´ ich am Abend ein Glas AIDA-Wein getrunken ...

    • ...und das betimmt kostenlos...aber warum nur ein 🍷

    • Ach so, hab´ mich verschrieben … könnte auch ein Mai Tai gewesen sein!

    • Alles klar, vielleicht aber auch jeder ein 🥂, ist doch denkbar❗

  • Also ich glaube es ja nicht: 1 l Wein in Premium Qualität für 2 Euro habt Ihr Euch entgehen lassen. Das nächste Mal wechselt Ihr bitte, damit Ihr Kleingeld und keine "Ausreden" habt. Ich hätte schon gern gewusst, wie er schmeckt.

    • Ich könnte Dir eine Tipp geben … Ach nein, der Reisebericht steckt voller Tipps ...

    • Ich stehe zurzeit in Sachen Tipp auf dem Schlauch. Und es ist kein Weinschlauch. Der einzig für mich verwertbare Tipp ist Dein Hinweis auf den Hausbrand. Den habt Ihr aber auch nicht probiert.

    • Beim nächsten Mal ...

  • Toll Bericht und regt den Wunsch auch dorthin zu fahren an :)

    • Dann mal los!

    • Sardinien ist toll, da kann man gut und gerne auch mal unabhängig von einer Kreuzfahrt einen wunderschönen Urlaub verbringen.